Politik & Verbrechen
: Spinne oder Fliege


Mit „Der König der Favelas“ legt der britische Journalist Misha Glenny eine porträtierende Reportage über einen brasilianischen Gangster vor, die spannend ist wie ein Roman.

1370PolBuchDie Szene ist filmreif. Im November 2011 hält die Polizei in Rocinha, einer Favela im Süden von Rio de Janeiro, einen Toyota Corolla an. In dem Auto sitzen drei Anwälte. Sie werden von den Polizisten aufgefordert, den Kofferraum zu öffnen. Darin liegt zusammengekauert ein schlanker Mann in blau-weiß gestreiftem Hemd und schwarzer Hose. Die Polizisten packen ihn an Händen und Füßen und heben ihn aus dem Wagen. Es ist Antônio Francisco Bonfim Lopes, genannt Nem. Sieben Jahre lang war er Herrscher über die Favela, in der rund 120.000 Menschen leben und die in Nachbarschaft zu den Reichenvierteln São Conrado und Gávea liegt. mehr lesen / lire plus

Markt und Werte: Rockstar der Moralphilosophie


Michael J. Sandel kritisiert in „Moral und Politik“ die Neutralität des Staates gegenüber moralischen Fragen und warnt vor der Ausdehnung von Marktprinzipien in alle Bereiche der Politik.

Nimmt die Freiheitsideale des Liberalismus ins Visier: der Moralphilosoph Michael J. Sandel. (Foto: Youtube)

Nimmt die Freiheitsideale des Liberalismus ins Visier: der Moralphilosoph Michael J. Sandel. (Foto: Youtube)

Der moralphilosophische Zugang zu Fragen der politischen Ökonomie hat nicht ausgedient. Wie wichtig solche gesellschaftspolitischen Perspektiven sind, führt unter anderem der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel vor Augen. Kritisch greift der Harvard-Professor etwa in seinem jüngst auf Deutsch veröffentlichten Buch „Moral und Politik“ einen Vorschlag des Rechtsprofessors Peter H. Schuck von der Yale-Universität auf. Schuck stellt sich die Einrichtung eines globalen Marktes für Flüchtlingsquoten vor. mehr lesen / lire plus

Kapitalismuskritik:
 Die Kluft


Problem mit System: Der Starökonom Joseph E. Stiglitz zeigt, dass extrem ungleiche Gesellschaften nicht stabil funktionieren können. Anders als Marktliberale glauben möchten, sind sie daher nicht einmal effizient.

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Mit Keynes den amerikanischen Traum verwirklichen? Der Kapitalismusklempner Stiglitz macht dem Marktliberalismus die Rechnung auf. (Foto: Wikimedia Commons)

Jeremy Rifkin kann es, Paul Krugman kann es – und Joseph E. Stiglitz kann es selbstverständlich auch: International renommierte Wirtschaftswissenschaftler wie sie haben es nicht nur verstanden, ihre akademischen Lorbeeren als Berater von Regierungen und Organisationen zu versilbern, sondern sind auch als Bestsellerautoren weltweit bekannt geworden.

Rifkin wurde mit „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ und „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ bekannt und berät mittlerweile unter anderem die luxemburgische Regierung. mehr lesen / lire plus

PränatalDiagnostik
: Das Kind wollen, 
das man wollen soll


Mit der vorgeburtlichen Untersuchung von Föten werden durchaus fragwürdige gesellschaftliche Normen reproduziert. Die Publizistin und woxx-Autorin Kirsten Achtelik hat ein Buch geschrieben, das queer-feministische Kritik an selektiven Schwangerschaftsabbrüchen und Entscheidungsfreiheit der Frau zu vereinbaren sucht.

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Kinder nur nach Maß? In der Praxis erfolgt auf den normabweichenden Befund in der sogenannten Vorsorgeuntersuchung immer häufiger die Selektion. (Foto: Internet)

Als das Europäische Parlament im Juni einem Strategiepapier zustimmte, wonach in allen EU-Mitgliedsländern Möglichkeiten für eine „sichere und legale Abtreibung und Verhütung“ einzurichten seien, empörten sich fundamentalistische Abtreibungsgegnerinnen und „Lebensschützer“ auf der Internetplattform „Katholisches.info“ vor allem über die christdemokratischen Abgeordneten, die den Vorstoß nicht blockiert hatten. mehr lesen / lire plus

Lebensrealitäten Anderer
: Jugendkultur im Iran


Mit „Last Scene Underground“ legt die Kulturanthropologin Roxanne Varzi einen einfühlsamen Roman über die iranische Jugend vor. Zugleich liefert sie einen Beitrag zur Debatte um die – nötigen? – Grenzen von literarischer und wissenschaftlicher Form.

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Sich verhalten, als ob man frei wäre: In ihrem neuen Buch macht die Autorin und Kulturanthropologin Roxanne Varzi die erzwungene Schizophrenie Heranwachsender unter den Bedingungen des theokratischen Regimes im Iran zum Thema. (Foto: Internet)

Wissenschaftliche Erkenntnis in Romanform präsentieren – darf das sein? Können Sozialwissenschaftler mit den Grenzen ihrer Disziplin spielen und kreativere Arbeitsweisen verfolgen, sollen sie Feldforschungsnotizen in fiktive Erzählungen einbetten, experimentelle Dokumentarfilme drehen oder durch Theateraufführungen vermitteln? mehr lesen / lire plus

Gewalt als Machtdemonstration
: Die Logik des Terrors


Der Kampf der Kartelle prägt die Gesellschaften Mexikos und Zentralamerikas auf kaum noch zu durchschauende Weise. Der Band „TerrorZones“ bündelt Reportagen, Interviews und Analysen und ermöglicht so einen umfassenden Einblick.

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 stoppen Polizisten in der Stadt Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero 43 Studenten. Es sind die Teilnehmer eines Lehramtsseminars aus dem Dorf Ayotzinapa. Die Polizisten schießen. Sechs Menschen sterben. Die anderen werden festgehalten und den Mitgliedern eines Drogenkartells überlassen. mehr lesen / lire plus

Nach dem Neoliberalismus
: Philosophie der Selbstverantwortung

Mark Terkessidis entwirft eine Theorie der Kollaboration, bei der die Unzufriedenheit mit den Institutionen sich in Aktivität der Bürger umsetzt. Zu diskutieren bleibt, wie selbstbestimmt ihre sozialen Verhältnisse dadurch werden.

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

„Kollaboration hat in Kontinentaleuropa keinen guten Ruf.“ Mit diesen Worten beginnt Mark Terkessidis sein Buch „Kollaboration“. In der Tat denken auch in Luxemburg die meisten, wenn sie den Begriff hören oder lesen, an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und an jene „Kollaborateure“, die sich aus Angst, Feigheit oder Überzeugung mit den deutschen Besatzungstruppen und den Nazis eingelassen haben. mehr lesen / lire plus

Unpolitisches Buch: Von zielstrebigen Machern


Die erste Gambia-Zwischenbilanz ist erschienen und verblüfft einen angesichts der mangelnden Distanz gegenüber der Regierungsspitze. Für den LW-Autor scheint klar: zwei Männer sind die wahren Macher des „Machtwechsels“.

1347_Regards_Politesch_Buch_Bumb„Fest steht allerdings, dass Xavier Bettel und Etienne Schneider durch ihren Griff nach der Macht das Land verändert haben. Sie haben sich getraut und nicht weggeduckt. Sie haben das Kunststück vollbracht, die rund 20 Jahre lang währende Juncker-Ära zu beenden. (…) Das alles muss man den beiden zielstrebigen Machern der Dreierkoalition lassen und unabhängig von jeglicher politischer Bilanz schon jetzt anrechnen“, stellt Christoph Bumb in seinem Buch „Blau Rot Grün. Hinter den Kulissen des Machtswechsels“ resümierend fest, ohne auf den 189 Seiten seiner Gambia-Zwischenbilanz mit devoten Freundlichkeiten gegenüber der amtierenden Regierungsspitze gegeizt zu haben. mehr lesen / lire plus

Streitbarer Außenseiter
: Kurt Hiller, der Logokrat


Schon im deutschen Kaiserreich war er ein mutiger Vorkämpfer gegen die Diskriminierung der Homosexuellen: Der Linkssozialist und Radikalpazifist Kurt Hiller. Nun erinnert eine wissenschaftliche Biographie an den in Vergessenheit geratenen Publizisten.

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Eckte mit seiner radikalen Fortschrittlichkeit auch im „neuen“ Deutschland weiter an: der Intellektuelle Kurt Hiller. (Foto: Internet)

„Es gleich zu sagen: ein besonderer Freund der Schriftengattung Selbstbiographie bin ich nicht.“ Mit diesem Satz eröffnete Kurt Hiller 1969 den ersten Teil seiner zweibändigen Autobiographie. Dass er sich trotz aller Vorbehalte dennoch entschloss, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, war dem Willen geschuldet, „hier endlich Deutschland zu unterbreiten: meine Erlebnisse in Hitler’s Hafthöllen“.

Auf die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit in Deutschland konnte Hiller damals nicht mehr hoffen. mehr lesen / lire plus

Série: Guerre (pas si) sainte 3/4
 : Comprendre pour mieux désespérer


Les raisons du flux de réfugiés syriens ne sont pas celles qu’on croit. Les acteurs du conflit et leurs intérêts sont difficiles à cerner. Le recours à des livres de spécialistes permet d’y voir plus clair. Mais pas d’entrevoir une solution.

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Le régime d’Assad est poussé dans ses derniers retranchements mais ne lâche pas prise. Poste de contrôle à Damas en janvier 2012. (Photo : Elizabeth Arrott / Voice of America / PD)

Palmyre, ça vous dit quelque chose ? Oui, la ville antique classée patrimoine mondial de l’humanité, dont plusieurs temples ont été détruits en août par l’État islamique (IS), faisant la une des journaux. mehr lesen / lire plus

Serie: (Un-)heiliger Krieg 2/4
: Ordnung und Wahnsinn


Über das Innenleben des Islamischen Staates zu lesen, kann schlaflose Nächte bereiten. Doch was ihn wirklich charakterisiert, was ihn besonders erfolgreich und gefährlich macht, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Tod und Verderben im Bagdader UN-Hauptquartier 2003. Einer der frühesten und spektakulärsten Selbstmordanschläge von At-Tauhid wa-l-Dschihad, der Vorgängerorganisation des IS. (Foto: MSgt James M Bowman / USAF / PD)

Wie soll man den Schrecken des Westens, die Köpfe abschneidenden Barbaren – und die erfolgreichsten Dschihadisten der vergangenen 1.300 Jahre – nennen? Die Organisation selbst hat ihren Namen seit 1999 mehrfach geändert und will mittlerweile „Kalifat des Islamischen Staates“ tituliert werden. Das erklärt der Spiegel-Korrespondent Christoph Reuter im Vorwort seines Buches „Die schwarze Macht“. mehr lesen / lire plus

Syndicats : L’union fait la force ?

Le politiste Adrien Thomas a consacré un livre aux syndicats et à l’immigration au Luxembourg, sous le titre parlant « Les frontières de la solidarité ». Un livre qui apporte des éléments précieux pour comprendre l’état actuel du syndicalisme luxembourgeois.

1334polbuch1« Il faudrait entrer en grève ! » C’est ce que s’écriait une amie non-luxembourgeoise dans une conversation sur le résultat du récent référendum. En effet, imaginons ce que serait la vie quotidienne au Luxembourg si demain la main-d’œuvre immigrée, voire transfrontalière, se décidait à laisser reposer, juste pour quelques jours, la spatule, le torchon ou la souris d’ordinateur…

Après le choc suscité par le « non massif » au droit de vote résidentiel, quelles leçons peut-on tirer de ce résultat désastreux ? mehr lesen / lire plus

Serie: (Un-)heiliger Krieg 1/4
: Aus Feinden werden Monster


Wie entstand der „Islamische Staat“, und warum ist er erfolgreich? Antworten sind in der jüngsten Geschichte des Mittleren Ostens zu suchen, auf die mehrere Bücher zum Thema IS eingehen.

(Foto: woxx)

Am 30. Dezember 2006 wurde der ehemalige irakische Präsident Saddam Hussein im irakisch-amerikanischen Gefängnis „Camp Justice“ hingerichtet. Neben schiitischen Regierungsmitgliedern waren auch Milizionäre anwesend, die den zum Tode Verurteilten beschimpften. Eine hässliche, doch verständliche Verhaltensweise, hält man sich vor Augen, mit welcher Grausamkeit Hussein 25 Jahre lang die Schiiten und ihre Führer unterdrückt und ermordet hatte. Aber auch ein böses Omen für das künftige Zusammenleben der beiden Religionsgruppen im Irak – die Sunniten fühlen sich ihrerseits seit der Invasion 2003 in die Ecke gedrängt. mehr lesen / lire plus

Russische Föderation im Blick: Quo vadis, Rossija?


Die Ukraine-Krise trug dazu bei, dass Russland den einen wieder als Bollwerk gegen den „westlichen Imperialismus“, den anderen nunmehr als krypto-faschistisches Regime dient. Zwei Neuerscheinungen zum Thema unternehmen den Versuch, analytische Schärfe in den erbittert geführten Meinungskampf zu bringen. Mit mäßigem Erfolg.

Seine historische Bewertung steht noch aus, doch immerhin hat er’s schon bis zur Pop-Ikone gebracht: Der russische Staatspräsident Putin. (Foto: Flickr)

Seine historische Bewertung steht noch aus, doch immerhin hat er’s schon bis zur Pop-Ikone gebracht: Der russische Staatspräsident Putin. (Foto: Flickr)

Lange konnte es scheinen, als sei das Verhältnis zwischen Russland und „dem Westen“ nach dem Ende der Sowjetunion heute tatsächlich entspannt. Doch spätestens mit den Konflikten um die Ukraine und die Krim tat sich die ängstigende Kluft zwischen den zwei einstmals als Blöcke definierten Einflussbereichen wieder als Gegensatz zweier unterschiedlicher politischer Sphären auf. mehr lesen / lire plus

Armes nucléaires : Dangereuses et inutiles !

Déconstruire les mythes tissés autour des armes nucléaires, voilà l’objectif du livre de Ward Wilson. Il en conclut qu’on doit – et qu’on peut – mener des négociations pour se défaire de ces engins périlleux.

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(Photo : INTERNET – Marcin_n Quibik CC-BY-SA 2.5)

La détention d’armes est dangereuse au niveau des relations entre individus ; la détention d’armes de guerre est dangereuse au niveau des relations entre États. Pourtant, sur le plan international, mis à part les pacifistes radicaux, peu de gens estiment que cette dangerosité est une raison suffisante pour s’en débarrasser. En effet, ces armes peuvent paraître utiles, ou du moins un mal nécessaire, face à des pays mal intentionnés disposant du même type d’armement. mehr lesen / lire plus