Hip-Hop/Metal: Gefragte Propheten


Die Supergroup „Prophets of Rage“ lässt Fanherzen höher schlagen, und auch deren politischen Botschaften mit ihrer Schlagkraft sind heute vielleicht wichtiger denn je.

Im eigenen Land sind sie schon mal Propheten … 
 (Foto: Flickr)

Als bekannt wurde, wer sich hinter dem Namen „Prophets of Rage“verbirgt, waren vielleicht einige ehemalige „Rage Against the Machine“-Fans zunächst enttäuscht, dass der charismatische Originalsänger Zack de la Rocha kein Teil des Line-Up sein würde. Die Neugierigen unter den Fans dürften allerdings bemerkt haben, dass der Platz am Mikrofon neben den drei Instrumentalisten von Rage Against the Machine nicht weniger namhaft besetzt wurde: die Rapper B-Real von Cypress Hill und Chuck D von Public Enemy übernehmen die Rolle der Wutprediger in dem neuen Projekt. Vervollständigt wird die Supergroup noch von DJ Lord, der unter anderem auch Mann hinter den Schallplatten bei Public Enemy ist.

Auf das Attribut Supergroup angesprochen, präzisierte Gitarrist Tom Morello, es handele sich bei der Band vielmehr um eine „Superheroes“-Gruppe – Superhelden mit dem Anspruch, die Welt wieder wütend zu machen, um sich gegen wachsende Ungerechtigkeiten und drohende politische Katastrophen aufzulehnen. Wegen des aktuellen Zustands der Welt müssten die alten Songs dreimal so laut gehört werden wie jemals zuvor.

Die politischen Themen der drei Bands haben sich im Vergleich mit den Anfangsjahren nicht wesentlich verändert. Das ist in diesem Fall kein Armutszeugnis, sondern ein Zeichen für den gesellschaftlichen Fortschritt. Die Parolen der neuen Songs, wie in dem gleichnamigen Lied „Prophets of Rage“ oder in „Unfuck the World“, fügen sich ein in die Reihe von Texten, die durch den Mut, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, beeindruckten und durch ihr Potenzial, auf direkte, plakative Weise Massen zu mobilisieren. Die Kernaussagen dabei sind deutlich und werden mit Nachdruck wiederholt, sodass sie nicht missverstanden werden können: Kritik an der strukturellen Diskriminierung in Amerika, Denunzierung der grassierenden Polizeigewalt, Forderung nach einem politischen Umdenken. So waren es auch die damals bevorstehenden Wahlen, die die sechs Musiker dazu bewegten, eine Band zu gründen, die nicht länger nur vom Seitenrand zuschauen wollte. Damals war Donald Trump nur ein republikanischer Präsidentschaftskandidat, mittlerweile ist er der Regierungschef der Vereinigten Staaten – der perfekte Antagonist scheint also bereits gefunden.

In diesem Sinne war die Band auf „Make America Rage Again“-Tour, nun kommt sie auch nach Europa und macht Halt in der Rockhal in Belval. In ihrem Programm befinden sich Stücke von Rage Against the Machine, Public Enemy und Cypress Hill. Alle Old-School Fans werden in den Genuss der Hymnen kommen, von „Killing in the Name of“ bis „Insane In the Brain“. Eigene Stücke wird die Band ebenfalls spielen, auch wenn jetzt schon klar sein sollte, dass die neuen Kompositionen bei derartigen Events immer in den Hintergrund geraten. In diesem Fall ist das allerdings nicht so schlimm, denn die neuen Stücke, ganz in der klassischen „Rage Against the Machine“-Manier, sind keine musikalischen Offenbarungen, sondern lediglich Neuheiten in der Kontinuität des bereits Gehörten.

Am kommenden Dienstag wird in der Rockhal mit Sicherheit ein Spektakel geboten werden, und obwohl der ausdrucksstarke Rage-Gesang von de la Rocha fehlen wird, bleibt der Name dennoch Programm: Die Wut ist das vitalisierende Gefühl, das die Menschen aufrütteln soll. Ein Weckruf ist auch in unserem Ländchen, ganz ohne Donald Trump, mit Sicherheit notwendig. Ob die Musiker sich dabei allerdings als Propheten inszenieren sollten und ob Wut die einzige richtige Lösung ist, müssen die Fans mit sich selbst ausmachen.

Am 20. Juni in der Rockhal.

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