Fünf Fragen an: Nadine Tornambé-Duchamp


Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche eine Kandidatin. Dieses Mal ist es Nadine Tornambé-Duchamp, LSAP-Kandidatin in Suessem.

(Foto: Claude Piscitelli)

woxx: Sie waren die erste Ingenieurin, die im technischen Dienst einer Gemeinde eingestellt wurde. Wo hat man es als Frau schwerer, im Beruf oder in der Politik?


Nadine Tornambé-Duchamp: Seinerzeit als Frau in einem Männerberuf anzufangen, war mit Sicherheit schwieriger, als es für mich heute in der Politik ist. Aufgrund meiner Erfahrungen im Beruf habe ich jetzt kein Problem, mich zu behaupten. Außerdem bringt mir die tägliche Praxis im technischen Dienst in Esch einen Vorteil im Verständnis – sowohl der Struktur einer Gemeinde als auch der einzelnen Themengebiete. Deswegen liegt mir die lokale Politik in Suessem am Herzen, und nicht die nationale. Ursprünglich wollte ich nicht Gemeinderätin werden, sondern auf der Ebene der Kommissionen mitarbeiten. Ich bin dann 2010 nachgerückt und 2011 wiedergewählt worden. Zu dem Zeitpunkt war meine Tochter bereits erwachsen, sonst hätte ich das wahrscheinlich nicht angenommen. Als Frau zugleich Mutter und berufstätig zu sein und dann noch Politik zu machen, das ist wohl nur möglich mit einem Partner, der bei der Kindererziehung und im Haushalt einen großen Teil der Aufgaben übernimmt. Bei uns hat mein Mann nach der Geburt unseres Kindes halbtags gearbeitet, und ich ganztags.

Warum haben Sie sich bei der LSAP engagiert? Sind Sie zufrieden damit, wie die Partei mit Frauenthemen umgeht?


Es gab zwei Parteien, die mich interessierten, die eine etwas sozialer, die andere grüner. Das Soziale ist mir wichtiger, das hat den Ausschlag gegeben. Auch die Mitglieder der LSAP-Sektion in Suessem haben eine Rolle gespielt. Ohne die Aussicht, in einem guten Team zu arbeiten, wäre ich nicht in eine Partei eingetreten. Als Frau fühle ich mich den Männern in der LSAP gleichgestellt. Persönlich frage ich mich, ob wir heute noch eine Struktur wie die Femmes socialistes brauchen. Ich finde, alle Probleme sollten gemeinsam von Männern und Frauen diskutiert werden. Die Mixität bringt uns in vielen Bereichen am besten und effizientesten voran. Aber das hat wohl auch mit meinen Erfahrungen in einem atypischen Beruf zu tun.

Ist die Frauenquote ein geeignetes Mittel, die Geschlechtertrennung aufzubrechen?


Die Quote sollte nicht dazu führen, dass Männer, die wirklich motiviert sind, nicht auf die Kandidatenliste kommen, und stattdessen Frauen zur Kandidatur überredet werden, obwohl sie eigentlich gar nicht interessiert sind. Auf der anderen Seite ist mir bewusst, dass es für Frauen schwieriger ist, zu sagen, ich will auf die Liste. Frauen stellen sich in Frage, haben Zweifel, ob sie wirklich die nötigen Fähigkeiten besitzen. Männer sagen einfach, ich mach’s – ohne sich im Vorfeld mit Fähigkeiten auseinanderzusetzen.

Die von der Regierung beschlossene Umgehungsstraße von Käerjeng führt über Suessemer Gebiet. Was ist Ihre Position als Präsidentin der Verkehrskommission? 


Wir verstehen, dass der Verkehr, der sich in Käerjeng staut, das Dorf und seine Einwohner belastet. Wir sehen aber auch, dass mittlerweile der Rückstau auf der Collectrice bis auf die Höhe von Suessem kommt. Jetzt eine Umgehung zu bauen, um einen Teil des Verkehrs aufzunehmen, ist unüberlegt, denn es löst das Problem nicht. Allen ist klar, dass wir den öffentlichen Verkehr ausbauen und neue Auffangparkings anlegen müssen. Die Grenzgänger – und die Luxemburger – wollen ja gar nicht mit dem Auto nach Luxemburg-Stadt hineinfahren. Aber an den Bahnhöfen gibt es für sie keine Parkplätze, und die Busse stehen im selben Stau wie die Autos. Jetzt soll eine von unseren wenigen Waldflächen in einer Natura-2000-Zone geopfert werden, obwohl sie eine der wenigen Verbindungen der östlichen Waldflächen für Wanderer, Läufer und Radfahrer darstellt. Ganz vergeblich, denn wenn die neue Straße fertiggestellt ist, wird sie keine Entlastung bringen, weil in der Zwischenzeit die Zahl der Arbeitnehmer – Grenzgänger und Luxemburger – weiter gestiegen ist. Den künftigen Verkehr kann die Straße, wie sie jetzt geplant ist, nicht bewältigen

Können Alternativen wie der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Parkings das Verkehrsaufkommen senken? Was ist mit der sanften Mobilität?


Allen ist klar, dass es nicht schnell genug geht. Am hauptstädtischen Bahnhof werden die Bahnsteige erweitert – für alle Zuglinien außer der Petinger. Unsere Linie ist nicht prioritär. Sowieso gibt es für die Einwohner unserer Gemeinde, die mit dem Auto zum Bahnhof wollen, nicht einmal Parkplätze. Das Problem ist zu spät erkannt worden, es wurden zwar Studien angefertigt, aber nichts davon umgesetzt. Was unsere Gemeinde angeht, so versuchen wir, die sanfte Mobilität zu fördern. Um die Sicherheit der Fußgänger zu erhöhen, verbessern wir an den Zebrastreifen die Beleuchtung und das Sichtfeld. Der Radverkehr wird durch die hügelige Topographie erschwert, außer für E-Bikes. Um trotzdem eine Velo-Gemeinde zu werden, suchen wir zwischen den vier Dörfern nach Verbindungswegen, die die „Koppen“ umfahren.

 

Zur Person
Als Frau in einem Männerberuf hat Nadine Tornambé-Duchamp ihre eigene Art, mit der Geschlechterproblematik umzugehen. Aufgrund ihres Interesses für soziale Themen hat sie sich lokalpolitisch in der LSAP engagiert. Ihre berufliche Erfahrung als Leiterin der Abteilung für Geomatik der Stadt Esch kommt ihr auch bei technischen Fragen, zum Beispiel in der Verkehrspolitik, zugute.


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