Schon gestreamt? Glow

Netfix macht eine Serie über Wrestling und niemand ist interessiert? Weit gefehlt: Keine Serie wurde diesen Sommer derart gehypt wie „Glow“.

©jwa.org

Im Zentrum steht Ruth Wilder (Alison Brie), eine junge Schauspielerin auf Jobsuche in Hollywood. Schon seit längerem hat sie ein erfolgloses Casting nach dem anderen … und seit Kurzen  auch noch eine Affäre mit dem Ehemann ihrer besten Freundin, Debbie Eagan (Betty Gilpin).

Eines Tages wird Ruth von einer Produzentin darauf aufmerksam gemacht, dass Darsteller*innen für eine Serie mit dem Titel „Glow“ gesucht werden. Zu Ruths Entsetzen handelt diese Serie allerdings von Frauenwrestling, „Glow“ steht nämlich für „Gorgeous Ladies of Wrestling“. Ruth ist skeptisch, schon alleine deshalb, weil sie als Schauspielerin ernst genommen werden will. Doch nachdem ihr eine Rolle angeboten wurde, kommt es in ihrem Privatleben zu Entwicklungen, die sie dazu bewegen, letztlich doch bei Glow mitzumachen.

Die Vielfalt des Casts erinnert an „Orange Is the New Black“. Und in der Tat ist die Macherin von „Orange“, Jenji Kohan, eine Produzentin von „Glow“. Man könnte „Glow“ als Light-Version von „Orange“ bezeichnen: Die Serie zeigt eine Reihe von Figuren, die sich nicht nur durch Hautfarbe, Nationalität und Körperform voneinander unterscheiden, sondern auch über ganz verschiedene Persönlichkeiten, Interessen und Temperamente verfügen. Wenn derart verschiedene Menschen auf engstem Raum miteinander zurecht kommen müssen, ist Drama vorprogrammiert.

Was bei „Glow“ im Gegensatz zu „Orange Is the New Black“ allerdings zu kurz kommt, ist die sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. In der ersten Staffel ist keine einzige Figur trans* oder homosexuell. Queerness kommt höchstens in Gestalt einer Figur vor, die sich als Wolf identifiziert. So entsteht der Eindruck, dass versucht wurde, mit „Glow“ ein Publikum anzusprechen, dem „Orange“ zu alternativ war.

Wesentlich besser geht die Serie da schon mit dem Thema Sexismus um. Gleich in der ersten Szene wird hervorgehoben, dass die wirklich interessanten Rollen oft für Männer geschrieben werden, während Frauen meist nur die Sekretärin, Lebensgefährtin oder Mutter spielen dürfen.

Anders als manche Serien, die in der Vergangenheit angesiedelt sind, kommen in „Glow“ immer wieder Elemente vor, die typisch für die 1980er-Jahre waren: Roller-Skate-Pisten, umständliche Schwangerschaftstests und natürlich epochenspezifische Mode und Frisuren. Auch der Soundtrack versetzt einen 30 Jahre in die Vergangenheit zurück. Nicht zuletzt basiert die Serie auf der real existierenden Wrestlingshow „Glow“ aus den 1980ern.

Ob Nostalgiker*in, Feminist*in, Soap- oder Wrestlingfan, für jede*n hält „Glow“ etwas bereit.

Auf Netflix.


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