Lecktuch? Fehlanzeige.

Eine aktuelle Kampagne des Gesundheitsministeriums reproduziert Heteronormativität und suggeriert, dass nur Kondome zur Krankheitsverhütung genutzt werden können.

Wie jedes Jahr startet das Gesundheitsministerium auch in diesem Sommer eine Kampagne zur Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten. Das Ziel, so heißt es im Presseschreiben, bestehe darin, die Bevölkerung dazu anzuhalten, Kondome zu benutzen und sich regelmäßig testen zu lassen. Auf der Seite safersex.lu wird das Kondom (sowohl das „männliche“ als auch das „weibliche“) sogar als einzige Methode zur Krankheitsverhütung bezeichnet. Was andere Ansteckungsmöglichkeiten betrifft, wird nur darauf hingewiesen, dass ansteckende Körperflüssigkeiten nicht mit Hautverletzungen, oder genitalen, oralen und analen Schleimhäuten in Kontakt kommen dürfen. Wie dies in jedem Falle gewährleistet werden kann, müssen Interessierte andernorts herausfinden. Dass sich die Krankheitsübertragung bei Oralsex, Anulingus oder der Scherenstellung zwischen Frauen durch Oralschutztücher, umgangssprachlich Lecktücher genannt, verhindern lässt, wird mit keinem Wort erwähnt. Insgesamt scheint für das Gesundheitsministerium Vulvastimulation im Vergleich zu Penisstimulation einen untergeordneten Stellenwert einzunehmen. Fairerweise muss gesagt werden, dass sich ein Lecktuch auch mithilfe eines Kondoms anfertigen lässt. Doch eine solche Kampagne könnte genutzt werden, um darüber zu informieren, statt es gegebenenfalls nur mitzumeinen.

Sicherlich nicht mitgemeint ist gleichgeschlechtlicher Sex auf dem Plakat, das im Rahmen der Kampagne angefertigt wurde. Auf diesem sind zwei Personen in zehn verschiedenen Sexualstellungen abgebildet. Die eine hat einen Pferdeschwanz, die andere nicht. Hier wird also Zweigeschlechtlichkeit reproduziert und damit einzig Heterosexualität thematisiert.

Die Kampagne richtet sich hauptsächlich an junge Menschen unter 25 Jahren, in den Informationstexten wird allerdings nur Fachvokabular benutzt, das vielen in dem Alter, und darüber hinaus, wahrscheinlich nicht bekannt ist. Wie viele sagen wohl „Fellatio“? Die Seiten safersex.lu und sante.lu sind darüber hinaus nur auf französisch verfügbar, wodurch die bereitgestellten Informationen nur einem Teil der Bevölkerung zugänglich sind.

Wie wäre es mit einer Plakatkampagne, die nicht nur zweigeschlechtlichen Sex abbildet? Deren Sprachgebrauch sind an der anvisierten Zielgruppe orientiert? Und warum nicht mal Lecktücher bewerben und verteilen, statt immer nur Kondome?


Kriteschen an onofhängege Journalismus kascht Geld - och online. Ënnerstëtzt eis! Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld - auch online. Unterstützt uns! Le journalisme critique et indépendant coûte de l’argent - en ligne également. Soutenez-nous !
Tagged , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.