NINE-ELEVEN: Nach dem Kollaps

In Don DeLillos 9/11-Roman „Falling Man“ verwandelt sich der Anschlag auf das World Trade Center in ein therapeutisches Problem privater Traumata.

In den Augen der antisemitisch motivierten Attentäter ein Symbol der vermeintlich jüdisch beherrschten USA: Ein Tower des World Trade Center in New York.

„Es war keine Straße mehr, sondern eine Welt, Zeit und Raum fallender Asche und nahezu Nacht. Er ging nordwärts durch Trümmer und Schlamm, und Menschen rannten an ihm vorbei, hielten sich Handtücher ans Gesicht oder Jacken über den Kopf.“ Don DeLillos neuer Roman beginnt mitten im Chaos der brennenden Türme des World Trade Center. „Falling Man“ schildert den 11. mehr lesen / lire plus

DEMENZ: Der Verlust der Welt

Die dänische Autorin Kirsten Thorup und ihr niederländischer Kollege Bernlef versuchen herauszufinden, was im Kopf von Alzheimerkranken vor sich geht.

Wenn die Erinnerung verloren geht:
Den Alltag aufhellen, ohne ein Lachen zu erzwingen, möchte
dieser Klinikclown.

„Das Alter ist kein Kampf,
das Alter ist ein Massaker.“
(Philip Roth)

Schätzungsweise 5.000 Menschen in Luxemburg leiden an Alzheimer. Diese Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Langsam aber stetig fortschreitend gehen die Nervenzellen des Gehirns unter, was ebenso fortschreitend zum Verlust des Gedächtnisses führt. Das Leiden gleicht einem Verdikt, denn eine Heilung ist bis dato nicht möglich. Neben der schwindenden Intelligenz stellt die Veränderung in der Persönlichkeit eines der drastischsten Symptome dar, nicht zuletzt für die Umwelt der Erkrankten. mehr lesen / lire plus

Neue Staubfänger braucht das Land

(lc) – Es war an der Zeit, dass sich die luxemburgische Autorenriege selbst ein Denkmal setzt. Dass Luxemburgensia-Regale in den Buchhandlungen noch immer hauptsächlich Staubfänger sind, hat die AutorInnen Germaine Goetzinger und Claude D. Conter nicht davon abgehalten den Versuch zu unternehmen, sämtliche Schreiberlinge des Landes in ein Buch zu pressen. Herausgekommen ist das Luxemburger Autorenlexikon, ein wissenschaftlich anmutender Schmöker, der im Detail fast jeden auflistet, der in Luxemburg je zur Feder griff. Interessant sind zumal die Einträge, welche Autoren aus dem 18. Jahrhundert betreffen, zum Beispiel Michel Eiffes und seine Chronik über die Zeit als Soldat der napoleonischen Armee, die bis dahin dem breiten Publikum unbekannt war. mehr lesen / lire plus

Cartes et concepts

RK) – A un moment où la gauche française continue à délaisser la thématique environnementale, la publication de l’Atlas environnement par le Monde diplomatique a valeur de symbole. « La survie de la planète [constitue] désormais la priorité des priorités », affirme dans un article introductif Dominique Vidal, journaliste au « diplo ». Ce changement de paradigme, induit par la conscience de la menace climatique, se réflète dans l’atlas : plus de la moitié des articles traitent du climat ou de l’énergie. La publication, vendue 7,50 euros seulement en kiosque, offre un bon résumé des défis écologiques des décennies à venir. Les cartes et schémas y sont abondants et bien choisis, la présentation en double page est agréable à lire – même si elle impose aux auteur-e-s de rester à la surface des choses. mehr lesen / lire plus

GEFUNDEN: Ein spätes Geschenk

Der nun veröffentlichte Jugendroman Jean Amérys ist ein Meisterwerk des Humanismus.

Unmöglich zu bleiben, wer man ist, unmöglich, ein anderer zu werden: Jean Améry.
(Foto: Lutz Möhring)

Als Jean Améry 1935 die Arbeit an seinem ersten Roman „Die Schiffbrüchigen“ abschloss, war er knapp 23 Jahre alt. Über siebzig Jahre sollte es jedoch dauern, bis der Roman bei Klett-Cotta zur Veröffentlichung kommen würde. Während des Krieges galt das Buch dem Autor als verloren, als er das Manuskript 1949 zufällig wiederfand, blieb der Versuch einer Publikation ohne Erfolg. Nach abermaliger Lektüre schwankte Améry damals zwischen der Ansicht, „es tauge nichts“ und jener, es sei „stellenweise hervorragend“. mehr lesen / lire plus

GESUCHT: Drückendes Schweigen

Aharon Appelfelds Roman „Elternland“ über die Suche eines Sohnes von Shoah-Überlebenden nach seiner Familie.

„Das Leiden der Schwachen hat nichts Großartiges. Sollen die doch ihren Schmerz für sich behalten, anstatt ihre Nachkommen damit zu stören.“ Ein skandalöser Satz, skandalös in seiner verletzenden Brutalität. Ausgesprochen hat ihn der Vater von Jakob Fein. Jakob ist die Hauptfigur in Aharon Appelfelds neuem Roman „Elternland“. Sein Vater sprach, als er den Satz formulierte, von sich selbst, einem Überlebenden der Shoah. In einem kleinen Dorf in Polen aufgewachsen, schafften er und seine Frau es, mit Hilfe einiger Bauern in einem Versteck zu überleben, als die Deutschen alle anderen Juden des Ortes gnadenlos niedermetzelten. mehr lesen / lire plus

WOLF ERDBRUCH: Die Ente und der Tod

Ob man beim Schreiben über den Tod ihm etwas von seinem Schrecken nehmen soll und kann, ohne ideologisch zu werden, ist eine Frage, so alt wie die nach dem Sinn des Lebens. Noch komplizierter wird sie, wenn man Kindern die Tatsache, dass wir alle einmal sterben müssen, zu erklären versucht. Wolf Erlbruch hat es mit seinem Bilderbuch Ente, Tod und Tulpe versucht. Als die Ente auf den Tod trifft, tritt er ihr im Schlafrock und in Hausschuhen gegenüber. Ein Totenschädel, nicht richtig schrecklich, aber dennoch etwas unheimlich. „Schön, dass du mich endlich bemerkst“, sagt der Tod zu ihr, „ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst – nur für den Fall.“ Der „Fall“ tritt schließlich ein. mehr lesen / lire plus

YIFTACH ASHKENAZY: Pessimistische Pose

Es geschieht nicht oft, dass Arbeiten junger israelischer Autoren ins Deutsche übersetzt werden. Luchterhand hat nun das Erstlingswerk des 1980 geborenen Yiftach Ashkenazy veröffentlicht – laut Auskunft des Verlages der „Star der israelischen Literaturszene“. Doch ebenso wie die Bewertung „Star“ die Pose gegenüber dem Werk in den Vordergrund stellt, steht auch bei Ashkenazy die Pose im Zentrum seines Ausdrucksvermögens. Allzu abgeklärt und lapidar kommen bei ihm die verschiedenen Ich-Erzähler daher, kaum ein Unterschied zwischen ihnen, wenn sie von ihrem deprimierenden Alltag erzählen. Darin scheint immerhin etwas von der gesellschaftlichen Realität im Kapitalismus auf. Doch in Ashkenazys Blick, weitgehend einer der Anschauung, nicht der Reflexion, liegt ein Moment des Kulturpessimismus, das über die gesamten 120 Seiten zelebriert wird und zur Pose erstarrt. mehr lesen / lire plus

TIM PARKS: Mythos Medici

Die irrige Annahme, man könne die Sphäre der Produktion (Handwerk, Manufaktur, Industrie), von der Sphäre der Zirkulation scheiden (Geld, Zins, Banken) und jener den Vorzug (bodenständig, ehrlich, schaffend) über diese (heimatlos, Wucher, raffend) geben, ist so alt wie das allgemeine Äquivalent, das den unmittelbaren Warentausch ersetzt. Eine Annahme, die immer ideologisch war und heute als eine Wurzel des modernen Antisemitismus gelten muss. Dass beide Sphären nicht nur untrennbar miteinander zusammen hängen, sondern vielmehr Aufklärung, Moderne und „Hochkultur“ (Parks) mit der Entwicklung des Kreditwesens verbunden sind, will Tim Parks in seinem Buch Das Geld der Medici zeigen. Die Entfaltung der menschlichen Potenziale setzt die „Produktion auf der Basis der Tauschwerte voraus“, schrieb Marx in den „Grundrissen“. mehr lesen / lire plus

MUSIK: Punk in D.C.

Rar sind Bücher über neuere Musikströmungen, die frei von Musikjournalistenjargon sowie Über- und Verdrehungen sind. „Dance of Days“ ist ein solcher Fall. Mark Jenkins und Mark Andersen sind beide aktive Mitglieder der Punkszene in Washington D.C. – und das seit den Anfangstagen Ende der 70er Jahre. Ihre Chronik über berühmte und weniger bekannte Bands und Künstler vermischt Beobachtungen zum politischen Alltag in den USA mit der Zusammenarbeit zwischen linken Aktivisten und Musikern, etwa mit dem inzwischen fast mythischen „Dischord“-Label. Das Engagement der Friedensbewegung spiegelt sich in den Texten und der Musik von Fugazi und anderen Bands. Nebenbei gibt das Buch Aufschluss über das Funktionieren einer Szene von innen her, mit all ihren Veränderungen, Tiefschlägen und auch Erfolgen. mehr lesen / lire plus

JONATHAN LITTELL: La fleur du mal

Et à présent le Goncourt. Deux semaines après s’être vu attribuer le Grand prix du roman de l’Académie française, Jonathan Littell vient donc également d’empocher la plus prestigieuse des récompenses littéraires pour son premier roman „Les Bienveillantes“. Qualifié de „vénéneuse fleur du mal“ par le cinéaste Claude Lanzmann mais plus largement connu en tant que „pavé“, ce livre de près 900 pages, déjà vendu à plus de 250.000 exemplaires est incontestablement le phénomène de la rentrée littéraire française. Avec un brin de cynisme et beaucoup de mauvaise foi, l’on pourrait faire remarquer que ce succès n’a rien d’étonnant. Le sujet s’y prête, l’approche y invite. mehr lesen / lire plus

ACRIMED: Partie de campagne

Vous vous rappelez le temps des campagnes pro-référendaires? Oui, ces moments où vous hésitiez le matin à ouvrir votre boîte aux lettres, de peur d’y trouver un député, caché là afin de vous persuader des bienfaits de la Constitution européenne. Faute de moyens, une analyse approfondie de cette propagande n’a pas été faite au Luxembourg – alors que les spots luxembourgeois à la radio ont pu être comparés à la propagande nazie dans le journal allemand Handelsblatt. En France pourtant, ce travail de fond a été accompli par Antoine Schwartz et Henri Maler de l’Observatoire des médias Acrimed. Intitulé Médias en campagne – Retours sur le référendum de 2005, ce petit livre retrace les dérives des commentateurs de la radio-télévision et de la presse française. mehr lesen / lire plus

JEAN-PATRICK MANCHETTE: La Princesse du sang

Jean-Patrick Manchette, „La princesse du sang“, Gallimard „Folio – Policier“, 4,47€

Jean-Patrick Manchette détestait qu’on l’appelle „le pape du néo-polar“. Pourtant, dans le genre policier mêlé à la politique internationale, agrémenté d’un arrière-goût de conspiration, mais surtout écrit d’une main de maî tre – allant jusqu’à réécrire cinq fois ses manuscits – on a rarement fait mieux. La princesse du sang est son dernier roman, malheureusement inachevé. Ce devait être son grand retour sur la scène littéraire, après presque une décennie d’absence. Et Manchette ne voulait pas faire dans la dentelle, avec la grande saga qu’il planifiait autour du personnage d’Ivory Pearl, la grande reporter, bourlingueuse assidue qui ne paie pas de mine devant ses adversaires aussi rudes soient-ils. mehr lesen / lire plus

JEAN-PHILIPPE TOUSSAINT: Fuir

Fuir de Jean-Philippe Toussaint, paru aux éditions de Minuit.

Votre portable vous surveille-t-il? Votre grand amour vous appelle au mauvais moment? Exactement pendant que vous vous rapprochez enfin de Li Qi, la mystérieuse jeune artiste chinoise sur les toilettes du train Shangai-Pékin? Si en dehors de tout ça vous n’avez aucune idée de ce que vous foutez là et qu’en plus vous vous en foutez pas mal, vous êtes le bienvenu dans la peau du „Je“ qui raconte ce fabuleux roman. Fuir, le nouveau livre de Jean-Philippe Toussaint est une des rares oeuvres littéraires du XXIe siècle à échapper à l’introspection pathétique et brutale, qui ne tient pas dans la galerie des égos hypertrophiés de ses contemporains. mehr lesen / lire plus

JACQUES RANCIERE: La haine de la démocratie

Jacques Rancière, La haine de la démocratie. paru aux éditions La Fabrique, 12,35 €.

Pas un mot qui ne revient aussi souvent sur les lèvres de nos politicien-ne-s: la démocratie. Elle est toujours en danger, souvent bafouée ou elle sert de prétexte à des guerres. Pourtant la définition de la démocratie reste vague: les uns se laissent torturer pour l’atteindre, tandis qu’elle n’est qu’une opération spectaculaire des classes au pouvoir ou populaires – c’est selon – pour d’autres. Dans son livre La haine de la démocratie, le philosophe français Jacques Rancière, ex-disciple de Louis Althusser, fait le point sur notre usage d’une des plus vieilles formes de gouvernement occidental. mehr lesen / lire plus