Dan Trachtenberg: Das Böse vor der Tür


Mit zwei fremden Männern zusammen in einem unterirdischem Bunker gefangen, während draußen die Menschheit von unbekannten Feinden angegriffen wird: Die Protagonistin von Dan Trachtenbergs packendem Regiedebüt 
„10 Cloverfield Lane“ hat sicherlich schon bessere Tage erlebt.

1365kinoNach einem Streit mit ihrem Verlobten verlässt Michelle (Mary Jane Winstead) überstürzt die gemeinsame Wohnung und wird gleich darauf in einen Autounfall verwickelt, bei dem sie verletzt wird. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich in einem Bunker, in den sie ihr vermeintlicher Retter Howard (John Goodman) gebracht hat. Er berichtet ihr von einem in der Zwischenzeit erfolgten Angriff globalen Ausmaßes durch eine unbekannte Macht, den niemand überlebt habe. Die Luft draußen sei kontaminiert, weswegen sie nun mit ihm und seinem ebenfalls entkommenen 
Nachbarn Emmett (John Gallagher Jr.) auf sehr lange Zeit hier in diesem Bunker gefangen sein werde. Howard, ein Ex-Militär, ist jedoch schon seit geraumer Zeit auf eine Endkatastrophe dieser Art vorbereitet: Er ist ein sogenannter „Prepper“, der sich für alle möglichen apokalyptischen Fälle eine vollausgerüstete unterirdische Notunterkunft eingerichtet hat, mit Vorräten für viele Jahre, multimediales Unterhaltungsprogramm inklusive. Doch Michelle traut diesem Mann nicht und bleibt auf der Hut, denn es ist nicht ganz klar, auf welcher Seite der Bunkertüren eigentlich die Gefahr lauert. Mehr soll aber nicht verraten werden, denn dieser Film lebt von der konstanten Spannung zwischen den Protagonisten, die einander auf engstem Raum ausgeliefert sind, und den aus dieser klaustrophobischen Situation resultierenden Plottwists.

Man sollte sich nicht dadurch irritieren lassen, dass der Film mitunter als Sequel zum 2008 erschienenen „Cloverfield“ vermarktet wird. Beide Filme teilen zwar das vom „Lost“-Produzenten J.J. Abrams geführte Produzententeam, doch unterscheiden sie sich inhaltlich und formal diametral voneinander. So sprach Abrams im Vorfeld auch eher von einer Blutsverwandtschaft zwischen den beiden Filmen. Während „Cloverfield“ im „found footage“-Kamerastil (siehe „Blair Witch Project“) das Schicksal einer Gruppe junger Menschen während des zerstörerischen Angriffs eines Godzilla-artigen Wesens auf New York verfolgt, handelt es sich bei „10 Cloverfield Lane“ um einen kammerspielartigen Psycho-Thriller, der weniger mit Effekten als mit Spannung arbeitet. Die Handlung ist ähnlich kondensiert, bleibt jedoch auch dann spannungsreich, wenn gerade nichts Böses passiert. Das Gefühl der konstanten Bedrohung wird also hauptsächlich psychologisch erzeugt. Dabei wird offen gelassen, ob diese Bedrohung wirklich von außen oder doch von innen kommt. Der erste Spielfilm des Regisseurs Dan ­Trachtenberg funktioniert vor allem dank seines kleinen und feinen Casts. John Goodman zeigt erneut sein vielfältiges Talent; hier gibt er einen undurchsichtigen Exzentriker, der ­zwischen Gemütstyp und unberechenbarem Psycho oszilliert. Der unbestrittene Held ist aber Mary Jane ­Winsteads Michelle. Wie eine ­Schwester im Geiste der legendären Ellen Ripley aus „Alien“, schaut sie ihrem Schicksal fest ins Auge und wird von der ersten Filmszene bis zum ­furiosen Ende in ihren Handlungen und Reaktionen von ihrem unerschütterlichen Überlebensdrang bestimmt.

„10 Cloverfield Lane“ ist ein sehenswerter Hybrid aus Sci-Fi-Dystopie und Thriller-Kammerspiel, empfehlenswert für alle Fans hypertensiver ­Unterhaltung.

Im Utopolis Kirchberg.

Bewertung der woxx: XX


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