Kunststoff und andere Verpackungen: Vermeiden, aber wie?

Verpackungsmüll, insbesondere Kunststoff, lässt sich aus praktischen Gründen kaum noch vermeiden, so scheint es. Doch es gibt Geschäfte wie „Ouni“, die völlig verpackungsfreie Produkte verkaufen. Eine Herausforderung.

Knusper, knusper, Knäuschen … Ob zum Knabbern oder zum Köcheln, alles kann bei Ouni in – von Kunden mitgebrachte – Behälter abgefüllt werden. (Fotos: Raymond Klein)

Plastik, ein sehr vielseitig verwendbarer Stoff, hat viele Vorteile. Es ist reißfest, resistent gegen Flüssigkeiten, dehnbar und wiegt nahezu nichts. An und für sich ausgesprochen praktisch. Deswegen wird häufig Plastik statt Glas, Metall oder Karton als Verpackung verwendet und mit der Ware mitgekauft. Aber: Wenn der Inhalt zuhause dann entpackt und eingeräumt ist, erfüllt das Verpackungsmaterial überhaupt keinen Zweck mehr und wird weggeworfen. Was danach damit geschieht, weiß niemand so genau. Wird es recycelt? Verbrannt? Oder endet es im Meer, wo sich mittlerweile ein Plastikmüll-Archipel gebildet hat?

Damit man sich diese Fragen überhaupt gar nicht erst zu stellen braucht, gibt es Läden wie Ouni (organic unpackaged natural ingredients), die einen verpackungsfreien Einkauf ermöglichen. Ouni, auf Luxemburgisch „ohne“, ist ein kleiner Laden im Bahnhofsviertel, der am 13. Dezember 2016 offiziell eröffnet wurde.

Ouni Suen

„Das Projekt hat eigentlich mit einem ganz simplen Facebook-Post angefangen“, erklärt Nadia Djebbar, selbst Mitglied der Kooperative, gegenüber der woxx. Im Dezember 2014 hatte Patricia Tompers auf Facebook gefragt: „Who wants to open a zero waste grocery store with me in Luxembourg?“ Die Idee wurde online diskutiert und immer weiter entwickelt, bis schließlich eine Kooperative mit über 620 Mitgliedern aus ihr entstanden ist, die nicht nur biologische, lokale und faire Lebensmittel verpackungsfrei verkauft, sondern auch das ganze Jahr über verschiedene Workshops anbietet und ein kleines Café betreut.

Der Sinn von Ouni, ist es, so viele Menschen wie möglich über das Thema Verpackungen aufzuklären und ihnen eine Alternative vorzuführen. Die Kooperative verzichtet darauf, Gewinne zu machen, da keine Dividenden an die 620 Mitglieder ausbezahlt werden. Nur die zwei festangestellten Kassiererinnen erhalten einen Lohn, der Rest der Arbeiten wird von den 250 „aktiven“ Mitgliedern übernommen. Da Ouni bei den Personalkosten und bei der Verpackung spart, erscheint das Ziel, irgendwann bis zu 10 Prozent billiger als andere Bioläden zu sein, nicht unrealistisch.

Doch wie sieht der verpackungsfreie Einkauf in der Praxis aus? Wer sich darauf einlässt, hat am Anfang viele Schwierigkeiten zu überwinden, wie sogar Djebbar einräumt. Man muss sämtliche Konsumgewohnheiten in Frage stellen: Was will ich wirklich essen, wie viel brauche ich wovon, um ein bestimmtes Gericht zuzubereiten, wo bekomme ich die Zutaten? Hat man allerdings erst einmal diese Umstellung hinter sich, ist es ganz einfach.

Abgesehen von speziellen Produkten, die eine Alternative zum Alltag bieten würden, wie beispielsweise Mandelmilch. „Man findet keinen Produzenten, der einem das Produkt in Glasbehältern liefert. Tetrapacks wollen wir hier natürlich nicht verkaufen“, so Djebbar. Die Glasflaschen, in denen bei Ouni die Kuhmilch verkauft wird, kann man nach dem Gebrauch wieder zurückbringen und bekommt das Pfandgeld zurück. Die Flaschen werden anschließend vor dem nächsten Gebrauch nochmals gespült.

Doch die Hersteller von Produkten wie Mandelmilch wollen nicht auf Pfandgläser umsteigen, da dies sehr viel kostspieliger ist als die Verwendung von Tetrapacks. Indem Ouni solche Forderungen stellt, versucht das Projekt, den Handelsmarkt zu beeinflussen. Hoffend, dass die Produzenten auf Glas umsteigen, weil es sich auch für sie lohnen würde.

Ouni Fleesch!?

Fleisch ist ebenfalls eine schwierige Produktkategorie. „Hier in Luxemburg darf niemand eine Metzgertheke nach unserem Konzept betreiben. Die luxemburgische Regelung lässt dies schlicht und einfach nicht zu“, erklärt Djebbar. Man kann natürlich direkt beim Bauern kaufen, allerdings muss man dann entweder gleich eine halbe Kuh erstehen, oder es kommt doch wieder einiges an Verpackung zusammen.

Ganz „ohne“ funktioniert Ouni übrigens doch nicht: Die Waren werden von den Großhändlern und Produzenten in großen Säcken angeliefert. Die Einsparung ist also auf den Verkauf beschränkt.

Eine weitere Herausforderung für Läden wie Ouni stellt die Hygiene dar. „Die muss gewährleistet sein“, hält Djebbar fest. „Wenn ein Kunde durch uns krank würde, wäre das katastrophal.“ Die Behälter, die an den Mauern hängen und in denen sich die meisten Lebensmittel befinden, sind nicht luftdicht verschlossen. Deswegen kann Ouni zum Beispiel nicht garantieren, dass Menschen mit einer extremen Nussallergie den Laden ohne Problem betreten können – im Eingangsbereich hängen einige Behälter, die Nüsse enthalten.

Die Öffnungen der Behälter müssen oft desinfiziert werden, da die Hände der Kundschaft mit ihnen in Berührung kommen und sich so Keime ansammeln können. Bringt ein Kunde allerdings seinen eigenen, verschmutzten Behälter mit und erkrankt dann, so ist er selber schuld.

Mat villen Ideeën

Den hinteren Bereich des Ladens, wo sich leicht verderbliche Waren wie Früchte und Gemüse befinden, nennen die Insider „Frigo“ – aus Gründen der Lebensmittelhygiene wird hier konsequent gekühlt. An den Wänden hängen weitere Behälter mit Müsli oder Knabbergebäck. Auch die Nudeln können zum Teil so „gezapft“ werden. Teigwaren, die einen Hahn verstopfen würden, kann man mit einer Kelle aus großen Gläsern „schöpfen“. Doch bei Spaghetti funktioniert auch das nicht. Es werde noch nach einer Lösung gesucht, berichtet Nadia Djebbar. „Die Kunden könnten sie mit einem Tuch aus dem Glas nehmen. Oder, noch besser, gleich mit dem eigenen Jutebeutel umgreifen, anheben und dann den Beutel umstülpen.“ Brechen können sie natürlich auch dann noch.

„Das Schöne an Ouni ist, das es eine Kooperative ist. Sie verbindet somit sehr viele Leute allen Alters, aller Nationalitäten und aller Interessen. Das hilft, Probleme zu lösen“, schwärmt Djebbar. Sie zeigt auf das Schränkchen mit den Gewürzschubladen. Am Anfang lag in jeder Schublade eine kleine Schaufel zur Selbstbedienung – nicht wirklich hygienisch. Jetzt sind außen an den Schubladen kleine Magnete angebracht, die die Schaufeln festhalten. Wer die elegante Lösung erfunden oder kopiert hat, weiß Djebbar auch nicht, aber sie freut sich: „Hier findet ein riesiges Brainstorming statt, bei dem es jede Woche etwas Neues zu entdecken gibt.“


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