Indie
: Zum Glück


Mit The Octopus Project und Deerhoof kommen gleich zwei Indie-Phänomene in die Rotondes.

20 Jahre im Underground, und doch kein bisschen weniger verrückt: Deerhoof.

„Music is Happiness“ – diesen Titel trägt ein Song der amerikanischen Band The Octopus Project. Musik und Glück gleichzusetzen, scheint jedoch eine ziemlich kühne Aussage, wenn man die gesamte Bandbreite aller Musikgenres betrachtet. Von Metal bis Hip-Hop, Singer-Songwriter bis Minimal: In vielen Musikrichtungen spielen eher Negativität und Melancholie die tragende Rolle. „Music is happiness?“ Wohl eher nicht.
Die Musik von The Octopus Project und Deerhoof bildet dazu allerdings das passende Gegenbeispiel, denn bereits nach einmaliger Begegnung mit diesen beiden Bands erkennt man, welches vitalisierende Potenzial in ihrer Musik steckt. Doch nicht nur das verbindet diese zwei Musikgruppen aus den Vereinigten Staaten: Seit den 1990er-Jahren, seit sie experimentelle Noise-Elemente und spannungsgeladene Harmonien in den Indie-Pop integrieren, zeichnet sich ihre Musik durch ausgeprägten Mut zum Unkonventionellen aus. Das nächste Kapitel ihrer Gemeinsamkeiten wurde soeben mit ihrer gemeinsamen Tour aufgeschlagen, in deren Rahmen sie auch am heutigen Freitag in den Rotondes auftreten.

Die vier Multi-Instrumentalisten von The Octopus Project werden den Abend eröffnen. Die Musik ist zumeist instrumental, jedoch sind die Melodien der Synthies und Gitarren derart eingängig, dass ein Leadgesang nicht vermisst wird. Die Bandmusiker wechseln stattdessen oft die Instrumente und haben über die Jahre ihren experimentellen Indie-Pop kontinuierlich weiterentwickelt. Erst letztes Jahr erschien das neue Album Memory Mirror, das sie während des Konzerts vorstellen werden.

Die Geschichte von Deerhoof ist von ständigen Wechseln geprägt. Einzige Konstante ist der Schlagzeuger Greg Saunier, der schon an der Gründung der Band beteiligt war. Als die Sängerin und Bassistin Satomi Matsuzaki dazustieß, entwickelte sich das Projekt, das als Noise-Duo angefangen hatte, schnell zu einer Indie-Band mit klaren Songstrukturen. Matsuzakis verspielte Gesangsmelodien und die vertrackten Rythmen von Saunier bilden bis heute das Herzstück der Musik von Deerhoof. Die Stelle des Gitarristen wird seit nunmehr zehn Jahren von den zwei Musikern Ed Rodriguez und John Dietrich ausgefüllt. Auch sie haben hörbar ihre Spuren auf den neuen Deerhoof-Werken hinterlassen und tragen heute wie in der Vergangenheit zum Abwechslungsreichtum der Musik der Band bei.

Die ersten Studioaufnahmen waren zweifellos rauer und ungeschliffener als es das aktuelle Album ist. Die Gitarren schrien lauter und greller, und der Sound der Songs war dreckiger. Beim Hören der früheren Songs bewegt man sich als Zuhörer ständig zwischen Leiden und Begeisterung, denn die Spannung, die in der Musik aufgebaut wird zieht unwiderstehlich an, um einen auf dem Höhepunkt doch wieder abzustoßen. Dieses Spiel mit den Gefühlen ihrer Hörer bleibt auch auf der neuen Platte erhalten, nur dass die Stilmittel sich ein wenig verschoben haben. Der Schockmoment wird eher durch Harmonienwechsel oder unerwartete rhythmische Breaks ausgelöst als dadurch, dass die Soundästhetik besonders schrill wäre. Das diesjährige Album ist mit Sicherheit das poppigste in der langen Geschichte der Band, aber dadurch auch auf eine angenehme Weise zugänglicher und schöner. Nach zwanzig Jahren Underground ist dies eine willkommene Entwicklung, denn Deerhoof, die über Jahre hinweg von Kritikern mit Lob überschüttet wurden, muss in der Indie-Welt niemandem mehr etwas beweisen.

Deerhoof erfindet sich wieder einmal neu, und das Resultat ist mehr als ansprechend. Die Texte sind surreal, die Musik ist so energiegeladen wie eh und je, und am Ende lässt das neueste Werk nur überaus amüsierte und gut gelaunte Zuhörer zurück. Wir korrigieren also: Wenn Deerhoof Musik ist, dann ist Musik doch Glück.

Deerhoof, indie rock, support: The Octopus Project, am heutigen Freitag, dem 11. Mai um 21h30 in den Rotondes.

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