VERA WEISGERBER: „Kunst fordert“

Gesellschaftliche Missstände aufdecken, nach Lösungen suchen … Für die Luxemburger Künstlerin
Vera Weisgerber erfordert Kunst vor allem soziale Verantwortung.

Vera Weisgerber stellt im Casino Luxemburg aus. Noch bis zum 21. September. (Foto: Christian Mosar)

Eine gesellschaftskritische Komponente vermisse er oftmals in den Werken einheimischer KünstlerInnen. Gering sei die Anzahl von Kunstschaffenden im Land, die sich einer sozialen Herausforderung stelle, bedauert der luxemburgische Kunsthistoriker René Kockelkorn. Vera Weisgerber beispielsweise zähle für ihn zu jenen wenigen, die dieses Wagnis eingehen.

Ausgefallen sind die Themen der 32-Jährigen zweifelsohne: Beinprothesen, Demenzkranke, Wohnräume, Bauprozesse … Manche BetrachterInnen mögen über ihre Projekte irritiert sein und sich vielleicht fragen, was das Dargestellte mit Kunst zu habe. mehr lesen / lire plus

Galerie Dominique Lang: Eugeniusz Minciel und Adam Chmielowiec

Eines der dreidimensionalen Werke des Künstlers Adam Chmielowiec.

(greta) – Zu sehen sind derzeit in der Galerie Dominique Lang in Düdelingen die Werke von zwei renommierten Künstlern aus Polen. Die Ausstellung entstand aus einer Initiative bilateralen kulturellen Austauschs. Sie dürfte vor allem für LiebhaberInnen der traditionellen Malerei von Interesse sein. Eugeniusz Minciel und Adam Chmielowiec studierten an der Kunstakademie in Breslau, bei Wanda Golkowska. Wenngleich sich Farb- und Materialwahl der beiden Künstler unterscheiden, sind Perfektion und Detailreichhaltigkeit ihres Malstils womöglich auf diese biografische Gemeinsamkeit zurückzuführen. Die Exponate sind zumeist großflächige Bilder. Minciels Werke lassen sich in die Kunstrichtung des abstrakten Expressionismus einreihen: Spontane Gestik, freie Formmuster. mehr lesen / lire plus

Cent culottes: Weibliches Peeling

(greta) – Stereotypie bestimmt das Frauenbild. Eifrig sind Medien und Kommerz in ihrer Aufstellung von Kriterien für Weiblichkeit: Idealer Outfitchic, optimales Körpergewicht, bester Hausrat … Zudem gibt es eine Hotliste guter Ratschläge. Damit die Frau auch ihr Glück findet: Zen-Sprüche machen das Fasten leichter. Positives Denken bringt gute Laune bei der Hausarbeit. Ein wenig Disziplin und Wille führen zur Traumfigur. Letztlich zum Traummann versteht sich. Das mag lächerlich klingen, doch diesem Unsinn sind Frauen täglich konfrontiert. Allzu oft beeinflusst er ihr Verhalten.

Die Bedeutung weiblicher Klischees im Alltag der Frau thematisiert Dominique Cerf auf humorvolle Weise. Stereotype Medienbotschaften nimmt sie kokett auf die Schippe. mehr lesen / lire plus

Moon-Pil Shim: Linien-Läufe

(greta) – Moon-Pil Shim, 1958 in Süd-Korea geboren, lebt und arbeitet in Yveslines (F). Werke von ihm waren bereits bei zahlreichen Ausstellungen, unter anderem in der Pariser Galerie „Kiron“ und der Nizza Galerie „Art 7“, zu sehen. Den einheimischen KunstfreundInnen dürfte der Künstler jedoch unbekannt sein. Eine Einzelausstellung seiner Werke zeigt zum ersten Mal hierzulande (bis zum 1. Februar) die Galerie Dominique Lang in Düdelingen.

Moon-Pil Shim’s Bildkompositionen konzentrieren sich auf Möglichkeiten optischer Wirkungen schneller Linien: Reflexion, Lichtbrechung, Transparenz, An- und Untersicht langer Pinselstriche und Papierstreifen. Die BesucherInnen erwarten verglaste Holzkästen in unterschiedlichen Größen. Unter Plexiglas malt der Künstler gleichmäßige Liniengeflechte. mehr lesen / lire plus

Gelhausen Henry: Querdenken am Rande

Seine Meinung hat er nie versteckt – seit über 25 Jahre schreibt Henry Gelhausen Glossen und Satiren.

„Eigenständiges Denken macht einsam.“
Der Satiriker und Glossenschreiber Henry Gelhausen.
(Foto: Christian Mosar)

Der Glosse überlässt das Feuilleton einen spartanischen Platz. Abseits der aktuell bedeutenden Kulturthemen fristet sie ihr Dasein in den Spalten am Seitenrand. Über vermeintlich patriotische Ideale, Jubiläumsfeiern, Kleingartenfeste und mehr räsoniert sie mal humoristisch, mal satirisch. Sie spottet über das, was uns Klein- und GroßbürgerInnen heilig ist, treibt mit ihrer spitzen Feder die Leserschaft hie und da zur Weißglut. Sie kritisiert, polemisiert, entfaltet Wortspiel, Parodie und Ironie, wobei sie alles kurz und bündig in eine einfache Sprache fasst. mehr lesen / lire plus

ALTER EGO: Spinnen, Baseballschläger und Tschador

Die Ausstellung „Alter Ego“ dient einer besseren öffentlichen Bekanntmachung von Frauenkunst. Eine gewisse Konzeptlosigkeit mag jedoch bemängelt werden.

„Der Körper ist unser gemeinsamer Nenner und die Bühne für unsere Lust und unser Leid“, meint Kiki Smith. Ihre Plastik „Bondage Girl“ ist charakteristisch für diesen Leitsatz.
(Foto: Germain Kerschen)

Der Öffentlichkeit sind Künstlerinnen weniger bekannt als die im Kunstbetrieb etablierten Männer. Offiziell hatten Frauen bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gleiche Rechte wie ihre männlichen Kollegen. Sie durften an Kunstschulen studieren, an Ausstellungen teilnehmen, in Galerien verkaufen … Doch in der Realität erwies sich die proklamierte Chancengleichheit als Trugschluss. Ihre Arbeiten fanden selten Eingang in öffentliche oder private Sammlungen, Museen, Akademien. mehr lesen / lire plus

Manfred Kirschner: Bob und die Saumkernperforation im Maschennetz

(greta) – Eine Umgestaltung der besonderen Art: Manfred Kirschner möbliert das Innere der Galerie 19 rouge nach eigenem Gusto: Bettmatratze, Obstsalatschüssel, Trashbild, Sperrmülltisch, Schallplattenspieler, Vinyl-Scheiben, Nippes, halbleere Teetasse … gestalten den Ausstellungsraum. Kunst und Wohnen in perfekter Symbiose?

Der Bremer Künstler arrangiert ein sehr persönliches Stillleben. Diverse Exponate wie z.B. die LP-Sammlung sind Jugendreliquien der 70er Jahre. Extatischer Technosound als Begleitmusik im Hintergrund lässt auf die heutige Zeit schließen. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich. Es entsteht eine neue Patchwork-Kultur. In seinen Bildern, Installationen und Performances thematisiert Kirschner das Auflösen und Verwischen von Grenzen: Beispielsweise zwischen Kunst, Kitsch und Werbung, Realität und Fiktion, Design und Immaterialität. mehr lesen / lire plus

L’or-ne-ment: Who the fuck is M. D.?

(greta) – Das Kunstprojekt heißt „L’or-ne-ment“: Einen Monat lang stellen sich fünfzig KünstlerInnen der Aufgabe, die Vitrinen des einheimischen Zentrums zu schmücken. Das brachte eine Teilnehmerin auf die Idee, sich selbst zur Schau zu stellen und zum Objekt künstlerischer Auseinandersetzungen zu machen. Denn was ist schon mehr Kunst als der eigene Torso? Somit erträgt Nathalie Zlatnik dieser Tage das Los einer Schaufensterpuppe. Als Kulisse dient ihr dabei eine rosa-rote peppige Pop-Sessellounge. Zwischen Lampenständer, Unterhöschen, Nippes, Designertaschen und -schuhen posiert die blonde Dame in unterschiedlichen Stellungen und verkörpert weibliche Rollenmuster. Mal zeigt sie sich dem Publikum als Femme fatale, Starlett, Glamour-Girl, mal als Raumpflegerin und Aschenputtel. mehr lesen / lire plus

Christoph Mancke: Torsi aus Eisen und Sandstein

Eisen trägt Brücken, Panzer, stützt Betonbauten, Tunnel, Türme …

Es bildet das Grundgerüst technischer Perfektion. Sandstein taugt für Monumentales. Er ist Ausdruck naturgeschichtlicher Zeit, architektonischer Errungenschaft. Mit der physikalischen

Beschaffenheit des Gebrauchsmetalls und des Gesteins setzt sich Christoph Mancke auseinander. Seit 1993 lehrt der Künstler Bildhauerei an der Europäischen Akademie für bildende Kunst in Trier. Einblick in seine jüngsten Arbeiten gibt zur Zeit die Galerie 19 rouge. Balken, Kuben, Pfeiler, Reliefs erscheinen als abstrakte Vertreter skulpturaler Formen.

Mit dem chemischen Element Eisen assoziert man Begriffe wie: Gewicht, Macht, Kraft, Robustheit. Ähnliche Attribute schreibt man ebenfalls dem Naturstoff Sandstein zu. Auch er stellt Stabilität dar. mehr lesen / lire plus

Schmitz Claude: Oversized

(greta) – Claude Schmitz‘ Schmuckstücke sind Blickfänger: Voluminöse Colliers, breite Armreife, massige Ringe, ansehnliche Broschen und Medaillen. „Hauptsache: auffällig! Schmuck soll man wahrnehmen. Er muss Präsenz und Dominanz am Körper haben und zum Tragen animieren“, erklärt der Designer, der sein Studium an der renommierten Londoner Kunstschule „Royal College of Art“ absolvierte und im Ausland bereits einige Preise sammelte. Die Galerie Orfèo stellt nun die jüngsten Kreationen des Künstlers vor. Schmitz bevorzugt als Material die Edelmetalle Gold und Silber. Bei der Gestaltung des Schmuckes spielt für ihn die Urform des Kreises eine wesentliche Rolle. So sind die Objekte ausschließlich rund. Spielerisch weitet der Künstler die Idee verschlungener Ringe aus. mehr lesen / lire plus

20 ans d’éditions Phi: Un défi

(greta) – Der Büchermacher Francis Van Maele verlässt Luxemburg, zieht sich nach Irland zurück. Dort versucht er erneut sein Glück: „Red Fox“ soll das neue Verlagshaus heißen. Noch bis zum 15. März feiert das „Centre national de littérature“ seinen Abschied und ehrt seine langjährige Tätigkeit. (Verantwortliche: Jean Delvaux, Jean-Philippe Janus, Pierre Marson). Eine Retrospektive zeigt in Mersch Entstehung und Geschichte des Verlages. Vor zwei Dekaden startete der Vertrieb. Die Pionierleistung von Van Maele bot erstmals FotografInnen, SchriftstellerInnen und anderen KünstlerInnen, die Möglichkeit der Publikation und gab dem einheimischen Kreis von Kreativen ein bisher nicht gekanntes Selbstbewustsein.

Umfangreich ist das Druckwerk: Plakate, Fotobände, Kunst- und Literaturwerke …

Zwischen den Exponaten deuten kleine Requisiten auf die Person des Herausgebers hin: Sammelleidenschaft für Wecker und Spielzeugautos oder abgenutzte Notizbücher, in denen er über finanzielle Ein- und Ausgaben Buch führte. mehr lesen / lire plus

Feit Luc: KINO, THEATER & TV

Schauspieler ohne AllürenSchauspieler, Filmregisseur und Partymensch: Luc Feit ist immer auf der Suche nach neuen Impulsen.

Offen für die Welt bevor der Vorhang fällt: Luc Feit will das Leben genießen.

Foto: Christian Mosar

Die Schuhe darf Luc Feit mittlerweile auf dem roten Teppich der Berlinale abtreten. Und er darf bei den Promi-Feiern dabeisein. Der gebürtige Luxemburger genießt schon etwas Ruhm über die Grenzen hinaus, wenn auch noch nicht so, dass er vor kreischenden Fans Reißaus nehmen müsste wie Germany-Beau Til Schweiger.

Seit Beginn der 90er Jahre hat Luc Feit im deutschen Film- und Fernsehgeschäft Fuß gefasst. Zu sehen ist der 40Jährige regelmäßig auf SAT 1 am Montagabend. mehr lesen / lire plus

Lorenzini Marco: Über odysseische Wege zur Schauspielerei

Ein Laienschauspieler wird professionell. Anspruchsvoll waren die Texte, die Marco Lorenzini bisher auf Bühne zitierte: „Dies Irae“, „Warten auf Godot“, … Eine weitere Herausforderung bietet nun die barocke Sprache von Daniel C. von Lohenstein.

Marco Lorenzini: „Das Theater hat für mich nicht die Aufgabe, Fragen zu beantworten, sondern sie zu stellen.“
Foto: Christian Mosar

THEATER

„Unsere Träume können wir erst dann verwirkli chen, wenn wir uns ent schließen, einmal daraus zu erwachen.“

Josephine Baker.

Den Weg zum professionellen Schauspieler musste sich Marco Lorenzini erst hart erkämpfen. Mit zwölf wollte er Koch werden. Oder Maler. Beide Einfälle erfreuten die Eltern wenig. Ein paar Jahre später dachte der gebürtige Luxemburger an die Schauspielerei. mehr lesen / lire plus

TRAVESTIE: He is a lady

Er liebt Männer, Marianne Rosenberg, die Kleider und den Schmuck von Joop. Vor allem aber schlüpft er gerne in eine zweite Haut und legt elegante Roben berühmter Diven an. Dann ist Gusty Dauphin selbst Bühnen-Star.

Sein Metier ist die Travestie. Diese verkörpert für ihn sowohl die Lust als auch den Spaß, Geschlecht und Identität für kurze Zeit zu wechseln, sich in eine fremde Person hineinzuversetzen und so eine andere Rolle zu spielen. Vergleiche mit Drag-Queens lehnt Gusty Dauphin strikt ab. Bei ihnen ziele die Verkleidung rein auf Anmache, nicht auf die Imitation und künstlerische Darstellung weiblicher Starletts.

Vor 23 Jahren debütierte er gemeinsam mit Jean-Marie Gonner. mehr lesen / lire plus

Biwer Jean-Marie: Wunden der Vergangenheit

(greta) – „Paintings or Pain-things“ betitelt Jean-Marie Biwer seine jüngste Ausstellung in der Galerie Clairefontaine. Unweigerlich verrät die Bezeichnung auch das Anliegen des Künstlers: Über die ästhetische Stimmigkeit hinaus möchte er fundamentale Gefühle zum Ausdruck bringen und verarbeitet mittels Malerei Eindrücke, die ihn auf besondere Weise bewegt haben. Zum Beispiel Erinnerungen an den Vater. Dieser durchlitt das KZ. Die Gartenarbeit half ihm dann, die schreckliche Zeit aus seinen Gedanken zu verdrängen. Folglich kontrastriert Biwer in seinen Bildern heile Natur und menschliche Zerstörung, Barbarei. Dabei bleibt er seinem Malstil treu und greift wie gewohnt auf Ölfarben zurück. Warme, zarte, Pastelltöne wie Pink und Korngelb steigen wie Nebel aus der Bildoberfläche auf, umgeben eine Baumwurzel und formen sich wie von selbst zu wolkenartigen Gebilden. mehr lesen / lire plus