Best Wishes: Mein Spacemining-Unternehmen

« Le Jardin des délices » de Jérôme Bosch (daté d’environ 1494 à 1505).

Da Zeitungmachen in absehbarer Zukunft riskiert, zu einem brotlosen Gewerbe zu werden, hat das woxx-Team ein Adem-gesponsortes Weiterbildungsseminar zum Thema „Meine Ich-AG im Zeitalter des Spaceminings“ besucht. Hier die besten Leseproben aus den Abschlussberichten der Teilnehmer*innen.

First Contact
(ja) – Wir schreiben das Jahr 2117. Genau ein Jahrhundert, nachdem das entsprechnende Gesetz verabschiedet wurde, tritt endlich die erste Spacemining-Mission eines Raumschiffs unter luxemburgischer Flagge in die heiße Phase. Wurde bisher neben einigen wenigen Testbohrungen auf dem Mond vor allem Eis zur Gewinnung von Wasserstoff auf erdnahen Objekten abgebaut, so soll die „Etienne 1“ nun in neue Gefilde vordringen. Das Flaggschiff der großherzoglichen Raumflotte befindet sich im Landeanflug auf eines der Filetstücke unseres Sonnensystems: „1943 Anteros“ besteht zu einem Großteil aus Magnesium, Aluminium und Eisen. Das Material ist auf der Erde über 5.500 Milliarden Dollar wert. Das Kontrollzentrum in der Nähe von Bissen hat den Befehl zur Landung gegeben, nun herrscht über eine Viertelstunde lang gespannte Stille. Als das Signal des Schiffs, das die erfolgreiche Landung vermeldet, gemeinsam mit verrauschten Videobildern endlich in Bissen eintrifft, bricht Jubel los. Allerdings nicht für lange. Die Infrarot-Kamera zeigt, dass Anteros’ Oberfläche viel wärmer ist als angenommen. Wenige Tage später und nach hektischen Untersuchungen ist klar: Der Asteroid ist von einem außerirdischen Pilz überwuchert. Der erste Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform löst auf der ganzen Welt Begeisterung aus, nur in Luxemburg nicht. Anteros ist vom Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen unter Naturschutz gestellt worden – ein herber Rückschlag für das Spacemining-Programm.

Boîtes à lettres spatiales
(lc) – Le grand-duché veut privatiser l’espace, très bien. Pourtant, le risque de se faire traîner devant la Cour de justice interspatiale par des races extraterrestres qui ne seraient pas trop d’accord avec l’exploitation de leurs ressources n’est pas nul. Donc, pourquoi ne pas prévoir des services à vendre à nos congénères galactiques ? S’il s’agit de civilisations avancées, ils doivent sûrement avoir un système d’imposition – donc le Luxembourg pourrait non seulement récolter la manne des astéroïdes, mais en même temps y installer des boîtes à lettres pour que tout-e-s les habitant-e-s de l’espace puissent aussi échapper à l’impôt grâce au petit grand-duché et ses amis des Big Four. Quel bel effet de synergie ce serait ! Les ministres de l’Économie et des Finances pourraient voyager de planète en planète pour vendre nos services combinés dans le programme SMTA : Space Mining and Tax Avoidance. Sûrement une bonne façon de se faire des ami-e-s de l’autre côté de l’un ou l’autre trou noir et un signe de l’inventivité luxembourgeoise ! Et puis la « une » de Paperjam avec Gramegna et Schneider qui tiennent la patte d’un alien, ça aurait de la gueule, non ?

Stets gut gekleidet mit „Out of Space“
(rw) – Wesentlich für das Gelingen der Spacemining-Expedition ist ein passendes Outfit. Unsere soeben gegründete Haute Couture-Firma „Cosmos Clothing Unlimited“ ist spezialisiert auf Weltraumkleidung und hat bereits ihre erste Kollektion „Out of Space“ vorgestellt. Nach Analysen verschiedener Modelle aus dem Filmsektor haben wir überkandidelte, unpraktische Kostüme à la „Star Wars“ resolut beiseite gelassen und uns an der schlichten und zeitlosen Eleganz von „Star Trek“ orientiert. Uns schwebt für den Kommandanten des Raumschiffs das mit Goldstickerei eingefasste Cache-Coeur-Sweatshirt von Captain Kirk als Orientierungshilfe vor, vielleicht aber eher in einem sanften Rosa als in Hellgrün. Dazu passt eine elegante Lackledertasche für den Phaser. Die anderen Mitglieder der Crew sollen mit der Basic-Ausgabe des „Star Trek“- Sweatshirts in verschiedenen Blau-Schattierungen ausgestattet werden. Während die Miniröcke auch noch in der kommenden Weltraumsaison getragen werden können, empfiehlt sich bei den Frisuren eine Anpassung, da eine Mise en Pli à la Lieutenant mit heutigen Helmbestimmungen im Weltall nicht mehr kompatibel sein dürfte. Der Dresscode ist natürlich an heutige Gender-Normen angepasst, die Kleidungsstücke werden alle strikt in Unisex-Versionen produziert. Da nicht alle Crewmitglieder vor dem Reiseantritt noch eine Fettpolsterreduzierung vornehmen können, legen wir, da wir der körperbetonten Linie der Kollektion verpflichtet sind, ein besonderes Augenmerk auf diskrete, nicht auftragende Korsetts und Stützstrümpfe.

Deux, trois, cent, mille Terres !
(lm) – Le développement de l’astronautique constitue une chance inouïe pour les sciences humaines. En effet, celles-ci ne sont pas des sciences expérimentales ; l’impossibilité de vérifier par l’expérience la plupart des théories historiques, sociologiques ou économiques les fait considérer comme des sciences de seconde classe. Hélas, la mondialisation triomphante a rendu de plus en plus difficile l’application de tel ou tel facteur d’influence à une population en vase clos. Qui se souvient des communautés religieuses ou socialistes qui, dans les vastes étendues du Nouveau Monde, ont essayé de pratiquer de nouveaux vivre-ensemble ? On évoquera tout au plus l’expérience soviétique, officiellement terminée en 1989, mais sans doute faussée longtemps avant. Le Luxembourg dernier paradis fiscal, une France souverainiste tournant le dos au reste du monde ? Irréaliste. Même Donald Trump ne fait pas ce qu’il veut. Mais il vient de lancer la colonisation d’autres lunes et planètes, ce qui donnera leur chance aux évangéliques fondamentalistes et aux suprématistes blancs de vivre sur leur propre planète. Mais pas seulement à elles et eux. Les adeptes des mille et une écoles de politique, d’économie, de sociologie pourront enfin appliquer leurs préceptes et vérifier la validité de leurs théories. Une planète sans État, une autre sans impôts, ou sans capital et sans salariat, ou encore sans mâles… Les idées ne manquent pas. Que les meilleures gagnent !

Luxair-Mining-Tours
(rg) – Für eine knappe Minute an einem Parabelflug teilnehmen oder mit Sir Richard Bransons „Virgin Galactic“ einmal kurz die Atmosphäre verlassen: Etwas wie ein Astronaut zu sein, war in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts nur wenigen Glücklichen beschert und musste mit viel Geld und erheblichen Frustrationen erkauft werden. Das soll anders werden. Nachdem die staatlich-nationale Fluggesellschaft Luxair wegen der Konkurrenz der Billigflieger bankrott gegangen ist, kauft sich meine Start Up die Namensrechte und bietet – vorauszahlbar in Bitcoins – mehrjährige Rundreisen zu den Asteroiden-Claims in der Milchstraße an. Wann es losgeht, steht zwar noch in den Sternen, aber die Abschussrampe in direkter Verlängerung des Arrêt „Pafendall-Kierchbierg“ steht schon als Modell im Format 1:10 in der übergroßen Wandelhalle der Standseilbahn zur Besichtigung bereit. Wer viel Zeit und auch das nötige Geld mitbringt – für eine kleine, aber wachsende Zahl von Kapitaleigentümer*innen nach Abschaffung jedweder Form direkter Besteuerung eine locker zu erfüllende Voraussetzung – darf sich in die Warteliste eintragen. Die mittlerweile auf hundert Prozent angehobene Mehrwertsteuer gilt nicht für Weltraumreisen, wie Staranwalt Lolou Schiltz in einem Gutachten feststellt, da Luxemburg als Erfinder des Spaceminings alles Außerirdische unter der Rubrik „patrimoine national“ abwickeln kann, auf die der „taux super-réduit“ von neuerdings 0,1 Prozent Anwendung findet.

Haus-Aliens gefällig ?
(tj) – Etienne Schneiders Space-Mining-Vorhaben kann bereits jetzt als voller Erfolg gelten. Wer darauf gehofft hatte, dass dem Minister irgendein fataler Fehler unterlaufen oder ihm das internationale Weltraumabkommen – oder zumindest der Luxemburger Staatsrat – einen Strich durch die Rechnung machen würde, sah sich enttäuscht. Alles scheint bis ins letzte Detail durchdacht. Doch auch das beste Projekt kann immer noch besser werden. Meine Start-up-Firma hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, im Weltraum alles ausfindig zu machen, woraus sich Kapital schlagen lässt. Wieso es bei Wasser, Silber und Gold belassen? Weshalb nur Asteroiden ausbeuten? Unser Motto: Alles ist ergatternswert und lässt sich vermarkten, es gilt nur sich nur clever anzustellen. Wir durchforsten das All, bohren jedes noch so kleine Steinchen an, überprüfen jede noch so bizarre Substanz auf ihre Verwertbarkeit. Der Großteil unserer Bemühungen aber richtet sich auf die Entdeckung außerirdischer Lebensformen. Haus-Aliens müsste man nicht einmal besonders anpreisen – jede Person, die etwas auf sich hält, wird eines besitzen wollen. Denn auch Ihren Bekannten, die anscheinend alles haben, fehlt immer noch das eine: ein kleiner, extraterrestrischer Freund.

Un syndicat intergalactique pour en finir avec l’exploitation
(da) – Après la troisième, voici donc la quatrième révolution industrielle. L’humanité, non satisfaite s’avoir détruit la Terre dans sa quête de toujours plus de croissance, part à la conquête de l’espace. Le tout, bien entendu, sous pavillon luxembourgeois et sous le regard bienveillant d’Étienne Schneider. Seulement voilà : comme toute révolution industrielle, la quatrième vient, elle aussi, avec son lot d’exploitations, les capitalistes cherchant, dans l’espace comme sur la Terre, à maximiser leurs profits sur le dos des pauvres prolétaires, humains ou extraterrestres. Mais c’est sans compter sur une idée vieille comme le capitalisme : le syndicalisme. Voici donc l’Union syndicale intergalactique (Usig), défenseure impitoyable des intérêts des travailleurs et travailleuses de l’espace, hantise du patronat et trait d’union entre prolétaires terriens et martiens (et tous les autres). Fini les semaines à 60 heures dans les mines d’astéroïdes, fini le travail des extraterrestres mineur-e-s, et bienvenue l’indexation des maigres salaires galactiques. Et gare à toi, Étienne, salaud, car le peuple intergalactique aura ta peau !


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