Mediennutzung in der Praxis
: Das Internet und die Jugend – eine Katastrophe?


Dass Jugendliche immer stärker auf das Internet zurückgreifen, um sich zu informieren, stimmt. Aber sie tun es aus guten Gründen und mit einer Umsicht, die manche Erwachsenen überraschen mag.

Ausgewählte Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013.

Wird Amerika Nordkorea angreifen? Wie alt kann ein Faultier werden? Wie sind die Wahlen in Deutschland ausgegangen? Warum kreist die Erde um die Sonne? Alle diese Informationen findet man ganz einfach … im Internet.

Das „allwissende Internet“ steht mittlerweile fast jedem fast überall gratis zur Verfügung. Dies ist nur einer der vielen Gründe, warum heutzutage immer mehr Menschen und vor allem Jugendliche ihre Informationen aus dem Internet beziehen.

Wer nutzt das Internet, und wofür am meisten?

Die Internetnutzung ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Dies trifft allerdings nicht nur für die Jugendlichen zu, sondern auch für die Erwachsenen. Im Jahr 2001 nutzten nur 37% der Befragten das Internet. 2016 waren es mehr als das Doppelte, nämlich 79%. Am meisten wird das Internet von den Altersgruppen zwischen 14 und 40 Jahren genutzt, also keineswegs nur von Jugendlichen unter 20.

Die meisten Internetnutzer machen von Suchmaschinen Gebrauch und forschen zielgerichtet nach bestimmten Angeboten oder Informationen (siehe Grafik). Laut der Onlinestudie von ARD und ZDF ist in der Gruppe zwischen 14 und 29 Jahren diese Nutzungsart am häufigsten, allerdings ist ihnen die nächste Altersklasse dabei dicht auf den Fersen. Interessanterweise benutzen die Jugendlichen das Internet deutlich weniger zum Chatten als zur Informationssuche. Sieht man sich auch noch die Prozentzahlen für „einfach so surfen“ und für Onlinespiele an, so wird klar: Jugendliche benutzen das Internet in etwa genauso sinnvoll oder sinnlos wie Erwachsene.

Dies ist verständlich, da das Internet sehr viele Vorteile bietet, vor allem was die Suche von Informationen angeht. Man hat sozusagen ständig Zugriff auf eine riesige Enzyklopädie, die mehrere Tonnen wiegen würde, wenn man sie mit sich herumschleppen müsste. Die Recherche im Internet ist mühelos, schnell hat man sich einen Überblick verschafft, und dies auch noch in allen Sprachen der Welt.

Alles online

Allerdings hat das Ganze auch einige Nachteile. Dadurch, dass viele Menschen nur noch das Internet als Informationsquelle benutzen, wird es für gut geschriebene und recherchierte Zeitungen immer schwieriger, Leser zu finden bzw. zu halten. Zudem müssen sich große Zeitungen und Nachrichtensender wie die Süddeutsche Zeitung oder BBC gegen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter durchsetzen, in denen jeder seine eigenen Informationen verbreiten kann. Speziell für die Zeitungen bedeutet dies eine große Umstellung, da sie ja ursprünglich papierbasiert waren. Mittlerweile produzieren die meisten Zeitungen auch eine Online-Ausgabe. Bei einigen ist diese sogar umfangreicher als die auf Papier.

Auch für diejenigen, die sich im Internet informieren wollen, wird es schwieriger. Bekommt man beispielsweise als Schülerin von einem Lehrer den Auftrag, Neuigkeiten über Donald Trump zu recherchieren, stellt sich dies als komplizierter heraus, als man anfangs vielleicht dachte. Durch Twitter usw. verbreiten sich schnell viele verschiedene und oftmals auch falsche Meinungen oder Informationen. Als Nicht-Expertin fällt es schwer, die Kerninformation zu finden und sie klar zu beschreiben. Zumal auch große Zeitungen und andere bekannte Informationsquellen nicht immer neutral sind.

Informationen im Internet

Wir Jugendlichen sind uns durchaus der Tatsache bewusst, dass sich nicht alle Quellen zu allen Themen neutral verhalten. Weil nicht alle Informationen, die wir finden, zutreffend sind, vergleichen wir die Quellen und erarbeiten uns eigene Ansichten. Eine etwas längere Recherche hilft, herauszufinden, welche Informationen stimmen und welche nicht. Man kann sich auch sehr schnell mit unterschiedlichen Meinungen vertraut machen, um sich eine eigene zu bilden. So verschafft man sich auch einen guten Überblick darüber, welche Argumente es für oder gegen eine umstrittene Position gibt.

Außerdem gibt es verschiedene Arten von Quellen, zwischen denen man unterscheiden muss. Ich zum Beispiel benutze die sozialen Netzwerke nur, um verschiedene Ansichten zu einem Thema kennenzulernen, aber nie, um Fakten zusammenzutragen. Besteht hier doch die größte Gefahr, fehlerhaft informiert zu werden, da in den Netzwerken jeder schreiben und veröffentlichen kann, was er will. Es kommt allerdings vor, dass ich etwas auf sozialen Medien wie Instagram sehe, was mich neugierig macht und worüber ich mich dann im Internet weiter informiere.

Dann gibt es noch die Quellen, die ich heranziehe, wenn ich nur an den Fakten interessiert bin, zum Beispiel, wie schnell die neue Tram maximal fahren kann. Bei einem solchen aktuellen Thema nutze ich RTL.lu und die Internet-Seiten der luxemburgischen Zeitungen, um an die Informationen heranzukommen. Wenn es dagegen Themen sind, die schon seit längerem in der Diskussion sind, wie beispielsweise das Problem Klimawandel, greife ich zuerst, für einen globalen Überblick, auf Wikipedia zurück. Danach gebe ich spezifische Schlagwörter wie „Klimawandel in Luxemburg“ oder „Klimawandel Erklärung“ ein, um an die erhofften Informationen zu kommen.

Internet vs. Papier

Bei diesen Quellen stoßen wir manchmal allerdings auf Grenzen – zum Beispiel auf Aufforderungen wie: „Sie wollen diesen Artikel weiterlesen? Abonnieren Sie nun Zeit online und haben Sie dadurch Zugriff auf all unsere Artikel!“. Bei solchen Meldungen ist ganz schnell Schluss. Wir Jugendlichen finden unsere Informationen im Endeffekt, auch ohne diese Zeitung abonniert zu haben. Dies ist aber ein Dilemma für die Zeitungen, da sie schließlich Mitarbeiter bezahlen müssen, es sich aber nicht leisten können, Leser durch Bezahlpflicht zu verlieren.

„Die Jugend liest ja gar nicht mehr.“ „Sie wissen kaum noch, wie Bücher aussehen.“ „Sie sind ständig am surfen.“ „Das Internet verblödet sie ja eh nur.“ Dies sind Sätze, die man sich als 16-jährige heutzutage immer öfter anhören muss. Man fängt an, sein ganzes Verhalten in Frage zu stellen. Lese ich überhaupt keine Bücher mehr? Ist das Internet wirklich so schlecht?

Ich als Jugendliche bin tagtäglich mit dem Internet verbunden. Deswegen denke ich, dass es heutzutage für Zeitungen fast unmöglich ist, zu überleben, wenn sie nicht im Internet vertreten sind. Und das gilt wohl nicht nur für Zeitungen, sondern für Unternehmen aller Art.

Das Internet – die Lösung?

Für das Internet müssen, anders als für Bücher und Zeitungen, keine Bäume gefällt werden, deswegen würde ich behaupten, dass das Internet umweltfreundlicher ist. Eltern sagen, wir Jugendlichen würden Bücher gar nicht mehr in die Hand nehmen. Selbst wenn das stimmen sollte – ist es bei ihnen denn so viel anders? Schon wegen des Schulbetriebs benutzen wir sogar öfter Bücher als sie.

In einem allerdings stimme ich den Erwachsenen zu: Um sich zu informieren, benutzen Jugendliche viel weniger Zeitungen und Bücher. Dies aber nur, weil das Internet viel schneller und leichter zu benutzen ist als ein Buch. Ich persönlich lese Bücher zum Spaß, weiß aber, dass ich damit zu einer Minorität innerhalb der heutigen Jugend gehöre. Viele meiner Freunde verbringen ihre Freizeit anders. Sie produzieren beispielsweise kleine Videos, spielen Handball, malen, singen oder unternehmen etwas mit Freunden.

Das Internet hat durchaus seine Nachteile – falsche Informationen, zu viele Informationen, nicht neutral genug –, aber die Vorteile dominieren klar und deutlich. Es ist schnell und effizient, einfach und vielfältig. Warum also sollte man es nicht benutzen?

Nathalie Schroeder ist Schülerin im Lycée Ermesinde und hat mehrere woxx-Artikel zum Thema Müllvermeidung verfasst, unter anderem im Rahmen eines Praktikums.

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