Installation: Stiller Abgesang


Mit „Moonlight Solitude“ bleibt sich das Künstlerduo Martine Feipel und Jean Bechameil treu. Ihre Installationen hinterfragen unsere Wahrnehmung und wecken lautlos Erinnerungen.

1341_Expo_Moonlight_SolitudeEingesenkt in die Felswand im Luxemburger Grund wirkt die gläserne Galerie Zidoun-Bossuyt, in deren Innenhof Steinbrocken liegen, schillernd, archaisch und modern zugleich. Für „Moonlight Solitude“ hätte kein besserer Ort gefunden werden können.

Betritt man die Räumlichkeiten, so stößt man direkt auf eine Aneinanderhäufung von „Retro“-Skulpturen. Die weißen Abgüsse eines Kassettenrekorders, einer Stereoanlage und eines alten Fernsehgeräts erinnern an frühere Generationen der Technik; bröckelnd wirken die heute obsolet gewordenen Objekte wie Ruinen aus der Antike, fast schon wie irreale Phantome künden sie von vergangenen Zeiten. Gerade so wie der VW-Bulli, dessen Abguss vergangenes Jahr in Originalgröße an der belgischen Küste und danach auf dem Kirchberg-Plateau aus dem Boden ragte, wie ein Reptil, das langsam mit der Natur verschmilzt. Gegenüber ihrer Retroskulpturen sind eine Reihe von Skizzen zu sehen – Spuren ihrer Entwürfe von zerfließenden Formen und Installationen, die unsere Raum- und Zeitwahrnehmung auf den Kopf stellen. Denn spätestens seit der 54. Biennale in Venedig, auf der die beiden mit ihrer Installation „Le cercle fermé“ den luxemburgischen Pavillon mit welligen Wänden, hervorquellenden Schubladen, Zerrspiegeln, taumelnden Säulen und zusammengesackten Möbeln in ein Labyrinth verwandelten, ist das Spiel mit der Raumwahrnehmung zum Markenzeichen des luxemburgisch-französischen Künstler-Duos geworden.

1341_Expo_Moonlight_IIIm Rahmen der Ausstellung „HEIMsuchung“ (2013) im Kunstmuseum Bonn entwickelten sie ebenfalls eine Installation, die den Orientierungssinn der Besucher auf die Probe stellte. Dort wähnte man sich in einem surrealen Irrgarten, musste Tür um Tür passieren, um die Installation zu erkunden, und verirrte sich doch.

Eine überdimensionale Glocke, die den zweiten Raum der Galerie Zidoun-Bossuyt ausfüllt, wirkt monumental und diskret zugleich. Leise schwingt sie hin- und her und lässt einen genau hinhören. Nein, es erklingt keinerlei Läuten. Ein paar schwarze Pfützen am Boden verweisen auf das Ausstellungsmotiv. „Moonlight Solitude“ weckt Sehnsüchte an vergangene Zeiten und entführt einen in die Nacht. Es ist ein stiller Ausflug, der einen innehalten lässt.

Bis zum 7. November in der Galerie Zidoun-Bossuyt.

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