Pop: Wie im Film

Mit dem neuseeländischen Künstler Jonathan Bree haben sich die „Congés annulés“ ein echtes Alien angelockt – zu entdecken nächste Woche in den Rotondes.

Auch wenn er sich gerne versteckt: Jonathan Bree ist alles andere als ein Mann ohne Eigenschaften. (Foto: ©wikimedia)

Wer ist dieser mysteriöse Jonathan Bree, dessen Gesicht man nicht kennt, dessen Stimme einem jedoch so vertraut vorkommt? Den Durchbruch schaffte der Musiker erst vor einem Jahr mit der Single „You’re so Cool“ seines dritten Studioalbums. In dem dazugehörigen Schwarz-Weiß-Video sieht man den Musiker in einem weißen Ganzkörperanzug, der selbst sein Gesicht ganz überdeckt, in Begleitung seiner anonymen Sixties-Band performen. Dieser seltsame Anblick und diese dunkle Musik, die in der Kombination so düster anmuten, üben eine merkwürdig anziehende Kraft auf den Zuschauer aus, erwecken eine Neugierde, den Willen mehr über diesen Künstler zu erfahren, um zu verstehen, wie viel wahre Coolness denn nun hinter dieser Maske steckt.

Am 15. August kann man dies hautnah während Jonathan Brees Konzert in den Rotondes im Rahmen des Festivals „Congés annulés“ erleben. Wer sich das neue Album angehört hat, kann vermuten, dass dieser Auftritt nicht den Erwartungen eines gewöhnlichen Rockkonzerts gerecht werden will. Ob die Musiker auf der Bühne Masken tragen werden, ist dafür nicht ausschlaggebend, denn die Musik verspricht bereits ohne Live-Show mehr als verzerrte Gitarren und einen Standard-Rockbeat.

Jonathan Bree inszeniert sich und seine Musik mit Stil. Das Geschick seines Songwritings liegt dabei in den cleveren Arrangements, die sich zwischen einfachen Popsongstrukturen und schwermütiger Filmmusik bewegen. Auf die gezupften, rhythmischen Geigen legen sich tiefe Celloschwünge, die von einem unaufdringlichen Schlagzeug vorangetrieben werden. Brees tiefe Bassstimme erzählt einem währenddessen Geschichten, die der Zuhörer zwar nicht direkt versteht, die jedoch Bilder vor seinem inneren Auge entstehen lassen, eine Szenerie voller Dramatik und Spannung, wie in einem guten Film, der den Kraftakt Pathos ohne Hollywoodüberhöhung herzustellen schafft. Brees Streichorchester wird auf dem Album von Klavierakkorden, Glockenspielschlägen, melodiösen Basslinien und ein paar wenigen Gitarrennoten ergänzt. Alle Klänge sind dabei gut eingebettet in einem Vintage-Gewand der Marke Bree.

Diesen Sound hat Jonathan Bree jedoch nicht erst auf dem neuen Album entwickelt. Bereits auf den beiden Vorgängern wandte der Musiker das gleiche Rezept an. Obwohl das aktuelle Album ausgereifter klingt, fehlt ihm an mancher Stelle die Rohheit der Anfänge. Über die gesamte Albumlänge verliert der neuseeländische Musiker die Intensität. Der Spannungsbogen flacht zum Ende hin stark ab, weil er seinen Zuhörern bereits auf den A-Sides alles gezeigt hat, sodass sich das Spiel auf der zweiten Schallplattenseite nur noch einmal wiederholt.

Ende der 1990er-Jahre hatte Bree die Band The Brunettes gegründet, mit der er über zehn Jahre zusammenspielte und sich als Musiker etablierte. Später hat er dann auch als Produzent bei anderen Künstlern mitgewirkt. Prominentestes Beispiel dafür ist Princess Chelsea, zu der Bree eine langjährige Künstlerfreundschaft pflegt. Beide halfen sich mehrfach als Duettpartner aus. So auch in Princess Chelseas größtem viralen Hit „Cigarette Duet“, bei dessen Video Bree selbst auch Regie führte. Brees Stimme ist einem wahrscheinlich bereits irgendwo begegnet, auch wenn seine Identität uns verschleiert geblieben ist. Vermutlich ist auch das beabsichtigt gewesen, im Sinne der Selbstinszenierung von Jonathan Bree.

Als Vorband wird am kommenden Mittwoch Jackie Moontan auftreten, das Alter Ego von Alain Schuman, dem ehemaligen Sänger der Band Natas Loves You. Bei beiden Konzerten darf man sowohl auf die Musik als auch auf ihre Inszenierung gespannt sein.

Am 15. August in der Buvette der Rotondes.

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