MARLON BRANDO: Retrospektive

Drei Filme aus jeweils einer Schaffensphase des Schauspieltitanen Marlon Brando zu dessen 80. Geburtstag: Die Rolle des Boxers und Gelegenheitsarbeiters Terry Malloy in Elia Kazans atmosphärisch dichtem Meisterwerk „On the Waterfront“ (1954) brachte ihm einen Oscar ein. Als exzentrischer Kopfgeldjäger Lee Clayton in „The Missouri Breaks“ (1975) rettet er einen eher schwachen Film. Der Anti-Apartheid-Film „A Dry White Season“ (1989) markiert Brandos Rückkehr auf die Leinwand nach neunjähriger Abstinenz. In einem 15-minütigen Auftritt brilliert der füllig gewordene Star als Bürgerrechts-Anwalt.

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EUROPAPARLAMENT: Das Parlament darf zuschauen

Rat und Kommission ignorierten das klare „Nein“ des Europaparlamentes und stimmten dem Transfer von Passagierdaten an US-Behörden zu. Dies geschah nicht nur auf Druck der USA, sondern durchaus im eigenen Interesse.

Das Europaparlament macht Pause und prompt wissen andere diese zu nutzen. Am Montag stimmten die EU-Außenminister einem Abkommen über die Weitergabe von Flugpassagierdaten mit den USA zu. Ein Abkommen, dem sich das Parlament wiederholt widersetzt hatte. Zuletzt am 4. Mai, während seiner letzten Sitzungswoche vor den Wahlen. Nun kann sich das parlamentarische Nein einordnen in die lange Reihe der folgenlosen Beschlüsse des europäischen Abgeordnetenhauses in Straßburg.

Folgenlos auch deshalb, weil das Europaparlament in diesem wie in vielen anderen Fällen gar kein Mitspracherecht genießt. mehr lesen / lire plus

DATENSCHUTZ: Etikettengeschwätz

Bislang wussten Supermärkte nur wenig über ihre KäuferInnen. Eine neue Kennzeichnungsmethode macht es möglich, dass sie bald sämtliche persönliche Daten wissen können. Sie schützt vor Ladendieben und gewährt Datendieben freie Hand.

Ein Überwachungsapparat à la George Orwell baut sich im Kaufhaus auf. Was die KonsumentInnen nicht wissen: Eine neue Technologie wird sich wohl schon bald in ihren Einkaufsbeuteln befinden. Die so genannte RFID (Radio Frequency Identification) soll die Strichcodes auf den Verpackungen ablösen. Sie ermöglicht, mittels Radiofrequenzen die Datensätze in Mikrochips von Etiketten kontaktlos und nahezu alle gleichzeitig zu lesen – im Zweifelsfall unbemerkt und aus Entfernungen bis zu zehn Metern. mehr lesen / lire plus

DATENSCHUTZKOMMISSION: Profit gegen Privatsphäre

Die Invasion der RFID-Etiketten wird auch vor Luxemburg nicht halt machen. Die Nationale Datenschutzkommission bereitet sich auf die Verteidigung vor.

In Luxemburg, wo „jedeR jedeN kennt“, nimmt man es nicht übel, auf der Straße oder im Supermarkt von Unbekanten angesprochen zu werden: „Sie sind doch die Schwester von …“ oder „Du bist doch der Sohn von …“ Ob es den EinwohnerInnen aber auch Recht sein wird, beim Tanken gefragt zu werden: „Ihre am 4.9.2002 gekauften Kimberland-Schuhe lassen auf Naturverbundenheit schließen, Herr X. Dürfen wir Sie zu einer Probefahrt mit unserem neuen Terrestra-Jeep einladen?“ Die RFID-Etiketten, die sich schon bald in allen Konsumartikeln wiederfinden könnten, machen so etwas möglich. mehr lesen / lire plus

MALEREI UND FILM: Der Künstler als Heimkehrer

Der luxemburgische Künstler Nelson Neves besucht nach 23 Jahren zum ersten Mal wieder seine Familie auf den Kapverdischen Inseln. Der Dokumentarfilmer Henri Fischbach folgt ihm dabei mit der Kamera.

Kreative Freundschaft: der Dokumentarfilmer Henri Fischbach und der Maler Nelson Neves (rechts).
(Foto: Christian Mosar)

Die Idylle trügt. Zwischen all den Bananen, Papayas und Mangos muss Martim hart arbeiten. Bis der große Regen kommt, soll die Leitung fertig sein, damit er seinen Pflanzen Wasser zuführen kann. „Wenn das nicht funktioniert, haben wir nichts zu essen“, sagt Martim, der eine ganze Familie ernähren muss. Das Leben der Menschen auf der Insel Santo Ant°o ist voller Entbehrungen. mehr lesen / lire plus

WOLFGANG PETERSEN: Il faut sauver le soldat Achille

Hollywood a chaussé ses sandales pour aller revisiter l’Antiquité du côté d’Homère.

N’y avait-il pas des Grecs à l’intérieur de ce cheval? Wolfgang Petersen signe une adaptation
spectaculaire mais superficielle de l’Iliade. (photo: PR.)

La bonne nouvelle d’abord: Non, Wolfgang Petersen ne fait pas parler ses acteurs dans la langue de l’époque. Plutôt que sur un semblant d’authenticité, le réalisateur allemand mise sur le spectaculaire.

Dans son adaptation très libre de l’Iliade d’Homère (rebaptisée „Troy“), tous les acteurs parlent anglais. Ils articulent parfaitement, même lorsqu’ils ont la poitrine transpercée par des flèches brûlantes. Heureusement, Achille et compagnie passent beaucoup plus de temps à se battre qu’à se parler. mehr lesen / lire plus

SUSANNE BIERMANN: Open Hearts

Es geht alles ganz schnell. Ein letzter Kuss, Autoräder quietschen, ein Körper prallt gegen Blech. Und dann ist für zwei Männer und zwei Frauen nichts mehr so, wie es einmal war. Niemand ist nur gut oder nur böse, aber alle tun sich weh. Susanne Biermann fesselt ihr Publikum durch diese alltäglichen zwischenmenschlichen Turbulenzen, die sie auf Super 8 gefilmten Nahaufnahmen präsentiert. „Open Hearts“ ist ein nagendes Seelendrama mit schonungsloser Intensität.

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FOLTER IM IRAK: Logische Eskalation

Die Folterungen irakischer Gefangener durch amerikanische SoldatInnen sind kein Zufall. Ebenso wenig die Hinrichtung eines amerikanischen Zivilisten durch irakische Extremisten.

Wie konnte das geschehen, Mr. Rumsfeld?

„Es genügt einem Menschen, eine Uniform anzuziehen, ihn von seiner Familie zu trennen und die Trommel zu rühren, um ein wildes Tier aus ihm zu machen“, schrieb schon Leo Tolstoi. Aber den hat US-Präsident George W. Bush wohl nie gelesen, sonst hätte er SoldatInnen nicht in einen Krieg für Frieden schicken dürfen.

Geschichtsbücher interessierten die amerikanische Regierung auch nicht, als sie ihre Truppen im März vergangenen Jahres in den Irak entsandten. In diesen lassen sich nämlich genügend Beispiele für Besatzungen finden, die zu brutalen Reaktionen führten: bei britischen Truppen im Kampf gegen die Mau-Mau-Rebellen in Kenia, bei US-Truppen in Vietnam und heute bei der russischen Armee in Tschetschenien. mehr lesen / lire plus

GEHEIMDIENST: Kontrolle nur auf Anfrage

Die Reform des Service de renseignements wird mit viel Misstrauen aufgenommen. Kritikpunkte sind die verstärkte Ausrichtung auf die „innere Sicherheit“ und das Fehlen einer effizienten Kontrolle.

Nellie, die Flugmaschine aus „Man lebt nur zweimal“.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich das politische Bewusstsein verändert. Zum Beispiel in Sachen Geheimdienst: In den 70er Jahren galt es unter luxemburgischen Linksliberalen und SozialdemokratInnen als schick, für seine Abschaffung zu plädieren. Mittlerweile klingen sogar die Stimmen vom äußersten linken Rand des politischen Spektrums „vernünftiger“: Gefordert werden vor allem strengere Auflagen, eine wirksamere Kontrolle und eine Verschiebung der Reform des Geheimdienstes bis nach den Wahlen. mehr lesen / lire plus

ART CONTEMPORAIN: Art mobile cherche domicile fixe

Au bout d’une vingtaine d’années en quête d’espace(s), le Fonds régional d’art contemporain de Lorraine vient de poser ses bagages au „49 Nord 6 Est“. Avant l’inauguration officielle, une visite des lieux s’impose.

„L’art réinvente l’espace qui le contient“: Le Frac Lorraine s’installe dans ses nouveaux locaux.

Investir prisons, jardins publics et usines désaffectées avec un art mobile et vagabond, voilà le défi auquel s’est vu confronté le Fonds régional d’art contemporain de Lorraine lors de sa création en 1984. Dépourvue d’espace d’exposition, l’équipe du Frac Lorraine, avec à sa tête son actuelle directrice Béatrice Josse, s’est retrouvée dans la position inhabituelle de devoir, pendant des années, dénicher des lieux d’exposition qui, à priori, „ne sont pas faits pour montrer de l’art“. mehr lesen / lire plus

PEDRO ALMODOVAR: „Gott ist auf unserer Seite“

Pedro Almodóvar zieht die bedrückende Bilanz einer Kindheit in einem katholischen Jungeninternat.

Athletische Körper stürzen sich kopfüber in türkisblaues Wasser, Augen werden feucht und das Mascara rinnt. Wenn man Pedro Almodóvar eines nicht vorwerfen kann, dann ist es ein Mangel an Wiedererkennungswert. Oftmals scheint es als zeigte der Filmemacher lediglich verschiedene Aspekte einer einzigen Geschichte, außergewöhnlich gerne spielt er mit ähnlichen Motiven und Figuren. Nachdem der spanische Regisseur in seinen früheren Filmen gerne die Freiheit und das wilde Leben der „Movida“ in den 80ern in Szene setzte, widmet er sich in „La Mala Educación“ zum ersten Mal dem Thema Repression und Doppelmoral in Francos Spanien der 60er Jahre. mehr lesen / lire plus

BENT HAMER: Kitchen Stories

Mit wenigen Worten und minimalistischen Bildern feinsinnige, tragikomische Geschichten erzählen – das ist die Spezialität des skandinavischen Kinos. Auch „Kitchen Stories“ ist so ein kleines Juwel, dank hervorragender Schauspielerleistungen und einer absurden Versuchsanordnung aus den 1950ern: männliche Junggesellen und ihre Bewegungsabläufe in der nordischen Küche.

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KYOICHI TSUZUKI: Tsuzuki bringt Glück

In kleinen Zimmern stapeln sich die Besitztümer ihrer MieterInnen: Magazine mit den schrillsten Modetrends und vor allem Kleider, Schuhe, Accessoires – alles nur von Top-DesignerInnen. Als „Happy Victims“, glücklich in ihrer Leidenschaft, beschreibt Fotograf Kyoichi Tsuzuki die BewohnerInnen. Mit der gleichnamigen Fotoserie, die zurzeit in der luxemburgischen Hauptstadt und in Düdelingen zu sehen ist, hat er nicht nur ein Stück japanische Kultur geschaffen. Er hat vor allem auch einen Aspekt japanischer Kultur porträtiert: JapanerInnen, die amerikanischer wirken als AmerikanerInnen. Trotz anhaltender Rezession geben sich diese jungen Menschen dem Konsumrausch hin.

Tsuzuki dokumentiert, recherchiert und publiziert: ¬Er ist versessen auf Hermès und hat seine Sammlung mit einer Krawatte begonnen, die er kaufte, als er auf Arbeitssuche ging, damit er nicht wegen seiner Kleidung ausgelacht werde. mehr lesen / lire plus

MUSIKTHEATER: Von Menschen und Maschinen

Virus Alarm im Wellness- Zentrum: Charles Muller über Computer, Kulturpessimismus und musikalische
Gefühlsausbrüche.

„Ich bin kein Dekonstruktivist“:
Charles Muller präsentiert Unbequemes auf die unterhaltsame Art.

Bei Charles Muller trägt der Platzhirsch ein Geweih. Der Darsteller wird in seiner Rolle zur Metapher. Einer von ihrem Freund abhängigen Frau wird ein Hundehalsband angelegt. Und ein verlassener Maler schenkt seiner großen Liebe zum Abschied ein Bild mit einem Paar Schuhe. Es geht um Zwischenmenschliches: Macht, Liebe und das Ende von beidem. „Kommunikation und ihre Parameter sind von jeher meine Themen gewesen“, sagt der Regisseur und Schauspieler Muller, der im Auftrag des TNL die Kammeroper „Virus Alert“ inszeniert. mehr lesen / lire plus

ASHLEY JUDD: Fischen im Trüben

Ashley Judd tappt als energische Kommissarin auf der Suche nach einem Serienmörder im Dunkeln. Und mit ihr das Publikum.

Ashley Judd alias Kommissarin Jessica Shepard kramt in Erinnerungen.

Ein Film noir sollte Philip Kaufmans „Twisted“ werden, mit allem Drum und Dran. Ein nebeliges San Francisco, schummrige Bars und darüber, unheilvoll schwebend, die Schatten der Vergangenheit. Es geht um Schuld und Doppelmoral, Kindheitstraumata und falsche Fährten.

Jessica Shepard (Ashley Judd) macht sich unbeliebt. Nach einer gelungenen Festnahme wird sie zur Kommissarin im Morddezernat befördert, was viele ihrer männlichen Kollegen nur zähneknirschend akzeptieren. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag wird sie zu allem Überfluss mit einer übel zugerichteten Wasserleiche konfrontiert. mehr lesen / lire plus