Nei Avenue: Die Tram vor lauter Bäumen nicht sehen

Die Bäume in der „Nei Avenue“ müssen weg – sie werden im Zuge der Umgestaltung der Prachtstraße ausgetauscht.

So soll die „Nei Avenue“ 2020 aussehen: In dem Entwurf säumen Platanen die Allee. (Grafik: Luxtram)

Mitte Februar war die Aufregung groß, als durchsickerte, dass die Bäume in der Avenue de la Liberté im Zuge der anstehenden Modernisierungsarbeiten abgeholzt werden sollen. Flugs wurde eine Petition gestartet und eine Facebookseite angelegt, um die Bäume zu retten. Statt gleich zu der Causa zu kommunizieren, vertrösteten die Stadt Luxemburg und das Infrastrukturministerium auf eine Pressekonferenz, die am 23. Februar stattfand.

André von der Marck, Generaldirektor von Luxtram, die Bürgermeisterin von Luxemburg-Stadt, Lydie Polfer, der Nachhaltigkeitsminister Francois Bausch, Umweltstaatssekretär Camile Gira und der Unesco Site Manager für Luxemburg, Robert Philippart, waren angetreten, um Erläuterungen zu den Bauarbeiten an der bis zum Bahnhofsviertel führenden Tramtrasse zu geben. Lydie Polfer betonte, dass es sich bei der „Nei Avenue“ um „eine der schönsten Straßen Europas“ handele, weshalb die Straßenbahn dort ohne Oberleitungen fahren werde.

Aus für „zu exotische“ Kirschbäume

Allerdings wird nicht nur der Bodenbelag verändert; es wird auch die Gelegenheit genutzt, die Infrastruktur im Untergrund der Avenue de la Liberté zu modernisieren. Im Laufe der Jahrzehnte sind die Wurzeln der Bäume, von denen die ältesten 1967 gepflanzt wurden, mit den Leitungen verwachsen – mit ein Grund, warum die Erhaltung der meisten Platanen und japanischen Kirschbäume nicht möglich sein wird.

Zehn Bäume werden transplantiert und können an einem anderen Ort ihren Ruhestand genießen. 76 neue werden künftig das Bild der „Nei Avenue“ prägen. Die Japanische Kirsche wird nicht mehr vertreten sein – „zu exotisch und nicht an die heimische Ökologie angepasst“, so Camile Gira. Die neuen werden mit acht Metern die gleiche Höhe haben wie die jetzigen, sodass im Stadtbild kein Unterschied zu erkennen sein wird. Um welche Art Bäume es sich handelt, ist noch nicht entschieden – vor den Platanen standen in der Prachtstraße Linden. Letztere wären im Gegensatz zu den Platanen auch tatsächlich einheimische Arten, ziehen jedoch Blattläuse an, die im Sommer Honigtau absondern, der Autos und Gehwege verklebt.

Kein Dieselverbot – dank der Tram

Gira räumte aber ein, dass diejenigen, die sich für den Erhalt der Bäume einsetzen, im Grundsatz recht haben: „Gerade wegen des Klimawandels ist jeder Baum wertvoll. In der aktuellen Situation war es aber so, dass die Bäume nach den Infrastrukturarbeiten kaum eine Überlebenschance gehabt hätten, viele sind auch bereits krank.“

Infrastrukturminister Bausch betonte, dass nach dem Ausbau der Tram jeden Tag 2.200 Busse weniger in der Hauptstadt verkehren werden, was der Luftqualität zugute kommen wird – die Nei Avenue hat zur Zeit sehr schlechte Stickoxid-Werte. Damit könne Luxemburg auch Fahrverbote für Dieselfahrzeuge umgehen.

Polfer und Philippart gaben beide an, dass die Bäume für das Stadtbild enorm wichtig seien. Sämtliche Änderungen – z. B. sollen Gehsteige und Radwege in Naturstein ausgeführt werden – seien mit der Unesco abgesprochen, um den Weltkulturerbe-Status der Stadt nicht zu gefährden. Über die Tram, um die es eigentlich gehen sollte, wurde auf der Pressekonferenz erstaunlich wenig gesagt – aber der stehen jetzt ja auch keine Bäume mehr im Weg.


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