ANFREW JARECKI: Capturing the Friedmans

Arnold Friedman, Familienvater in einer Mustervorstadt, wird wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. „Capturing the Friedmans“ ist eine spannende Dokumentation
über einen der kontroversesten US-Kriminalfälle.

Ein Blick ins Familienalbum: Familie Friedman sucht das Glück.

Zum Familienleben gehört die Aufzeichnung des Familienlebens. Die Friedmans filmten alles – bis zum Gang des Vaters und seines jüngsten Sohnes in den Knast. Warum? Das ist nur eine der Fragen, die der Oscar-nominierte Dokumentarfilm „Capturing the Friedmans“ bis zum Schluss nicht vollständig beantwortet.

Autor Andrew Jarecki verzahnt Ausschnitte aus rund
50 Stunden eindrucksvollen Heimvideo- und Super8-Aufzeichnungen geschickt mit Interviews, die er 15 Jahre später mit Familienmitgliedern, ErmittlerInnen, Opfern und einer Journalistin führte. mehr lesen / lire plus

GARY MARSCHALL: Raising Helen

So mitten im Sommerloch können leichte Familienkomödien schon mal ganz erfrischend sein. Es sei denn, sie sind so dämlich wie Garry Marshalls „Raising Helen“. Nicht genug, dass hier DarstellerInnen wie Kate Hudson, Joan Cusack oder John Corbett in einer unglaubwürdigen und oberflächlichen Story verheizt werden und ernste Themen in Zuckerwatte verpackt daherkommen – der Film mutiert zum Schluss auch noch zu einem fragwürdigen Manifest für autoritäre Erziehung. Zum Davonlaufen.

Im Utopolis.

mehr lesen / lire plus

ALTERNATIV: Coheed and Cambria

In keeping secrets of silent earth 3

Die Jungs von Coheed and Cambria trauen sich was. Ihr zweites Album „In keeping secrets of silent earth 3“, zuerst nur als Import erhältlich, jetzt auch in Europa erschienen, gliedert sich ein in die vierteilige Serie um die fiktiven Helden Coheed and Cambria. Teil vier soll bald als Doppelalbum erscheinen, als letzte Veröffentlichung ist dann Teil eins geplant, sozusagen als Auflösung der Geschichte. Verwirrt? So soll es sein, denn es ist in der Tat erstaunlich, wie die vier Amerikaner Prog, Pop, Emo, Screamo und haarsträubende Fantasy-Abenteuer zu einem durchgängig überzeugenden Album zusammenflechten. The Mars Volta müssen als Vergleich herhalten, aber eigentlich klingt die Combo mehr nach Deftones meets Toto. mehr lesen / lire plus

CY TWOMBLY: Herbier de fortune

Au début, une déception: sur un mur de la Banque de Luxembourg sont alignés, discrètement, une huitaine de tableaux, et c’est tout. Cela s’explique par le fait qu’il s’agit ici d’une des donations venues enrichir la collection du Mudam. A première vue, sur ces gravures de Cy Twombly, il n’y a pas grand chose à voir: des anciennes reproductions botaniques, couvertes par du calque et ornées de morceaux de vieux journaux, Gribouillées dessus, des notes – à la craie ou au crayon. Quercus Ilex, Quercus Robur, Castanea, Ficus Ù la disposition des images et des textes numérotés rappelle de loin un herbier peu soigné, ou bien une esquisse en vue de réaliser un jardin. mehr lesen / lire plus

NAOMI KLEIN: One world, no logo

Naomi Klein wurde durch ihr Buch No Logo bekannt. AutorInnen geraten manchmal in den Schatten ihrer Bestseller und werden vergessen. Bei Naomi Klein wäre das schade, ist sie doch eine großartige politische Journalistin. Davon kann man sich auf ihrer Site www.nologo.org überzeugen, die Texte aus den vergangenen vier Jahren vorstellt. Die Artikel, die sie für diverse englischsprachige Zeitschriften verfasst hat, verbinden Live-Berichte aus allen Winkeln der globalisierten Welt mit Hintergrundinformationen und Kommentaren. So stellt sie in „When Some Lives Matter More Than Others“ den Tod von Rachel Corrie in Gaza und die Rettung von Jessica Lynch im Irak gegenüber. Dass sie nicht nur scharf, sondern auch schnell und präzise analysieren kann, zeigt sie mit „Privatization in Disguise“, geschrieben noch vor dem offiziellen Ende des Irakkrieges. mehr lesen / lire plus

POL GREISCH: Ech sinn net de Benn

No sëllechen Theaterstécker huet de Pol Greisch elo säin éischte Roman publizéiert, op Lëtzebuergesch, mee net nëmmen. A „Mäi Frënd Benn“ gëtt och Franséisch geschwat an Däitsch, an iwwerhaapt passt dat Buch net esou liicht an en Tirang. D’Virbild fir des Erzielung ass évident an de Pol Greisch verstoppt et net: Emmer erëm gëtt en zitéiert, dem Max Frisch säi „Stiller“, d’Geschicht vun engem, dee Stoppjes mat sech selwer a mam Lieser spillt. Beim Pol Greisch sengem Alter ego Bert ass et net vill anescht. Sinn de Benn an hen zwee verschidde Personnagen oder gëtt de Bert am Alter duercherneen? Dass dëse Roman net als „exercice de style“ dohierkënnt, ass dem Auteur senger lieweger Beschreiwung vum Protagonist ze verdanken. mehr lesen / lire plus

FLÜCHTLINGE: Lauter Präzedenzfälle

Einheit nur in der Ablehnung: Die italienische Regierung kriminalisiert Flüchtlingshelfer, und die deutsche blockt ab, indem sie auf die Drittstaatenregelung verweist. Derweil schiebt Luxemburg weiter AsylbewerberInnen ab.

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Cap Anamur mehr als zehntausend vietnamesische Flüchtlinge im südchinesischen Meer rettete. Erst kürzlich setzte die Flüchtlingshilfsorganisation ein neues Rettungsschiff ein. Im Juni nahm dieses im Mittelmeer 37 Flüchtlinge aus dem Sudan auf. Die dreiwöchige Odyssee der neuen „Cap Anamur“ endete erst vor wenigen Tagen.

Einen „gefährlichen Präzedenzfall“ hätten die Flüchtlingshelfer damit geschaffen, sagte Italiens Justizminister Roberto Castelli. Schließlich gilt den EU-Staaten die italienische Küste ob ihrer Durchlässigkeit für unerwünschte ImmigrantInnen als heikel, weshalb die Regierung in Rom besonders bemüht ist, die Grenzen ihres Landes dicht zu halten. mehr lesen / lire plus

DNA-DATENBANK: Von Geburt an verdächtig

Der genetische Fingerabdruck wird gern als Wunderwaffe der modernen Strafverfolgung gehandelt. Wer dagegen ist, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit Schuld daran zu sein, dass Kindermörder weiter freiherumlaufen.
Auch in Luxemburg soll nun mit DNA-Profilen gearbeitet werden.

Wer nichts auf dem Kerbholz hat, braucht auch nichts zu befürchten. Schön wärºs. Dank Gentechnik in der Strafverfolgung tun künftig auch unbescholtene BürgerInnen gut daran, sich nicht allzu sehr in Sicherheit zu währen. Am 5. und 6. Juli trafen sich die fünf größten der EU, die „big five“, unter anderem um über die Zusammenarbeit in Sachen DNA-Datenbanken zu reden. Das Thema steht nächsten Montag auf dem Treffen der Innen- und Justizminister der 25 EU-Staaten auf der Tagesordnung. mehr lesen / lire plus

LITERATUR: Flucht von der Toteninsel

Norbert Jacques, Erschaffer des Dr. Mabuse, personifiziert das Dilemma des Luxemburger Literaten zwischen der Enge der Heimat und der politischen Vereinnahmung durch Nazi-Deutschland.

Bekannt vor allem durch seine Dr. Mabuse-Krimis, machte sich Norbert Jacques auch durch Tropen- und Reiseliteratur einen Namen. Seine neu aufgelegten Memoiren zeichnen das Schicksal eines Künstleremigranten, für den finanzielle Sicherheit künstlerischen

Er gehört zur Kategorie der Nestbeschmutzer, die in Luxemburg meist mit der ungemein effizienten Waffe des Schweigens eliminiert werden: Norbert Jacques, der Erschaffer des „Dr. Mabuse“. Umso effizienter, als der 1880 geborene Jacques wahrscheinlich immer noch der im Ausland mit Abstand erfolgreichste Luxemburger Schriftsteller ist. Von den Verkaufszahlen seiner zahlreichen Exotikromane, Krimis und Reisereporte können zeitgenössische AutorInnen nur träumen. mehr lesen / lire plus

FRANK OZ: Barbie im Wunderland

Bitterböse und unentschlossen: Frank Oz‘ Remake von „The Stepford Wives“ oszilliert zwischen Komödie und moralischer Fabel.

Schneewittchen bei den fiesen Zwergen: Nicole Kidman kommt die heile Welt von Stepford nicht ganz geheuer vor.

Erinnert sich noch jemand an den Clip zum Soundgarden-Song „Black Hole Sun“? In greller Kulisse gefror dort schönen Menschen das Grinsen auf den Gesichtern, Barbies brutzelten auf Barbecuegrills vor sich hin und die Band sorgte für eines der gruseligsten Musikvideos aller Zeiten. Ähnlich schön schauerlich hätte „The Stepford Wives“ auch werden können, wäre Regisseur Frank Oz nur klar gewesen, was für einen Film er denn eigentlich machen wollte. mehr lesen / lire plus

MICHAEL MOORE: Fahrenheit 9/11

Ein humorvoll gemachter Dokumentarfilm, der den kriegführenden Präsidenten Bush und seine Regierung aus einer etwas anderen Perspektive unter die Lupe nimmt. Der Film soll dazu beitragen sein amerikanisches Publikum davon abzuhalten Bush wiederzuwählen und warnt vor allem die Jugend aus den ärmeren Gegenden der USA, vor dem „sicheren“ Job in der Armee.
Doch kann man auch jene verstehen, die gegen die Auszeichnung des Films auf dem Filmfestival in Cannes waren. Dieser politische Propagandafilm mag noch einen guten Zweck verfolgen, der nächste der für eine Teilnahme an diesem Festival ansteht, hat vielleicht zweifelhaftere Absichten.

Im Utopia

mehr lesen / lire plus

HOMMAGE AUX ARTISTES LUXEMBOURGEOIS: Made in Luxembourg

Nicht erschrecken, wenn sich Alex Gilberts Skulptur plötzlich knarzend in Bewegung setzt und die unheimliche Stille in der Galerie „Am Tunnel“ durchbricht. Hinter den Überwachungskameras wird sich wahrscheinlich schlapp gelacht über die zusammenzuckenden BesucherInnen der Ausstellung „Hommage aux artistes luxembourgeois“. Bereits zum achten Mal präsentieren sich hier luxemburgische oder in Luxemburg schaffende KünstlerInnen Seite an Seite, die so eigentlich gar nicht recht zusammenpassen. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist das Geburtsjahr: Alle feiern dieses Jahr einen runden Geburtstag, ob nun Gust Graas (Jahrgang 1924) oder die erst 30-jährige Nancy Weiland. Diese Vielfalt führt dazu, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ob nun Max Kohns entspannte Damen oder Rico Sequeiras Collagen, Laurent Nunziatinis eigenwillige Werke oder Fernand Bertemes großformatige figurative Kompositionen. mehr lesen / lire plus

THEATER: Keen Happyend fir Stengefort

D’Eva Paulin an de Serge Tonnar kucken am Fong guer kee Fernseh. Trotzdem, oder grad dofir, huelen d’Regisseurin an de Schrëftsteller am Stéck „Talkshow“ d’Phänomen Reality-TV satiresch ënnert d’Lupp.

Mediekritiker ënnert sech: d’Eva Paulin
an de Serge Tonnar.

De Public ass de Riichter zu Stengefort. Am Theatersall gesäit et aus wéi an engem Fernsehstudio a virun de Leit défiléieren mënschlech Schicksaler iwwert déi ee per faarweger Käertchen ofstëmme kann. Et ass en interaktivt Stéck. Fënnt de Jimmy Nilles seng Zwillingsschwester erëm? Verzeit dem Patrick Loos seng Ex-Fra him, dass heen am Soff en Akzident provozéiert huet, bei deem de Bouf gestuerwen ass? mehr lesen / lire plus

CHRISTINE JEFFS: Kuchen backen gegen Depressionen

Endstation Selbstmitleid: Christine Jeffs inszeniert das Scheitern der Ehe von Sylvia Plath und
Ted Hughes teilnahmslos wie Malen nach Zahlen.

Ein Bild aus besseren Tagen, scheint es. Aber bereits bei ihrer Heirat mit Ted Hughes (Daniel Craig) litt Sylvia Plath (Gwyneth Paltrow) unter seelischen Problemen.

Schlicht „Sylvia“ ist das Porträt der amerikanischen Schriftstellerin Sylvia Plath betitelt. Eigentlich wirkt das fast ironisch angesichts der Tatsache, dass Plath ein Leben lang versuchte, sich einen eigenen Namen zu machen und letztlich an ihrem Anspruch scheiterte. „And you are Mrs Hughes“, spricht sie jemand im Film an und sie antwortet bitter: „I am Sylvia Plath.“ Zu ihrem berühmten Ehemann, dem Dichter Ted Hughes, hatte sie ein zwiespältiges Verhältnis: Sie bewunderte ihn und trieb seine Karriere voran, konnte sich aber nicht damit abfinden, in seinem Schatten zu stehen. mehr lesen / lire plus

TOBI BAUMANN: Der Wixxer

Im Kino gewesen, gelacht: Kein Wunder, denn Regisseur Tobi Baumann feuert eine Gag-Salve nach der anderen ab. Dass dabei einige Witze voll daneben gehen, könnte man als Streuverlust werten. Aber in der phasenweise durchaus originellen Edgar-Wallace-Parodie sitzt vielleicht nur jeder fünfte Kalauer. Eine halbstündige Comedy- Show – Regisseur Baumann kommt aus diesem Fach – hätte es auch getan. Für eine abendfüllende Kinounterhaltung bietet „Der Wixxer“ hingegen zu viele Rohrkrepierer.

Im Utopolis.

mehr lesen / lire plus