David Wnendt
: Er kann auch gleich wieder gehen

Adolf Hitler ist ein viel zu ernstes Thema für eine seichte Komödie. Regisseur Wnendt scheitert kläglich mit seiner Leinwandadaptation von „Er ist wieder da“.

1343kino

Selbst Frank Plasberg findet Hitler nur mäßig komisch.

Ein Berliner Hinterhof im Oktober 2014: Völlig benommen entsteigt der „Führer“ den Rauchschwaden, die ihn umgeben. Orientierungslos streift er durch die Straßen Berlins auf der Suche nach seinem Bunker. Vor der Belagerung japanischer Touristen mit Selfie-Sticks flüchtet er in einen Zeitungskiosk, dessen Besitzer ihn für einen Schauspieler hält und ihn bei sich übernachten lässt – was ihm die Möglichkeit gibt, herauszufinden, was in den letzten 70 Jahren in der Welt passiert ist. Zu seinem Entsetzen existiert sogar Polen noch, und das „auf deutschem Gebiet“. Doch Rettung naht in Gestalt des freien Fernseh-Mitarbeiters Fabian Sawatzki, der gerade von seinem Sender gefeuert worden ist. Er erkennt das Potenzial des Mannes, den er für einen Komödianten mit starkem Hang zum Method Acting hält, und will ihn dafür benutzen, seinen Arbeitsplatz bei dem Privatsender wiederzuerlangen. Mit Hitler im Gepäck macht er sich zu einer Deutschlandreise auf, um die Menschen mit der Kunstfigur zu konfrontieren. Und tatsächlich feiert der „Führer“ – im Fernsehen – Triumphe und wird wieder zu der nicht nur in Deutschland bekannten historischen Persönlichkeit, mit dem ihr eigenen, gefährlichen Charme.

Es gibt wohl kaum einen Diktator, dessen Gestalt über eine solch ikonenhafte Anziehungskraft verfügt wie die Adolf Hitlers. Unzählige Parodien sind seit Kriegsende im Kino oder im Fernsehen gelaufen. Bekannte Schauspieler und Komödianten, wie Louis de Funès, Mel Brooks und sogar Helge Schneider haben sich an ihm versucht. Und auch Regisseure, Quentin Tarantino zum Beispiel, haben es verstanden, den „Führer“ lustvoll als Hass-Zielscheibe wieder auferstehen zu lassen.

David Wnendts Film, der auf dem Bestseller von Timur Vernes basiert, gelingt es aber nicht, das Publikum zum Lachen zu bringen, nicht einmal zu einem ihm im Hals stecken bleibenden. Das liegt einmal an der Romanvorlage, in der, in einem Gedankenspiel, der echte Hitler das heutige Deutschland bereist und damit eine simple Parodie der Figur des deutschen Diktators weit hinter sich lässt. Man kann eben nicht über den richtigen Hitler lachen, sondern nur über die Witzfigur – mit dem angenehmen Gefühl im Bauch, dass man weiß, wie elendig sein Drittes Reich zugrunde gegangen ist.

Demzufolge müsste der Film auch eine ernste Grundlage haben. Hat er auch, aber sie scheint nur manchmal durch. Zum Beispiel, wenn das Verführungspotenzial des Volkstribunen Hitler in den Talkshows wieder Wirkung zeigt. Oder wenn der „Führer“ mit den sogenannten „einfachen Leuten“ – man könnte auch „besorgte Bürger“ sagen – spricht, die ihm zu verstehen geben, dass sie eigentlich mit ihm einverstanden sind.

Dieser Ernst kommt aber in der seichten Komödie, die der Film ansonsten ist, nicht richtig zum Durchbruch, und das macht „Er ist wieder da“ nicht nur schlecht, sondern sogar potenziell gefährlich. Denn was derzeit in Deutschland auf Pegida oder Hogesa-Demos los ist, ist durchaus geeignet, Befürchtungen zu wecken, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Film, wenn auch ungewollt, versucht, diese Phänomene zu verharmlosen. Da reicht es auch nicht aus, am Schluss Bilder von rechten Demos aus Sachsen noch schnell als moralischen Zeigefinger einzumontieren, damit man bloß nicht falsch verstanden wird.

Kurzum, der Regisseur hat sich mit „Er ist wieder da“ heillos verrannt. Der Film ist weder Fisch noch Fleisch. Was ja an sich nicht so schlimm ist, wäre da nicht die Ernsthaftigkeit des Themas, mit dem aus dieser Perspektive nicht zu spaßen ist.

Im Utopolis Kirchberg und Belval.

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