Kollektivausstellung: Phantomschmerzen

Video-Schau, Klang- und Rauminstallation – die Ausstellung „Phantom of Civilisation“ im Casino präsentiert die Ausdrucksvielfalt dreier taiwanesischer Künstler auf eindrucksvolle Weise.

1323expoZeitgenössische Kunst und Urbanität zu vermischen, ist schon fast ein alter Hut. Wie viele Einzel- oder Gruppenausstellungen es zu diesem Thema in den Museen und Kunstforen Europas und der Welt schon gegeben hat, weiß wohl niemand so genau. Und trotzdem hat es das Casino mit „Phantom of Civilisation“ fertiggebracht, dieses Themenspektrum auf erfrischende und klare Art neu zu beleuchten. Es mag daran liegen, dass die drei ausgestellten Künstler – Fujui Wang, Chi-Tsung Wu und Goang-Ming Yuan – aus Taiwan stammen und sicher einen anderen Blickwinkel auf Landschaften und Städte haben. Vielleicht liegt es aber auch einfach an ihren sehr ausgetüftelten Techniken.

Dem – wortwörtlich – großen Knaller begegnet man im zweiten Raum der Expo: „Dwelling“ von Goang-Ming Yuan. In einem Ikea-Sessel eingeigelt, kann der Zuschauer auf der Leinwand in ein Wohnzimmer sehen, das banaler nicht sein könnte. Nach und nach steigen Luftblasen auf, und man begreift, dass das ganze Zimmer unter Wasser steht. Bis ein lauter Knall das Ensemble in die Luft jagt, die Wohnzimmerelemente durcheinander wirbelt, und alles wieder magisch an seinen angestammten Platz zurückkehrt. Hier wird nicht nur Gewalt ästhetisiert, sondern zugleich die Frage nach der Sicherheit – oder der Prekarität – des eigenen Wohnraums gestellt. Wenn man so will, ein „Anti-Cocooning-Manifest“.

Am eindrucksvollsten ist aber sicherlich „Disappearing Landscape – Passing II“ desselben Künstlers. Im zentralen Raum des ersten Stockwerks auf gleich drei Leinwände projiziert, bietet die Arbeit fast schon rauschhafte Kamerafahrten in und um ein Haus, das dem Künstler persönlich sehr am Herzen liegt – denn es ist das, in dem sein Vater starb und sein Kind geboren wurde. Gleicherweise technische Höchstleistung und emotionale Achterbahnfahrt, wird dieses Werk dem Zuschauer sicher in Erinnerung bleiben.

Etwas diskreter – dafür aber interaktiver – lässt es der Soundkünstler Fujui Wang angehen. In seiner Arbeit „Electromagnetic Landscape“ kann der Zuschauer mittels eines speziell entwickelten Geräts die Aluminiumrahmen einer Rauminstallation wortwörtlich zum Sprechen bringen. Einmal berührt, produziert die Konstruktion Alltagsgeräusche aus der Stadt des Künstlers. Alles in allem eine vielfältige Installation, die auf die Vernetzung der modernen Welt anspielt und zugleich dem Besucher die Möglichkeit gibt, selbst Subjekt des Werkes zu werden. Die zweite Installation Fujui Wangs, „Sound Dots“, ist nichts für Schreckhafte. Betritt man den dunklen Raum, werden hunderte von LED-Lampen und Lautsprechern aktiv, die Töne in allen möglichen Frequenzen von sich geben.

Weniger spektakulär, aber trotzdem interessant, sind die Installationen von Chi-Tsung Wu. In „Crystal City“ nimmt er sich des Mediums Film an, ohne einen Film zu zeigen. Auf einer Schiene installiert, fährt eine LED-Lampe eine gerade Strecke ab und erleuchtet eine Stadt aus durchsichtigem Plastik. Neben der einfachen Schönheit ist dies auch eine Infragestellung der Durchsichtigkeit des urbanen Lebens. Hauchfein ist auch seine andere Installation „Dust“ – die sich damit begnügt, den vom Zuschauer aufgewirbelten Staub auf spektakuläre Art sichtbar zu machen.

„Phantom of Civilisation“ ist sicher eine der besseren Ausstellungen des Casinos, zeigt sie doch, wie man dank der Kunst Brücken zwischen den Zivilisationen bauen kann, und dass dies auch ohne Abstraktion und Rätselraten bestens funktioniert.


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