Indie-Rock
: Reise zu den Ursprüngen


Mit einer Neuauflage ihres Debutalbums, das integral gespielt wird, im Gepäck, lädt The Black Heart Procession gleichermaßen Kenner und Neuentdecker am Samstagabend in die Rotunden ein.

Frühe Meister der Melancholie: The Black Heart Procession.

The Black Heart Procession entstand 1997 als Nebenprojekt der „Three Mile Pilot“-Mitglieder Pall Jenkins und Tobias Nathaniel. Der unverkennbar melancholische Charakter sollte ihnen schon bald zu einem Plattenvertrag mit dem US-Label Cargo Records verhelfen, unter welchem im Folgejahr ihr Debut-Album „1“ erschien. Im Laufe der Jahre umgaben sich Jenkins und Nathaniel im Studio und auf Tour immer wieder mit Musikern wie Joe Plummer (Schlagzeug), Jason Crane (Trompete) oder Matt Resovich (Violine). Mit ihnen wurden bis 2010 insgesamt jeweils sechs Alben und sechs EPs und Singles geschaffen. Anschließend wurde es wieder ruhiger um die Indie-Rocker aus San Diego, und Jenkins gab 2013 in einem Interview bekannt, dass das Projekt The Black Heart Procession vorerst auf Eis gelegt worden sei.

Umso überraschender war deshalb im November letzten Jahres die Ankündigung einer Europa-Tournee anlässlich des 20. Jubiläums des Quintetts. Ihren Anfang nahm die Tour am 1. März in Belgrad. Das Konzert in Luxemburg am 11. März wird bereits das zehnte von insgesamt fünfundzwanzig der Tour durch vierzehn Länder sein. Doch was erwartet Fans und Musikbegeisterte am Samstag in den Rotunden?

Herzstück der Anniversary-Tour ist das bereits erwähnte Debut-Album, das in einer limitierten Neuauflage inklusive zweier bisher unveröffentlichter Bonus-Tracks ausschließlich bei den Konzerten erhältlich ist. Dies dürfte vor allem eingefleischte Fans der Musik von Jenkins und Nathaniel interessieren. Dabei kann sich ein Konzertbesuch aber durchaus auch für Neuentdecker lohnen, sofern diese bereit sind, sich auf die Musik einzulassen. Denn hinter dem Genre-Begriff „Indie-Rock“ verbirgt sich auf „1“ eine Sammlung sehr intimer Songs, deren Inhalt unmissverständlich den Projektnamen The Black Heart Procession widerspiegeln.

Und tatsächlich gestaltet sich der Einstieg in ihr musikalisches Repertoire eher träge und düster: Ein monotoner Walzer, angetrieben von den Klängen einer Spieluhr und Jenkins resigniertem Tonfall. Beinahe prozessionsartig setzt sich das schleppende Motiv im darauffolgenden Stück „The Old Kind of Summer“ fort. Ein klares Alleinstellungsmerkmal im Grundsound ist Jenkins Spiel auf der singenden Säge, das die schaurig-beklemmende Stimmung noch verstärkt.

Ab dem dritten Track „Release My Heart“ setzt das Schlagzeug ein, die Musik wird greifbarer und gewinnt an Fahrt. Der Großteil der Songs ist jedoch eher spärlich orchestriert und stellenweise an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Doch auch wenn der intime, zurückhaltende Grundcharakter überwiegt, so hält das Debütalbum doch in weiten Teilen seine Spannung und bietet durchaus Titel mit Ohrwurmpotenzial – wie zum Beispiel „Blue Water – Black Heart“ oder „Square Heart“.

Zugegeben: „1“ trifft nicht jedermanns Geschmack und erschließt sich womöglich erst nach mehrmaligem Hören. Die durch und durch ernsten, melancholischen Themen driften jedoch nie in Selbstmitleid ab. The Black Heart Procession klingt klar und diffus, resigniert und verklärt zugleich. Die Musik regt zum Innehalten an, zum Träumen und zum Nachdenken. Und vermag durchaus zu begeistern – das nötige Wohlwollen und die Aufgeschlossenheit, sich auf die Musik einzulassen, vorausgesetzt.

Am 11. März in den Rotondes.

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