Gestapo: Opfer und Täter

Im Musée national de la Résistance in Esch-sur-Alzette bietet sich zur Zeit die Möglichkeit, einen Einblick in die perfiden Machttechniken der Nationalsozialisten zu bekommen. Am Beispiel des Terrors der Gestapo in Luxemburg wird aufgezeigt, wie schwer es ist, gegen eine Staatsmacht vorzugehen, die keine rechtlichen und humanen Hemmungen kennt.

Hans Klöcker, Angeklagter im luxemburgischen Gestapo-Prozess, bei einer Ortsbegehung der Villa Pauly. (Foto: Tony Krier/Photothèque de la Ville de Luxembourg)

Hans Klöcker, Angeklagter im luxemburgischen Gestapo-Prozess, bei einer Ortsbegehung der Villa Pauly. (Foto: Tony Krier/Photothèque de la Ville de Luxembourg)

Über die vergleichsweise hohe Besucherzahl der Ausstellung zum Wirken der Geheimen Staatspolizei in Luxemburg zeigt sich Frank Schroeder, Direktor des Musée national de la Résistance, sehr erfreut. Sogar die Zahl der Schulklassen, die sie besuchen und eine Führung durchs Museum in Anspruch nehmen, ist recht hoch, obwohl sich die Ausstellung, ein wenig zum Schaden ihrer pädagogischen Wirksamkeit, ziemlich textlastig präsentiert. Sie geht auf eine Initiative von Katrin Raabe zurück, die Nachforschungen zu ihrer Familiengeschichte anstellte und dabei auf die Gestapo-Vergangenheit ihres Großonkels stieß, der ab 1942 in Luxemburg für die Verfolgung von Widerstandsbewegungen zuständig war.

Die Ausstellung ist in mehrere Ebenen gegliedert. Zum einen gibt sie einen Einblick in den Aufbau und die Struktur der nationalsozialistischen Polizei- und Sicherheitsorganisationen. Die Gestapo wird als Unterdrückungs- und Bespitzelungsapparat beschrieben, mit dem das Regime Widerstände aufzudecken und zu zerschlagen suchte. Zum anderen veranschaulicht die Ausstellung die Ambivalenz des Wirkens der Gestapo: Die Luxemburger erscheinen nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter. So wären zahlreiche Verbrechen nicht zustande gekommen, wenn es nicht auch unter Luxemburgern Vertrauensleute und Informanten gegeben hätte. Zahlreiche Dokumente und Schautafeln helfen das System zu verstehen, mit dem es der Gestapo – gestützt auf brutale Verhör- und Foltermethoden – gelang, den Willen der Menschen zu brechen, sie zu täuschen und zum Verrat zu bringen.

Auch die inneren Strukturen der Gestapo werden beleuchtet. Es wird erkennbar, wie differenziert die Arbeit organisiert war: So gab es jeweils besondere Abteilungen, die für die Überwachung von Zeugen Jehovas, von Homosexuellen, von Juden und von Widerstandsleistenden zuständig waren. Wie viel Macht der Gestapo hierbei zugestanden wurde, drückt sich unter anderem in den zahlreichen Deportationen in das SS Sonderlager/KZ Hinzert und in der Beteiligung an Massenmorden aus.

Ihren Bezug zur Gegenwart unterstreicht die Ausstellung am Ende durch ein Zitat des amerikanischen Whistle-
blowers Edward Snowden. Dieser forderte eine kritischere Beurteilung der Entwicklung, dass das „Trennungsgebot von Geheimdienstaktivitäten und exekutiven polizeilichen Befugnissen“ infolge der ansteigenden Bedrohung durch den Terrorismus zunehmend aufgehoben wird. Er verwies dabei exemplarisch auf die Gestapo, an deren Beispiel sich beobachten lasse, zu welchen Folgen eine solche Verschmelzung der eigentlich getrennten Staatsfunktionen führt.

An der Ausstellung zu bemängeln ist lediglich ihre hohe Dichte. Diese ist allerdings der räumlichen Knappheit geschuldet. Doch ist Frank Schroeder zuversichtlich, dass dieses Problem schon in naher Zukunft behoben sein wird: Sowohl die Gemeinde als auch das Kulturministerium hätten eingewilligt, die bereits länger geplante Vergrößerung des Museums nun endlich anzugehen. Zwei schon geplante Ausstellungen werden noch durchgeführt, dann soll Baubeginn sein.

Abschließend sei noch erwähnt, dass das Musée national de la Résistance für die Monate März und April eine Vortragsreihe organisiert hat, die den Einblick in die komplexe Materie der Gestapo in Luxemburg noch vertiefen soll. Unter den Vortragenden sind auch Studenten der Universität Trier, die zu den in der Ausstellung vorgeführten Forschungsergebnissen beigetragen haben.

Bis zum 8. Mai im Musée national de la Résistance.

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