Freud und der Faschismus: Mit ergebenem Gruß


Der Titel reißerisch, die Ausführung anekdotisch: Ein Band über die vermeintliche Beziehung zwischen „Freud und Mussolini“ hält nicht, was er dem Anschein nach verspricht. Die Darstellung des katholisch-faschistischen Schulterschlusses gegen die italienische Psychoanalyse macht die Lektüre dennoch lesenswert.

Roberto Zapperis schmale Studie „Freud und Mussolini“ provoziert mit der Andeutung, es habe eine Verbindung zwischen dem Begründer der Psychoanalyse und dem italienischen Diktator gegeben. Motiviert wird der Titel durch eine Widmung Freuds an Mussolini, deren Entstehung nach Einschätzung des Autors nie hinreichend erklärt wurde. Zapperi gesteht, selbst regelrecht geschockt gewesen zu sein, als er den Text erstmals zu lesen bekam: „Benito Mussolini mit dem ergebenen Gruß eines alten Mannes der im Machthaber den Kultur-Heros erkennt. mehr lesen / lire plus

Syrie
: Anatomie d’une révolution manquée

Comment une insurrection pacifique peut-elle déboucher sur une sanglante guerre civile ? La révolution syrienne de 2011, ses acteurs, sa trajectoire et son destin tragique, c’est le sujet du livre « Syrie. Anatomie d’une guerre civile ».

Difficile, ces temps-ci, d’avoir des informations fiables sur la situation en Syrie. Tandis que la grande majorité des reporters occidentaux ont été contraints de quitter les zones de combat – bombardements, snipers et enlèvements rendent le travail sur place trop dangereux -, l’internet et les réseaux sociaux sont inondés de ce qu’on appelle dorénavant des « fake news ». Entre propagande russe pro-Assad et informations véhiculées par des organisations douteuses, car financées par des acteurs extérieurs, il devient de moins en moins évident de faire le tri. mehr lesen / lire plus

Gesellschaftskritik & Islam: Verräterische Stille

Jean Birnbaum stellt in seinem neuesten Buch die Frage, warum sich gerade die Linke so wenig für das religiöse Moment im Jihadismus interessiert. Wichtiger noch als die Antworten, die Birnbaum anbietet, sind die Fragen, die er sich und seinen LeserInnen stellt.

„La question religieuse reste taboue pour les ésprits sécularisés“: Autor Jean Birnbaum ist auch Chefredakteur des „Monde des livres“. (Foto: Wikimedia)

„La question religieuse reste taboue pour les ésprits sécularisés“: Autor Jean Birnbaum ist auch Chefredakteur des „Monde des livres“. (Foto: Wikimedia)

Wenn es um die Attentäter von Orlando und Nizza oder um die Vielzahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht, die sich auf den Weg nach Syrien und in den Irak machen, um dort in den Reihen des Islamischen Staats zu kämpfen – sehr häufig zeigen sich Debattenbeiträge bemüht, eine zentrale Rolle der Religion in Bezug auf deren Motive in Frage zu stellen. mehr lesen / lire plus

Politique
 : Vampire Nation


Dans son brûlot « Le loup dans la bergerie », la députée européenne EELV Eva Joly s’attaque au président de la Commission européenne Jean-Claude Juncker. Mais à part répéter ce qu’on savait de toute façon, elle ne fait que détourner le regard des véritables enjeux et révèle son propre manque de vision.

1378leLoupdanslabergeriePour ne pas créer de malentendu, disons-le d’emblée : ceci n’est pas une défense de la politique menée par Jean-Claude Juncker, ni en tant que premier ministre du grand-duché de Luxembourg, ni en tant que président de la Commission européenne. Il s’agit plutôt d’analyser un livre pamphlet – apparemment écrit à la va-vite – qui dénonce certes des fautes commises par son personnage principal, mais qui laisse ouvertes quelques plaies béantes. mehr lesen / lire plus

Bataille des Ardennes, journalisme américain : Comment écrire la guerre ?


Le livre de Jean-Paul Marthoz prend le siège de Bastogne comme prétexte pour évoquer le journalisme de guerre. Et, au-delà du récit historique, soulever des questions qui restent d’actualité.

« Objectif Bastogne », Jean-Paul Marthoz, Grip éditions, 2015. Couverture : Fernand Domange / Marc Schmitz.

« Objectif Bastogne », Jean-Paul Marthoz, Grip éditions, 2015. Couverture : Fernand Domange / Marc Schmitz.

C’est un héros américain. Il s’appelle Sad Sack, et vu comme ça, il a pas l’air fier. Lors du salut militaire, il se prend la paluche du voisin dans la gueule. Étourdi, il marche à contre-courant de la compagnie, est bousculé par un camarade, se retrouve renversé. On voit le peloton lui marcher dessus, puis lui, sur une civière, quitter les lieux de la séance de « drill » militaire. mehr lesen / lire plus

Emanzipation
: Der Staat als Feministin?

Die Programme nicht weniger europäischer Regierungen scheinen nicht zuletzt von feministischen Forderungen geprägt. Ein neues Buch wirft einen kritischen Blick auf diesen vermeintlichen Erfolg.

1372PolBuch1Gesetzlich garantierte Kitaplätze, 
verpflichtende Frauenquote in Aufsichtsräten, familienfreundliche Arbeitszeiten: Die familienpolitische Agenda so mancher europäischen Gesellschaft liest sich wie eine abgearbeitete feministische To-do-Liste. Die in Deutschland lebenden Autorinnen Lilly Lent und Andrea Trumann, die sich nach eigener Darstellung seit ihren Kindertagen über die Zwänge ärgern, die die Zuschreibungen von Weiblichkeit und Männlichkeit insbesondere im Hinblick auf die Reproduktionstätigkeiten mit sich bringen, nehmen verwundert zur Kenntnis, dass nicht nur in der Bundesrepublik „der Staat die Feministin spielt“.

Doch welche weibliche Unabhängigkeit und Autonomie wird hier gefördert? mehr lesen / lire plus

Politik & Verbrechen
: Spinne oder Fliege


Mit „Der König der Favelas“ legt der britische Journalist Misha Glenny eine porträtierende Reportage über einen brasilianischen Gangster vor, die spannend ist wie ein Roman.

1370PolBuchDie Szene ist filmreif. Im November 2011 hält die Polizei in Rocinha, einer Favela im Süden von Rio de Janeiro, einen Toyota Corolla an. In dem Auto sitzen drei Anwälte. Sie werden von den Polizisten aufgefordert, den Kofferraum zu öffnen. Darin liegt zusammengekauert ein schlanker Mann in blau-weiß gestreiftem Hemd und schwarzer Hose. Die Polizisten packen ihn an Händen und Füßen und heben ihn aus dem Wagen. Es ist Antônio Francisco Bonfim Lopes, genannt Nem. Sieben Jahre lang war er Herrscher über die Favela, in der rund 120.000 Menschen leben und die in Nachbarschaft zu den Reichenvierteln São Conrado und Gávea liegt. mehr lesen / lire plus

Markt und Werte: Rockstar der Moralphilosophie


Michael J. Sandel kritisiert in „Moral und Politik“ die Neutralität des Staates gegenüber moralischen Fragen und warnt vor der Ausdehnung von Marktprinzipien in alle Bereiche der Politik.

Nimmt die Freiheitsideale des Liberalismus ins Visier: der Moralphilosoph Michael J. Sandel. (Foto: Youtube)

Nimmt die Freiheitsideale des Liberalismus ins Visier: der Moralphilosoph Michael J. Sandel. (Foto: Youtube)

Der moralphilosophische Zugang zu Fragen der politischen Ökonomie hat nicht ausgedient. Wie wichtig solche gesellschaftspolitischen Perspektiven sind, führt unter anderem der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel vor Augen. Kritisch greift der Harvard-Professor etwa in seinem jüngst auf Deutsch veröffentlichten Buch „Moral und Politik“ einen Vorschlag des Rechtsprofessors Peter H. Schuck von der Yale-Universität auf. Schuck stellt sich die Einrichtung eines globalen Marktes für Flüchtlingsquoten vor. mehr lesen / lire plus

Kapitalismuskritik:
 Die Kluft


Problem mit System: Der Starökonom Joseph E. Stiglitz zeigt, dass extrem ungleiche Gesellschaften nicht stabil funktionieren können. Anders als Marktliberale glauben möchten, sind sie daher nicht einmal effizient.

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Mit Keynes den amerikanischen Traum verwirklichen? Der Kapitalismusklempner Stiglitz macht dem Marktliberalismus die Rechnung auf. (Foto: Wikimedia Commons)

Jeremy Rifkin kann es, Paul Krugman kann es – und Joseph E. Stiglitz kann es selbstverständlich auch: International renommierte Wirtschaftswissenschaftler wie sie haben es nicht nur verstanden, ihre akademischen Lorbeeren als Berater von Regierungen und Organisationen zu versilbern, sondern sind auch als Bestsellerautoren weltweit bekannt geworden.

Rifkin wurde mit „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ und „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ bekannt und berät mittlerweile unter anderem die luxemburgische Regierung. mehr lesen / lire plus

PränatalDiagnostik
: Das Kind wollen, 
das man wollen soll


Mit der vorgeburtlichen Untersuchung von Föten werden durchaus fragwürdige gesellschaftliche Normen reproduziert. Die Publizistin und woxx-Autorin Kirsten Achtelik hat ein Buch geschrieben, das queer-feministische Kritik an selektiven Schwangerschaftsabbrüchen und Entscheidungsfreiheit der Frau zu vereinbaren sucht.

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Als das Europäische Parlament im Juni einem Strategiepapier zustimmte, wonach in allen EU-Mitgliedsländern Möglichkeiten für eine „sichere und legale Abtreibung und Verhütung“ einzurichten seien, empörten sich fundamentalistische Abtreibungsgegnerinnen und „Lebensschützer“ auf der Internetplattform „Katholisches.info“ vor allem über die christdemokratischen Abgeordneten, die den Vorstoß nicht blockiert hatten. mehr lesen / lire plus

Lebensrealitäten Anderer
: Jugendkultur im Iran


Mit „Last Scene Underground“ legt die Kulturanthropologin Roxanne Varzi einen einfühlsamen Roman über die iranische Jugend vor. Zugleich liefert sie einen Beitrag zur Debatte um die – nötigen? – Grenzen von literarischer und wissenschaftlicher Form.

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Sich verhalten, als ob man frei wäre: In ihrem neuen Buch macht die Autorin und Kulturanthropologin Roxanne Varzi die erzwungene Schizophrenie Heranwachsender unter den Bedingungen des theokratischen Regimes im Iran zum Thema. (Foto: Internet)

Wissenschaftliche Erkenntnis in Romanform präsentieren – darf das sein? Können Sozialwissenschaftler mit den Grenzen ihrer Disziplin spielen und kreativere Arbeitsweisen verfolgen, sollen sie Feldforschungsnotizen in fiktive Erzählungen einbetten, experimentelle Dokumentarfilme drehen oder durch Theateraufführungen vermitteln? mehr lesen / lire plus

Gewalt als Machtdemonstration
: Die Logik des Terrors


Der Kampf der Kartelle prägt die Gesellschaften Mexikos und Zentralamerikas auf kaum noch zu durchschauende Weise. Der Band „TerrorZones“ bündelt Reportagen, Interviews und Analysen und ermöglicht so einen umfassenden Einblick.

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 stoppen Polizisten in der Stadt Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero 43 Studenten. Es sind die Teilnehmer eines Lehramtsseminars aus dem Dorf Ayotzinapa. Die Polizisten schießen. Sechs Menschen sterben. Die anderen werden festgehalten und den Mitgliedern eines Drogenkartells überlassen. mehr lesen / lire plus

Nach dem Neoliberalismus
: Philosophie der Selbstverantwortung

Mark Terkessidis entwirft eine Theorie der Kollaboration, bei der die Unzufriedenheit mit den Institutionen sich in Aktivität der Bürger umsetzt. Zu diskutieren bleibt, wie selbstbestimmt ihre sozialen Verhältnisse dadurch werden.

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

„Kollaboration hat in Kontinentaleuropa keinen guten Ruf.“ Mit diesen Worten beginnt Mark Terkessidis sein Buch „Kollaboration“. In der Tat denken auch in Luxemburg die meisten, wenn sie den Begriff hören oder lesen, an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und an jene „Kollaborateure“, die sich aus Angst, Feigheit oder Überzeugung mit den deutschen Besatzungstruppen und den Nazis eingelassen haben. mehr lesen / lire plus

Unpolitisches Buch: Von zielstrebigen Machern


Die erste Gambia-Zwischenbilanz ist erschienen und verblüfft einen angesichts der mangelnden Distanz gegenüber der Regierungsspitze. Für den LW-Autor scheint klar: zwei Männer sind die wahren Macher des „Machtwechsels“.

1347_Regards_Politesch_Buch_Bumb„Fest steht allerdings, dass Xavier Bettel und Etienne Schneider durch ihren Griff nach der Macht das Land verändert haben. Sie haben sich getraut und nicht weggeduckt. Sie haben das Kunststück vollbracht, die rund 20 Jahre lang währende Juncker-Ära zu beenden. (…) Das alles muss man den beiden zielstrebigen Machern der Dreierkoalition lassen und unabhängig von jeglicher politischer Bilanz schon jetzt anrechnen“, stellt Christoph Bumb in seinem Buch „Blau Rot Grün. Hinter den Kulissen des Machtswechsels“ resümierend fest, ohne auf den 189 Seiten seiner Gambia-Zwischenbilanz mit devoten Freundlichkeiten gegenüber der amtierenden Regierungsspitze gegeizt zu haben. mehr lesen / lire plus

Streitbarer Außenseiter
: Kurt Hiller, der Logokrat


Schon im deutschen Kaiserreich war er ein mutiger Vorkämpfer gegen die Diskriminierung der Homosexuellen: Der Linkssozialist und Radikalpazifist Kurt Hiller. Nun erinnert eine wissenschaftliche Biographie an den in Vergessenheit geratenen Publizisten.

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Eckte mit seiner radikalen Fortschrittlichkeit auch im „neuen“ Deutschland weiter an: der Intellektuelle Kurt Hiller. (Foto: Internet)

„Es gleich zu sagen: ein besonderer Freund der Schriftengattung Selbstbiographie bin ich nicht.“ Mit diesem Satz eröffnete Kurt Hiller 1969 den ersten Teil seiner zweibändigen Autobiographie. Dass er sich trotz aller Vorbehalte dennoch entschloss, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, war dem Willen geschuldet, „hier endlich Deutschland zu unterbreiten: meine Erlebnisse in Hitler’s Hafthöllen“.

Auf die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit in Deutschland konnte Hiller damals nicht mehr hoffen. mehr lesen / lire plus