FILMEMACHER: Avantgarde im Spagat

Der Filmmacher Hans Richter und sein logisches Kalkül – ein beständiger Spagat zwischen Abstraktion und Inhalt.

Hans Richter (dritter von rechts unten), im Kreis Gleichgesinnter, beim Kongress der Konstruktivisten und Dadaisten, Weimar, 1922.

Hüte fliegen, ein Feuerwehrschlauch rollt sich ab und von alleine wieder auf. Auf einem Wasserstrahl tanzt ein Hut, Wasser fließt rückwärts. Ein Mann steigt unermüdlich eine Leiter rauf und setzt mit einem Ruck von vorn an. Hüte fliegen, Köpfe und Zöpfe machen sich selbständig und schließlich landen die losgelassenen Hüte punktgenau vier Männern auf dem Kopf. „Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut./In allen Lüften hallt es wie Geschrei./Dachdecker stürzen ab und gehen entzwei./Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.“ Die Assoziationen zwischen Hans Richters Film „Vormittagsspuk“ von 1928 und Jacob van Hoddis‘ Gedicht „Weltende“ von 1911 sind trotz zwanzig Jahren zeitlicher Distanz recht auffällig. mehr lesen / lire plus

FRAUENFILMFESTIVAL: Mit Kopftuch und Kamera unterwegs am Hindukusch

Die Zukunft des afghanischen Films war Thema bei der neunten „femme totale“ in Dortmund.

Wo kommst du her? Wo willst du hin? Wo darfst du bleiben? Das sind Fragen, die nicht nur in Kriegszeiten, aber besonders dann eine besondere Aktualität erlangen. Auf dem neunten internationalen Filmfestival in Dortmund, das der Verein „femme totale“ unter dem Titel „No Place like Home“ veranstaltet, haben solche Fragen auch den Länderschwerpunkt Afghanistan bestimmt. Rund hundert Filme von Frauen aus der ganzen Welt wurden gezeigt. Fragen, wie sich Frauen filmisch mit Themen wie Mobilität, Migration und Heimat auseinandersetzen, standen bei der Auswahl im Mittelpunkt.

„Eine Reise durchs Nichts, aber dieses Nichts wird mich mein Leben lang erfüllen“, soll Ella Maillart (1903-1997) nach ihrer Afghanistanreise gesagt haben. mehr lesen / lire plus

DOCUMENTA 11: Coloured Cinema

Film und Video auf der Documenta 11: zwischen Doku- und Engagement.

Noch bis zum 15. September 2002 in Kassel, www.documenta.de

Das Film- und Video-Universum des Documenta-Chefs Okwui Enwezor und seines Filmkurators Mark Nash basiert auf einem Ansatz, den der iranisch amerikanische Filmwissenschaftler Hamid Naficy in Abgrenzung zum Hollywood Kino „accented cinema“, betontes Kino, nennt. Der Akzent liegt dabei auf dem Stil und den Produktionsbedingungen von oppositionellen Filmemachern, weshalb ein Schlüssel zum Verständnis dieses vom „Cinéma Vérité“ geprägten Kinos sich vielfach aus den persönlichen Erfahrungen von Exil und Diaspora ergibt.

Ernste Dinge stehen durchweg im Vordergrund. Exil und Vertreibung, Diskriminierung und Rassismus, Ausbeutung und Völkermord und jeder erdenkliche andere aus kulturellen oder ideologischen Machtkämpfen resultierende Wahnsinn; kein Thema ist zu heikel, kein Mittel zu extrem. mehr lesen / lire plus

Link Caroline: Nirgendwo in Afrika

In „Nirgendwo in Afrika“ erzählt Regisseurin Caroline Link einfühlsam und ohne exotische Klischees die Geschichte einer jüdischen Familie, die aus Nazi-Deutschland nach Kenia emigriert.

— Affiche —

Das Leben ist schön

Mit Afrikanistik und animistischen Kulten hat sich Produzent Peter Herrmann in einem früheren Leben beschäftigt. Kein Wunder, dass der Mythos Afrika ihm ein besonderes Anliegen ist. Bei der Produktion von „Nirgendwo in Afrika“ wurden jedenfalls weder Mühe noch Aufwand gescheut, um an Originalschauplätzen im entlegenen kenianischen Busch zu drehen. So liest sich die Produktionsgeschichte wie ein Abenteuer. Mangelnden Hotels, schlechten Straßen, veralteten Telefonleitungen und sogar einer Dürrekatastrophe wurde getrotzt. Eine 40 Kilometer lange Straße musste gebaut werden, um die Lastwagen mit Licht, Generatoren, Wasser und Treibstoff zum Drehort zu transportieren. mehr lesen / lire plus