Fünf Fragen an: Daliah Scholl

Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche eineN interessanteN KandidatIn. Dieses Mal mit Daliah Scholl, Kandidatin der DP in Esch.

woxx: Warum eigentlich die DP?

Daliah Scholl, Jahrgang 1973 lebt in Esch und unterrichtet an der Musikschule in Düdelingen. Die frischgebackene Präsidentin der Escher Lokalsektion ist Spitzenkandidatin auf der DP-Liste. (Foto: ©Artichocs)

Daliah Scholl: Das liegt daran, dass meine Mutter früher schon für die DP zu den Wahlen mitgegangen ist. Meine ersten Wahlen waren 2005, damals rief mich Henri Grethen an und fragte mich, ob ich mit auf die Liste wolle. Eigentlich hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht viel mit Politik am Hut. Ich steckte zu 150 Prozent in der Kunst, in der Musik sozusagen. Aber der Freiheitsgeist, der mir von meiner Mutter – die selbst Künstlerin ist – in die Wiege gelegt wurde, hat mich motiviert, für diese Partei einzutreten. Jeder Mensch sollte frei sein in seinen Entscheidungen und in seiner Lebensführung, aber er sollte dafür auch die Verantwortung übernehmen.

Wieso engagieren Sie sich „nur“ auf Gemeinde-Niveau?

Weil ich eine gebürtige Escherin bin, hier aufgewachsen bin, und es mir sehr am Herzen liegt, dass meine Stadt wieder aufblüht. Wir sind die zweitgrößte Stadt im Land, und ich habe das Gefühl, dass wir unsere Identität verloren haben. Mir ist bewusst, dass wir uns sehr weiterentwickeln und neu definieren müssen. Außerdem war ich bereits zwei Mal Kandidatin für die Legislativwahlen.

Was ist denn so katastrophal in Esch?

Esch ist nicht mehr attraktiv – ich finde, unsere Stadt könnte ein sehr innovativer und kreativer Aufhänger sein. Ich begrüße in dem Sinn auch die Kandidatur für die europäische Kulturhauptstadt: „Esch 2022“ – das ist wunderbar. Trotzdem finde ich, dass bis jetzt nicht genug auf der kulturellen Ebene geschehen ist. Mein Engagement ist also in erster Linie kulturpolitisch – ich sitze auch in der lokalen Kulturkommission -, aber ich sehe es so, dass Kulturpolitik auch eine Verbindung mit anderen Sparten haben kann. Kultur ist ein Schlüsselwort für die Zukunft der Stadt. Sie könnte eine Nische sein, mit der wir endlich wieder attraktiver werden. Ich will niemanden auf die Füße treten, aber durch meine Arbeit an der Musikschule in Düdelingen kriege ich mit, wie das funktionieren kann. Aber hier wird einfach nicht genug unternommen, um die Menschen zusammenzubringen. Zwar ziehen immer wieder Leute nach Esch – aber die bleiben leider unter sich. Kultur könnte das ändern. Wir müssen dem Stadtkern wieder neues Leben einhauchen – denn der ist unattraktiv und meistens gähnend leer. Sicher, Kultur ist nicht das Einzige, das wir anpacken müssten, aber sie kann ein Anhaltspunkt sein. Nebenbei finde ich auch zum Beispiel, dass die Parkplatz-Situation in der Stadt verbessert werden muss. Seit der Einführung des Vignetten-Systems kann niemand mehr außerhalb seines Viertels umsonst parken – da könnte man doch eine Regelung vorsehen, die es den Stadtbewohnern erlaubt, wenigsten für ein bis zwei Stunden gratis in einem anderen Viertel zu parken. Das wäre doch auch gut für die Geschäftswelt. Von der Verkehrssituation im allgemeinen will ich gar nicht reden! Die Bewohner des Viertels Neudorf, in dem ich wohne, haben die allmorgendlichen Staus und das Verkehrschaos, das sich täglich bis zum Stadtzentrum ausweitet, ziemlich satt.

Nun ist es ja so, dass zwischen der Stadt Esch und der DP nicht unbedingt eine Liebesgeschichte läuft. Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Also bisher haben wir einen Sitz – und wir wären glücklich, wenn wir einen zweiten hinzugewinnen könnten. Als Präsidentin der Escher Lokalsektion muss ich aber auch betonen, dass es mich sehr glücklich macht, dass wir jetzt sehr viele junge Menschen haben, die in die Partei eingetreten sind, um etwas zu bewegen. Ich gebe zu, dass ich anfangs Bedenken hatte, den Präsidentinnenposten zu übernehmen. Aber ich bin sehr zufrieden damit, jetzt eine geschlossene Mannschaft zu haben, die hundertprozentig zusammenhält. Ohne Zusammenhalt kann man keine gute Politik machen.

Suggestivfrage zum Schluss: Wenn Sie zwei Sitze erobern könnten und die LSAP bei ihren neun Sitzen bliebe, wäre die DP eine potentielle Koalitionspartnerin – würde Sie das reizen?

Ich denke schon. So, wie wir das sehen, ist eine Zusammenarbeit sehr wichtig. Ich bin nicht der Meinung, dass jeder nur für sich in seiner Ecke werkeln sollte. In dem Sinne will ich mich einer eventuellen Mitarbeit nicht verschließen.


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