Chronik: Virun 100 Joer (5)
: Die Stunde des Pazifismus

Eine der Ursachen der Russischen Revolution im Jahre 1917 war die Kriegsmüdigkeit der russischen 
Bevölkerung. Zugleich war die 
Revolution ein Ruf nach einem europäischen Friedensschluss ohne 
jegliche Bedingungen. Auch in Luxemburg war damit die Frage gestellt, wie sich die Sozialdemokratie zum Krieg positionieren sollte.

Endlich Frieden: Russische und deutsche Soldaten tanzten miteinander, um das Ende des Krieges an der Ostfront 1918 zu feiern.
(Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-S10394 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de)

„Gleich nach dem Gelingen der russischen Revolution am 28. März richtete der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat einen Aufruf an die Völker der Welt, in dem er die europäischen Völker zu gemeinsamem entscheidenden Vorgehen zu Gunsten des Friedens aufforderte, ‚Friede ohne Annexionen und Entschädigungen auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker‘ war in seiner kürzesten Fassung das russische Programm.“ So hieß es im Sommer 1917 in der Gewerkschaftszeitung „Die Schmiede“.  mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (5): Gemeinsam 
gegen den Krieg?


Eigentlich wollte die internationale sozialistische Bewegung zusammenhalten und sich für den Frieden einsetzen. Doch bei Beginn des Ersten Weltkriegs gerieten viele westeuropäische Arbeiterparteien in eine tiefe Krise. Um die Beziehung zwischen Sozialismus, Russischer Revolution und Pazifismus geht es im folgenden Gespräch mit Charel Roemer und Raymond Klein.

Der woxx-Journalist Raymond Klein, seit 35 Jahren von der Geschichte der 
Russischen Revolution fasziniert. (Fotos: Radio 100,7)

War der Frieden zwischen den Nationen vor dem Ersten Weltkrieg bereits ein gesellschaftliches Thema?


Charel Roemer: Das Thema war stark präsent, wenn auch vielleicht nicht so wie nach dem Ersten Weltkrieg. Der Pazifismus war jedoch eher in bürgerlichen Kreisen zu finden, wo man sich vor allem mit dem Völkerrecht als schiedsrichterlichem Instrument zur Konfliktregelung auseinandersetzte. mehr lesen / lire plus

Populismus
: Am Numm vum Vollek

Wat ass Populismus, wéi huet en sech historesch ausgedréckt, a gëtt et Populismus nëmme vu riets? An der wëssenschaftlecher Analys gëtt dee Begrëff méi als eng Strategie oder e Politikstil wéi als eng Ideologie beschriwwen.

Populistesch Tendenzen, e stännege Begleedeffekt vum demokratesche Parlamentarismus? Hei d’Beispill vum Leo Müller senger „Nationaldemokratescher Bewegung“ an den 30er-Jore vum 20. Joerhonnert. (Quelle: Bibliothèque nationale du Luxembourg)

Virun e puer Wochen hat ech de Pleséier, un enger Gespréichsronn zum Thema Rietspopulismus deelzehuelen, déi vun der Monatszäitschrëft forum organiséiert gi wor. Zwou Froe si mer direkt an de Kapp komm, wéi ech déi Invitatioun krut: Wat heescht Populismus iwwerhaapt, an ass dat dann e Phenomen, dee politesch nëmme riets ze fannen ass? mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (4): 1917: das Jahr des großen Streiks

Ende Mai 1917, mitten im Krieg, riefen die Arbeiter im Süden des Landes den Streik aus. Welche waren ihre Motive? Und was hatte der Streik mit der Russischen Revolution zu tun?

Eines der seltenen Bilder zum Juni-Streik von 1917, hier eine Demonstration in Düdelingen.

„Alle Tage Kohlrabien, Kohl und Möhren ist nichts, um arbeiten zu gehen,“ so hieß es im Dezember 1916 auf einer Arbeiterversammlung. Und weiter: „Entweder schafft die Regierung uns Futter oder wir legen die Arbeit nieder.“ Die Kartoffeln seien teurer geworden als die Orangen, was damals etwas hieß. [1] Die katastrophale Lebensmittelsituation und die steigenden Preise wurden auch nicht durch entsprechend höhere Löhne in den Eisenhütten kompensiert. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (4): Der große Juni-Streik

„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will” – dieser bekannte Vers aus einem Arbeiterlied beschreibt prägnant die Erwartung der Luxemburger Arbeiter, die im Ersten Weltkrieg zunehmend auf das Mittel des Streiks in ihren Arbeitskämpfen setzten. Über den ersten Massenstreik von 1917 in der Eisenindustrie diskutierten Jacques Maas und Jean-Marie Majerus.

Wie kam es mitten im Krieg zum ersten Massenstreik in Luxemburgs Geschichte. Spielte die Russische Revolution die Rolle eines Katalysators? Darüber diskutierten Jean-Marie Majerus (links) und Jacques Maas (rechts). (Fotos: Radio 100,7)

woxx: Wie war der Entwicklungsstand der Luxemburger Gewerkschaften zu Beginn des Ersten Weltkriegs?


Jacques Maas: Man kann von einer gewissen Verspätung sprechen, besonders im Vergleich mit der Großregion. mehr lesen / lire plus

Europäeschen Kolonialismus: Exploration du monde


Am Nationalmusée leeft zënter e puer Wochen eng Ausstellung iwwer Portugal als Séifuerernatioun. D’Geschicht vum portugisesche Welträich ass méi komplex a schreift sech an déi vum europäesche Kolonialismus an.

João de Castro (1500-1548), Séifuerer a Vizekinnek vu Portugisesch-Indien. (Quell : WikiCommons)

„In the fifteenth century, Portugal, the country with the oldest borders in Europe, began to create a global empire that would extend its sphere of influence all the way from Africa to Asia and Brazil.“ Mat dëse Wierder gëtt déi eng Ausstellung iwwer Portugal am Nationalmusée ageleed. „Portugal: Drawing the World“ ass hiren Titel, an et handelt sech ëm eng Ausstellung, déi vum „Museu Nacional de Arte Antiga“ vu Lissabon konzipéiert an zesumme mam Lëtzebuerger Nationalmusée fir Lëtzebuerg adaptéiert gouf. mehr lesen / lire plus

Antisemitismus
: E kopernikaneschen Tournant


Zu Ettelbréck ass eng Strooss ëmbenannt ginn. De Grond: Deen, deem seng Memoire joerzéngtelaang doduerch geéiert gouf, datt déi Strooss no him benannt gouf, wor en notoreschen Antisemit.

De J.-B. Fallize, e kathoulesche Kulturkämpfer am 19. Joerhonnert. 
Säin Antisemitismus ass laang Zäit ausgeblend ginn. (Quell: WikiCommons)

„Et drängt sech einfach op.“ Dat wor dem Jean-Paul Schaaf, Buergermeeschter vun Ettelbréck, säi Constat an der Sëtzung vum Ettelbrécker Gemengerot vum 26 Abrëll. Domat huet en op eng Propositioun vun de Gréngen am Ettelbrécker Gemengerot reagéiert, fir d’Montée Monseigneur Fallize, eng kleng Ettelbrécker Strooss, ëmzebenennen. [1]

De Jean-Baptiste Fallize, dee vun 1844 bis 1933 gelieft huet, huet an der Zäit vum Kulturkampf an den Achtzegerjore vum 19. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (2): Eine neue Weltordnung?
: Kommunismus: eng Alternativ zur Sozialdemokratie?

Reform oder Revolution? Die Frage ist so alt wie die Arbeiterbewegung. Doch was bedeutete das Aufkommen des Kommunismus nach 1917 für die Sozialdemokratie? Darüber diskutierten Änder Hoffmann und Régis Moes.

Gab es immer schon Teile der Ar-
beiterbewegung, die das kapitalistische System radikal abschaffen wollten? 


Der Historiker Régis Moes ist Spezialist zu Fragen des Kalten Krieges. (Fotos: Radio 100,7)

Régis Moes: Die Spannungen zwischen revolutionären und parlamentarisch orientierten Bewegungen kann man während des gesamten 19. Jahrhunderts erkennen. Revolten wie die „Commune“ von 1870 in Frankreich entstanden meist in einem Krisenkontext, häufig auch am Ende eines Krieges, der für die Bevölkerung meist Engpässe in der Lebensmittelversorgung und in der Organisierung des Alltags bedeutete und zur Radikalisierung beitrug. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (3): Eine linke Alternative zur Sozialdemokratie?

Wie hältst du’s mit der Revolution? Diese Gretchenfrage stellte sich nach 1917 auch für die Luxemburger Sozialistische Partei.

Luxemburgische Version des Kommunistischen Manifestes, 1983 (übersetzt von Romain Hilgert).

In Deutschland wurde die Frage bereits seit dem 19. Jahrhundert diskutiert: Sollte man auf einen revolutionären Umbruch setzen, der den Sozialismus bringen würde, oder in kleinen Schritten gesellschaftliche Reformen anstreben, die die Lage der Arbeiterschaft verbessern würden? In der Praxis zeigte sich, dass die Sozialdemokratie dort, wo sie auf kommunaler Ebene Wahlen gewinnen konnte, zu einer Reformkraft heranwuchs, die auf konstruktive politische Arbeit setzte statt auf Konfrontation. Dass es in der Sozialdemokratie aber zwei Flügel gab, einen revolutionären und einen reformistischen, wurde spätestens deutlich, als der Erste Weltkrieg ausbrach und in Deutschland die Mehrheit der sozialdemokratischen Abgeordneten für die Kriegskredite stimmte. mehr lesen / lire plus

2. Londoner Vertrag
: 1867: och e Stéck Zäitgeschicht


Eng Ausstellung am Nationalmusée mécht op den 150. Joeresdag vum 11. Mee 1867 opmierksam. Den Datum vun der Ënnerschrëft vum 2. Londoner Vertrag huet fir vill Leit net méi vill Bewandnis. Mee en ass e Beispill dofir, datt déi Lëtzebuerger an déi europäesch Geschicht net am 20. Joerhonnert ugefaangen hunn.

D’Post huet dës Woch esouguer e speziellen Timber fir 150 Joer 2. Londoner Vertrag erausbruecht: D’Stad konnt sech no Westen erweideren, do wou fréier Festungsmauere stoungen ass elo de Stater Park. (Quell: Post Lëtzebuerg, Kontext sàrl)

„Le 11 mai 1867 est sans conteste la date la plus importante de notre histoire. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (2): Dabei gewesen: Luxemburger in Russland

Als vor 100 Jahren in Russland die Revolution ausbrach und der Bolschewismus sich durchsetzte, waren auch Luxemburger dabei – die meisten allerdings eher unfreiwillig.

Lenin und die Massen. Versteckten sich in ihr auch Menschen aus Luxemburg? (Quelle: WikiCommons)

„Hierlands besteht wohl eine Verfassung, aber nicht für die Arbeiterklasse […]. Wir wollen gleichfalls wie die Russen rastlos für Umänderungen kämpfen, überall energisch für die russische revolutionäre Partei eintreten und auf Verschwinden des Blutzaren wie seiner Blutratgeber hoffen.“ So äußerte sich der Sozialdemokrat Jacques Thilmany 1905 auf einer Volksversammlung in der Stadt Luxemburg, bei der ein russischer Revolutionär die Lage in Russland darstellte. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (1): Die Februar-Revolution 
in der Luxemburger Presse

Der erste Beitrag zur Chronik der Ereignisse von 1917 beschreibt, wie die Ereignisse in Russland in den Luxemburger Zeitungen dargestellt wurden. In der linken Presse wurde Russland damals zum Vorbild für Luxemburg.

Die Abdankung des russischen Zaren markierte den Beginn des grundlegenden Wandels in Russland. Wenn auch mit einer Woche Verspätung war diese Nachricht dem „Escher Tageblatt“ doch einen Aufmacher wert. (Quelle: e-luxemburgensia)

Am Anfang war der Hunger. Als sich in den Februarwochen 1917 die ersten Revolten in Petrograd ausbreiteten und die Menschen begannen, die Bäckereien zu stürmen, ging es um die katastrophalen Zustände in der russischen Lebensmittelversorgung. Die Bäckereien in Petrograd blieben geschlossen, weil sie wegen Mangels an Mehl kein Brot mehr backen konnten. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (1): Die Februar-Revolution in Russland
: Eine Hoffnung für die Luxemburger Arbeiterschaft?

In Russland hatten die Menschen die Arbeit niedergelegt, die Bäckereien gestürmt und den Zar abgesetzt – so konnte man es ab Mitte März 1917 auch in der Luxemburger Presse lesen. Über die „Februar-Revolution“ vor 100 Jahren und ihre Folgen für Luxemburg diskutierten die beiden Historiker Ben Fayot und Henri Wehenkel.

Trug die russische Februar-Revolution zur Radikalisierung der Luxemburger Arbeiterschaft bei? Darüber diskutierten die Historiker Ben Fayot … (Foto: radio 100,7 / Yves Stephany)

woxx: Wie war die Lage der Arbeiterbewegung in den Jahren vor der „Februar”-Revolution, die nach unserem Kalender im März stattfand?


Ben Fayot: Vor dem Ersten Weltkrieg war die Luxemburger Arbeiterbewegung gespalten: Die 1902 gegründete Sozialdemokratische Partei hatte zwei Abgeordnete, Caspar Mathias Spoo und Dr. mehr lesen / lire plus

Fraen a Gender: Vun der Fraegeschicht zur gender history


Ronderëm den 8. Mäerz, dem internationale Fraendag, steet oft Geschicht vun der Fraenemanzipatioun am Virdergrond. Déi aner 364 Deeg am Joer bleift se och am 21. Joerhonnert oft nach ënnerbeliicht. Mee ass dës Perspektiv op d‘Geschicht iwwerhaapt nach produktiv?

Ee Klassiker vun der Ausernanersetzung matt Fraegeschicht koum 1984 ënnert der Direktioun vun der Michelle Perrot eraus. Deemols scho gouf d’Fro no der Realiséierbarkeet a vum Notze vun enger spezifescher Geschichtsschreiwung gestalt.

Kennt Dir den Numm vun der éischter Deputéierter am Lëtzebuerger Parlament? Oder déi vun der éischter Ministesch? Hutt Dir vun der Aar-
bechterin Margarethe Hey gehéiert, déi sech virun 100 Joer zu Lëtzebuerg fir d’Fraewalrecht staark gemaach huet? mehr lesen / lire plus

Interkulturalitéit: Historia cruzada?

An der Geschichtsfuerschung gëtt schonn zënter enger Zäit driwwer nogeduecht, ob a wéi een Immigratiounsgeschicht an de Kader vum Geschichtsdiscours vun engem Land ka setzen. Déi Fro stellt sech natierlech och fir Lëtzebuerg – zum Beispill, wann et ëm seng portugisesch Minoritéit geet.

Portugal, e Kolonialräich vu 1415 bis 2002. (Quell: uni.lu)

Virun enger Zäitchen huet d’Regierung en neie Logo agefouert. D’Grafik dovunner spillt mat der Iddi, datt den „x“ am Wuert „Luxembourg“ als Kräizung ze deiten ass, eng Plaz also, wou sech zwee Weeër begéinen. Wou sech Weeër begéinen, begéinen sech och Leit – eigentlech eng schéi Virstellung, déi op interkulturellen Austausch verweist. mehr lesen / lire plus