ITALIEN: Das Mezzanino von
Milano Centrale

Der Hauptbahnhof von Mailand ist eine Drehscheibe für syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Nordeuropa. Die woxx war 24 Stunden vor Ort – und traf Menschen zwischen Horror und Hoffnung.

Physisch in relativer Sicherheit, aber die durchlebten Schrecken in die Psyche eingebrannt: Bürgerkriegsflüchtlinge am Mailänder Hauptbahnhof. Foto: Daniel Seiffert

Der Weg in die Stadt führt mitten durch das Krisengebiet. Auf den Stufen, die von den Gleisen herunter ins Foyer führen, strömen die Pendler Richtung Feierabend. Reisende mit Rollkoffern, junge Menschen mit Rucksäcken, gerade angekommen aus Zürich oder Paris, steuern auf den Ausgang zu. Und dann findet sich da, zwischen den beiden Ebenen des Bahnhofs, plötzlich eine ganz andere Gesellschaftsstruktur: die von Homs, Aleppo oder Damaskus. mehr lesen / lire plus

FRANKREICH: Konfrontation am Kanal

Noch nie saßen in Calais so viele Flüchtlinge fest – und kaum je war ihre Lage so verzweifelt.

Aus Darfur kommend, haben es Muhamad und Hassib bis nach Calais geschafft. Die Küste von Großbritannien bleibt für sie gleichwohl nahezu unerreichbar fern.

Regungslos liegen zwei Gestalten auf dem Grünstreifen hinter der Bushaltestelle. Afrikaner, mit jungen Gesichtern, vielleicht gerade volljährig. Einer trägt eine Mütze, der andere Kapuze, unter ihnen eine Decke. Sie schlafen, wie die Migranten hier eben schlafen, in den Parks, den Hauseingängen, draußen in den Dünenwäldern. Manchmal öffentlich, manchmal versteckt. Die Menschen in dieser Stadt kennen das längst. Zwei Migranten auf dem Boden, nichts dabei. mehr lesen / lire plus

BELGIEN: Ein schaukelnder Traum aus Sand und Beton

Wer mit der längsten Straßenbahn der Welt entlang der belgischen Küste fährt, sollte sich auf eine Art Achterbahnfahrt durch verschiedenste Landschaften einstellen.

Spiegelbild Belgiens? Strandpromenade an der belgischen Küste.

Es gibt Küsten, die verzaubern. Küsten, die abstoßen oder besessen machen. Manche Küsten schockieren und andere berühren. Eine der kürzesten Küsten, noch keine 70 Kilometer misst sie, schüttelt ihre Besucher durch wie eine Achterbahn und schleudert sie unaufhörlich herum. Was nicht nur an den schmalen Gleisen liegt, sondern auch an dieser raschen Abfolge von Dünentälern und Asphaltgebirgen, von niedlichen Wäldchen und Boutiquenjungle, von Weißwasser und Fressmeilen. Am Ende ist einem ganz blümerant, und alles verschwimmt. mehr lesen / lire plus

BELGIEN: Gieriger Löwe

Und noch eine Wahl: Am 25. Mai wird in Belgien über ein neues Parlament abgestimmt. Großer Favorit sind die flämischen Nationalisten, die das Land in eine Konföderation umbauen wollen. Und dann ist da noch die Sache mit der Unabhängigkeit.

Hält die Zeit für reif zur Regierungsübernahme: Bart De Wever, Parteivorsitzender der N-VA.

Am Schluss steht das Glaubensbekenntnis. Als alle Reden gehalten sind, erhebt sich das gesamte Auditorium, knapp 1.300 Menschen auf drei Etagen. Rücken werden durchgedrückt, rechte Hände legen sich, schwer von Pathos, auf Brustkörbe, und dann dröhnt es durch das Konzertgebäude, als gelte es das Leben. „Sie werden ihn nicht zähmen, den stolzen flämischen Löwen, solange er kratzen kann, solange er Zähne hat, solange ein Flame lebt.“ Eine Kampfansage, zweifellos: die „Neu- Flämische Allianz“ ist bereit. mehr lesen / lire plus

EUTHANASIE FÜR KINDER: Ab welchem Alter kann man gehen?

Sterbehilfe für Minderjährige gilt Vielen als ethische Bankrotterklärung. In Belgien wurde sie letzte Woche legalisiert. Ein Arzt, ein Priester und ein Politiker werfen einen differenzierten Blick auf ein oft missverstandenes Problem.

Die Spritze als Sinnbild für eine komplizierte Debatte, die in Belgien nun wohl, vorerst, beendet ist. (Foto: ©flickr_obiviously_c)

Am Ende stehen drei nackte Zahlen. 88 Befürworter, 44 Gegner, 12 Enthaltungen. Mit der erwartet deutlichen Mehrheit hat das belgische Parlament letzte Woche einen Gesetzesentwurf angenommen, der die Korrespondenten aus aller Welt in Atem hält: Sterbehilfe ohne Altersgrenze, das gibt es nicht einmal in den Niederlanden, wo das Mindestalter 12 beträgt – mit elterlicher Zustimmung. mehr lesen / lire plus

NIEDERLANDE: Auf dem Weg zum großen Sieg

Viele befürchten bei den Europawahlen 2014 einen neuen Rechtsruck. Doch wer wählt eigentlich die Populisten? Ein Augenschein in einem niederländischen Städtchen.

Volkes Stimme: Geert Wilders im vorigen Jahr in Voldendam, wo er schon bei den Europawahlen 2009 knapp 50 Prozent der Stimmen erhielt.

„Doe eens normaal man“, pampte Wilders, der so gerne den Rebellen im Politbetrieb gibt, im Herbst 2011 den niederländischen Premierminister im Parlament an. „Ey, mach mal normal.“ Worauf dieser die Fassung verlor und mit sich überschlagender Stimme antwortete, Wilders solle „selbst normal“ machen. Und wie das so ist mit Wilders: „doe eens normaal man“ wurde kurz darauf ein geflügeltes Wort. mehr lesen / lire plus

BRASILIEN: „Weniger Fußball, mehr Politik“

Zwei Wochen lang wurde die brasilianische Sozialrevolte weit aufmerksamer von der Weltöffentlichkeit verfolgt als der Confed-Cup. Eine Auf- und Nachlese von den Zentren des Protests.

Nicht nur Fußball ist ein Teamsport: Demonstration während des Confederations Cup in Brasilien

Es scheint die Zeit der großen Worte zu sein. „Ich denke, das sind keine Proteste. Das ist eine Revolution.“ Der Flaggenverkäufer, der anonym bleiben will, blickt über seine Clownsnase hinweg auf die Praça Alencastro mitten in Cuiabá. Die Hauptstadt des Bundessstaats Mato Grosso füllt sich zur Stunde, an diesem 20 Juni, mit Menschenmassen. „Im ganzen Land finden heute Kundgebungen statt.“ Auch er selbst ist nicht bloß hier, um seine Fahnen los zu werden. mehr lesen / lire plus

NIEDERLANDE: Ein Fest für alte weiße Männer

Vor 150 Jahren wurde in niederländischen Kolonien die Sklaverei abgeschafft. Zum Jubiläum gibt es reichlich Gedenk-Veranstaltungen. Doch in der Gesellschaft kommt die Erinnerung an dieses Kapitel der Geschichte nur langsam an.

Längst nicht alle Nachfahren der in die niederländischen Kolonien Verschleppten sehen den Jahrestag zur Abschaffung der Sklaverei als Grund zum Feiern: Zu ignorant ist der Alltag in den Niederlanden gegenüber diesem Kapitel der Geschichte.

In Amsterdam Zuidoost gibt es einen Platz, der nach Anton de Kom benannt ist. Auch ein Monument aus grauem Stein erinnert an den Kolonialgegner aus Surinam. Was er wohl zu dem Schauspiel sagen würde, das sich seinem Blick darböte, wäre die Statue tatsächlich von ihm beseelt? mehr lesen / lire plus

BELGIEN UND NIEDERLANDE: Ausflug in den Jihad

Immer mehr junge westliche Muslime ziehen nach Syrien in den Krieg. Besonders viele kommen aus den Niederlanden und Belgien.

Werden unterstützt aus Belgien und den Niederlanden:Kämpfer der mehrheitlich sunnitischen Freien Armee Syriens an einem Checkpoint im Zentrum von Aleppo.

Früher war Fouad Belkacem ein „normaler Junge“, der mit seinem Vater Gebrauchtwagen verkaufte. Dann aber kam der 30-Jährige unter den Einfluss radikaler Muslime. Das sagt jedenfalls Nordine Taouil, Imam in Antwerpen und Brüssel sowie Vorsitzender des belgischen Muslimrats. Heute ist Belkacem, der sich auch Abu Imran nennt, ein landesweit bekannter Islamist. Mitte April wurde er zusammen mit drei anderen Verdächtigen festgenommen. Seine Vereinigung „Sharia4Belgium“, die sich im Herbst auflöste, soll Pläne verfolgt haben, Belgien in einen Gottesstaat umzuwandeln. mehr lesen / lire plus

NIEDERLANDE: Willem der Letzte

Nicht alle Niederländer werden den neuen König am kommenden Dienstag freudig begrüßen. Für die Gegner der Monarchie ist der Thronwechsel Anlass zum Protest.

Was hat sie da nur auf dem Kopf? Am 30. April gibt Beatrix die Krone an ihren Sohn Willem ab.

„Königin Beatrix. Den Haag“ steht auf dem Kuvert. Es ist großformatig, einen Meter lang, einen halben breit, und von diesem unverwechselbaren Dunkelblau mit leichtem Violettstich, das alle steuerpflichtigen Niederländer kennen. Und jeder scheint genau über solche Kuverts zu reden, an diesem eiskalten Morgen, in der S- Bahn, im Radio, überall geht es um den Tag, dem sie seinen Namen gaben. mehr lesen / lire plus

PUNKROCK: Ton, Steine, Schleim

Die Biographie der Polit- Punkband Slime konnte nicht anders heißen als „Deutschland muss sterben“. Nuancen und Humor schließt das nicht aus. Jetzt gehen Autor und Band zusammen auf Lesereise.

Die Nachfolger der Ton Steine Scherben im deutschen Politrock: Slime.

Vielleicht liegt es daran, dass Daniel Ryser früher Slam Poet war. Man merkt das an der Art, wie er auf der Bühne steht: Er ist ein Darsteller, kein Fan, und erst recht kein Vorbeter eines Politpunk-Kults, dessen Protagonisten gleich ihre x-te Wiederauferstehung feiern werden. Ryser, 33, Journalist beim Schweizer „Magazin“, erzählt und performt Geschichten, er jongliert mit Episoden und zelebriert die Pointen. mehr lesen / lire plus

BELGIEN: Schmal im Gesicht, dick im Geschäft

Der flämische Nationalist Bart de Wever will kommenden Sonntag Bürgermeister von Antwerpen werden. Doch dies soll nur der erste Schritt sein, auf dem Weg zu einem selbstständigen Flandern.

Hofft auf breite Zustimmung unter den Wählern: Bart de Wever kämpft um den Posten des Bürgermeisters von Antwerpen.

Früh am Samstagmorgen scheint es, als warte die N-VA in Antwerpen-Berchem auf den Messias. Aufgeregt stehen die örtlichen Mitglieder der „Neu-Flämischen Allianz“ auf der noch unbelebten Hauptstraße. Die meisten sind mittleren, einige fortgeschrittenen Alters, wenige jung. Gekleidet sind alle in sattem Gelb und Schwarz, den Farben der flämischen Fahne. Das Kampagnenmaterial für die Tour durch das Quartier im Westen der Stadt wird in ein Lastenfahrrad geladen. mehr lesen / lire plus

NIEDERLANDE: Die Kettensäge des Kommunismus

Vor den niederländischen Parlamentswahlen dreht sich fast alles um die Krise und die Frage, wie sozialistisch die Sozialisten wirklich sind.

„Kiezmetzger“ und Schreckgestalt des niederländischen Kapitals: Emile Roemer, sozialistischer Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten.

Der niederländische Ministerpräsident schlug drastische Töne an. „Wollen wir mit sozialistischer Politik Griechenland nachfolgen?“, fragte Mark Rutte, als er Ende August in Rotterdam seinen Wahlkampf begann. Mit dieser Beschwörung spielte er auf die Sozialistische Partei (SP) an, die größte Konkurrentin von Ruttes wirtschaftsliberaler Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD). Investieren statt Sparen lautet die Devise der SP zur Bekämpfung der Krise, und seit Monaten schneidet sie in Umfragen sehr gut ab. mehr lesen / lire plus

NIEDERLANDE: Ausgedampft

Seit Cannabistouristen im Süden der Niederlande nicht mehr erwünscht sind, hat sich die Situation gründlich verändert. Das Parkproblem ist gelöst – dafür aber wird auf den Straßen gedealt.

Und plötzlich wähnt man sich im Rifgebirge. Gleich hinter den Anlegern der Maas-Redereien, wo Fahrgäste auf Boote warten, beginnt es zu zischeln wie in den Gassen von Chefchaouen: „Kss, kss“, klingt es den Passanten entgegen. „Français? Belge? Deutsch?“ Wer den Blick nicht abwendet, bekommt ein beflissenes „tu veux quelque chose?“ zu hören. Dazu malen Daumen und Zeigefinger imaginäre Päckchen in den Wind: „Marihuana?“ Es ist Sommer auf der Uferpromenade in Maastricht, und Straßendealer bei der Acquise gehören in diesem Jahr zum Alltag. mehr lesen / lire plus

FRANKREICH: Im Schatten der olympischen Ringe

Die französische Hafenstadt Calais träumt von den Olympischen Spielen. Als Vorort Londons will man Touristen und Sportler anziehen. Auch Transitmigranten hoffen auf einen Trip über den Kanal. Sie jedoch sind weder in England noch in Calais erwünscht.

Der Weg nach Großbritannien führt über diesen Zaun: Transitmigranten versuchen auf das Fährterminal bei Calais zu gelangen.

Diese Lichter! Jedes Mal, wenn Abdullah nachts aus dem Zelt schaut, scheinen sie über das Meer zu ihm herüber. Über Tausende Kilometer Staub und Strapazen hinweg hat ihn der Gedanke an diesen Ort getragen, eine gutes halbes Dutzend Grenzen hat er überwunden, und jetzt sind sie so nah! mehr lesen / lire plus