Insolvenzen: Halb leer oder halb voll?

Fast eine von zwei neu gegründeten Firmen wird in den ersten fünf Jahren wieder aufgelöst.

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(Foto: pixabay)

Das Wirtschaftsministerium lässt sich durch die hohe Zahl der Firmeninsolvenzen nicht sonderlich beeindrucken. Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise waren die gerichtlich festgestellten Zahlungsunfähigkeiten in der Privatwirtschaft zwischen 2009 und 2013 kontinuierlich angestiegen. Waren es im Jahre 2009 noch 693 Fälle, wurde 2012 erstmals die Tausendermarke überschritten. Mit 850 (2014) und 873 (2015) Fällen hat sich die Situation seither jedoch etwas beruhigt. Zwar lagen die Zahlen deutlich über denen der Zeit vor der Krise – 2008 nur 574 Fälle – doch hat auch die Zahl der Firmengründungen insgesamt stark zugenommen.
Eine im Juli veröffentlichte Statistik der Finanzberatungsfrima Creditreform, die auch eine Vertretung in Luxemburg besitzt, hatte dagegen aufhorchen lassen: Anders als die staatlichen Stellen, die nur einmal pro Jahr eine Erhebung der Insolvenzen machen, stellte Creditreform eine Bilanz zum Halbjahr auf und wusste von alarmierenden Zahlen zu berichten. So lagen die Konkurse gegenüber dem Vergleichszeitraum aus dem Jahre 2015 um 30,34 Prozent höher, und damit „im Bereich des traurigen Rekords der Halbjahreszahlen von 2012/13 (571/522)“. Würde sich dieser Trend im zweiten Halbjahr fortsetzen, bestünde für 2016 die Gefahr, dass die Zahl 1.000 wie schon 2012 und 2013 erneut überschritten wird.
Wenn auch einige spektakuläre Konkurse, wie etwa „Meng Drogerie“ mit 78 verlorenen Arbeitsplätzen, im ersten Semester große öffentliche Aufmerksamkeit fanden, so ist doch festzuhalten, dass es zu den insgesamt betroffenen Arbeitsplätzen derzeit kaum statistisch abgesicherte Erkenntnisse gibt.
Laut Creditreform sind die wenigsten betroffenen Unternehmen dem produzierenden Gewerbe zuzuordnen, und auch im Bausektor ist die Konkursquote rückläufig. Mit 38 Konkursen sei der Spitzenwert von 55 Pleiten im 1. Halbjahr 2015 wieder auf den langjährigen Normalwert zurückgegangen. Der Handel sei mit 146 „faillites“ weiterhin stark vertreten, aber sein Anteil an der Gesamtmenge sei rückläufig.
Umgekehrt der Trend im sogenannten Dienstleistungsbereich, dessen Anteil um 14 Prozent auf 67,03 % – also gut zwei Drittel – stark gestiegen ist. Allerdings umfasst diese Kategorie nicht nur ein breitgefächertes Spektrum von Branchen, sondern stellt auch den größten Teil der Neugründungen mit Kleinstfirmen von ein bis drei MitarbeiterInnen. Auch ist der Anteil der Konkursfirmen, die jünger als fünf Jahre sind, leicht angestiegen. „Hier zeigt sich auch die andere Seite des dynamischen Gründungsgeschehens in Luxemburg“, meint dazu Creditreform. Da Neugründer vor allem die Rechtsform der Sàrl bevorzugen, sind zwei von drei Konkursen dieser Kategorie zuzuschreiben.

Horesca an der Spitze

Françoise Hetto und Félix Eischen (beide CSV) nahmen die von Creditreform erstellten Zahlen zum Anlass einer parlamentarischen Anfrage und verlangten u.a. Auskunft darüber, ob diese Entwicklung auf besondere Ursachen zurückzuführen ist. In seiner Antwort relativierte der Wirtschaftsminister zum einen die Zunahme der Insolvenzen, indem er der Statistik der Konkurse in den einzelnen Branchen eine für einen vergleichbaren Zeitraum erstellte Tabelle der Firmengründungen gegenüberstellte. Dieser Vergleich, so der Minister, offenbare eine „starke Korrelation“. Dort, wo es viele Neugründungen gibt, gingen auch viele Firmen wieder ein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Statec-Tabelle, die aufzeigt, wieviele Firmen nach fünf Jahren „überlebt“ haben: 55,3 Prozent der 2009 gegründeten Firmen waren 2014 noch aktiv. Diese Zahlen enthalten auch die regulären Geschäftsaufgaben. Trotzdem fällt auf: Nur etwas mehr als die Hälfte der Firmen kommt über diese Zeitmarke hinaus. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind es sogar nur 4 von 10 Firmen, wohingegen Unternehmen im Gesundheits- oder Erziehungswesen die Fünf-Jahres-Grenze zu zwei Dritteln überschreiten.

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