ÄGYPTEN: Homophobe Feind-Bestimmung

Das Regime unter General al-Sisi widmet sich mit Leidenschaft dem Kampf gegen Schwule. Diese können sich in Ägypten an keinem Ort mehr sicher fühlen.

Revolution ohne Schwule? In Ägypten waren LGBT-Rechte nie Teil der emanzipativen Forderungen. (Foto: Internet)

Die Rechtfertigung ist perfide. Es gehe um die Ursachen der Ausbreitung von HIV in Ägypten, erklärt die Reporterin Mona Iraqi. Eine Ursache hat sie in einem Dampfbad für Männer entdeckt. Das Hamam an der Bab al-Bahr 25 sei eine Höhle der Gruppenperversion, schrieb sie in einer Ankündigung für ihre Sendung.

Ihre Reportage für den regierungsnahen Sender „Kairo und die Menschen“ passt zur neuen Welle der Hetze gegen Schwule. mehr lesen / lire plus

JORDANIEN: Der Frühling bleibt aus

Nicht nur die Parlamentswahlen zeigen, dass König Abdallah sein Land trotz der tiefgreifenden sozialen Widersprüche fest im Griff hat. Nebst Klientel- und Stammespolitik geschieht dies mittels Betonung der nationalen Identität – was nicht zuletzt auf Kosten der jordanischen Palästinenser geht.

Opposition jenseits von Nationalismus und Islamismus ist in Jordanien schwer: Demonstration der Muslimbrüder im Oktober 2012 in Amman.

Es sollte ein Befreiungsschlag werden. Nach wochenlangen Protesten gegen Gas- und Benzinpreiserhöhungen hatte Jordaniens König Abdallah mal wieder Reformen versprochen, wie so oft seit Ausbruch des „arabischen Frühlings“. Diesmal war sein Angebot eine Parlamentswahl. Danach werde der arabische Sommer ausbrechen, versprach er. Das Wahlgesetz wurde ein bisschen demokratischer gemacht und mit großem Tamtam ein Wahlkampf abgehalten, der es rein optisch mit dem in demokratischen Ländern aufnehmen konnte: Die Straßen waren zugekleistert mit Plakaten unzähliger Kandidaten. mehr lesen / lire plus

FEMINISTISCHE ARABELLION: Die neue Ordnung bleibt männlich

Ob in Tunesien, Libyen oder Ägypten – die Hoffnungen auf Gleichberechtigung vieler Frauen, die sich an den Protesten beteiligt hatten, sind enttäuscht worden. Dennoch gibt es Feministinnen, die weiterhin die bestehenden patriarchalen Geschlechterverhältnisse herausfordern.

Kampf gegen die partriarchale Bevormundung durch Kartheiser, Mursi und Co: Angehörige der feministischen Bewegung – hier auf einer Demonstration in Kairo.

Zu Anfang der Revolution standen die Frauen gleichberechtigt auf den Barrikaden. In den vergangenen zwei Jahren sind sie in den Ländern des „arabischen Frühlings“ zurückgedrängt worden. Allerdings haben sie sich auch Räume zurückerobert und erstmals angefangen, die patriarchalen Verhältnisse grundsätzlich in Frage zu stellen. Kurz nach dem Sturz des Despoten Hosni Mubarak hatte die ägyptische Frauenrechtlerin Aida Saif al-Dawla in einem Interview gesagt: „Kultur und Moral kommen nach der Frage, ob die Menschen das Gefühl haben, dass sie über ihr Leben bestimmen können. mehr lesen / lire plus

ÄGYPTEN: Die Revolution geht weiter

Die antiislamistischen Massenproteste in Ägypten richten sich nicht allein gegen Präsident Mohammed Mursi. Der Kulturkampf gegen das Establishment der alten Männer hat gerade erst begonnen.

Kein Platz mehr für Obrigkeitshörigkeit: Demonstration in Kairo gegen Präsident Mursis autoritäre Machenschaften.

In Ägypten haben die regierenden Islamisten eine Abreibung erhalten, von der sie sich wohl lange nicht erholen werden. Wer glaubte, aus dem „arabischen Frühling“ werde ein „islamistischer Winter“ werden, hat die Dynamik der arabischen Gesellschaften nicht begriffen. Auch die US-Regierung hat auf das falsche Pferd gesetzt.

Hunderttausende haben vergangene Woche vor dem Präsidentenpalast in Kairo demonstriert und campiert. Im ganzen Land gab es Proteste gegen die Regierung der Muslimbruderschaft, sogar in ihrer Hochburg Assiut und im Heimatort von Präsident Mohammed Mursi. mehr lesen / lire plus

LIBYEN: Autos für alle

Der Fall des Gaddafi-Regimes hat ein Machtvakuum hinterlassen. Während Gesellschaft und politische Klasse sich neu formieren, drückt sich ein Mangel an staatlichen Strukturen nicht nur im fehlenden Gewaltmonopol aus. Doch zumindest vorläufig scheint das anvisierte Ziel noch klar: die Errichtung einer repräsentativen Demokratie.

Der Kampf gegen das Gaddafi-Regime ist vorüber, aber die Bevölkerung nimmt nicht nur das Recht selbst in die Hand: Immer wieder liefern sich befeindete Milizen Schießereien. Unser Bild zeigt bewaffnete Aufständische in Bengasi – der Sturz des Regimes stand damals noch aus.

Kurz vor den Feiern zum einjährigen Jubiläum der libyschen Revolution ist die Stimmung in Tripolis auf dem Tiefpunkt. mehr lesen / lire plus

LIBYEN: Aufbruch ins Ungewisse

In Libyen fehlen jegliche Bedingungen für den Aufbau eines demokratischen Staates. Auch in der Bevölkerung sind Vorstellungen davon, was Demokratie sein könnte, nicht sehr verbreitet.

Zupacken kann sie, die Jugend Libyens: Nicht nur im Kampf gegen Gaddafis Truppen, auch bei der Organisation des Alltags engagiert sich der jüngere Teil der Bevölkerung, der sich häufig in Komitees zusammenschließt. Von der Straßenreinigung, wie hier in Bengasi, bis zur Versorgung der Bedürftigen reichen die Aktivitäten. Einen genauen Begriff davon, was sich hinter den geforderten Werten von Freiheit und Demokratie verbergen könnte, haben die meisten aber noch nicht.

In acht Monaten soll es in Libyen Wahlen geben. mehr lesen / lire plus

SYRIEN: „Das Regime versucht, die Gesellschaft zu spalten“

Der syrische Blogger Nour* schreibt auf thefreemen.wordpress.com über die Demokratiebewegung des Landes. Auch die syrische Bloggerin Raida* widmet ihren feministischen Blog razaniyat.blogspot.com seit Beginn der Revolte in Syrien vor allem dem Protest gegen das Regime.

Lassen sich trotz brutalster Repression nicht einschüchtern: Protestierende gegen das Regime in Syrien.

woxx: Was wollen die syrischen Demonstranten?

Nour: Vor allem wollen sie politische Freiheiten. Aber der Protest hat auch viel mit der wirtschaftlichen Situation zu tun. Wirtschaftlich hat sich Syrien in den vergangenen zehn Jahren drastisch verändert. Als Bashar al-Assad an die Macht kam, hat er angefangen zu privatisieren – nun, was man eben Privatisierung nennt. mehr lesen / lire plus

LIBANON: Von der Straße in die Lobby

Von der libanesischen Demokratiebewegung, die sich vor fünf Jahren nach dem Mord an Rafik Hariri bildete, ist wenig übrig geblieben. Die Oligarchen behalten die Macht, die Hizbollah behält ihre Waffen.

Vor fünf Jahren: Demonstration am Tag nach der Ermordung Rafik Hariris.

Ältere Herren in teuren Anzügen begrüßen sich in der Lobby des Bristol-Hotels in Beirut, klopfen einander auf die Schulter und fragen nach der Familie. Dann verschwinden sie im Konferenzsaal, wo sie sich langatmige Festreden anhören. Die Feier zum fünften Jahrestag der libanesischen Demokratiebewegung am Sonntag verlief wenig spektakulär. Von der „Bewegung des 14. März“ ist nicht viel übrig geblieben. Nicht einmal der letzte verbliebene Protagonist, Ministerpräsident Saad Hariri, kam zu der Feier. mehr lesen / lire plus