Mobilitätswoche: Alle Jahre wieder?

So richtig zu begeistern vermag sie nicht, die europäische Mobilitätswoche, die am Sonntag startet.

Gleich vorweg: Die Idee einer europäischen Mobilitätswoche ist gut und einzelne, im Rahmen dieser Kampagne realisierte Vorhaben sind wichtig und durchaus lobenswert. Aber irgendwie scheint – insbesondere bei den Anhänger*innen eines nicht mehr ausschließlich dem Auto zugewandten Mobilitätsmodells – keine richtige Begeisterung mehr aufzukommen. Der große Hype, etwa ein im ganzen Land befolgter autofreier Tag, der zumindest große Teile der täglich von den Blechlawinen beanspruchten innerstädtischen Flächen eine kurze Zeit lang für die „sanfte Mobilität“ zurückerobert hätte, bleibt auch diesmal aus.

Und: eigentlich gäbe es ja etwas Großartiges zu feiern in der Woche nach dem 16. September, wenn ab Montag die nächste Phase der Realisierung des Tramprojektes mit der effektiven Inbetriebnahme des „pôle d’échange“ Stäreplaz in Angriff genommen wird. Leider aber ist es nicht gelungen, die städtischen Busbetriebe und die Überlandbusse zeitgleich auf den neuen Halt einzustimmen und so wird der damit verbundene Wirrwarr wohl eher zu einem Monat der Immobilität als zu einer Woche der Mobilität führen.

Der große Hype, etwa ein im ganzen Land befolgter autofreier Tag, bleibt auch diesmal aus.

Bei der Vorstellung der diesjährigen Mobilitätswoche fiel auf, dass die beiden größten Gemeinden des Landes – zumindest bis zu diesem Zeitpunkt – ihr Programm zur Mobilitätswoche noch nicht eingereicht hatten. Transportminister François Bausch findet das „bedauerlich“, seien es doch vor allem Luxemburg und Esch, die unter dem Mobilitätsproblem zu leiden haben.

Sicherlich, seit den Kommunalwahlen im letzten Herbst hat sich die politische Zusammensetzung des Schöffenrates in beiden Gemeinden etwas verändert, was die schnelle Abstimmung zwischen dem grünen Ministerium und den jeweiligen Verkehrsschöffen nicht unbedingt einfacher macht. Doch ein Blick in die kommunalen (und jetzt auch nationalen) Wahlprogramme der jeweiligen Koalitionäre, könnte eigentlich zum Schluss führen, dass in Sachen Mobilität alle an einem Strang ziehen.

Als im Juli die Verlängerung der Tramtrasse bis zur Stäreplaz gefeiert wurde, da waren sich die (ehemals?) fundamentalistischsten Tramgegner*innen jedenfalls nicht zu schade, um sich in den vordersten Reihen breitzumachen und ihren Crémant auf Staats- und Stadtkosten zu schlürfen. Dem war eine Polemik vorangegangen, ob es denn wirklich notwendig sei, die Tramverlängerung noch vor dem Foueranfang vorzunehmen … und das Ganze zwar nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben, aber doch bis nach dem Wahlgang im Oktober.

Stattdessen wartete die Hauptstadt diese Woche mit einer anderen Nachricht in Sachen Mobilität auf: am 27. September – taktvollerweise immerhin nicht mitten in der Mobilitätswoche – wird das neue Parkhaus des „Royal Hamilius“ eröffnet. Die frohe Botschaft überbrachten am Dienstag der Promoteur des Einkaufszentrums und der Betreiber des Parkhauses zusammen mit Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer während einer Pressekonferenz.

Mit 628 öffentlichen Stellplätzen gut zweieinhalbmal so groß wie bisher, soll es vor allem Kund*innen und Tourist*innen in die Stadt locken. Und zwar mit ihrem PKW mitten hinein in das Chaos. Die Ausfahrt des Parkhauses liegt sinnigerweise in der Avenue Emile Reuter, da wo in einem Monat die Arbeiten zur nächsten Verlängerung der Tramtrasse beginnen sollen – weshalb sämtliche Busse ab Mitte Oktober aus diesem Bereich verbannt werden.

Das Einkaufszentrum wird zwar erst in etwas über einem Jahr fertig sein und noch ist für das gemeine Volk, das seit Jahren auf einen zentralen Umsteigebahnhof verzichten muss, Spießrutenlauf angesagt, wenn es zwischen zwei Buslinien wechseln muss. Oder auch nur seine Einkäufe im Zentrum tätigen will.

Als Trost bleibt am Sonntag die Möglichkeit, nach Brüssel zu reisen und dort mitzuerleben, wie ein flächendeckendes Autoverbot eine ganze Europahauptstadt zumindest für eine begrenzte Zeit lebenswerter macht.


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