Die Zukunft des Elektroautos: Teslas für alle?

Große Hoffnungen werden an die Elektromobilität geknüpft, doch die Veränderungen, die sie mit sich bringt, sind schwer einzuschätzen. Eine von Claude Turmes organiserte Veranstaltung verschaffte neue Einblicke.

Clean and lean. Der Elektromotor des Tesla Model S. (Wikipedia / Windell Oskay / CC BY 2.0)

„Die Autos von heute haben keine Zukunft“, so die Feststellung von Claude Turmes bei der Eröffnung der Podiumsdiskussion „Sauber aufgeladen in die Zukunft“ am vergangenen Montag. In den Augen des grünen Europaabgeordneten ist ein Übergang zur Elektromobilität unabdingbar, um Luftqualität und Klimaschutz zu gewährleisten. „Für die Luft sind die Elektroautos in jedem Fall besser, aber wenn der Strom nicht aus erneuerbaren Quellen kommt, dann stimmt die Klimabilanz nicht“, stellte Turmes klar. Deshalb müsse für jedes zusätzliche Elektroauto auch zusätzlicher grüner Strom erzeugt werden. Sein Parteikollege François Bausch versicherte, an den in Luxemburg geplanten 800 Ladesäulen werde es nur den von den Umwelt-NGOs empfohlenen Strom geben (woxx 1389).

Dass man am Tesla-Supercharger in Niederanven auch „Öko-Super“ tanken kann, ist zu bezweifeln. Dennoch schwärmte der von Turmes eingeladene deutsche Experte Stefan Bratzel vom Verdienst der Elektro-Raser-Marke: „Tesla hat das Elektroauto salonfähig gemacht und gezeigt, dass Elektromobilität nichts mit Elektrorollstühlen zu tun hat, sondern Spaßmachen kann.“ Zuvor hatte auch der grüne Abgeordnete klargestellt: „Wir sind nicht im Kommunismus. Elektroautos müssen so sein, dass die Menschen Lust haben, sie zu kaufen.“

Bei der Veranstaltung wurde allerdings klar, dass mangelnder „Fahrspaß“ nicht das einzige Hindernis für die Entwicklung der Elektromobilität ist. So unterstrich Bratzel, dass zwar die Preise der Batterien sinken, ihre Ökobilanz aber durchaus problematisch ist – ganz abgesehen von der zweifelhaften Herkunft der erforderlichen Metalle. Es reiche auch nicht, kleine Batterien einzusetzen, um die mittlere Fahrtlänge von 50 Kilometern abzudecken. „Die Kunden erwarten vom Auto die Freiheit, auch längere Strecken zu fahren.“ Deshalb brauche man, darüber waren sich alle einig, größere Reichweiten und ein dichtes Netz von Schnellladestationen.

Anders fahren

Bratzel wies auch darauf hin, dass es noch kein Geschäftsmodell gibt, bei dem mit dieser kapitalintensiven Infrastruktur Geld verdient werden kann. Genauso unklar sei, womit die Autoindustrie überhaupt noch Gewinne machen kann, wenn es den Verbrennungsmotor nicht mehr gibt: „Die Elektromotoren sind kleiner und bestehen aus fünfzig statt aus über tausend Teilen.“ Die Wertschöpfung beim Bau der Motoren sei um 25 Prozent geringer und konzentriere sich auf die Batteriezellen – die derzeit aus Asien kommen. „Es steht ein riesiger Strukturwandel bevor“, fasste Bratzel die technologischen und sozialen Herausforderungen zusammen.

Dass die angeführten Probleme mit dem Modell eines Eins-zu-eins-Tauschs der ölgetriebenen Fahrzeuge durch Elektroautos zusammenhängen, schien aber nur François Bausch zu ahnen. „Man darf die Elektromobilität nicht isoliert vom gesamten Mobilitätssystem betrachten“, so der Nachhaltigkeitsminister. Unbeeindruckt von dem Protest mancher Autofreaks, dass man ihnen ihre Passion vergällen wolle, verwies er nüchtern auf die Folgen der neuen Technologien: „Bei autonomen Autos hat der Besitz keinen Sinn mehr. Heute gibt man unglaublich viel Geld aus für ein Objekt, das eine Stunde am Tag fährt und ansonsten herumsteht.“ Künftig werde man nur noch pro zurückgelegten Kilometer zahlen. Bauschs Prognose: „In 30 Jahren werden die Leute finden, unser jetziges Mobilitätssystem sei völlig verrückt gewesen.“


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