Elektro
: Modern Times Morricone


An diesem Freitag wird das französische Psych-Projekt „Forever Pavot“ dem Publikum des Luxemburger Clubs „De Gudde Wëllen“ eine musikalische Zeitreise zwischen Morricone-Prunk und French-Polar-Atmosphäre bieten.

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Musik wie ein Film: Forever Pavot.

Forever Pavot, das ist eine Mischung aus Gainsbourg-Reminiszenzen und Hintergrundmusik zu einer Verfolgungsjagd in einem französischen Krimi der 1970er Jahre. Sie können aber auch breite Soundkulissen aufbauen, die eines Film-Epos aus Cinecittà würdig wären. Forever Pavot, das ist aber vor allem der genialische Musiker Emile Sornin, der seine Songs im Alleingang komponiert, sich für die Tour aber mit guten Freunden umgibt, um sein breites Musikspektrum live darbieten zu können

Im Zusammenhang mit der Musik von Forever Pavot fällt wiederholt das Schlagwort „psychedelisch“, das jedoch mit Bedacht zu gebrauchen ist. Ob Cembalo oder Farfisa Orgel, die Band um den charismatischen Leader mit den langen Haaren zieht wortwörtlich alle Register, um einen unverkennbaren, wenn auch leicht anachronistischen Sound zu produzieren. Doch tut sie dies vor allem, weil sie den Klang moderner Keyboards nicht mag, so Sornin in einem Interview mit Les Inrocks. Auch soll der Name der Band weniger Opiate und psychedelische Drogenexzesse anpreisen. „Un jour j’ai lu trop vite un ‘flower power’ très mal écrit sur une trousse d’écolier. Ça m’a fait rire“, so Sornin auf der Webseite seines neuen Plattenlabels Born Bad Records zur Entstehung des Bandnamens. Auch der Begriff „Library Music“ fällt unvermeidlich, wenn man sich mit Forever Pavot beschäftigt. Wer dabei an Orte der Bücherverwahrung denkt, ist leider auf dem falschen Dampfer: Gemeint ist Produktionsmusik, die für Werbung oder Filmhintergrund genutzt wird. Tatsächlich spielt Forever Pavot gewollt und gekonnt mit diesem Genre, das sich der Leadsänger bereits aneignete, als er noch, dem Hip-Hop nahe, die Samplekünste des Wu Tang Clan und von Madlib und MFDoom analysierte. Der Vergleich mit Ennio Morricone, den Forever Pavot wiederholt als Vorbild genannt hat, bietet sich natürlich auch an. Es sind aber auch jüngere Zeitgenossen wie Aquaserge, die Sornin maßgeblich beeinflusst und auch persönlich gefördert haben. Der erste Longplayer „Rhapsode“ wurde zum größten Teil in deren Studio aufgenommen, und Forever Pavot benannte als Hommage das erste Lied des Albums nach eben diesem Studio: Electric Miami. Sornin sieht sich jedenfalls in der Tradition von Bands wie Stereolab oder Broadcast, die wie er aus der Vergangenheit schöpfen, um Neues zu gestalten. Mit Born Bad Records hat Forever Pavot nun auch ein Label gefunden, das seine Liebe für das Neugestalten von vergessenen Sounds teilt.

In seiner bisherigen Karriere hat der 30jährige Autodidakt so manches Genre ausprobiert, ohne sich Grenzen diktieren zu lassen. Emile Sornins unübersehbare Affinität für das Kinematografische zeigt sich nicht nur in seiner Musik: Der Musiker ist auch als Regisseur erfolgreich und hat mit seinen Videoclips für Kollegen wie Alt-J, Disclosure oder Dizzee Rascal absolut sehenswerte Kurzfilme geschaffen.

Mit seinem eher intimen Charakter wird „De Gudde Wëllen“ sicher eine stimmungsvolle Kulisse abgeben, in der man sich den Klangbildern von Forever Pavot stilgetreu hingeben kann. Für das Warm-Up und die After-Party sind Kuston Beater und Legenco zuständig.

An diesem Freitag, dem 18. Dezember im „De Gudde Wëllen“ in Luxemburg-Stadt.

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