Beratungsstelle gegen Radikalisierung
: Sozialer Entbindung entgegenwirken

Anfang Juli hat das Zentrum gegen Radikalisierung „respect.lu“ seine Arbeit aufgenommen. Seine Ziele bleiben vorerst wenig konkret. Zunächst soll das soziale Umfeld möglicher Betroffener sensibilisiert werden.

„Radikale Tendenzen kann man 
nicht an Äußerlichkeiten erkennen“: Um mitzubekommen, ob sich jemand einer menschenverachtenden Ideologie zuwendet, muss man Prozesse der sozialen Abkapselung zu deuten lernen. (Foto: Pixabay)

Junge Erwachsene, die sich in Syrien dem Islamischen Staat anschließen, Mordfantasien Rechter, wie jüngst gegen Angehörige der Jonk Lénk und davor gegen Außenminister Jean Asselborn – allein diese Beispiele zeigen, dass es auch in Luxemburg den gemeinhin als „gewaltbereiten“ bezeichneten Extremismus gibt. Um diesen zu bekämpfen und seiner Entstehung vorzubeugen, wurde Anfang Juli das „Zentrum gegen Radikalisierung – respect.lu“ eröffnet. mehr lesen / lire plus

Viel Wellen um NGOs

Die Situation der im Mittelmeer in der Seenotrettung von MigrantInnen tätigen NGOs spitzt sich weiter zu. Nachdem in der vergangenen Woche ein Schiff der Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ beschlagnahmt worden war, wurde jetzt bekannt, dass die italienische Staatsanwaltschaft nicht nur gegen 15 Crewmitglieder der „Iuventa“ wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt, sondern auch ein Auge auf „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) geworfen hat. Die „Iuventa“ soll in mindestens zwei Fällen Flüchtlinge direkt von Schlepperbooten übernommen haben, ohne dass diese in Seenot gewesen wären. Man habe den Schleppern sogar ihre Boote zurück an die libysche Küste gebracht, so die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen gegen „Jugend Rettet“ und MSF hätten jedoch nichts mit deren Weigerung zu tun, den von der italienischen Regierung kürzlich vorgelegten „Verhaltenskodex“ für private Seenotretter zu unterschreiben. mehr lesen / lire plus

Russische Avantgarde
: Die Konstruktion des Kommunismus


Der Kunstbegriff der russischen Moderne zielte darauf ab, eine neue Welt zu schaffen. Eine Ausstellung im Brüsseler Designmuseum zeigt, wie dies in der Praxis die graphische Gestaltung revolutionierte – und dem radikalen Konzept zugleich den Stachel gezogen hat.

Die alte Welt zerstören, um bei Null wieder zu beginnen? In Kasimir Malewitschs Vorstellung brauchte es dafür nur zehn Künstler: Die Ausstellung „0, 10“ mit dem erstmals ausgestellten „Schwarzen Quadrat auf weißem Grund“, Petrograd, 1915. (Foto: Wikipedia
)

Als der russische Dichter Wladimir Majakowski 1923 von einem Atelierbesuch bei Pablo Picasso zurückkehrte, meinte er abschätzig, der Maler habe sich „offenbar bereits damit abgefunden, dass er nie mehr etwas anderes als Bilder machen wird“. mehr lesen / lire plus

NGO-Schiff beschlagnahmt

Italien macht weiter Front gegen NGOs, die sich im Mittelmeer in der Seenotrettung engagieren. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben die italienischen Behörden das Schiff der Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ beschlagnahmt. Man wolle prüfen, ob die NGO die Aktivitäten von Schleusern begünstigt hat. „Jugend rettet“ ist eine der Hilfsorganisationen, die sich weigert, einen von Italien vorgelegten Verhaltenskodex zur Rettung von MigrantInnen im Mittelmeer zu unterschreiben. Am vergangenen Montag war die Frist zur Unterzeichnung abgelaufen. „Ärzte ohne Grenzen“ und andere pochen auf ihre „Unabhängigkeit und Neutralität“ und wenden sich unter anderem gegen die Präsenz bewaffneter Polizisten an Bord. In Rom erhöht die rechte Opposition den Druck auf die Regierung: Der Verhaltenskodex sei gescheitert, ein Gesetz müsse nun her. mehr lesen / lire plus

Kriminalisierung von NGOs: „Ein feindseliges Klima“

Die Arbeit der NGOs zur Seenot-
rettung von MigrantInnen im Mittelmeer ist vielen Politikern in der EU ein Dorn im Auge. Denn sie macht deutlich, dass die Priorität maßgeblich Verantwortlicher nicht in der Rettung von Leben liegt.

Seenotrettung von Geflüchteten: Die „Aquarius“ ist eines der größten 
NGO-Schiffe im Mittelmeer und kann zwischen 200 und 500 Personen aufnehmen.(Foto: Giorgos Moutafis/SOS MEDITERRANEE)

„Lebensretter oder Handlanger?“ (Bild), „NGOs von Schleppern finanziert?“ (Handelsblatt), „Seeschlacht um Flüchtlinge“ (Epoch Times) – vor allem in deutschsprachigen Medien wurde in den vergangenen Tagen ein sensationsheischender Ton angeschlagen. EU-Funktionsträger und Politiker verschiedener Mitgliedsstaaten hatten seit Monaten darauf hingearbeitet: NGOs, die sich im Mittelmeer und insbesondere vor der libyschen Küste in der Seenotrettung von Flüchtlingen engagieren, in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Kriminellen zu rücken. mehr lesen / lire plus

Fünf Fragen an: Christa Brömmel

Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche einen Kandidaten oder eine Kandidatin: Dieses Mal haben wir mit Christa Brömmel gesprochen, die für déi Gréng in Luxemburg-Stadt antritt.

(Foto: déi gréng)

woxx: Sie kandidieren zum ersten Mal für den Gemeinderat – hat Sie die Kampagne des Chancengleichheitsministeriums überzeugt?

Christa Brömmel: Nein (lacht) – aber abgeschreckt hat sie mich auch nicht, auch wenn mich der visuelle Auftritt nicht überzeugt. Mir gefällt die Politik, die die Grünen über die vergangenen beiden Legislaturperioden gemacht haben. Ich hätte gerne, dass das noch weitergeht und möchte mich persönlich dafür einsetzen.

Bislang waren Sie ausschließlich im NGO-Bereich, also quasi in der außerparlamentarischen Opposition aktiv. mehr lesen / lire plus

Alphabetisierung: Kein Bedarf an Mitleid

Große Mühe beim Schreiben und Lesen? In Luxemburg trifft das längst nicht nur auf migrantische Neuankömmlinge zu. Doch egal, wer betroffen ist: Es gibt keinen Grund, dass es so bleiben muss.

Buchstaben als Angstmacher: Wer Probleme beim Lesen und Schreiben hat, muss meist größte Anstrengungen machen, um dem gesellschaftlichen Stigma zu entgehen. (Foto: Pixabay)

„Es ist nie zu spät, etwas zu lernen.“ Marcel weiß genau, wovon er spricht. Als Mann mittleren Alters ist der Luxemburger noch einmal zur Schule gegangen, um besser lesen und schreiben zu können. Mit Erfolg: Marcel hat sogar eine Autobiographie geschrieben, in der er seine Kindheit und sein Aufwachsen im Heim verarbeitet hat. mehr lesen / lire plus

Minderjährige Flüchtlinge: Sehnsucht nach Normalität

Luxemburg tut sich schwer mit dem Umgang von minderjährigen MigrantInnen, die ohne Begleitung Erwachsener hierher gelangen. Ihre Situation ist bisweilen eher verwaltungs- als kindgerecht.

Müssen oft lernen, wieder Kind zu sein: Minderjährige unbegleitete Geflüchtete. (Foto: European Union 2015)

Die Zahl der Flüchtlinge beträgt derzeit mehr als 65 Millionen weltweit und ist damit höher als jemals zuvor. Dies dominierte am vergangenen Dienstag die Meldungen zum Weltflüchtlingstag. Kinder und Jugendliche stellen die Hälfte der Betroffenen in diesem schrecklichen Rekord. Mehr und mehr von ihnen versuchen ohne Begleitung eines Erwachsenen in eine sicherere Zukunft zu gelangen – und sind dabei Entbehrung und traumatischen Erlebnissen ausgesetzt. mehr lesen / lire plus

Europäische Union
: Unaufhaltsamer Zerfall?

Der Sozialwissenschaftler Alex Demirovic hat einen Sammelband herausgegeben, der angesichts des drohenden Auseinanderbrechens der Europäischen Union den verbleibenden Handlungsspielraum auch der Linken ausloten will.

Sieht die Europäische Union am Scheideweg: Der Sozialwissenschaftler Alex Demirovic. (Bildquelle: Alex Demirovic)

woxx: Wie bewerten die AutorInnen des von Ihnen herausgegebenen Bandes die Krise der Europäischen Union?


Alex Demirovic: Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Einige äußern sich skeptisch und bezweifeln, dass die politischen Instrumente innerhalb der EU für einen Demokratisierungsprozess geeignet sind. Denken Sie etwa an den Euro und die sich daraus ergebenden Handlungszwänge. Mit seiner Hilfe wird Druck auf die einzelnen Länder ausgeübt, um die nationalen Märkte zu stabilisieren; es wird Einfluss auf die Arbeitsmärkte, die Gesundheitssysteme und die Rentensysteme genommen. mehr lesen / lire plus

Jungle World
: „Politisch war es 
ein wichtiger Schritt“


Aus einem Arbeitskampf ist vor zwanzig Jahren die Berliner Wochenzeitung „Jungle World“ entstanden. Für den Erfolg des Blatts sprach damals vor allem die Entschlossenheit seiner GründerInnen – und eine treue Leserschaft. Mit der woxx verbindet die Zeitung eine langjährige Kooperation.

„Wer braucht schon Leser?“: 
In einer Jubiläumsausgabe blicken ehemalige Redaktionsmitglieder auf 20 Jahre Jungle World zurück. (Bildquelle: Jungle World)

Komischer Titel für eine deutsche Wochenzeitung: Jungle World. Scheinbar geboren aus der Not. Denn alles musste rasch gehen damals, im Jahr 1997 in Berlin. „Wir suchten nach einem Namen, der etwas Wilderes zum Ausdruck bringt als den gleichförmig eindimensionalen Klang des Titels „junge Welt“, aber dennoch die gleichen Insignien trägt“, erinnert sich Mitgründer Wolf-Dieter Vogel an die „Taufe“ der neuen Berliner Wochenzeitung. mehr lesen / lire plus

Theater: Möglichkeits-
räume im 
Realen


Ran an die Wirklichkeit, anstatt nur über sie zu lesen: ein Gespräch mit dem Theaterautor und Gesellschaftskritiker Milo Rau.

Er wurde schon als „Bertolt Brecht unserer Zeit“ bezeichnet – und so falsch ist der Vergleich womöglich nicht: 
der Theatermacher Milo Rau. (Foto: © Hannes Schmid)

woxx: Sie waren schon früh in Ihrem Leben auch außerhalb Europas unterwegs. Welche Rolle hat Reisen für Ihre Entwicklung gespielt?


Milo Rau: Eine sehr wichtige. Ich bin der Meinung, dass man sich die Welt anschauen muss. Dann blickt man zugleich von außerhalb auf Europa. Es ist zum Beispiel eine Sache, darüber zu sprechen, was europäische Firmen in Lateinamerika oder Zentralafrika machen, und eine andere, es selbst zu sehen. mehr lesen / lire plus

Steinig und holprig

Wie kompliziert es ist, sich hinsichtlich der Arbeitsmöglichkeiten für anerkannte Asylsuchende (BPI) und Asylbewerber (DPI) in Luxemburg zurechtzufinden, hat unser Autor Thorsten Fuchshuber in seinem Artikel zum Thema (Ein steiniger Weg; woxx 1420) selbst erfahren. So hat er die „autorisation d’occupation temporaire“ (AOT), die Asylbewerber auf Antrag bekommen können, als Praktikum bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine auf sechs Monate begrenzte Anstellung. Die Hürden, eine solche AOT auch einzulösen, sind allerdings so hoch, wie vom Autor beschrieben. Aus diesem Grund bietet die Asti mit dem Projekt „Connections“ DPI’s und BPI’s die Möglichkeit, in einer Firma ein unbezahltes Praktikum zu machen, für die Dauer von maximal 240 Stunden. mehr lesen / lire plus

Flüchtlinge am Luxemburger Arbeitsmarkt: Ein steiniger Weg

Für Flüchtlinge ist es nicht leicht, Arbeit in Luxemburg zu finden – erst recht, wenn sie adäquat sein soll. Neben der Sprachenproblematik kämpfen viele darum, dass man ihre Qualifikation und Berufserfahrung offiziell anerkennt.

Müssen ihr Können unter Beweis stellen: Flüchtlinge beim Betriebspraktikum. (Foto: EPA/Felipe Trueba)

Integration, Inklusion, wie auch immer man es nennen mag: Sprache und Arbeit sind elementar, damit man als MigrantIn in einer Gesellschaft Fuß fassen kann. Ebenfalls Teil dieser Binsenweisheit: Nur wer die im Berufsleben gängigen Sprachen leidlich beherrscht, wird auch bei der Jobsuche erfolgreich sein. Zugleich jedoch wird die erlernte Sprache vor allem im Arbeitsleben perfektioniert. Doch was einerseits an einen Teufelskreis erinnert, ist andererseits eine ganz simple Gleichung: Wer von Neuankömmlingen sprachliche Kompetenzen fordert, muss ihnen nicht nur entsprechende Kurse, sondern frühestmöglich eine Arbeitsmöglichkeit bieten. mehr lesen / lire plus

Nordirland: Jede Menge Trouble

Mit dem Brexit steht Nordirland vor der größten politischen Herausforderung seit dem Friedensabkommen vor knapp 20 Jahren. Ausgerechnet jetzt droht zudem die Regierungsbildung zu scheitern.

Investition in die Zukunft? Noch immer sind protestantische und katholische Wohngebiete in den nordirischen Großstädten, wo nötig, durch Mauern („peace walls“) und nachts verschlossene Stahltore scharf voneinander getrennt. (Foto: Internet)

Als Jean Asselborn Mitte März an der unsichtbaren Grenze zwischen Irland und den zu Großbritannien zählenden nordirischen Grafschaften stand, konnte er einmal mehr auf die EU als Friedensordnung pochen: „Die offene Grenze zu Nordirland fördert nicht bloß den Handel. Sie ist auch der beste Ausdruck des Friedensprozesses, der mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 begonnen hat.” Mit dem Brexit könnte dieser Frieden zwischen den sich befehdenden nationalistisch-konfessionellen Gruppen in Nordirland mehr denn je wieder gefährdet sein. mehr lesen / lire plus

Erst bunt, dann grün und blau

Erleichtert darüber, dass die ersten beiden Prozesstage überstanden sind, wirkten die vier AktivistInnen noch immer schockiert, in welche Maschinerie sie da geraten sind. Von Straßburg nach Brüssel hatten sie sich im Juni 2014 aufgemacht, um das Recht auf Bewegungsfreiheit einzuklagen und gegen das EU-Grenzregime zu protestieren. Bei einer Pressekonferenz betonten vier der insgesamt sechs Angeklagten aus dem „March for Freedom“ am Donnerstagnachmittag, dass sie von der Polizeigewalt, die sie am 5. Juni am Rande einer Protestaktion gegen die EU-Innenministerkonferenz auf Kirchberg erlebt hatten, noch immer traumatisiert sind. Selbst wegen des entstandenen Tumultes angeklagt, verwiesen sie auf den damals ungeklärten Aufenthaltsstatus zahlreicher Teilnehmenden des Marsches. mehr lesen / lire plus