Freie Tribüne: Brücken verbinden!

Steht das Vorhaben einer Fahrrad- und Fußgängerbrücke von Cents nach Kirchberg auf wackeligen Beinen? Die LVI nimmt Stellung.

(Illustration : Ville de Luxembourg - Service de la Topographie et de la Géomatique)

(Illustration : Ville de Luxembourg – Service de la Topographie et de la Géomatique)

2014 erfassten die zwölf automatischen Fahrradzähler der Stadt Luxemburg insgesamt über 945.000 Bewegungen. Das waren 13,3% mehr als 2013. Das Radverkehrskonzept, welches seit 2007 kontinuierlich umgesetzt wird, zeigt seine Wirkung, dies obwohl zur Zeit noch einige wichtige Teilstücke fehlen, damit sämtliche, bereits bestehende Elemente zu einem zusammenhängenden Radwegenetz zusammenwachsen.

Mit einem Radius von rund 4 km ist die Stadt Luxemburg sehr gut für Radverkehr geeignet. Topographisch gesehen zeigt die Stadt allerdings einige natürliche Barrieren auf, und das Tal im Stadtteil Neudorf zwischen Cents und Weimershof/Kirchberg ist eine davon.

Die LVI begrüßt die Entscheidung des Schöffenrates der Stadt Luxemburg, die Idee einer Fußgänger-und Radfahrerbrücke zwischen Cents und Weimershof/Kirchberg zu verwirklichen. Sie stellt ein wichtiges Glied dar im Fahrradkonzept der Hauptstadt, das Kirchberg mit seinen zahlreichen Arbeitsplätzen und Freizeitangeboten, und Cents, ein großes Wohnviertel, verbinden soll. Zudem soll als Zugang zur Brücke ein Aufzug für Fußgänger und Radfahrer den Einwohnern aus Neudorf eine schnelle Verbindung zum Kirchberg-Plateau und eine steigungsfreie Verbindung zum Stadtzentrum bieten.

Neudorf hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Entlang der Rue de Neudorf entstehen immer mehr Wohnkomplexe, welche kleine Einfamilienhäuser ersetzen. Dies hat die Einwohnerzahl des Viertels wesentlich erhöht. Viele der neuen Einwohner dürften dieses Viertel ausgesucht haben wegen seiner Nähe zu ihrem Arbeitsplatz, Kirchberg und Stadtzentrum.

Die Cents-Kirchberg-Brücke ist ein wichtiges Element für unsere Vision einer fahrradfreundlichen Stadt.

Das Stadtviertel Neudorf besteht hauptsächlich aus einer viel befahrenen Transitstraße (Rue de Neudorf) sowie aus zwei Nebenstraßen, welche zum Kirchberg-Viertel führen. Um von Cents nach Kirchberg zu gelangen bzw. um nach Clausen und ins Stadtzentrum zu fahren, benutzen sicherlich viele Einwohner diese Verbindungsstraßen.

Dies verursacht einen Teil des Autoverkehrs in der Rue de Neudorf, und es wäre aufschlussreich, Genaueres über diesen eigentlich lokalen Verkehr in Erfahrung zu bringen.

Der größte Teil des Autoverkehrs in der Rue de Neudorf ist jedoch auf den Transitverkehr vom Osten des Landes ins Stadtzentrum zurückzuführen. Und falls nicht bereits jetzt Maßnahmen ergriffen werden, ist zu befürchten, dass mit der Eröffnung der Nordstraße im September 2015 die Rue de Neudorf zusätzlich von Autofahrern aus dem Norden als Schleichweg in die Stadt benutzt wird, um die sowieso schon überlastete Avenue Kennedy auf Kirchberg zu umfahren. Dies alles trägt dazu bei, dass die Rue de Neudorf weder fußgängerfreundlich ist, noch über eine Fahrradinfrastruktur verfügt.

Um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, muss der Transitverkehr durch verkehrsberuhigende Maßnahmen reduziert werden, unter anderem z.B. mit Tempo-30-Zonen entlang von Schule und Geschäften. Das Problem ist hiermit jedoch noch nicht gelöst. Viele Faktoren müssen beeinflusst werden, um den Neudorfern Verbesserungen im Alltag zu bieten. Aber der Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen Cents und Weimershof/Kirchberg, mit einem Aufzug von Neudorf, ist ein Teil der Lösung.

Zudem ist diese Brücke ein wichtiges Element in der nationalen Radverkehrspolitik, da auch die Randgemeinden Sandweiler und Contern, welche nur 6 bis 8 km vom Stadtzentrum entfernt sind, von dieser Brücke profitieren werden. In der Tat wird die Fahrt mit dem Rad ins Stadtzentrum für die Einwohner der östlichen Randgemeinden wesentlich verkürzt und (topographisch) erleichtert.

Außerdem ist in dem neuen Gesetz zum nationalen Radwegenetz mit der PC27 („itinéraire cyclable Kiischtendall“) eine neue Verbindung geplant, welche die Hauptstadt über Sandweiler, Moutfort, Bous, bis Stadtbredimus mit der Mosel verbindet, womit dieser Brücke, als Einfahrt in die Stadt Luxemburg, auch hinsichtlich der Steigerung der touristischen Attraktivität des Radwegenetzes ein hoher Stellenwert zukommt.

Die Cents-Kirchberg-Brücke ist ein wichtiges Element für unsere Vision einer fahrradfreundlichen Stadt. Wir sind überzeugt, dass die Lebensqualität in der Stadt davon profitiert, wenn wieder mehr Leute aufs Rad steigen. Neue, innovative und attraktive Radwegeverbindungen tragen zweifellos zu einem Umdenken in diesem Sinne bei.


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