DORON RABINOVICI, ULRICH SPECK UND NAZAN SZNAIDER: Kritik oder Antisemitismus?

Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, 331 Seiten.

Bricht sich – bemäntelt als Kritik an Israel – in aktuellen Debatten ein „neuer Antisemitismus“ Bahn? Oder ist es umgekehrt so, dass der Antisemitismus-Vorwurf als politisches Instrument benutzt wird, um Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern unmöglich zu machen? Das ist die Grundfrage, die sich die Herausgeber der Essay-Sammlung Neuer Antisemitismus gestellt haben. Dabei wollen sie einen ersten Eindruck jener intellektuellen und politischen Diskussion vermitteln, die nicht nur in Europa, sondern auch in den USA im Gange ist. Entsprechend heterogen und kontrovers ist die Auswahl der AutorInnen. mehr lesen / lire plus

ROGER MANDERSCHEID: Mäi Frënd Kasch

Roger Manderscheid, Kasch, ultimomondo, 2004.

Ist es Zufall oder abgemachte Sache? Innerhalb weniger Monate veröffentlichen die beiden (grauen) Eminenzen der nationalen Literaturszene Romane in luxemburgischer Sprache und mit ähnlicher Thematik. Pol Greischs im Frühjahr erschienenes „Mäi Frënd Benn“ und Roger Manderscheids neuestes Werk „Kasch“ sind sozusagen siamesische Buch-Zwillinge. Wie schon einst bei Jack Kerouac geistert auch hier der schüchterne und gehemmte Ich-Erzähler so lange im Schatten seines übermächtigen besten Freundes herum, bis er dessen Platz eingenommen hat. Manderscheid kann sich voll und ganz auf seinen mitten in der Midlife-Crisis steckenden Protagonisten Luc Freilinger verlassen. Der verwickelt sich zwar im Laufe der Geschichte immer tiefer in sein seelisches Gestrüpp, aber das auf so selbstironisch beschriebene Weise, dass man sich als LeserIn gerne darauf einlässt. mehr lesen / lire plus

Karl-Markus Gauß, Die Hundeesser von Svinia. Zsolnay Verlag, Wien 2004, 120 Seiten, 12,90 € Karl-Markus Gauß: Die Ärmsten Europas

Karl-Markus Gauß, Die Hundeesser von Svinia. Zsolnay Verlag, Wien 2004, 120 Seiten, 12,90 €

Auf eine Reise in die Ostslowakei nimmt der Österreicher Karl-Markus Gauß die LeserInnen in seinem jüngsten Buch Die Hundeesser von Svinia mit. Dort, am äußersten Rand der EU, leben die ärmsten EuropäerInnen: die Roma. Gauß zeichnet ein präzises Bild dieser Region, in der Roma schon zu sozialistischen Zeiten in Wohnkolonien zusammengepfercht und von der übrigen Bevölkerung isoliert wurden. So erfährt der/die LeserIn Wesentliches über die slowakischen Roma, ihre Geschichte, ihre Lebensweisen. Gauß zeigt die Spuren einer rassistischen Kommunalpolitik, die lange Zeit alle Roma-Kultur zu tilgen versucht hat, und benennt zugleich die Schwierigkeiten eines Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen. mehr lesen / lire plus

MOSHE ZIMMERMANN: Goliaths Falle

Israelis und Palästinenser im Würgegriff. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2004, 192 Seiten, 8,50 €.

Die einen sehen in ihm den überzeugten Kritiker der derzeitigen israelischen Realpolitik. Die anderen nennen ihn einen Freund der Palästinenser, der in seiner Parteilichkeit Gefahr läuft, Antisemiten das Wort zu reden. Kein Frage, die Positionen des israelischen Historikers Moshe Zimmermann sind umstritten. Sein aktuelles Buch „Goliaths Falle“ ist gleichwohl lesenswert. Darin beschreibt er den Wandel der Juden der Diaspora zur israelischen Gesellschaft von heute. Ohne Europa und die Vernichtung der Juden durch die Nazis gäbe es den Nahostkonflikt nicht, mahnt Zimmermann. In verschiedenen Essays legt er dar, wie sich der Konflikt ideologisieren und instrumentalisieren lässt. mehr lesen / lire plus

VERY IMPORTANT GUIDE: Luxembourg for expatriates

Mix Bill Brysonesque travelogues with any guide to Luxembourg and you get David Robinson’s An Expat’s Life, Luxembourg & The White Rose. Finally a whole book has been dedicated to the country, its people, and the lifestyle of Luxembourg. In no other book can one read why British people have never heard of Dinner for One, that restaurants are a major venue for socialising, and that properties in Luxembourg are either owned by the Catholic Church or by the estate agents. Robinson’s account is loaded with information on neighbouring places like Trier or Liège, or Luxembourg-city’s casemates, but is also a personal story of how he decided to move to Luxembourg, find a job, a place to live and take up salsa lessons. mehr lesen / lire plus

ALEXANDER McCALL SMITH: Setswana Fraepower

Alexander McCall Smith, The No.1 Ladies‘ Detective Agency, Abacus.

Fir een, dee Krimien net gäer huet, schéngt et lo eng Bicherrei ze ginn, déi engem rëm soll Freed um Liese maachen. Fënnef Tom’en vun The No.1 Ladies‘ Detective Agency, geschriwwe vum Alexander McCall Smith, si bis elo schonn erauskomm, dee leschten 2004. D’Geschichte sinn a ganz digest, kleng Kapitelen ënnerdeelt an ziele vun der Mma Ramotswe, Dammendetectivin, déi sech allerhand ëremplot mat verschwonne Männer, Kollege vun Duechteren a geheimnisvollen Dokteren. Donierwend ginn och Niewenhandlungen mat ageflecht, wéi d’Geschicht vum Mr J.L.B. Matekoni dee vun engem Mechaniksministère dreemt, vun der Mma Potokwani an hirem Weesenheem, an natierlech vum Obed Ramostwe, deen Mma Ramotswe hiren „Daddy“ nennt. mehr lesen / lire plus

ASTI: Dem Zaff säi roud Buch

CDAIC / ASTI, en CD mat der Geschicht ass och derbäi.

Kannerbicher ginn et der vill, et gi souguer Kannerbicher, déi de Kanner selwer guer net gefalen. Dat dierft beim Zaff sengem roude Buch, dat vun der Asti erausbruecht gouf, net geschéien. D’Geschicht ëm de Xavier, genannt Zaff, deen vum Duerf an d’Stad plënnert a sech an der neier Schoul muss aliewen, ass nämlech vu Kanner fir Kanner geschriwwe ginn. Iwwer 140 PrimärschülerInnen tëscht 9 an 12 Joër hunn um Buch matgeschafft, souwuel um Text, wéi och un de Biller. Do hätt een sech vläicht eng frech an ongewéinlech Erugoensweis erwaard, mee Dem Zaff säi roud Buch ass immens klassesch a scho bal onerhéiert pädagogesch wäertvoll. mehr lesen / lire plus

POL GREISCH: Ech sinn net de Benn

No sëllechen Theaterstécker huet de Pol Greisch elo säin éischte Roman publizéiert, op Lëtzebuergesch, mee net nëmmen. A „Mäi Frënd Benn“ gëtt och Franséisch geschwat an Däitsch, an iwwerhaapt passt dat Buch net esou liicht an en Tirang. D’Virbild fir des Erzielung ass évident an de Pol Greisch verstoppt et net: Emmer erëm gëtt en zitéiert, dem Max Frisch säi „Stiller“, d’Geschicht vun engem, dee Stoppjes mat sech selwer a mam Lieser spillt. Beim Pol Greisch sengem Alter ego Bert ass et net vill anescht. Sinn de Benn an hen zwee verschidde Personnagen oder gëtt de Bert am Alter duercherneen? Dass dëse Roman net als „exercice de style“ dohierkënnt, ass dem Auteur senger lieweger Beschreiwung vum Protagonist ze verdanken. mehr lesen / lire plus

CLAUDINE MUNO: Coole Frigo

Op der lay, 2003. Isbn 2-87967-106-x

Wou huet et dat alles hier, déi Strutz vu knapps 25 Joer? Wat d’Schrëftstellerin (a woxx-Redactrice) Claudine Muno an hirem Roman „frigo“ alles zerwéiert, léisst op eng erstaunlech Liewenswäisheet schléissen. Entweder, si huet schnell a vill gelieft, oder si ass extrem douéiert fir d’Lëtzebuerger Klengfamill an all hire Facetten ze beschreiwen. En Hang zum absurden Humor vermëscht sech an dësem Roman mat enger gewësser Tristess, awer och mat vill Poesie. Wann d’Muno d'“Zallamangee“ lies d’Gebëss vun der verstuerwener Groussmamm lieweg gi léisst, dann erënneren déi Passage scho bal u Boris Vian. Virun allem awer ass si eng Meeschtesch vun der Sprooch: Dat kënnt esou säfteg-defteg dohier, dass een direkt spiert: Déi Fra huet keng Angscht virun der Sprooch, déi mécht och kee Gedeessems domat, déi ass einfach an hirem Element. mehr lesen / lire plus

RAOUL ZELIK: Kotzen in der Fremde

„Bastard – die Geschichte der Journalistin Lee“, Assimilation A, 15 Euro, ISBN 3-935936-25-7

Die „Süddeutsche Zeitung“ sagt ihm schon eine Karriere als „Manu Chao der deutschen Popliteratur“ voraus – ein blöder Vergleich. Denn Manu Chao singt fröhlich-engagierte Texte. Die Sprache, die Raoul Zelik in seinem jüngsten Roman Bastard verwendet, ist hingegen grimmig, manchmal vielleicht etwas zu bemüht sarkastisch. Heutzutage ist es eben schick, radikal und respektlos zu schreiben, und mit vielen Anglizismen. Engagiert aber ist seine Geschichte. Carla Lee ist eine Studentin unserer Zeit. 27 Jahre jung, in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihr Vater ein koreanischer Gewerkschaftsführer. Als „Assimilationskanakin“ oder „Schlitzauge“ im Deutschland nach Solingen und Hoyerswerda, als Bulimie-Kranke im eigenen Körper – Fremdsein ist Lees großes Thema. mehr lesen / lire plus

J.D. SALINGERS: Der Fänger in Texas

DBC Pierre, „Vernon God Little“, Faber, 2003, 277 Seiten.

Jede Generation hat wohl ihren „Fänger im Roggen“. J.D. Salingers Kultbuch wirft auch im 21. Jahrhundert noch lange literarische Schatten. Vernon Gregory Little, der schwarzhumorige Protagonist von DBC Pierres „Vernon God Little“ ist zweifellos ein kleiner Bruder des großen Holden Caulfield. Nachdem ein Mitschüler an seiner Highschool im tiefsten Texas ein Massaker veranstaltet hat, gerät ausgerechnet Vern in Verdacht, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Anders als Nick McDonell in „Twelve“ betrachtet DBC Pierre das ernste Thema nicht ernüchternd desillusioniert, sondern fährt statt dessen eine ganze Armee von schrulligen Nebenfiguren auf. mehr lesen / lire plus

Klappe, die zehnte: EXPLORATOR

City Guide 2004 Luxembourg, 8 €

Ein schlichtes „Dixième“ auf blauem Hintergrund hat der Explorator für die nunmehr zehnte Ausgabe des frankophonen luxemburgischen Stadtführers als Cover gewählt. Auf über 430 Seiten gibt es – neben lästigen Werbeanzeigen und im üblichen Hochglanzstyling – allerlei nützliche Informationen über Restaurants, Bars und Diskotheken. Schade nur, dass die Preiskategorien der verschiedenen Küchen nicht gleich in der Übersichtsliste aufgeführt sind, sondern nur bei der jeweiligen Kurzbeschreibung – das würde all jenen Zeit ersparen, die gezielt nach einer Lokalität für ihre Geldbörse suchen. Nervig ist auch der „Nightlife Picture Report“: Die auf Fotos der Spaßgesellschaft à la luxembourgeoise können nicht davon ablenken, dass hier zu Lande die Diskos regulär schon um ein Uhr schließen. mehr lesen / lire plus

EASY RIDER, RAGING BULLS: Porträt einer Filmepoche

Das Ziel aller Träume war die Traumfabrik selbst: Doch die Hollywoodstudios standen gegen Ende der 1960er Jahre am Rande des Bankrotts – finanziell und erst recht künstlerisch. Da begannen ein paar junge Regisseure Filme zu drehen. Sie brachen mit den bestehenden Konventionen der Studios und nahmen das Heft auf ihre Weise in die Hand – und zwar radikal. Peter Bogdanovitch, Francis Ford Coppola, Dennis Hopper, Mike Nichols, Arthur Penn und Martin Scorsese sind nur einige von ihnen. Das New Hollywood Cinema war geboren. Peter Biskind hat die Geschichte dieser neuen Generation aufgeschrieben. In „Easy Riders, Raging Bulls“ erzählt er von dieser Epoche des amerikanischen Kinos vom Anfang bis zu ihrem Ende. mehr lesen / lire plus

Paul Lesch: Heim ins Ufa-Reich

In seiner Studie „Heim ins Ufa-Reich“ analysiert der Historiker Paul Lesch das Tauziehen zwischen der luxemburgischen Bevölkerung und den Nazi-Besatzern um die ideologische Vormachtstellung im luxemburgischen Kino.

Der Luxemburgische Filmschauspieler René Deltgen sympatisierte überall mit den Nazis.

Wider die braune Schmutzflut

„Wir werden uns gegen die braune Schmutzflut schützen müssen. Deutsche Filme wollen wir nicht mehr so kritiklos hinnehmen wie bisher.“ Diese kämpferischen Sätze stammen aus der Feder des Luxemburgers Evy Friedrich. Der junge Filmkritiker schrieb sie im Jahre 1933 in der Studentenzeitschrift „La Voix des Jeunes“. Friedrich gehörte zu den wenigen, vornehmlich linksliberalen Journalisten, die sich früh und vehement gegen die Aufnahme von deutschen „Tendenzfilmen“ ins damalige luxemburgische Kinoprogramm aussprachen. mehr lesen / lire plus