Flüchtlinge am Luxemburger Arbeitsmarkt: Ein steiniger Weg

Für Flüchtlinge ist es nicht leicht, Arbeit in Luxemburg zu finden – erst recht, wenn sie adäquat sein soll. Neben der Sprachenproblematik kämpfen viele darum, dass man ihre Qualifikation und Berufserfahrung offiziell anerkennt.

Müssen ihr Können unter Beweis stellen: Flüchtlinge beim Betriebspraktikum. (Foto: EPA/Felipe Trueba)

Integration, Inklusion, wie auch immer man es nennen mag: Sprache und Arbeit sind elementar, damit man als MigrantIn in einer Gesellschaft Fuß fassen kann. Ebenfalls Teil dieser Binsenweisheit: Nur wer die im Berufsleben gängigen Sprachen leidlich beherrscht, wird auch bei der Jobsuche erfolgreich sein. Zugleich jedoch wird die erlernte Sprache vor allem im Arbeitsleben perfektioniert. Doch was einerseits an einen Teufelskreis erinnert, ist andererseits eine ganz simple Gleichung: Wer von Neuankömmlingen sprachliche Kompetenzen fordert, muss ihnen nicht nur entsprechende Kurse, sondern frühestmöglich eine Arbeitsmöglichkeit bieten. mehr lesen / lire plus

Nordirland: Jede Menge Trouble

Mit dem Brexit steht Nordirland vor der größten politischen Herausforderung seit dem Friedensabkommen vor knapp 20 Jahren. Ausgerechnet jetzt droht zudem die Regierungsbildung zu scheitern.

Investition in die Zukunft? Noch immer sind protestantische und katholische Wohngebiete in den nordirischen Großstädten, wo nötig, durch Mauern („peace walls“) und nachts verschlossene Stahltore scharf voneinander getrennt. (Foto: Internet)

Als Jean Asselborn Mitte März an der unsichtbaren Grenze zwischen Irland und den zu Großbritannien zählenden nordirischen Grafschaften stand, konnte er einmal mehr auf die EU als Friedensordnung pochen: „Die offene Grenze zu Nordirland fördert nicht bloß den Handel. Sie ist auch der beste Ausdruck des Friedensprozesses, der mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 begonnen hat.” Mit dem Brexit könnte dieser Frieden zwischen den sich befehdenden nationalistisch-konfessionellen Gruppen in Nordirland mehr denn je wieder gefährdet sein. mehr lesen / lire plus

Erst bunt, dann grün und blau

Erleichtert darüber, dass die ersten beiden Prozesstage überstanden sind, wirkten die vier AktivistInnen noch immer schockiert, in welche Maschinerie sie da geraten sind. Von Straßburg nach Brüssel hatten sie sich im Juni 2014 aufgemacht, um das Recht auf Bewegungsfreiheit einzuklagen und gegen das EU-Grenzregime zu protestieren. Bei einer Pressekonferenz betonten vier der insgesamt sechs Angeklagten aus dem „March for Freedom“ am Donnerstagnachmittag, dass sie von der Polizeigewalt, die sie am 5. Juni am Rande einer Protestaktion gegen die EU-Innenministerkonferenz auf Kirchberg erlebt hatten, noch immer traumatisiert sind. Selbst wegen des entstandenen Tumultes angeklagt, verwiesen sie auf den damals ungeklärten Aufenthaltsstatus zahlreicher Teilnehmenden des Marsches. mehr lesen / lire plus

60 Jahre Römische Verträge: Der Abgesang von Ventotene

Die Verträge von Rom haben die europäische Einigung als rein ökonomisches Projekt definiert. Für die Legitimität der EU in den Augen der BürgerInnen reicht das nicht aus.

(Bildquelle: EC – Audiovisual Service)

Es sind „vor sechzig Jahren die Fundamente für das Europa gelegt worden, das wir heute kennen“, schreibt die EU auf der Website, die dem Jubiläum der Verträge von Rom gewidmet ist. Diese Feststellung ist richtig, weil man sie immerhin auch sarkastisch lesen kann. Doch man hat vergessen, eines zu präzisieren: Damals wurden die Grundsteine nicht der Wiege, sondern des Mausoleums der Idee eines „friedlichen und gerechten Europas“ zementiert. Und während Jean-Claude Juncker in seinem anlässlich des Jahrestages vorgestellten „Weißbuch zur Zukunft Europas“ noch an das „Manifest von Ventotene“ erinnert, mit dem nach seinen Worten alles begann, so versäumt auch er zu erwähnen, dass die Verträge von Rom das Dementi, und nicht die Verwirklichung des Traums von Ventotene waren. mehr lesen / lire plus

Serie: What the facts?! (2): Tote Fakten, zum Leben erweckt


Immer schön bei der Wahrheit bleiben! Das Beharren auf dem, was nachweislich der Fall ist, erscheint im „postfaktischen Zeitalter“ als ein Grundpfeiler der Demokratie. Doch wer die Fakten aufs Korn nimmt, hat nicht zwangsläufig wahrheitsfeindliche Propaganda im Sinn. Teil II unserer Serie über das „Postfaktische“.

Wendete sich bereits 1923 gegen einen Fakten-Fetischismus auch in der kommunistischen Bewegung und damit gegen die Reduktion der Idee der Weltveränderung auf ein bürokratisch-technisches Programm: der ungarische Philosoph Georg Lukács. (Quelle: gyorgylukacs.wordpress.com)

Vor ein paar Jahren gab es in einer Brüsseler Buchhandlung ein kleines Notizbüchlein zu kaufen. Fakten sind der Feind der Wahrheit, stand darauf in Englisch zu lesen: „Facts are the enemy of truth“. mehr lesen / lire plus

Türkei: Journalisten im Visier

Der deutsch-türkische Journalist und frühere woxx-Autor Deniz Yücel befindet sich wegen Terrorvorwürfen in Istanbul in Polizeigewahrsam. Der Türkei-Korrespondent der deutschen Tageszeitung „Welt“ war zuvor Redakteur der „taz“ sowie der Wochenzeitung „Jungle World“, mit der die woxx seit langem kooperiert. Außenminister Asselborn beobachtet die Entwicklung mit „großer Sorge“. „Reporter ohne Grenzen“ spricht von einer „neuen Qualität“ der Repression gegen Medienvertreter.

Wegen Terrorverdacht in türkischem Polizeigewahrsam: Der Journalist und Kollege Deniz Yücel. (Quelle: N24)

In keinem Land der Welt befinden sich derzeit so viele Reporter im Gefängnis wie in der Türkei. Mindestens 48 Journalisten sind dort laut „Reporter ohne Grenzen“ in direktem Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit inhaftiert. mehr lesen / lire plus

Kesseltreiben in der Türkei

Mehr als 45.000 Personen sind in der Türkei seit dem Putschversuch im Juli verhaftet worden – Journalisten, Beamte, Polizisten und Lehrer. Auch gegen die kurdische parlamentarische Opposition gehen Regierung und Justiz weiter vor. Am Dienstag wurde ein Abgeordneter der HDP zu Haft verurteilt, weil er das „Türkentum“ beleidigt habe, eine andere Abgeordnete wurde als „verurteilte Terroristin“ des Parlaments verwiesen. 20 Journalisten kamen allein diese Woche vor Gericht. Auch der ehemalige woxx-Autor Deniz Yücel, Korrespondent der „Welt“, befindet sich seit Dienstag vergangener Woche in Polizeigewahrsam (webexclusive: Tuerkei: Journalisten im Visier). Offenbar wird wegen geleakter E-Mails von Regierungsvertretern ermittelt, die der deutsch-türkische Journalist in seinen Artikeln verwendet hat. mehr lesen / lire plus

Serie: What the facts?! (1)
: Die Lüge höret nimmer auf


„Fake news“, „post-truth“, „postfaktisch“ – neue Schlagwörter erobern die Medienwelt. Doch was ist damit eigentlich gemeint?

Rechtsradikale demonstrieren in Frankfurt am Main gegen die „Lügenpresse“: Unter Verwendung dieses Terminus hatte das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg Berichte ausländischer Medien über das barbarische Verhalten der deutschen Besatzer in Belgien abgestritten. (Foto: Wikimedia)

Am 23. März 1848 erschien die erste Ausgabe des „Luxemburger Wort“. Der Untertitel verkündete stolz, wofür das Blatt künftig einzutreten versprach: „für Wahrheit und Recht“. Und doch sollte kaum mehr als ein Monat vergehen, ehe die papsttreue Zeitung als „schmähliches Blatt“ bezeichnet und der Lüge bezichtigt wurde.

Vorgebracht hatte die Vorwürfe Joseph Seelhof. mehr lesen / lire plus

Arbeitszeitverkürzung
: Klassenkampf in Gambia


Man solle über Arbeitszeitverkürzung nachdenken, schlug Wirtschaftsminister Schneider kürzlich vor. Auf keinen Fall! lautete die klare Antwort des Staatsministers. Alles nur Wahl
kampfshow oder die Rückkehr eines zentralen sozialen Konflikts in die Regierung?

Ein Pyrrhussieg? In Frankreich ist nach Erkämpfung der 35-Stunden-Woche dennoch eine Wochenarbeitszeit von – je nach Statistik – 37 bis 40 Stunden die Regel. (Foto: Internet)

Wirtschaftsminister Etienne Schneider möchte künftigen Produktivitätszuwachs nicht nur als Profit in die Hände der Unternehmer wandern sehen. Das sagte er beim Neujahrsempfang der LSAP Anfang Januar, wo er auch über die Folgen der Digitalisierung sprach. Entweder müsse den Werktätigen mehr Lohn ausbezahlt werden, oder die Arbeitszeit gehöre verkürzt. mehr lesen / lire plus

Russland unter Putin
: Die Souveränität der Seilschaften

Als „Vertikale der Macht“ bezeichnet Wladimir Putin das von ihm geschaffene und auf Klientelwirtschaft basierende Herrschaftssystem. Doch er jongliert mit Loyalitäten – und muss aufpassen, dass er dabei nicht die Kontrolle verliert.

Komfortabler als an Bord der Kursk: Der russische Staatspräsident im August 2105 als Teilnehmer einer Expedition der Russischen Geographischen Gesellschaft nahe der im Jahr zuvor annektierten Krim. (Foto: Website des russischen Staatspräsidenten)

„Wenn Demokratie Staatszerfall bedeutet“ sagte Wladimir Putin im September 2003 im Gespräch mit der „Washington Post“, „dann brauchen wir keine solche Demokratie“. Seit er sein Amt als russischer Staatspräsident im Jahr 2000 zum ersten Mal angetreten hat, inszeniert sich Putin als Verkörperung eines starken Staats. mehr lesen / lire plus

Berufliche Wiedereingliederung
: Der Weg zurück


Vor einem Jahr wurde das Gesetz zur beruflichen Wiedereingliederung in entscheidenden Punkten reformiert: Wer aus gesundheitlichen Gründen seine alte Arbeit nicht mehr machen kann, soll risikolos eine Chance haben auf einen neuen Job. Doch die neue Praxis ist womöglich nicht immer so sozial wie propagiert.

Nach jahrelanger Krankheit zurück an den Arbeitsplatz? 
Nicht wenige Menschen in Luxemburg sind angesichts der befürchteten Überforderung verzweifelt. (Foto: Pixabay)

Meist war es eine Reise ohne Wiederkehr. Ein Unfall, eine schwere Erkrankung, gesundheitliche Beschwerden – wer aus solchen Gründen in Luxemburg seinen Beruf nicht länger ausüben konnte und sich im „reclassement“ befand, kehrte oftmals nicht mehr auf den Arbeitsmarkt zurück. mehr lesen / lire plus

Elternlos in die EU

Migrantenkinder, die ohne Begleitung durch einen Erziehungsberechtigten in die EU einreisen, sind nicht ausreichend geschützt. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Im Unterschied zu sogenannten „nicht begleiteten“ Kindern befinden sich die „separated children“ in Begleitung von nicht erziehungsberechtigten Erwachsenen, zu denen sie häufig in einem unklaren Verhältnis stehen, das problematisch sein oder werden kann. Missbrauch sei in solchen Fällen nicht auszuschließen. Auch aus anderen Gründen könnten die Erwachsenen ungeeignet sein, die Obhut der Kinder wahrzunehmen. Es komme daher vor allem darauf an, kindgerecht über die Asylprozedur, über Rechte und Möglichkeiten zu informieren. mehr lesen / lire plus

Populismus in Europa: Jargon der Unbestimmtheit


Eine Konferenz in Brüssel wollte ausleuchten, was hinter der rechts-nationalistischen Mobilisierung in Europa steckt.

Der Philosoph Slavoj Žižek 
(zweiter von rechts) und die türkische Schriftstellerin Elif Shafak (zweite von links) auf der Konferenz „European Angst“ im Brüsseler Museum „Bozar“. (Foto: Twitter)

Der Star der Veranstaltung kommt erst ganz zum Schluss. Anderthalb Tage hat man im Brüsseler „Bozar“ artig über den sogenannten Rechtspopulismus in Europa konferiert. Und jetzt betritt Slavoj Žižek die Bühne und tut, wofür man ihn eingeladen hat: Er schlägt alles kaputt. „All dieses Geschwätz über einen neuen Faschismus – das ist nur ein Symptom, was wir nun erleben! Die Mitte-Links-Bewegung in Europa hat nichts gelernt! mehr lesen / lire plus

Donald Trump als US-Präsident: „Es wird ein wilder Ritt“

Dass Donald Trump nicht viel von Fakten hält, ist nicht neu. Doch als Präsident der Vereinigten Staaten könnte der Geschäftsmann schon bald mit einer Realität konfrontiert werden, gegen die er mit wütenden Tweets allein nicht angehen kann. Ein Gespräch mit dem US-amerikanischen Historiker Jeffrey Herf.


Konstatiert beiderseits des Atlantik eine „gravierende Erosion der Sphäre der Öffentlichkeit“: der Historiker Jeffrey Herf. (Foto: Jeffrey Herf)

woxx: Wie würden Sie die Stimmung in Ihrer Umgebung nach den Wahlen beschreiben?

Jeffrey Herf: Ich kann hier nur für mich selbst sprechen. Ich bin besorgt, aber nicht panisch. Auch weil ich hoffe, dass unser System der „checks and balances“ (das US-amerikanische System der Gewaltenteilung – Anm. mehr lesen / lire plus

Chancengleichheit: Barrierefreiheit in den Köpfen

Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit finden meist nur schwer einen Job. Das beruht nicht zuletzt auf der Ignoranz der Unternehmer. Doch mit dieser Haltung schaden sich die Betriebe selbst.

Luxemburger Erfolgsgeschichte: Joaquim Alves leidet an einer fortschreitenden Augenerkrankung. Zunächst Arbeiter bei Arcelor Mittal, wechselte er nach seiner Diagnose in ein „atelier protégé“. Unterstützt von einem Spezialbildschirm gelang ihm nun die Rückkehr an den ersten Arbeitsmarkt, wo er eine unbefristete Stelle im Sekretariat einer Schule hat. (Foto: info-handicap)

Luxemburger Erfolgsgeschichte: Joaquim Alves leidet an einer fortschreitenden Augenerkrankung. Zunächst Arbeiter bei Arcelor Mittal, wechselte er nach seiner Diagnose in ein „atelier protégé“. Unterstützt von einem Spezialbildschirm gelang ihm nun die Rückkehr an den ersten Arbeitsmarkt, wo er eine unbefristete Stelle im Sekretariat einer Schule hat. (Foto: info-handicap)

Der kommende Samstag ist der „Internationale Tag der Menschen mit Behinderung“. Wie andere solcher von den Vereinten Nationen ausgerufener Tage soll er auf einen Missstand aufmerksam machen. mehr lesen / lire plus