CFL: Mit Verspätung in die Zukunft

Ein halbes Jahr nach dem Fahrplanwechsel ziehen die CFL Bilanz und vermelden leicht weniger Verspätungen.

5.000 bis 6.000 Passagier*innen nutzen seit dem Fahrplanwechsel an Werktagen den neuen Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg. (Foto: CC-BY-SA GilPe)

Wer in Luxemburg viel Zug fährt, sollte viel Zeit oder ein starkes Nervenkostüm mitbringen. Zumindest aber eine Strategie, um sich die Wartezeit bei Verspätungen oder Ausfällen zu vertreiben. Die Zustände, die in sozialen Netzwerken regelmäßig für lustige Anekdoten bis wutentbrannten Reaktionen sorgen, werden von der Eisenbahngesellschaft CFL ernst genommen. Das war zumindest der Tenor auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dem 18. Juli, auf der die CFL gemeinsam mit Infrastrukturminister François Bausch über die ersten sechs Monate nach dem Fahrplanwechsel Bilanz zog. Seit dem 10. Dezember rollt nämlich nicht nur die Tram auf Kirchberg, auch die Bahnhöfe Pfaffenthal und Hollerich wurden eröffnet. Außerdem ermöglichen bislang einige wenige sogenannte „transversale“ Züge umsteigefreie Fahrten quer durchs Land. Anpassungen im Fahrplan sollen für weniger Verspätungen sorgen.

Pünktlichere Züge, für die Passagier*innen kaum spürbar

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Angebot der CFL äußerst populär: Die Zahl der Reisenden ist um fünf Prozent gestiegen. „Im grenzüberschreitenden Verkehr haben wir ein leichtes Minus zu verzeichnen, das liegt allerdings an den Streiks in Frankreich“, erklärte Marc Wengler, Generaldirektor der CFL. Die gewerkschaftlichen Aktionen gegen die Privatisierung der SNCF seien auch der Grund dafür, dass es im ersten Halbjahr 2018 mehr Zugausfälle gegeben habe als 2017. Rechnet man die streikbedingten Ausfälle raus, ist die Bilanz etwas besser. Auch bei den Verspätungen gab es keinen großen qualitativen Sprung: 92,4 Prozent der Züge kamen pünktlich an, 2017 lag diese Quote bei 90,8 Prozent.

Für die meisten Passagier*innen hat sich allerdings kaum etwas geändert: 89,4 Prozent kamen pünktlich am Zielbahnhof an, 2017 waren es 89,6 Prozent. Dieser Effekt erklärt sich daraus, dass die meisten Menschen zu Spitzenstunden reisen, wenn es öfters Verzögerungen gibt. Ein Zug muss übrigens sechs Minuten später als geplant ankommen, um für die CFL als verspätet zu gelten. „Es ist schwer nachzuvollziehen, dass man nicht gut informiert wird, deswegen wollen wir dies verbessern. Für unsere neue Informationspolitik beim Schienenersatzverkehr haben wir viel Lob bekommen“, so Wengler. Bis 2020 sollen alle Bahnhöfe mit einem automatischen Informationssystem ausgestattet sein. Daten zu Verspätungen und Ausfälle will die CFL ab Herbst monatlich auf ihrer Website veröffentlichen.

2028 wird alles gut

„Die Gründe für die Verspätungen sind zum größten Teil struktureller Natur“, erklärte Wengler, „das luxemburgische Zugnetz ist sternenförmig auf Luxemburg-Stadt ausgerichtet und der Hauptbahnhof ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Der Domino-Effekt ist die wichtigste Ursache für Verspätungen in Luxemburg.“ Auch Verspätungen, die aus Belgien, Frankreich oder Deutschland „importiert“ werden, spielten eine große Rolle.

Der Ausbau des hauptstädtischen Bahnhofs und die neue Strecke nach Bettemburg sollen das Netz entlasten. Während der Bahnhof bereits 2021 über zwei neue Bahnsteige verfügen soll, wird die vom luxemburgischen Netz entflechtete Strecke Richtung Frankreich erst 2028 fertig sein. Für den Infrastrukturausbau sollen in den nächsten zehn Jahren insgesamt 3,8 Milliarden Euro ausgegeben werden, falls der politische Wille dafür auch in Zukunft vorhanden ist.


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