SCHÜLERSTREIK: Fit, flott an arbechtslos

Der Arbeitsminister fühlt sich missverstanden. Doch trotz seines Willens zum Dialog will er die umstrittenen Neuregelungen zur Jugendarbeitslosigkeit Gesetz werden lassen.

Arbeitsminister Biltgen hat herausgefunden, weshalb die Schüler am heutigen Freitag streiken: Das Dossier Jugendarbeitslosigkeit ist zu kompliziert, um bloß in den klassischen Medien darüber zu sprechen. Aus dem Kontext gerissene Nebensätze hätten dazu geführt, dass die Jugendlichen glauben, die Regierung mache sie für ihre Situation verantwortlich. Bei soviel Kenntnis der Medien fragt sich, weshalb Politprofis wie Biltgen und Juncker partout nicht auf ihre griffig formulierten Nebensätze über das „Hotel Mama“ oder Schulabgänger, die lieber Urlaub machen als sich eine Arbeit zu besorgen, verzichten können. mehr lesen / lire plus

REFORM DES JAGDGESETZES: Jäger und Gejagte

Konfrontiert mit harter Kritik, schalten die Jäger auf stur. Doch ihre Ablehnung aller Reformansätze könnte am Ende die Existenz der Freizeitjagd in Frage stellen.

Die Freude der Jäger über den Beginn der neuen Jagdsaison ist getrübt, sind sie doch selber ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Ende Oktober sorgte ein Bild, das eine erlegte trächtige Wildsau mit daneben liegendem Fötus zeigt, für Aufregung. Die Jägerföderation konterte, indem sie das Foto als Fälschung bezeichnete. Das Bild stammt jedenfalls von einem deutschen Verlag, wurde also wohl nicht in Luxemburg aufgenommen.

Unbestreitbar dagegen ist der Erfolg einer Aktion der JagdgegnerInnen zum Schutz des Rotfuchses. Am vergangenen Dienstag überreichten VertreterInnen einer satirischen Wochenzeitung und zweier Tierschutzorganisationen Umweltminister Lucien Lux eine Petition mit über 8.000 Unterschriften. mehr lesen / lire plus

CHOMAGE DES JEUNES: Le monde selon Jean-Claude

„Beaucoup de jeunes partent d’abord en vacances et ne recherchent un emploi qu’en septembre. S’agissait-il d’un dérapage contrôlé ou d’une provocation mal étudiée de la part de Juncker? La démagogie a ses limites, surtout lorsqu’elle se heurte aux réalités.

Ils se rangent volontiers du côté de l’aile „sociale“ du CSV. Ils viennent du sud du pays et fiers d’être issus de milieux ouvriers. La défense du travailleur et de sa dignité constituent leur principal fond de commerce. Jusqu’à présent, ils ont réussi avec un certain brio à convaincre les foules et même une partie de l’élite intellectuelle de gauche de leur proximité avec le monde ouvrier. mehr lesen / lire plus

DRAPEAU: Réactionnaire

Le Luxembourg n’a-t-il pas d’autres problèmes que de débattre de son drapeau national? Si! C’est justement pour cela que la discussion a été lancée.

Lorsque le président du groupe parlementaire du CSV, Michel Wolter, a présenté à la presse sa proposition de loi ayant pour but la modification du drapeau national, on pouvait s’attendre à ce qu’elle trouve l’écho qu’elle ne mérite pas. Deux semaines plus tard, une initiative pro lion rouge issue de la „société civile“ se constitue et entend „faire pression sur les instances politiques“ pour éviter que la proposition „ne disparaisse (…) dans les méandres des procédures législatives“. mehr lesen / lire plus

NOBEL ET MICROCREDITS: Sauvés par les banques?

Le microcrédit est à l’honneur. Une raison pour faire le bilan des mérites de cette approche en matière d’aide au développment et mettre en garde contre tout enthousisme excessif.

L’attribution du prix Nobel de la paix au „père du microcrédit“ fait l’objet d’un large consensus. „Mohammed Yunus, ‚prêteur d’espoir'“, titre Libération, et la Neue Zürcher Zeitung (NZZ) exulte: „La paix par le développement“. Alors que le choix du Nobel de littérature Orhan Pamuk engendre des affrontements politiques, tant d’unanimité pour le „Nobel politique“ a quelque chose de réconfortant. C’est précisément cela, moins que l’attribution en elle-même, qui laisse dubitatif.

Le choix de l’économiste bengali Mohammed Yunus, ainsi que de la banque Grameen qu’il a fondée, pour le Nobel de la paix a le mérite de rappeler à l’opinion mondiale la réalité et l’importance des inégalités Nord-Sud. mehr lesen / lire plus

HAUSHALTSDEFIZIT: Unsoziale Automatismen

Der Staat nimmt nicht genug Geld ein, um seine Aufgaben zu erfüllen. Sparen sollen die, die am wenigsten haben.

Zumindest in einem Punkt entbehrt die Haushaltsvorlage 2007 nicht einer gewissen Symbolik: Erstmals plant der Staat binnen einem Haushaltsjahr mehr als zehn Milliarden Euro, also gut 400 Milliarden alter Franken, auszugeben; die Einnahmen sollen allen Vorhersagen nach allerdings neunstellig bleiben.

Ob die Vorlage, wie von Budgetminister Luc Frieden gewünscht, als „Reformhaushalt“ in die Annalen der Geschichte eingehen wird, darf nach einer vorläufigen Analyse angezweifelt werden. Wenn Reform bedeutet, das Haushaltsdefizit grundsätzlich eher mit einem Abbremsen der Ausgaben als mit einer Erhöhung der Einnahmen zu bekämpfen, mag Friedens Darstellung richtig sein. mehr lesen / lire plus

NATIONALE EMBLEME: Flagge zeigen

Neue Wimpel braucht das Land. Wirklich?

Zumindest eines hat der Fraktionsvorsitzende der CSV geschafft: In einer Woche voll von hochkarätigen Presseterminen ist es ihm gelungen, mit seinem nach eigener Einschätzung „nicht wichtigsten Thema unserer Zeit“ die Hoheit über die Stammtische zurück zu erlangen. So manche PressekollegInnen hegten den Verdacht, mit dem Trikolore-Nein-Danke-Thema wolle Michel Wolter (CSV) von der Schmach des Herrscherhauses und dessen ursprünglich zum Verkauf freigegebenen Kluncker ablenken. Ob dem wirklich so ist, das weiss mit letzter Gewissheit wohl nur der Autor der „proposition de loi portant modification de la loi du 23 juin 1972 sur les emblèmes nationaux, telle qu’elle a été modifiée“. mehr lesen / lire plus

MONARCHIE: Wer braucht den Adel?

Mehr Transparenz bitte. Die rezenten Diskussionen um Gréngewald und Familienjuwelen haben die Diskussion um die Kommunikationspolitik des Hofes neu entfacht. Aber grundsätzlichere Fragen mag niemand stellen.

„Untertanen produzieren Verschiedenes, unter anderem Tyrannen.“ Das Brecht-Zitat ließe sich leicht angepasst auch auf die Luxemburger Situation anwenden: Ein monarchistisch veranlagtes Volk (re)produziert sich seine Monarchie. Was sich in den letzten Wochen in den Luxemburger Medien abspielte, ist bezeichnend für das Verhältnis der Luxemburger Öffentlichkeit zur Monarchie. Jeder weiß, dass der Kaiser nackt ist, aber man man ist „not amused“, wenn er selbst seine Blöße offenbart. Genüsslich werden die Feierkrop-Investigationen über den Hof aufgesogen, gerne greift man zu Neuer Post und Point de Vue, um den jüngsten Klatsch über das Herrscherhaus zu Gemüt zu führen. mehr lesen / lire plus

BENOIT XVI ET L’ISLAM: Tempête dans un bénitier

Après les caricatures, le pape. Encore une fois les véritables questions s’effacent derrière le buzz médatique.

La rétractation de Benoî t XVI aura du moins eu un effet secondaire plutôt remarquable: il a mis d’accord Mahmoud Ahmadinejad et George W. Bush. Le président iranien, à la surprise de tous, a déclaré que l'“Iran respecte le pape“. Son opposant américain a vu dans les mots de Benoî t XVI une contribution importante dans la guerre contre le terrorisme. En tant que spectateur on peut se demander à quoi servent de telles déclarations. Si le soutien de Bush au pape ne surprend guère, il faut tout de même noter que son prédécesseur démocrate Bill Clinton a violemment attaqué les propos pontificaux. mehr lesen / lire plus

MOBILITÄTSWOCHE: Einweihen und ankündigen

Eine Woche lang wird mit spektakulären aber lebensfernen Aktionen die Werbetrommel für alternative Verkehrsmittel gerührt. Das Mobilitätsverhalten wird sich trotzdem nur langsam verändern.

Es war einmal … der Tag ohne Auto. Doch weil sowieso niemand auf die vier Räder verzichten mochte, wurde er umgetauft und – als Kompensation – ausgeweitet: Die Mobilitätswoche war geboren. In diesem Jahr ist der Wandel in Luxemburg vollzogen. Die Zeile „En ville sans ma voiture“ taucht nur noch unten rechts auf Seite 3 der Mobilitätsbroschüre auf – als Kleinstgedrucktes.

Seit zwei Jahren im Amt, setzt Umwelt- und Transportminister Lucien Lux vor allem auf positive Botschaften. Die Pressekonferenz zur Mobilitätswoche nutzte er, um den Ausbau des öffentlichen Transports zu bilanzieren und neue Initiativen anzukündigen. mehr lesen / lire plus

NATIONALITE: Appellation d’origine contrôlée

Le gouvernement réforme enfin la législation sur la nationalité. Mais les questions essentielles sur la citoyenneté ne sont toujours pas abordées.

Tout ça pour ça. Des semaines de débats, des mois de tergiversations, des décennies d’immigration. Le Luxembourg, ce petit pays dont plus de 40 % de la population est de nationalité étrangère, ainsi que les deux tiers du salariat, consent enfin à réformer – à nouveau – sa législation en matière de nationalité. Audace suprême, le principe de la double nationalité est enfin acquis.

Luc Frieden (CSV), le ministre de la justice, a défini ce lundi quatre conditions pour l’octroi de la qualité de luxembourgeois: avoir résidé sur le sol luxembourgeois depuis au moins sept ans, réussir la phase d’apprentissage de langue luxembourgeoise, suivre six heures de cours d’instruction civique et ne pas voir été condamné à une privation de liberté supérieure à deux ans. mehr lesen / lire plus

URBANISMUS: Technokratenparadies

Die „Fondation de l’Architecte“ moniert städtebauliche Sünden, will jedoch keine Eigenverantwortung übernehmen.

Mit Luxemburgs Architektur steht es nicht zum Besten. Diese nüchterne Feststellung macht die „Fondation de l’Architecture et de l’Ingénierie“ in ihrem Beitrag zur Architektur-Biennale in Venedig, die ab dem 10. September in der Dogenstadt abgehalten wird. François Valentiny, Vorsitzender der Luxemburger Architekten- und Ingenieurvereinigung, macht dafür provinzielles Denken und fehlende intellektuelle Stimulation verantwortlich. Das Luxemburger Paradies, so die ironische Message des filmischen Biennale-Beitrags, mag ein finanzielles sein. Architektonisch bietet das Großherzogtum aber nur Mittelmaß und peinliche Entgleisungen. Es sei eine bestimmte Gesellschaft, die eine bestimmte Architektur hervorrufe, so Valentiny, der auch als Ausstellungskommissar für den Luxemburger Beitrag fungiert. mehr lesen / lire plus

HÄUSLICHE GEWALT: Wegweisung wegweisend

Zwar erhält das Gesetz gegen häusliche Gewalt von allen gute Noten. Die zugrunde liegenden Probleme werden aber kaum gelöst.

„Wer schlägt, muss gehn“. Als dieses Prinzip im November 2003 in Luxemburg Gesetzeskraft erhielt, ging ein jahrelanges Tauziehen zu Ende, bei dem insbesondere die oberen Rechtswächter des Staatsrates bis dahin geltende Grundprinzipien in Gefahr gesehen hatten. Die Rede ist vom so genannten „Wegweisungsgesetz“, das im Falle von Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung in Haushalten ein Wohnungsverbot von zehn Tagen für den Aggressor – oder seltener: die Aggressorin – vorsieht. Ausgesprochen wird dieses Verbot von der Polizei, nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft. Diese vorbeugende Maßnahme sieht keine Einspruchsmöglichkeit vor und kann bis auf drei Monate verlängert werden – dann allerdings aufgrund eines richterlichen Beschlusses, der von den Betroffenen anfechtbar ist. mehr lesen / lire plus

AIDS-KONGRESS: Das ABC von Toronto

Weltweit steigen die Ausgaben zur HIV-Bekämpfung, aber auch die Zahl der unbehandelten Opfer nimmt zu.

„Abstinence, Be faithfull and use Condoms“ – so lautet in den englischsprachigen Ländern Afrikas eine der Parolen, die knapp, aber bestimmt erläutern, worauf es bei der Aidsbekämpfung ankommt. Dieses Aids-ABC war an sich bereits ein Zugeständnis an konservative Kreise, die vor allem in sexueller Enthaltsamkeit die Lösung für eine Epidemie sehen, die seit ihrer Entdeckung den Tod von mehr als 25 Millionen Menschen gefordert hat. So hat es Jahre gedauert, bis in den am stärksten betroffenen Ländern des afrikanischen Kontinents der Gebrauch des Kondoms erst enttabuisiert, und dann propagiert werden konnte. mehr lesen / lire plus

KIRCHBERG: An den Menschen vorbei

Seit einem halben Jahrhundert wird versucht, den Kirchberg zu urbanisieren. Der Erfolg lässt auf sich warten.

Als die ersten Ideen für das nord-östlich des Stadtzentrums gelegene „Kirchberg-Plateau“ entwickelt wurden, war Urbanismus vom Reißbrett gerade voll in Mode. Wer kennt sie nicht, die Bilder der neuen Metropolen wie Brasilia – weite, mehrspurige Straßen und breite, funktionale Betonbauten – und vor allem: möglichst wenig Atmosphäre.

Luftaufnahmen des Kirchberg aus jener Zeit zeigen: Auch das behäbige Luxemburg sollte binnen weniger Jahre ins moderne Zeitalter transferiert werden – freiwillig oder gezwungen, das stand damals nicht zur Debatte.

Zumindest in den ersten Jahren gab es noch etwas Hoffnung, dass Luxemburg irgendwann zu „der“ europäischen Hauptstadt mutieren könnte. mehr lesen / lire plus