Müll im Meer – aber woher?

Das Plastik, das sich im Meer ansammelt, steht mahnend für die Folgen der Wegwerfkultur. Eine Segelregatta regt dazu an, über den Umgang mit Abfall nachzudenken.

Ein sonniger Tag auf dem müllfreien Boot.
(Foto: Guillaume Gruhlke, Gewinner des Regatta-Medienpreises)

Gibt es im Meer wirklich riesige Inseln aus Plastik? Ja, gibt es – sogar auf Luftaufnahmen sind die gewaltigen Plastikansammlungen zu sehen. Bei der diesjährigen Segelregatta für luxemburgische Schüler war die Besichtigung der „Plastikinseln“ zwar nicht Teil des Programms, Müll und Müllvermeidung waren trotzdem ein Thema.

6,4 Millionen Tonnen. So viel Kunststoff landet jährlich in den Weltmeeren. Laut der „United Nations Clean Seas Campaign“ gibt es heutzutage 51 Trillionen Plastikpartikel im Meer – 500-mal mehr, als es Sterne in unserer Galaxie gibt. Das meiste Plastik wird von Müllhalden ins Meer geweht oder gelangt über die Flüsse dorthin. Von Schiffen selbst kommen hängengebliebene Fischernetze, aber auch Müll, der von der Besatzung über Bord geworfen wird.

Unter der Wirkung der verschiedenen Meeresströmungen bilden sich langsam immer größere Ansammlungen von Plastikteilchen. Diese verursachen jährlich weltweit den Tod von mindestens einer Million Seevögeln und 100.000 anderen Meerestieren. Die Tiere verwechseln die kleinen Plastikpartikel mit Plankton und fressen sie. Plastik enthält jedoch keine Nährstoffe, füllt aber den Magen der Tiere und lässt so keinen Platz für nährstoffreiche Nahrung. Zudem enthält es oft chemische Bestandteile, die schädlich für die Tiere sind. Sehr oft verheddern sich auch Tiere in alten Fischernetzen oder anderem Müll.

Weiße Segel im Wind. (Foto: Serge Courtois)

Müllentsorgung auf hoher See

Vor kurzem fand in der Bretagne eine vom GLCR (Groupe Luxembourgeois de Croisière et de Régate) organisierte Segelregatta für Schüler aus den luxemburgischen Lyzeen  statt. Die 105 Teilnehmer lebten vom 16. bis zum 22. April auf 24 Booten. Geleitet wurde der Stage von segelinteressierten Lehrern, professionellen Seglern und Mitgliedern des GLCR.

Dabei stellte sich die Frage, was mit dem Müll passiert, wenn fünf bis sieben Menschen eine Woche lang auf engstem Raum zusammenleben. Der größte Anteil wird ganz klassisch entsorgt: Auf dem Schiff werden Essensreste und sonstiger Müll in einem Eimer gesammelt. Wenn der voll ist und man abends im Hafen anlegt, nimmt einer der Crew den Müllbeutel mit und entsorgt ihn in dem dafür vorgesehenen Container. Hat man allerdings kleinere Küchenreste, die nicht tierisch sind, kann man sich auch erlauben, sie ins Meer zu werfen. Dieser Abfall ist nämlich biologisch abbaubar und wird von Meerestieren aufgenommen.

Keiner der 105 Schüler, die an der Segelregatta teilnahmen, wäre auf die Idee gekommen, den kompletten Mülleimerinhalt ins Meer zu werfen. Sie alle lieben das Meer zu sehr, um es zu verschmutzen und seinen Bewohnern zu schaden. Ihnen ist bewusst, welche Folgen das menschliche Handeln für die Umwelt, also auch das Meer hat. Zudem kostet es keine große Anstrengung, Verschmutzungen des Meeres zu vermeiden.

Ein kleines Detail, das noch erwähnt werden soll, ist, dass man hier keinen Platz für die Mülltrennung hatte. Auf einem Segelschiff muss jeder Zentimeter sinnvoll genutzt werden. Mülltrennung wäre Platzvergeudung, das war leider beim Entwurf  des Schiffes seinerzeit so entschieden worden.

Was kann ICH unternehmen?

Wir haben eine Woche lang auf engstem Raum auf dem Wasser zusammengelebt und mussten mit einer komplett ungewohnten Situation zurechtkommen. Irgendwie haben wir es geschafft und können nun sagen, dass die neuen Erfahrungen uns sehr viel im alltäglichen Leben bringen. Am Ende hatten wir auch eine ganz neue Einstellung zu Themen wie dem Meeresschutz.

Wer sich gegen die Verschmutzung der Meere einsetzen will, braucht sich nur im Internet umzuschauen. Hier findet man sehr schnell viele Möglichkeiten, aktiv beim Kampf gegen die Meeresverschmutzung mitzuwirken. Es gibt zahlreiche Gruppen und Organisationen, die sich gegen Meeresverschmutzung einsetzen: Greenpeace ist die wohl bekannteste und größte von ihnen. Eine der kleineren ist beispielsweise 5Gyres.

Zudem ist es wichtig, dass jeder Einzelne sich bemüht, den Verbrauch von Plastik so weit wie möglich zu vermeiden. Plastik darf gar nicht erst die Chance bekommen, ins Meer zu gelangen. Wenn man es aber benutzt. soll man wenigstens darauf achten, dass es recyclierbar ist und so öfters verwendet werden kann.

 

Für alle, die an Diskussionen über Meeresverschmutzung interessiert sind: Am 15. Juni um 13.00 Uhr findet im Lycee Ermesinde in Mersch eine Konferenz zu diesem Thema statt. Sie wird von den Schülern, Laetitia Garron (5e), Johanna Merten (4e) und Lucas Janisch (5e) organisiert. Beteiligt ist auch Berit Brüster, Doktorandin am Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST), Abteilung Materialforschung, die dort über den Recyclingprozess von Bioplastik, das aus Milchsäure besteht, forscht. Anwesend ist zudem der Verantwortliche für Kommunikation und Mobilisation von Greenpeace, Phillippe Schockweiler.

 

 Donnerstag, 15. Juni 13.00 Uhr – Lycée Ermesinde, Mersch
Anmeldung: wave@lem.lu
Link zum Facebook-Event

 

Mehr Info (Links):

Berit Brüster über Bioplastik (Science.lu)
Campagne Océans (Greenpeace Luxembourg)
FAQ (5 Gyres)
Plastikmüll im Meer (Wissenschaftsjahr 2016-17)
Sea Shepherd Deutschland

 

Nathalie Schroeder, Teilnehmerin an der Regatta, hatte bereits in der woxx 1411 (im Rahmen ihres Praktikums) zum Thema verpackungsfreies Einkaufen geschrieben.


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