Black Metal: Unbekannte Frevler

Die Kulturfabrik betet auch im neuen Jahr zum Herrn der Finsternis – und lädt mit Batushka die neuen Shooting Stars der polnischen Black Metal Szene ein.

Niemand weiß, wer sie sind, aber ihre Klänge haben sie schon europaweit zumindest in der Metalszene bekannt gemacht: Batushka. (Foto: © Dagmar Geiger)

Dass in Polen Gott über dem Gesetz rangiert, steht außer Zweifel, und nicht erst, seit die PiS-geführte Regierung an der Macht ist. Zuviel Frömmelei führt aber zu ungesunden Exzessen und auch dazu, dass junge Menschen rebellieren und den Glauben ins Negative umdrehen. Aus diesem Grund ist das osteuropäische Land seit jeher dafür bekannt, exzellente blasphemische Black- und Deathmetalbands zu produzieren. Den Weg frei machten Acts wie Vader bereits in den 1990er-Jahren, und Batushka stehen ihnen in nichts nach.

Die Band tauchte dieses Jahr aus dem Nichts auf. Keine Promo-Arbeit seitens des Labels, keine Konzert- oder Tourneeankündigungen, nicht mal ein Cover oder eine Vorabdemo, ja nicht mal (bis jetzt) eine CD: Das polnische Label Witching Hour veröffentlichte unangekündigt die Digitalversion von Batushkas erstem Album „Litourgiya“, und der Rest ergab sich von selbst. Denn das ganze Album ist eine fehlerfreie Meisterleistung, ein wahres Blasphemie-Feuerwerk, gemacht aus liturgischen Gesängen, Doom und Black-Metal Passagen. Dass Satanismus sich im Black-Metal tendenziell eher mit Katholizismus oder Protestantismus auseinandersetzt, nutzen Batushka geschickt aus, indem sie sich auf die orthodoxe Liturgie einschießen.

Orthodoxe Gesänge wechseln sich ab mit schwermütigen Midtempo-Doompassagen und schwingen dann unangekündigt in rotzigen Black-Metal der alten Schule. Batushka grooven zwar sicher nicht – wie viele andere zeitgenössische Black-Metaller, die bisweilen sogar mit Jazz herumexperimentieren –, liefern aber dafür astreinen Metal ab, bei dem einem todsicher nicht langweilig wird.

Ein anderes Merkmal der Band ist, dass die Musiker allesamt anonym sind und die Konzerte nur maskiert bestreiten. Niemand weiß – auch wenn es Gerüchte gibt, es seien zumindest Mitglieder der Symphonic Metaller HERMH mit an Bord – wer hinter der Musik steckt. Live kann Batushka – deren Name eigentlich Vater oder Priester heißt – mit bis zu acht Mann auftreten. Wer sie sind, ist letztlich nicht wirklich von großer Bedeutung. Sicher ist aber: Anfänger sind die Bandmitglieder von Batushka nicht.

Weniger satanisch angehaucht ist der Opener Schammasch aus der Schweiz. Aber auch hier gibt es eine Vorliebe für düstere Melodien und Atmosphäre. Dabei schöpft die 5-köpfige Band ihre Inspiration – zumindest für das letzte Album „The Maldoror Chants: Hermaphrodite“ gilt das – aus der Literatur. Und zwar aus „Les Chants de Maldoror“, einem der umstrittensten Bücher des 19. Jahrhunderts, verfasst von dem mysteriösen Autor Isidore Ducasse, der sich selbst Comte de Lautréamont nannte. Von ihm weiß man nur, dass er in Montevideo geboren wurde und in Paris mit 24 Jahren starb – im Jahre 1870, als die französische Hauptstadt von preußischen Truppen belagert wurde. Die „Chants de Maldoror“, Lautréamonts einziges Werk, sind Gesänge an das Böse, das immer wieder neue Formen annimmt, auch abstrakte. In diesem Sinne sind die 60 Strophen seines Werks als Vorreiter des Surrealismus anzusehen und zugleich auch als Ankündigung der Gräuel, die die Welt im 20. Jahrhundert noch erleben sollte. Für schwermütige Alpenrocker ein gefundenes Fressen.

Wem also nach all der Feierlaune nach etwas Düsterem zumute ist, der sollte sich am 16. Januar auf den Weg nach Esch machen.

Am 16. Januar in der Kulturfabrik.

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