Schon gestreamt? Long Strange Trip

Auch Doku-Serien haben ihren Reiz. Bestes Beispiel dafür ist momentan die Amazon-Produktion zu den legendären Grateful Dead.

(©imdb.com)

Dokumentarfilme über große Musiker*innen, ob schon verstorbene oder noch lebende, gibt es zuhauf. Aber gleich eine ganze Serie – diese Ehre kann wirklich nur einer Band zuteil werden. Einer Band, die sich wie keine andere zuvor – und bestimmt keine andere nach ihr –  eine eingeschworene Fangemeinde erarbeitet hatte, deren Mitglieder sich stolz dazu bekannten „Deadheads“ zu sein. 1965 von Jerry Garcia, Bob Weir, Ron Mc Kernan, Phil Lesh und Bill Kreutzman gegründet, schrieb Grateful Dead während drei Jahrzehnten mit ihrer von Bluegrass, psychedelischem Rock, Jazz, Blues und Folk beeinflussten Musik, Geschichte.  Sie trat 1966 beim Monterey Pop Festival und 1969 in Woodstock auf, und veröffentlichte anfangs in schöner Regelmäßigkeit Alben. Mit fast 3.000 Konzerten in drei Jahrzehnten ist sie wohl eine der Bands, die während ihres Bestehens am meisten unterwegs war und bedeutend mehr Live- als Studioalben veröffentlicht hat.

Die sechs unterschiedlich langen Episoden der unter der Regie von Amir Bar-Lev und unter anderen von Martin Scorcese mitproduzierten Serie “Long Strange Trip”, erzählen die Bandgeschichte in chronologischer Reihenfolge, und lassen beim Versuch dem Mythos dieser einzigartigen Formation auf den Grund zu gehen sowohl Musiker*innen, Fans, Freund*innen und Familienmitglieder als auch viele Weggefährt*innen zu Wort kommen. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich zum Beispiel die vierte Episode mit dem, nach Garcias Willen anarchistisch geprägten, chaotischen Geschäftsmodell der Band. Alle Episoden geben mit oft unveröffentlichten Tour- und Konzertmitschnitten Einblicke in den anstrengenden Alltag von Crew und Bandmitgliedern während der meistens Monate dauernden Tourneen.

Völlig in den Bann dieser absolut ungewöhnlichen Bandgeschichte gerät man spätestens während der fünften, jener Folge, die die treuen Fans in den Mittelpunkt stellt. Auch 22 Jahre nach dem abrupten Ende der Band, vermögen sie mit nie nachgelassener Begeisterung unbeirrt, ihre Faszination sowohl für die Musik, die legendären Live-Auftritte und den kreativen Kopf der Band Jerry Garcia zu vermitteln. Dem hohen Preis, der in den 1990er-Jahren Garcia,  für seine Popularität bezahlen muss, widmet sich dann die letzte, mit 58 Minuten auch längste, Episode.

Obwohl die Band 1972 mit großem Erfolg durch Europa tourte, ist sie auf unserem Kontinent fast in Vergessenheit geraten. Somit ist diese spannende und sehr informative Serie allen Rockinteressierten unbedingt ans Herz zu legen. Während ihres 30jährigen Bestehens schaffte Grateful Dead es immer wieder auch ganz junge Ohren für ihren eklektischen Stil und ihre langen Improvisationen zu begeistern. Wetten, dass sich nach dem fast vierstündigen Bad in der Bandgeschichte, eine unbändige Lust auf eines dieser einfach tollen Gitarren-, Bass- oder Schlagzeugsoli für die Grateful Dead von ihren Fans so geliebt wurde, einstellt?

„Long Strange Trip“ kann auf Amazon Prime gestreamt werden.


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