BÜRGERRECHTE: Die Gene der Gangster

In Luxemburg werden demnächst DNA-Datenbänke zur strafrechtlichen Ermittlung eingerichtet – und keinen interessiert’s. Doch ExpertInnen warnen vor einem gravierenden Einschnitt in die Persönlichkeitsrechte.

Nicht weniger als den „Siegeszug des Sachbeweises“ stellt die europaweite Einführung von DNA-Datenbanken zur Identitätsfeststellung nach Meinung euphorischer Kriminologen dar. Auch Justizminister Luc Frieden wünscht seit langem die Einrichtung einer solchen Datei, um Kriminellen schneller auf die Schliche kommen zu können.

Doch während die Speicherung der verharmlosend als genetischer Fingerabdruck bezeichneten DNA-Profile in anderen Ländern Ergebnis einer langwierigen heftigen gesellschaftlichen Debatte ist, scheint ein entsprechender Gesetzesentwurf in Luxemburg sang- und klanglos rechtskräftig zu werden. Datenschutzkommission, Generalstaatsanwaltschaft und Staatsrat haben ihre Anmerkungen bereits eingereicht, die juristische Kommission hat das „projet de loi“ mit der Nummer 5356 entsprechend bearbeitet. mehr lesen / lire plus

DROGENKONSUM: Raus aus dem Dreck

Seit einem halben Jahr ist die „Fixerstuff“ ohne Probleme in Betrieb. Doch eine Ausweitung des Angebots rund um die Uhr ist dringend vonnöten.

Es ist 16 Uhr. Wie an jedem Wochentag öffnet das Tagesfoyer an der Route de Thionville um diese Zeit seine Pforten. Doch außer den Professionellen vom „tox-in“, wie das aus Nuetseil, Abrigado und Fixerstuff bestehende Containerkonglomerat mittlerweile heißt, ist niemand da. „Das ist ungewöhnlich“, sagt eine Mitarbeiterin. „Normalerweise warten die Leute schon vor der Tür, wenn wir aufmachen.“

Doch heute sind in der Stadt mal wieder die Polizei-Azubis unterwegs – zu Ausbildungszwecken. Und das hält die Szene auf Trab. mehr lesen / lire plus

ANTIRASSISMUS: Widerstandsbewegung

Assoziation A, WiderstandsBewegungen. Assoziation A, interface (Hg.) 19,50 €.

Als „Bewegungsbuch im besten Sinne“ versteht sich eine Publikation, die diesen Anspruch bereits im Namen trägt: WiderstandsBewegungen wird herausgegeben von Antirassismus-AktivistInnen, die den Blick auf die Vielfalt ihrer Widerstandsformen lenken wollen. Gruppen und Einzelpersonen stellen ihre Praxis vor und machen Konflikte und Debatten aus unterschiedlichen Perspektiven transparent. Das Resultat ist ein graphisch ansprechend gestaltetes Buch, dessen einzelne Beiträge sich in der Darstellungsform unterscheiden. So berichten beispielsweise MigrantInnen in einem Interview über ihren Kampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen, während eine Flüchtlingsinitiative in einem programmatischen Text Aufbau und politische Zielsetzung erklärt. Nachteil: Deutschland-zentriert, obwohl man aus der „antirassistischen Kleinstaaterei“ ausbrechen will. mehr lesen / lire plus

DROGENPOLITIK: Koks & Co.

Der Anti-Drogen-Krieg der internationalen Gemeinschaft ist erfolglos – und geht zu Lasten der Menschen in den Anbauregionen. Auch Luxemburg mischt mit.

Groß ist derzeit in Europas politischer Klasse die Empörung über Geheimgefängnisse der CIA innerhalb und außerhalb der EU, in denen mutmaßliche Terroristen möglicherweise unter Folter verhört worden sind. Groß ist auch die Doppelmoral, die dahinter steckt. Denn zur gleichen Zeit werden von den selben Akteuren hinsichtlich der Drogenbekämpfung Allianzen geschmiedet, innerhalb derer man hinsichtlich der Methoden teilweise nicht zimperlicher ist.

So sprachen sich der russische Präsident Wladimir Putin und Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer anlässlich eines Treffens im vergangenen Juni für eine verbesserte praktische Zusammenarbeit im Kampf gegen Drogen und Drogenschmuggel aus. mehr lesen / lire plus

TOMMY LEE JONES: The Three Burials of Melquiades Estrada

Zwei Männer gehen gemeinsam auf eine lange Reise. Und wie immer, wenn Männer etwas suchen, finden sie am Ende sich selbst. Zugleich moderner Western und Roadmovie der alten Schule, knochentrocken und unsentimental erzählt. Eine ernüchternde Facette des Lebens im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet. mehr lesen / lire plus

PSYCHIATRIE: Bye, bye, Building

Die Tage des monströsen CHNP-Gebäudes in Ettelbrück scheinen gezählt. Doch über die weiteren Schritte der Psychiatriereform besteht Diskussionsbedarf.

„Viel Libido“ hatte Wulf Rössler der Luxemburger Psychiatriereform vor einigen Monaten im Gespräch mit unserer Zeitung gewünscht. Die aufmunternden Geleitworte des Züricher Psychiatriefachmanns, der mit seiner vom Gesundheitsministerium bestellten Studie maßgeblich auf den Reformprozess einwirkt, scheinen gefruchtet zu haben. Zumindest beim Gesundheitsminister selbst. Denn die Libido, die Freud als zielgerichteten Impuls zum Zweck der Triebbefriedigung definierte, stand Mars Di Bartolomeo (LSAP) am vergangenen Dienstag in der Chamber ins Gesicht geschrieben.

Erfolgsbewußt beantwortete er in einer heure d’actualité die Fragen von Fraktionskollegin Claudia Dall’Agnol nach dem Stand der Psychiatriereform, die er seit seinem Amtsantritt ins Rollen gebracht hat. mehr lesen / lire plus

THEATER: Die Arbeit der Kunst

Der Regisseur Hansgünther Heyme schärft seine Gesellschaftskritik gern an Stücken der griechischen Antike. In Luxemburg bringt er nach den „Scherben“ mit „Elektra“ erneut Euripides auf die Bühne.

Sein Engagement gilt der freien Entfaltung des denkenden Individuums:
Hansgünther Hemye.

Woxx: Sie wurden einmal mit den Worten zitiert: „Ich war immer zerrissen zwischen Mathematik und Philosophie, zwischen freier Kunst und Gestaltungsaufgaben.“ Schlägt sich diese Zerrissenheit auch in Ihren Arbeiten nieder?

Hansgünther Heyme: Ja, sicher. Ich pendele zwischen sehr genauer, präziser Ästhetik und relativer Geschmacklosigkeit und Wildheit. Das liegt daran, dass es bei uns an der Schule zwei ungeheuer frappante Lehrerfiguren gab. Ein Philosoph und ein Mathematiker. mehr lesen / lire plus

KINO: Entrückt

In „Der Untergang“ standen die Täter des Nazi-Regimes im Mittelpunkt – mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ widmet sich das deutsche Kino den WiderstandskämpferInnen.

Die Lage ist brenzlig: Sophie Scholl (Julia Jentsch) wird beim Verteilen von Flugblättern erwischt.

„Der Pianist“, „Taking Sides“, „Band Of Brothers“ – Filme über den Nationalsozialismus haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend von den großen epischen Erzählungen abgewandt und sich auf Augenhöhe mit einzelnen ProtagonistInnen begeben.

Auch das deutsche Kino hat diese Art des „story-telling“ vor einiger Zeit wieder entdeckt. Vorläufiger Höhepunkt: Der „Untergang“, bei dem sich der mikroskopische Blick jedoch viel mehr pornographisch als analytisch motiviert durchs Schlüsselloch des Führerbunkers bohrte, um dort, ganz nah bei Hitler und seinen Getreuen, die letzten Tage des tausendjährigen Reiches zu durchleben. mehr lesen / lire plus

DORON RABINOVICI, ULRICH SPECK UND NAZAN SZNAIDER: Kritik oder Antisemitismus?

Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, 331 Seiten.

Bricht sich – bemäntelt als Kritik an Israel – in aktuellen Debatten ein „neuer Antisemitismus“ Bahn? Oder ist es umgekehrt so, dass der Antisemitismus-Vorwurf als politisches Instrument benutzt wird, um Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern unmöglich zu machen? Das ist die Grundfrage, die sich die Herausgeber der Essay-Sammlung Neuer Antisemitismus gestellt haben. Dabei wollen sie einen ersten Eindruck jener intellektuellen und politischen Diskussion vermitteln, die nicht nur in Europa, sondern auch in den USA im Gange ist. Entsprechend heterogen und kontrovers ist die Auswahl der AutorInnen. mehr lesen / lire plus

WORLDMUSIC: 1, 2, 3 Khaled

Khaled, Ya Rayi, Wrasse, 2004.

Ein gealterter Khaled grinst uns vom Albumcover entgegen. Und was haben sie ihm zuletzt alles nachgesagt: Stimme im Eimer, Musik zu poppig, kein authentischer Raï, weil zu „globalisiert“. Außerdem sei er unpolitisch. Wie immer ist damit wesentlich mehr über die Kritiker ausgesagt als über den Kritisierten. Denn alles was mit Weltmusik zu tun hat, bringt wohl unvermeidlich die Sucher nach Unverfälschtheit auf den Plan. Ein Label, das den experimentierfreudigen Khaled nie interessiert hat. Und so vereint er auch auf Ya-Rayi Popstücke die sich, abgesehen von seiner nach wie vor großartigen Stimme, viel mehr an lateinamerikanischen Rhythmen orientieren und Songs, die eher an „traditionellen“ Raï erinnern. mehr lesen / lire plus

ANTISEMITISMUS: Gefährliche Allianz

Nazis als Täter und Islamisten als Trittbrettfahrer – der Anschlag auf ein jüdisches Zentrum in Paris ist nur ein Beispiel für eine ideologische Querfront, die eines gemeinsam hat: Antisemitismus. Und den gilt es zu bekämpfen, egal aus welcher Ecke er kommt.

Es gibt eine rot-grün-braune Allianz“, konstatierte Roger Cukierman bereits im vergangenen Jahr angesichts der grassierenden antisemitischen Übergriffe in Frankreich. Die Unterstellung des Präsidenten des Conseil représentativ des institutions juives de France (CRIF), es gebe eine antisemitische Front aus Linken, Islamisten und Nazis, mag sich im ersten Moment wie eine vulgäre Version der Totalitarismustheorie anhören. Der jüngste Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Paris scheint ihm jedoch Recht zu geben. mehr lesen / lire plus

WAYNE KRAMER: Der Weg des Würfels

In Wayne Kramers „The Cooler“ wird endlich mal wieder ordentlich geraucht und getrunken. Auch sonst zeigt der Film, dass unsere Gesellschaftsform ungesund ist.

Das Glücksversprechen des Kapitalismus hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal gründlich dementiert. Der Lack ist ab, und niemand glaubt mehr an die Mär vom Tellerwäscher als Millionär.

Paradigmatisch hat Regisseur Wayne Kramer das „Better Life“-Motel in Las Vegas für seinen neuen Film „The Cooler“ zu einem der Drehorte auserkoren. Das „Better Life“ ist eine heruntergekommene Absteige, deren trockengelegter Innenhof-Pool schon lange keine Badegäste mehr erfreut. Hier haust der verschuldete Ex-Spieler Bernie Lootz (William H. Macy).

Vor Jahren hat Bernies einziger Freund Shelly Kaplow (Alec Baldwin) ihm aus der finanziellen Patsche geholfen, jedoch nicht ohne ihn dafür zum Krüppel zu schlagen und ihn zu zwingen, seine Schulden in Shellys Kasino „Golden Shangri-la“ abzuarbeiten. mehr lesen / lire plus

KRAHL: Mülltrennung

„Der Name Krahl steht für etwas Unabgegoltenes. Für die Umkehrbewegung im Prozess des Zerfalls der Neuen Linken“, schreiben die MacherInnen der Internetseite über Hans-Jürgen Krahl. „Der Krahl“, wie er manchmal ehrfürchtig genannt wurde, war neben Rudi Dutschke einer der bekanntesten Aktivisten der `68er-Bewegung in Deutschland. Wie kaum ein anderer versuchte der Frankfurter Adorno-Student, den ideologischen Müll der Traditionsmarxisten beiseite zu räumen und den kritischen Kern der Marxschen Theorie freizulegen. Gesellschaftskritik nach Auschwitz, das bedeutete für Krahl wesentlich, die Voraussetzungen der postfaschistischen Gesellschaft mitzureflektieren, einer Gesellschaft also, die zwar ohne Führer auskommen musste, deren Individuen aber weiterhin autoritätshörig dem Staat verbunden waren. mehr lesen / lire plus