Fünf Fragen an
: Sarah Diederich


Im Vorfeld der Gemeindewahlen interviewt die woxx jede Woche eine Kandidatin. Dieses Mal haben wir mit Sarah Diederich gesprochen, die für Är Equipe in Kopstal-Bridel antritt.

Sarah Diederich ist 21 Jahre alt und wohnt in Bridel. Sie studiert internationale Volkswirtschaftslehre und allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen. Sie ist Vizepräsidentin der Jonk Sozialisten Lëtzebuerg (JSL).

woxx: Obwohl Sie noch sehr jung sind, haben Sie bereits viele Jahre des sozialen und politischen Engagements vorzuweisen. Was hat Sie zu dem Engagement motiviert?


Sarah Diederich: Ich bin der Meinung, dass es nicht ausreicht, sich zu beschweren. Es ist wichtig, sich aktiv für seine Interessen einzusetzen und eigene Ideen einzubringen. Deshalb habe ich schon mit 15 Jahren angefangen, mich gesellschaftlich zu engagieren, erst im Schülerkomitee und in der Cnel (Conférence nationale des élèves du Luxembourg), später dann als Studentin in der Unel (Union nationale des étudiant-e-s du Luxembourg). Dort bin ich zum ersten Mal mit parteipolitisch engagierten Menschen in Kontakt gekommen; die haben mein Interesse für Politik geweckt. Dadurch bin ich dann sozusagen in die JSL reingerutscht. Ich fand es wichtig, mich, neben meinem sozialen Einsatz, auch politisch zu engagieren. In einer Partei ist es möglich, Druck auszuüben und auf tiefgreifende Veränderungen hinzuarbeiten. Für mich lief es auf eine Entscheidung zwischen Déi Lénk und LSAP hinaus, da ich beiden Parteien ideologisch nahestehe. Ich habe mich dann aber für letztere entschieden, weil sie in der politischen Landschaft hierzulande einfach ein größeres Gewicht hat. An der JSL gefällt mir auch, dass sie neben der Kritik auch immer konkrete Lösungsvorschläge einbringt.

Zusätzlich zu ihrem nationalen Engagement in der JSL wollen Sie sich nun auf die lokale Ebene wagen. Was reizt Sie daran?


An der Gemeindepolitik gefällt mir, dass man in engem Kontakt mit den Menschen steht. Dadurch bekommt man Probleme viel direkter mit. Man kann aber auch mitverfolgen, ob Entscheidungen so umgesetzt werden, wie man es sich vorgestellt hat. Ganz anders verhält es sich, wenn man auf nationaler Ebene beispielsweise über komplexe ökonomische Themen redet. Ich will ein wenig von einem solchen abstrakten Engagement weg. Würde ich in den Gemeinderat gewählt, bliebe ich zwar immer noch Mitglied der JSL; einen Posten wie den der Vizepräsidentin würde ich allerdings nicht mehr übernehmen. Die Gemeindepolitik hätte dann für mich absoluten Vorrang.

In Kopstal-Bridel gibt es keine LSAP-Liste. Stattdessen kandidieren Sie bei der unabhängigen Är Equipe. War das eine Kompromisslösung?


Ein wichtiges Kriterium waren für mich die inhaltlichen Ziele. Und da decken sich die Schwerpunktsetzungen von Är Equipe ganz klar mit meinen eigenen Ansichten. Darüber hinaus finde ich an Är Equipe interessant, dass sie nicht parteigebunden ist. Dadurch ist man unabhängiger – es können Wege eingeschlagen werden, die nicht parteilich fixiert sind. Ich meine, dass eine solche Vertretung insgesamt näher am Bürger ist. Die Menschen, die bei uns kandidieren, haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Die meisten sind bei keiner Partei eingeschrieben. Ich finde es schön, dass dadurch so viele unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. In den großen Punkten sind wir uns allerdings einig, was wiederum auch wichtig ist.

Welche gemeindepolitischen Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?


Das wäre zum einen die Jugend. In Kopstal-Bridel sowie im gegenwärtigen Gemeinderat ist der Altersdurchschnitt relativ hoch. Es wird zwar schon so manches für die Jugend getan – wir haben zum Beispiel Sportplätze und ein Jugendhaus. Aber das Kultur- und Freizeitangebot, das sich gezielt an junge Menschen richtet, ist meiner Meinung nach nicht ausreichend. Daneben fehlt es ein wenig an der Perspektive eines jungen Erwachsenen. Ich finde es wichtig, dass junge Bürger die Möglichkeit haben, sich bei Problemen an einen Altersgenossen im Gemeinderat zu wenden. Ein weiteres persönliches Anliegen ist die mediale Kommunikation. Ich finde es schade, wenn die Anwohner das Gefühl haben, dass ihre Forderungen nicht gehört werden. Dabei sind wir uns der Probleme durchaus bewusst. Wir sind nur nicht immer in der Lage, sie zu beheben. Viele Bürger beschweren sich zum Beispiel über die Verkehrssituation in Kopstal-Bridel. Nun ist es aber so, dass wir als Gemeinde daran nur wenig ändern können. Die eigentliche Handlungsmacht liegt bei der Regierung. Eine gute Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern ist unerlässlich, um solche Missverständnisse zu vermeiden. Dadurch wird nicht nur die Demokratie gefördert – es bringt uns auch näher an die Bürger heran. Besonders um junge Menschen zu erreichen, ist es wichtig, auf die sozialen Medien zu setzen und die Gemeinde-Homepage stets auf dem neuesten Stand zu halten.

Sind Sie als junge Frau in der Politik bisher auf Hürden gestoßen?


Ich hatte bisher keine Schwierigkeiten als junge Frau. Bei dieser Thematik kommt es für mich auf zwei Aspekte an. Zunächst sind die Rahmenbedingungen wichtig. Es müssen für beide Geschlechter gleiche Bedingungen herrschen. Bei Är Equipe sind alle gleichberechtigt, und ich hatte noch nie das Gefühl, wegen meines Alters oder meines Geschlechts benachteiligt zu werden. Auf persönlicher Ebene ist aber auch die Einstellung von zentraler Bedeutung. Ich habe zwei ältere Geschwister und früh eine Ellenbogenmentalität entwickelt. Durchsetzungsfähigkeit ist meiner Meinung nach eine sehr wichtige Charaktereigenschaft, unabhängig vom Geschlecht.


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