Schweinemast: „So etwas hatten wir noch nie gesehen“

Anfang Februar wurde ein Video veröffentlicht, in dem kranke, verletzte und tote Tiere in einem südspanischen Schweinemastbetrieb zu sehen sind. Dieser beliefert den Fleischhersteller El Pozo. Nun nehmen immer mehr Supermärkte die Produkte aus ihrem Sortiment – auch hierzulande.

(Foto: Animal Equality Germany)

Madendurchsetzte Geschwüre, Abszesse, schwere Eingeweidebrüche – die Tiere in einer Anfang Februar ausgestrahlten Reportage sehen alles andere als gesund und munter aus. Besonders erschreckend: Die Aufnahmen wurden in einem Schweinemastbetrieb in Alhama de Murcia gemacht, der den größten spanischen Wursthersteller El Pozo beliefert.

Hinter dem Video steckt die Tierschutzorganisation Animal Equality (www.animalequality.de). Diese war vom spanischen Privatsender La Sexta kontaktiert worden, der an einer Reportage über die Fleischindustrie arbeitete. Die Organisation sagte ihre Unterstützung unter der Voraussetzung zu, dass das Leid der Tiere sichtbar gemacht werde. Zusammen mit einem Filmteam stiegen die Tierschützer*innen daraufhin in eine Schweinemastanlage in Alhama de Murcia.

Anfang Februar wurde die Reportage mit dem Titel „Was steckt hinter der Fleischindustrie Spaniens?“ erstmals auf La Sexta ausgestrahlt. Darin sind Schweine zu sehen, die in Exkrementen stehen und Bissspuren, Eiterblasen und infizierte, madendurchsetzte Wunden aufweisen. Dazwischen immer wieder Tiere, die sich aufgrund schwerer Eingeweidebrüche nur noch mühsam bewegen können. Manche, die im Sterben liegen oder bereits tot zu sein scheinen, werden von ihren Artgenossen gefressen.

Das Unternehmen Cefusa, zu dem der Betrieb gehört, beliefert El Pozo, den größten spanischen Wursthersteller. Dieser wirbt auf seiner Homepage mit idyllischen Bildern: ein Barbecue im Sommer, ein Feld bei Sonnenuntergang, ordentlich angeordnete Schinkenkeulen. Dass diese Bilder weit von der Realität der Massentierhaltung entfernt ist, ist klar. Doch was die Aufnahmen im Schweinestall zeigen, entsetzt selbst Tierschützer*innen: „Was wir in diesem Betrieb vorfanden, schockierte uns zutiefst. So etwas hatten wir noch nie gesehen“, erklärt Javier Moreno, Leiter von Animal Equality Spanien in einem Hintergrundvideo.

El Pozo vertreibt seine Produkte in Deutschland über Rewe, Edeka und bei Amazon. Sowohl die Rewe Group als auch Edeka haben mittlerweile mitgeteilt, sämtliche El Pozo-Produkte aus ihrem Sortiment genommen zu haben. Hierzulande waren El Pozo-Produkte bis vor kurzem noch in den Cactus-Supermärkten vorzufinden. Wie der Konzern auf Nachfrage der woxx mitteilt, habe man am Mittwoch entschieden, „alle Produkte, die von El-Pozo vermarktet werden, bis auf Weiteres aus dem Sortiment sämtlicher Cactus-Geschäftsstellen herauszunehmen“. Für Cactus sei es unverantwortlich, Produkte zu verkaufen, bei denen Tieren unnötiges Leid zugefügt wird und welche nicht artgerecht gehalten werden. In der E-Mail wird allerdings darauf hingewiesen, dass El Pozo die ausgestrahlten Bilder anfechte.

In der Tat hatte besagter Betrieb in einem Schreiben erklärt, dass die abgebildeten Schweine nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt seien. Bei dieser Infrastruktur handele es sich um einen „sanitären Erholungsbereich für Tiere, die irgend eine Art von Missbildung oder Geburtskrankheit aufweisen, die überwacht werden müssen, um ihre Entwicklung und Verbesserung zu überprüfen“. Sind diese Zustände also normal für einen Genesungsstall? „Nein“, so das Urteil der Tierärztin Julia Stubenbord im ZDF-Wirtschafts- und Verbrauchermagazin Wiso: „Das darf so nicht in einer Krankenbucht aussehen. In eine solche dürfen nur Tiere, bei denen eine Aussicht besteht, dass sie wieder gesund werden. Man muss sie behandeln oder gegebenenfalls schmerzfrei töten“.

Für Animal Equality hat die Kampagne mit der Ausstrahlung der Reportage erst begonnen. Auf ihrer Homepage rufen sie dazu auf, eine Petition zu unterschreiben, die sämtliche Supermarktketten dazu auffordert, El Pozo-Produkte aus dem Regal zu nehmen.

Das Statement von Cactus S.A., wonach El Pozo-Produkte mittlerweile aus dem Sortiment genommen wurden, lag der Redaktion noch nicht vor, als das Cover der Printausgabe in den Druck ging.

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