JAZZ: Jaga

Jaga, What we must, Ninja Tune, 2005.

What we must heißt das neue Album des 10-köpfigen Jazz-Kollektivs Jaga (vormals bekannt als Jaga Jazzist) und damit ist der norwegischen Band ein episches Meisterwerk gelungen. Nach endlosem Touren und nachdem die Arbeit an der Platte nur schleppend voranging, flüchtete sich Jaga in ein isoliertes Studio in den norwegischen Wäldern und nahm live in nur einem Take das Demo „Spydeberg Session“ auf. Zurück im Studio wurde diese Session als Basis für das aktuelle Album benutzt – für die Band ist das vielleicht die radikalste Entwicklung in ihrer bisherigen Karriere. Hier feiert die Gitarre triumphal ihre Rückkehr, und trotzdem wird den abstrakten Gesangspassagen und dem Glockenspiel noch genug Platz eingeräumt. mehr lesen / lire plus

ROCK: White Stripes

The White Stripes, Get Behind Me Satan, XL/Beggars, 2005.

Lustig eigentlich: Während Coldplay vorgeworfen wird, sich mit „X&Y“ nicht wirklich erneuert zu haben, müssen sich die White Stripes den Vorwurf gefallen lassen, ihren erdigen Blues-Rock zu Gunsten schludrig aufgenommen Lo-Fi-Skizzen aufgegeben zu haben. In der Tat erschließt sich Get behind me Satan auch beim x-ten Hören nicht. Selbst ein lauer Aufguss des großartigen Vorgängers „Elephant“ könnte nicht so enttäuschend sein. „Artsy-Fartsy“ nennt es der Brite: Jack und Meg White bieten reichlich Attitüde aber wenig durchdachte Songs – als hätten sich beide lediglich beim Rumprobieren mit einem billigen Kassettenrecorder aufgenommen. Was bei Bands wie Coco Rosie oder Devendra Barnhart authentisch und erfrischend klingt, wirkt bei den White Stripes einfach nur ziellos. mehr lesen / lire plus

ROCK: Coldplay

Coldplay, X&Y, Emi, 2005.

Um es gleich klarzustellen: Die Frage, ob die neu veröffentlichte Scheibe „X&Y“ von Coldplay an das Vorgängeralbum „A Rush of Blood to the Head“ anknüpfen kann, steht an dieser Stelle nicht zur Debatte. Das neue Werk – an dem die Band immerhin drei Jahre lang werkelte – zelebriert erneut Melancholie und Weltschmerz in traumhaften Arrangements: Das sind Coldplay, wie wir sie seit „Parachutes“ lieben gelernt haben. Die Songs „Fix You“ und „The Hardest Part“ gehören zu den absoluten Höhepunkten. Ein richtiger Kracher fehlt auf den ersten Blick, dafür präsentiert sich die Scheibe ohne Durchhänger und in einer ansprechenden emotionalen Schlichtheit. mehr lesen / lire plus

COUNTRY: Ryan Adams and the Cardinals

Ryan Adams and the Cardinals, Cold Roses, Fargo, 2005.

Die fleißigen Songschreiber Conor Oberst und John Frusciante begrüßen ein neues Mitglied im Club, den Alt-Country Rebell Ryan Adams. Für 2005 hat Adams gleich drei Alben angekündigt. Cold Roses macht den Auftakt. Und kommt auch gleich als Doppelalbum daher. Den Rock’n’Roll dem er auf der gleichnamigen Scheibe noch frönte, hat er gleich wieder in den Schrank gehängt. Dafür gibt es auf Cold Roses eine doppelte Dosis Country. Die Gitarren perlen, die Pedal Steel schluchzt und auch das Songwriting ist gepflegter als auf Adams vorherigen Veröffentlichungen. Nicht alle Songs sind Highlights, und ein einziger Silberling mit zwölf Titeln hätte eigentlich auch gereicht. mehr lesen / lire plus

ROCK: Moving Units

Spätestens seit dem Erfolg von Franz Ferdinand im letzten Jahr ist die Retro-Post-Punk-Wave-Welle mächtig am Rollen. Das Trio Blake Miller, Johan Boegli und Chris Hathwell war bis 2001 in der Hardcore-Band „Festival of Dead Deer“. Nach deren Auflösung entschieden sie sich für den Namen „Moving Units“ und eine andere musikalische Richtung. Die Band aus Los Angeles vermischt auf ihrem Debut-Album Dangerous Dreams gekonnt Post-Punk mit New-Wave-Elementen, und macht diese mit einem anständigen Schuss Funk äußerst tanzbar. Die Rhythmus-Sektion der Band harmoniert perfekt und sorgt dafür, dass die zum Teil schrägen Gitarrensounds den Hörgenuss nicht stören. Die zwölf Tracks auf „Dangerous Dreams“ bieten über rund 40 Minuten viel Abwechslung und vor allem keine Schwächen. mehr lesen / lire plus

POP: Morrissey

Mit „You are the quarry“ und der Single „Irish blood, English heart“ hat der frühere „The Smiths“-Sänger Morrissey 2004 ein großartiges Comeback gefeiert. Nun bedankt er sich bei seinen Fans mit dem Live-Album Live at Earl’s Court, das an fünf Abenden im Dezember 2004 aufgezeichnet wurde. Der Sänger aus Manchester ist in bester Form und integriert, neben einigen Solo-Hits und Material von seinem letzten Album, sogar fünf Stücke von seiner Ex-Band, die von seinen aktuellen Musikern makellos interpretiert werden. Die Auswahl der Songs ist überzeugend und auch an der Soundqualität gibt es nichts zu bemängeln. Es ist jedoch bedauernswert, dass die Dialoge mit dem Publikum größtenteils herausgeschnitten wurden. mehr lesen / lire plus

POP: I Am Kloot

Gods and Monsters ist der Titel des dritten Albums der Band „I Am Kloot“ aus Manchester. Zusammen mit den Norwegern von „Kings of Convenience“ und einigen anderen Gruppen, surften sie vor ein paar Jahren auf der „Quiet is the new loud“-Welle, und schufen damals mit ihren akustischen Chillout-Klängen eine Alternative zum allgegenwärtigen Techno-Rummel. Fans der ersten Stunde werden von der neuen Scheibe vielleicht enttäuscht sein, da diese nicht so spärlich instrumentiert ist und daher auch ein wenig rockiger daher kommt als die beiden Vorgänger. John Bramwells Songwriting birgt aber nach wie vor einige tolle Überraschungen, die Mischung aus ruhigen und aufwühlenden Stücken passt und die limitierte Auflage des Albums, die mit einer umfangreichen Bonus-DVD (8 Live-Tracks, 3 Videos und ein Band-Interview) ausgestattet ist, sollte man nicht im Regal des Fachhandels verstauben lassen. mehr lesen / lire plus

POP: Musikalische Kurzgeschichten

Nach der DVD/CD-Veröffentlichung „Live at the Warehouse“ liegt nun endlich das überfällige fünfte Studioalbum „The Forgotten Arm“ von Aimee Mann in den Regalen. Ihre Songs sind kleine literarische Werke und erinnern an pointierte Kurzgeschichten, musikalisch raffiniert verpackt. Auf der neuen Scheibe erzählt sie in zwölf Songs, die Geschichte von John und Caroline: von ihrer Begegnung, ihrer Liebe und ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten. Der Retro-Sound spiegelt den Geist dieses in nur fünf Tagen eingespielten Konzeptalbums wider. Als Produzenten konnte Aimee Mann den Sänger und Songwriter Joe Henry verpflichten, der auch Ani DiFrancos letztem Wurf „Knuckle Down“ den Feinschliff verpasste.

Aimee Mann, The Forgotten Arm, V2, 2005. mehr lesen / lire plus

BLUES: Amos Lee

Pour faire court, on pourrait dire qu’Amos Lee, c’est Norah Jones au masculin: même maison de disques (Blue Note), même personnel et même approche minimaliste en ce qui concerne les arrangements. C’est d’ailleurs Lee Alexander, le bassiste de Jones, qui a produit le premier album d’Amos Lee, qui porte le nom de l’artiste. Et si vous croyez entendre la voix de la chanteuse, vous n’hallucinez pas, elle signe effectivement les deuxièmes voix et joue du piano. Les puristes vont reprocher à ce disque un manque de profondeur ou d’originalité, car c’est vrai que Lee se contente de cuisiner les bonnes vieilles recettes du blues et cela avec des ingrédients allégés. mehr lesen / lire plus

POP: Tanita Tikaram

Tanita Tikaram wurde als One-Hit-Wonder abgehakt, nachdem ihre Karriere nach dem ersten großartigen Album „Ancient Heart“ gehörig ins Stottern geriet. Was kaum jemand weiß: Die 36-jährige Britin hat weiter regelmäßig CDs produziert, von denen aber lediglich ihre treuen Fans Notiz nahmen. Mit ihrer sechsten Platte „Sentimental“ setzt Tikaram noch einmal zum Come-back an. Aber diese lahme Mischung aus Jazz und Italo-Pop kann wirklich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. War ihre dunkle Altstimme in den Achtzigern eine willkommene Abwechslung inmitten des Synthiepop-Einerleis, so stößt die Sängerin beim Versuch, sich sinnlich zu geben, überdeutlich an ihre Grenzen. Die Songs klingen alle gleich, die Texte sind nichtssagend und austauschbar, die Arrangements gepflegt aber uninspiriert. mehr lesen / lire plus

ROCK: Biolay décoiffé

Dire qu’avec son nouvel album „A l’origine“ Benjamin Biolay a découvert le rock, comme l’ont fait certain-e-s journalistes français-es, serait sans doute exagéré. Mais il est vrai que cet opus décoiffe plus que ses prédécesseurs. Certes le chansonnier flotte toujours dans une espèce de mélancolie existentialiste („Mon amour m’a baisé“ ou „Mes peines de coeur“) – le mal de vivre est cependant contrebalancé par des arrangements moins élégants et plus rugueux. A écouter absolument: la chanson-titre „A l’origine“ dans laquelle l’auteur Biolay aligne les trouvailles („A l’origine les poules étaient des nuggets“), et le très beau „Dans mon dos“. Parmi les invité-e-s, on note Françoise Hardy pour le duo „Adieu triste amour“ et une chorale enfantine qui procure un peu d’innocence à un disque merveilleusement désabusé. mehr lesen / lire plus

ROCK: Kettcar

Kettcar, Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen, Grand Hotel Van Cleef, 2005

Neulich die Nachricht in den Tagesthemen: Die Band Kettcar hat ein neues Album veröffentlicht. Nach dem mittelschweren Begeisterungssturm, den das Debüt der Hamburger vor zwei Jahren entfachte, schießen Kettcar mit „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ den Vogel endgültig ab. Weniger Gassenhauer, dafür eine Handvoll einfach schöne Songs: Kettcar beweisen ein Händchen für Geschichten, die jetzt, hier oder überall passieren können. Vielleicht bestes Beispiel ist „48 Stunden“, die Chronik des Scheiterns einer Liebe auf Distanz. Musikalisch wirkt alles gefällig, vieles berührend, manches fast beliebig. Doch dank der wie gewohnt famosen Texte von Markus Wiebusch spricht Kettcar die ZuhörerInnen ohnehin vor allem auf einer emotionalen Ebene an: Hier läuft der Film deines Lebens und Kettcar gewinnen klammheimlich den Oskar für das beste Drehbuch. mehr lesen / lire plus

JAZZ: Michel Reis: „A young mind“

CD „A young mind“ chez WPR

Tandis que nos footballeurs continuent de perdre inlassablement, nos artistes, en l’occurrence les musiciens de jazz, gagnent de plus en plus souvent sur le plan international. Après la victoire de l’année dernière de Pascal Schumacher au tremplin international de jazz à Avignon, c’est au tour du pianiste Michel Reis de se faire remarquer. Et cela en obtenant une quatrième place lors de la première édition de la compétition internationale pour musiciens de jazz à Moscou, réservée cette année aux seuls pianistes âgés de 18 à 26 ans. Sortant du lot de 250 participants, Michel Reis a certainement dû impressionner les membres du jury international, dont le pianiste franco-algérien Martial Solal. mehr lesen / lire plus

FOLK: Andrew Bird: The Mysterious Production of Eggs

Andrew Bird, The Mysterious Production of Eggs, Fargo Records, 2005.

„Nicht so üppig wie Rufus Wainwright, nicht so zerbrechlich und depressiv wie Elliott Smith, nicht so sparsam wie Jack Johnson und nicht so tot wie Jeff Buckley“, schrieb ein Kritiker auf Amazon.de über Andrew Birds CD „The Mysterious Production of Eggs“. Damit wäre alles gesagt und doch nichts verraten. Eins ist sicher: Bird ist ein ganz Großer, einer von den Songwritern, die einfachste Melodien in atemberaubende Songs verwandeln und dabei nie abgegriffen klingen. Seine Stimme ist kantig genug, damit die ZuhörerInnen aufhorchen. Trotz tieftrauriger Lyrik darf hin und wieder gegrinst werden. mehr lesen / lire plus

ROCK: The Convertibles

The Convertibles, Rock’n’Roll delux, 2005, 18 €. www.convertibles.lu

Als Live-Band haben sich die Convertibles hier zu Lande mittlerweile einen beachtlichen Ruf eingespielt. Wo auch immer das Quintett um Sänger Ralf „Alvis“ Haas auftaucht, ist Stimmung angesagt. Rock’n’Roll-Klassiker in traditioneller Manier gespielt und mit Mut zum Klischee dargeboten. Keine falsche Scheu vor Glitzerhemden und blank polierten Schuhen. Jetzt gibt es unter dem Titel „Rock’n’Roll delux“ den Nostalgie-Trip auch zum Mitnehmen. 21 Songs sind auf dem Album, darunter zwei eigene Kompositionen „Bad Cat“ und „Cripple Rock“, das bereits in Andy Bauschs „La Revanche“ zu hören war. So schmissig wie auf der Bühne kommt das Ganze auf CD leider nicht herüber. mehr lesen / lire plus