Gewalt als Machtdemonstration
: Die Logik des Terrors


Der Kampf der Kartelle prägt die Gesellschaften Mexikos und Zentralamerikas auf kaum noch zu durchschauende Weise. Der Band „TerrorZones“ bündelt Reportagen, Interviews und Analysen und ermöglicht so einen umfassenden Einblick.

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

Der Begriff „Drogenkrieg“ ist nicht mehr adäquat, um die gesellschaftliche Gewalteskalation zu beschreiben: Soldatinnen der mexikanischen Armee trainieren für ihren Einsatz gegen die Kartelle. (Foto: Internet)

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 stoppen Polizisten in der Stadt Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero 43 Studenten. Es sind die Teilnehmer eines Lehramtsseminars aus dem Dorf Ayotzinapa. Die Polizisten schießen. Sechs Menschen sterben. Die anderen werden festgehalten und den Mitgliedern eines Drogenkartells überlassen. mehr lesen / lire plus

Nach dem Neoliberalismus
: Philosophie der Selbstverantwortung

Mark Terkessidis entwirft eine Theorie der Kollaboration, bei der die Unzufriedenheit mit den Institutionen sich in Aktivität der Bürger umsetzt. Zu diskutieren bleibt, wie selbstbestimmt ihre sozialen Verhältnisse dadurch werden.

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

Kann dem Rückzug des Staates aus der sozialen Verantwortung einiges abgewinnen: Der Autor und Sozialwissenschaftler Mark Terkessidis. (Foto: Internet)

„Kollaboration hat in Kontinentaleuropa keinen guten Ruf.“ Mit diesen Worten beginnt Mark Terkessidis sein Buch „Kollaboration“. In der Tat denken auch in Luxemburg die meisten, wenn sie den Begriff hören oder lesen, an die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg und an jene „Kollaborateure“, die sich aus Angst, Feigheit oder Überzeugung mit den deutschen Besatzungstruppen und den Nazis eingelassen haben. mehr lesen / lire plus

Unpolitisches Buch: Von zielstrebigen Machern


Die erste Gambia-Zwischenbilanz ist erschienen und verblüfft einen angesichts der mangelnden Distanz gegenüber der Regierungsspitze. Für den LW-Autor scheint klar: zwei Männer sind die wahren Macher des „Machtwechsels“.

1347_Regards_Politesch_Buch_Bumb„Fest steht allerdings, dass Xavier Bettel und Etienne Schneider durch ihren Griff nach der Macht das Land verändert haben. Sie haben sich getraut und nicht weggeduckt. Sie haben das Kunststück vollbracht, die rund 20 Jahre lang währende Juncker-Ära zu beenden. (…) Das alles muss man den beiden zielstrebigen Machern der Dreierkoalition lassen und unabhängig von jeglicher politischer Bilanz schon jetzt anrechnen“, stellt Christoph Bumb in seinem Buch „Blau Rot Grün. Hinter den Kulissen des Machtswechsels“ resümierend fest, ohne auf den 189 Seiten seiner Gambia-Zwischenbilanz mit devoten Freundlichkeiten gegenüber der amtierenden Regierungsspitze gegeizt zu haben. mehr lesen / lire plus

Streitbarer Außenseiter
: Kurt Hiller, der Logokrat


Schon im deutschen Kaiserreich war er ein mutiger Vorkämpfer gegen die Diskriminierung der Homosexuellen: Der Linkssozialist und Radikalpazifist Kurt Hiller. Nun erinnert eine wissenschaftliche Biographie an den in Vergessenheit geratenen Publizisten.

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Eckte mit seiner radikalen Fortschrittlichkeit auch im „neuen“ Deutschland weiter an: der Intellektuelle Kurt Hiller. (Foto: Internet)

„Es gleich zu sagen: ein besonderer Freund der Schriftengattung Selbstbiographie bin ich nicht.“ Mit diesem Satz eröffnete Kurt Hiller 1969 den ersten Teil seiner zweibändigen Autobiographie. Dass er sich trotz aller Vorbehalte dennoch entschloss, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, war dem Willen geschuldet, „hier endlich Deutschland zu unterbreiten: meine Erlebnisse in Hitler’s Hafthöllen“.

Auf die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit in Deutschland konnte Hiller damals nicht mehr hoffen. mehr lesen / lire plus

Série: Guerre (pas si) sainte 3/4
 : Comprendre pour mieux désespérer


Les raisons du flux de réfugiés syriens ne sont pas celles qu’on croit. Les acteurs du conflit et leurs intérêts sont difficiles à cerner. Le recours à des livres de spécialistes permet d’y voir plus clair. Mais pas d’entrevoir une solution.

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Le régime d’Assad est poussé dans ses derniers retranchements mais ne lâche pas prise. Poste de contrôle à Damas en janvier 2012. (Photo : Elizabeth Arrott / Voice of America / PD)

Palmyre, ça vous dit quelque chose ? Oui, la ville antique classée patrimoine mondial de l’humanité, dont plusieurs temples ont été détruits en août par l’État islamique (IS), faisant la une des journaux. mehr lesen / lire plus

Serie: (Un-)heiliger Krieg 2/4
: Ordnung und Wahnsinn


Über das Innenleben des Islamischen Staates zu lesen, kann schlaflose Nächte bereiten. Doch was ihn wirklich charakterisiert, was ihn besonders erfolgreich und gefährlich macht, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Tod und Verderben im Bagdader UN-Hauptquartier 2003. Einer der frühesten und spektakulärsten Selbstmordanschläge von At-Tauhid wa-l-Dschihad, der Vorgängerorganisation des IS. (Foto: MSgt James M Bowman / USAF / PD)

Wie soll man den Schrecken des Westens, die Köpfe abschneidenden Barbaren – und die erfolgreichsten Dschihadisten der vergangenen 1.300 Jahre – nennen? Die Organisation selbst hat ihren Namen seit 1999 mehrfach geändert und will mittlerweile „Kalifat des Islamischen Staates“ tituliert werden. Das erklärt der Spiegel-Korrespondent Christoph Reuter im Vorwort seines Buches „Die schwarze Macht“. mehr lesen / lire plus

Syndicats : L’union fait la force ?

Le politiste Adrien Thomas a consacré un livre aux syndicats et à l’immigration au Luxembourg, sous le titre parlant « Les frontières de la solidarité ». Un livre qui apporte des éléments précieux pour comprendre l’état actuel du syndicalisme luxembourgeois.

1334polbuch1« Il faudrait entrer en grève ! » C’est ce que s’écriait une amie non-luxembourgeoise dans une conversation sur le résultat du récent référendum. En effet, imaginons ce que serait la vie quotidienne au Luxembourg si demain la main-d’œuvre immigrée, voire transfrontalière, se décidait à laisser reposer, juste pour quelques jours, la spatule, le torchon ou la souris d’ordinateur…

Après le choc suscité par le « non massif » au droit de vote résidentiel, quelles leçons peut-on tirer de ce résultat désastreux ? mehr lesen / lire plus

Serie: (Un-)heiliger Krieg 1/4
: Aus Feinden werden Monster


Wie entstand der „Islamische Staat“, und warum ist er erfolgreich? Antworten sind in der jüngsten Geschichte des Mittleren Ostens zu suchen, auf die mehrere Bücher zum Thema IS eingehen.

(Foto: woxx)

Am 30. Dezember 2006 wurde der ehemalige irakische Präsident Saddam Hussein im irakisch-amerikanischen Gefängnis „Camp Justice“ hingerichtet. Neben schiitischen Regierungsmitgliedern waren auch Milizionäre anwesend, die den zum Tode Verurteilten beschimpften. Eine hässliche, doch verständliche Verhaltensweise, hält man sich vor Augen, mit welcher Grausamkeit Hussein 25 Jahre lang die Schiiten und ihre Führer unterdrückt und ermordet hatte. Aber auch ein böses Omen für das künftige Zusammenleben der beiden Religionsgruppen im Irak – die Sunniten fühlen sich ihrerseits seit der Invasion 2003 in die Ecke gedrängt. mehr lesen / lire plus

Russische Föderation im Blick: Quo vadis, Rossija?


Die Ukraine-Krise trug dazu bei, dass Russland den einen wieder als Bollwerk gegen den „westlichen Imperialismus“, den anderen nunmehr als krypto-faschistisches Regime dient. Zwei Neuerscheinungen zum Thema unternehmen den Versuch, analytische Schärfe in den erbittert geführten Meinungskampf zu bringen. Mit mäßigem Erfolg.

Seine historische Bewertung steht noch aus, doch immerhin hat er’s schon bis zur Pop-Ikone gebracht: Der russische Staatspräsident Putin. (Foto: Flickr)

Seine historische Bewertung steht noch aus, doch immerhin hat er’s schon bis zur Pop-Ikone gebracht: Der russische Staatspräsident Putin. (Foto: Flickr)

Lange konnte es scheinen, als sei das Verhältnis zwischen Russland und „dem Westen“ nach dem Ende der Sowjetunion heute tatsächlich entspannt. Doch spätestens mit den Konflikten um die Ukraine und die Krim tat sich die ängstigende Kluft zwischen den zwei einstmals als Blöcke definierten Einflussbereichen wieder als Gegensatz zweier unterschiedlicher politischer Sphären auf. mehr lesen / lire plus

Armes nucléaires : Dangereuses et inutiles !

Déconstruire les mythes tissés autour des armes nucléaires, voilà l’objectif du livre de Ward Wilson. Il en conclut qu’on doit – et qu’on peut – mener des négociations pour se défaire de ces engins périlleux.

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(Photo : INTERNET – Marcin_n Quibik CC-BY-SA 2.5)

La détention d’armes est dangereuse au niveau des relations entre individus ; la détention d’armes de guerre est dangereuse au niveau des relations entre États. Pourtant, sur le plan international, mis à part les pacifistes radicaux, peu de gens estiment que cette dangerosité est une raison suffisante pour s’en débarrasser. En effet, ces armes peuvent paraître utiles, ou du moins un mal nécessaire, face à des pays mal intentionnés disposant du même type d’armement. mehr lesen / lire plus

DEN HUNGER VERSTEHEN UND BEKÄMPFEN: Anders landwirtschaften!

Dass Hunger und Armut nicht die Folge von Naturkatastrophen sind, hat sich wohl herumgesprochen. Warum aber Liberalismus und industrielle Landwirtschaft Gift für die Ernährungssituation im Süden sind, erklärt dieses Buch.

Diplomat beißt Geier.
Jean Feyders Referenzwerk zur Ernährungskrise,
neu aufgelegt.
„Mordshunger“,
Westend Verlag 2014

Buchcover sind manchmal irreführend. Man benötigt schon ein bisschen Zeit für die Lektüre der 300 Seiten von „Mordshunger“, dem Buch von Jean Feyder, das Ende vergangenen Jahres im Taschenbuchformat neu aufgelegt wurde. Doch am Ende ist man immer noch nicht ganz sicher, wen oder was der auf dem Cover abgebildete Geier verkörpert – oder wer, wie der Untertitel fragt, vom Elend der armen Länder profitiert. mehr lesen / lire plus

AMERICAN DREAM: Zeit des Erwachens

Der Journalist George Packer hat mit „Die Abwicklung“ ein beeindruckendes und mitreißendes Kaleidoskop der amerikanischen Gesellschaft geschrieben. Es ist ein Portrait des Niedergangs.

Als George Packers Buch „Die Abwicklung. Eine innere Geschichte des neuen Amerika“ vor einigen Monaten auf Deutsch erschien, war Skepsis angebracht. Ein Buch über die Identitätskrise und den Niedergang der Vereinigten Staaten anhand einiger Portraits zu schildern – ein gewagtes Unterfangen. Eine Ansammlung von Biopics, dazu auch noch von berühmten Persönlichkeiten wie Ex-General und Ex-Außenminister Colin Powell, dem Rapper Jay-Z und der Fernseh-ikone Oprah Winfrey, also vom Einzelnen auf das Gesamte zu schließen, konnte kaum gelingen. Der Hype um das mit dem National Book Award ausgezeichnete Buch war verdächtig groß, das Versprechen gewaltig. mehr lesen / lire plus

FÜRSORGE: Ziemlich beste Freunde

Können Freundschaften die Familie und professionelle Dienstleister ersetzen, wenn dauerhaft Hilfe anderer benötigt wird? Das Fazit einer Studie des Soziologen Janosch Tobin fällt ernüchternd aus.

Gesellschaftliche Prägung macht hier nicht halt: Auch Freundschaften basieren häufig unbewusst auf dem Äquivalenzprinzip.

Auf den literarischen Bestsellerlisten finden sich immer häufiger Bücher, in denen Krankengeschichten und Pflegeerfahrungen erzählt werden. Zumeist schreiben die Autorinnen und Autoren über verwandtschaftliche Nahbeziehungen, den demenzkranken Vater oder die früh verstorbene Tochter. Allein in postum veröffentlichten autobiographischen Aufzeichnungen wird zunehmend auch die Bedeutung der Unterstützung durch Freundinnen und Freunde hervorgehoben. Die Darstellung freundschaftlicher Fürsorge bleibt vor allem den Film- und Fernsehproduktionen vorbehalten, als ließe sich diese Wunschvorstellung nur in der Traumwelt des Kinos verwirklichen. mehr lesen / lire plus

DENG XIAOPINGS CHINA: Widersprüchlich und pragmatisch

Die Erfolgsgeschichte von Chinas Entwicklung zur größten Wirtschaftsmacht weltweit verstehen ? dabei hilft die neue Deng-Xiaoping-Biographie von Felix Lee. Und sie beleuchtet die Schattenseiten, die 25 Jahre nach Tiananmen aktueller sind denn je.

„Macht und Moderne –
Chinas großer Reformer
Deng Xiaoping“ von Felix Lee, Rotbuch Verlag 2014

„Am frühen Morgen des 4. Juni aber rückten die Soldaten vor – junge Befehlsempfänger vom Lande. (…) dann fielen auch schon die ersten Schüsse. Bis zum Morgengrauen waren alle Zelte plattgewalzt, der Platz geräumt.“ Der Platz, um den es hier geht, heißt Tiananmen. Das Jahr: 1989. Felix Lees Buch „Macht und Moderne“ hilft, dieses dramatische Ereignis 25 Jahre danach einzuordnen. mehr lesen / lire plus

KLASSENKAMPF VON OBEN: Die Hegemonie des Kapitals

Mit genauem Blick für die Gründe der Niederlage, aber ohne politische Strategie: Ein Interviewband legt das Dilemma der italienischen Linken offen.

Wo Gesellschaft bloß als Schicksal erfahren wird, bleibt vom Willen zur Veränderung allein die Wut: nicht nur der italienische Politiker Beppe Grillo (Bild) weiß mit ihr zu spielen.

Italiens Linke ist in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwunden. Nach der Selbstauflösung der ehemals größten kommunistischen Partei Westeuropas hat sich die Nachfolgeorganisation als Demokratische Partei von jeder sozialdemokratischen Tradition distanziert. Übrig geblieben sind verschiedene kommunistische Splittergruppen und eine kleine intellektuelle Minderheit, zu der auch der Ehrenpräsident des italienischen Soziologenverbandes Luciano Gallino gehört. Ohne Nostalgie für die vergilbten Hammer und Sichel-Fahnen analysiert er in einem Interviewband mit der Turiner Soziologin Paola Borgna den „Klassenkampf nach dem Klassenkampf“. mehr lesen / lire plus

TERRITORIEN DES WIDERSTANDS: Aufstand der Peripherie

In seinem Buch „Territorien des Widerstands“ vertritt Raúl Zibechi die These, dass die Elendsviertel der lateinamerikanischen Großstädte Orte des Widerstands und der Gegenmacht seien. Dafür gibt es bis jetzt aber lediglich ein paar Ansätze.

Orte der Selbstzerstörung, wie der Soziologe Mike Davis sagt, oder „der neue entscheidende geopolitische Schauplatz“, wie Raúl Zibechi analysiert? Die Elendsviertel und urbanen Peripherien Lateinamerikas.

Als Raúl Zibechi das Buch „Territorien des Widerstandes. Eine politische Kartografie der urbanen Peripherien Lateinamerikas“ 2008 in Buenos Aires im spanischen Original veröffentlichte, war der „Cacerolazo“, der so genannte Aufstand der Kochtöpfe in der argentinischen Hauptstadt von 2001, längst Geschichte. Viele weitere Aufstände und Protestbewegungen weltweit standen noch bevor: Ob auf der Puerta del Sol in Madrid, im Zuccotti-Park in New York oder im Gezi-Park in Istanbul – an vielen Orten entstanden neue Formen des Aufbegehrens gegen den globalen Kapitalismus und für mehr soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. mehr lesen / lire plus

ERINNERUNG: Zu Staub werden

Mehr als drei Jahrzehnte nach der Gewaltherrschaft der Roten Khmer beschäftig sich Kambodscha noch immer nur zögerlich mit seiner blutigen Vergangenheit. Nur wenige Täter wurden vor Gericht gestellt und verurteilt. In dem Buch „Auslöschung“ interviewt der Filmregisseur Rithy Panh einen der Massenmörder.

Die Opfer der Roten Khmer sollten nicht nur ermordet, sondern sämtliche Spuren ihres Daseins ausgelöscht werden: Registraturfotos aus dem Tuol Sleng Gefängnis, das unter dem Kürzel „S21“ schreckliche Berühmtheit erlangte.

„Viele Kinder wissen heute nur, dass ihre Großeltern unter den Roten Khmer gestorben sind, aber sie wissen nicht warum. Wenn sie das wissen, kann es vielleicht einen inneren Frieden geben – für sie und ihre Eltern.“ Einen inneren Frieden hat es für den, der diese Worte geschrieben hat, lange nicht gegeben. mehr lesen / lire plus

MENSCHENRECHTE: Vom Bellen zum Beißen

Soziale Menschenrechte sollen eine menschenwürdige Existenz nicht nur formal garantieren, sondern auch die materiellen Rahmenbedingungen einklagbar machen. Michael Krennerich legt eine Bestandsaufnahme vor und zeigt: In der EU sind es vor allem Migranten, die von diesen Bedingungen ausgeschlossen bleiben.

Teil des Kampfes für soziale Menschenrechte: Näherinnen protestieren gegen die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie von Bangladesch.

Ist von Menschenrechten die Rede, denken viele zunächst an Meinungs- und Pressefreiheit oder das Verbot von Folter und Diskriminierung. Doch neben den „politisch-bürgerlichen“ gewinnen zunehmend die „sozialen Menschenrechte“ an Bedeutung. So etwa das Recht auf Wasser, Nahrung, Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung oder angemessene Unterkunft. Ob Indigene sich gegen den giftigen Abbau von Gold und Silber zur Wehr setzen, Slumbewohner gegen ihre Zwangsräumung kämpfen oder Kleinbauern die Patentierung von Saatgut verhindern wollen – sie alle beziehen sich mittlerweile auf diese Garantien, die von den Vereinten Nationen 1966 im Sozialpakt festgeschrieben und später in zahlreichen UN-Konventionen spezifiziert wurden. mehr lesen / lire plus

INSELGESCHICHTEN: Der Ort des Mangels

„Lampedusa – Begegnung am Rande Europas“ ist ein vielschichtiges ethnographisches Porträt des Kulturanthropologen Gilles Reckinger über die Einwohner der italienischen Mittelmeerinsel.

Lampedusa, die italienische Insel im Mittelmeer, wird in den Medien seit geraumer Zeit fast ausschließlich in Zusammenhang mit der rigorosen EU-Flüchtlingspolitik erwähnt. Gilles Reckinger zeichnet in seiner Ethnographie ein anderes Bild von der Insel und ihren 5.700 Bewohnern, eines jenseits der mediatisierten Flüchtlingsankünfte. Ihn interessiert das Alltagsleben der Einwohner an diesem „Ort der Übergänge“, ihre Sorgen und Ängste, ihre Freuden und Träume. Der Ethnologe schreibt über Begegnungen, über Inselbewohner, über Lampedusani.

Da wäre beispielsweise der Taxifahrer Tommasos. Den 55-Jährigen lernt der Autor kennen, als dieser gerade eine deutsche Journalistin herumchauffiert. mehr lesen / lire plus

AUFBRUCH DER ERINNERUNG: Francos langer Atem

In Spanien herrschte über die Folgen des Bürgerkriegs und über die Verbrechen der Diktatur lange Zeit ein „Pakt des Schweigens“. Der Österreicher Georg Pichler hat ein eindrucksvolles Buch darüber geschrieben, wie es dazu kam und wie das Schweigen gebrochen wurde.

Die nicht aufgearbeitete Vergangenheit des Franco-Regimes prägt die Gegenwart der spanischen Gesellschaft zutiefst: Spanische Franquisten bei der Offiziersausbildung in Avila, wo auch Nazi-Offiziere der „Legion Condor“ unterrichteten.

Das Dorf Joarilla de las Matas in der Provinz León kennt kaum jemand. Es liegt abseits der Haupt- und Nebenstraßen. In das kastilische Nest mit nicht einmal 400 Einwohnern sind die Freiwilligen der „Associación para la recuperación de la memoria histórica“ (ARMH) gekommen, der Vereinigung für die Wiedererlangung der historischen Erinnerung, um nach Leichen zu graben. mehr lesen / lire plus