Sludge Metal/Post Rock
: Wechselbälger


Ein wahres Fest für Musikfans veranstaltet die Rockhal am nächsten Donnerstag – mit Mastodon, Red Fang und Russian Circles treten gleich drei Schwergewichte des zeitgenössischen Metal auf.

Benehmen sich manchmal wie die Elefanten im Porzelanladen: Mastodon. (Foto: Creative Commons)

Wenn unter Musikkritikern der Name Mastodon fällt, dann bilden sich zumeist zwei Lager, die vor allem in Bezug auf die neueren Alben gänzlich unterschiedlicher Meinung sind. Der Streitpunkt der Diskussion ist dabei immer der gleiche: Wieviel Veränderungsspielraum wird einer Band zugestanden? Oder anders ausgedrückt: Ab wann hat eine Band die Grenzen der eigenen Identitätsauslegung überschritten?

Mastodon steht in der Metalszene exemplarisch für diese Grundsatzfrage, an der sich die Geister scheiden. Dabei war man sich in der Anfangszeit der Sludge Metal-Band noch einig. Die ersten Alben fanden eine uneingeschränkt positive Aufnahme. Gelobt wurden die Anfangswerke dafür, dass sie progressiven Rock mit dem Sludge Metal, der von Größen wie The Melvins und Neurosis inspiriert war, kombinierten und so einen eigenen, innovativen Sound entwickelten. Bereits das zweite Album gewann mehrere Preise, der Durchbruch gelang dann spätestens mit dem 2009 veröffentlichten Album „Crack the Skye“.

Bis dahin waren Fans und Kritiker sich einig, dass es Mastodon als einer von nur wenigen Band gelang, instrumentale Virtuosität und zugängliche Songstrukturen mit melodiösen Gitarren- und Vokal-Arrangements zu verbinden, sodass sich die Musik nicht ausschließlich an das Metalpublikum richtete.

So weit, so gut. Doch die heile Welt der Mastodon Bewunderer bekam erste Risse mit dem Erscheinen des drittletzten Albums „The Hunter“, das die Entwicklung in eine radiotauglichere Richtung einleitete, die vielen Fans nicht gefiel. Auf den letzten drei Platten finden sich einige Titel, die sowohl musikalisch als auch lyrisch eher an Lieder klassischer Stadionrockbands erinnern. So zum Beispiel das Lied „Show Yourself“ des aktuellen Albums. Woher der plötzliche Antrieb der Band kam, cliché-lastige Rocksongs zu schreiben, ist schwer auszumachen.

Doch auch das Bild der neueren Mastodon-Alben darf nicht zu einseitig gezeichnet werden. Einige Fans begrüßen die musikalischen Ausreißer, sehen in ihnen musikalisches Ausprobieren, suchen nach einer Weiterentwicklung. Da sich auf den letzten LPs auch klassische Mastodon-Stücke befinden, kann man unter Umständen die Erweiterung der Genregrenzen auch als einen positiven Zugewinn erleben. Musikalisch gliedern sich die Songs nämlich durchaus in das Gesamtkonzept der Alben ein, wenn sie auch keine Glanzmomente darstellen.

Die Crux der Diskussion ist in letzter Konsequenz die offene Frage, ob die Veränderungen bei den neueren Stücken durch künstlerische Entscheidung oder durch kommerzielles Kalkül motiviert worden sind. Letzteres hätte den bitteren Beigeschmack, den man als Fan auf keinen Fall haben möchte. Die Antwort liegt dabei wohl im Auge des Betrachters und hängt davon ab, ob sich der Zuhörer mit der Band, einschließlich ihrer Entwicklung, verbunden fühlt, oder ob ihn nur ihre Musik interessiert.

Zwei Bands, an deren Authentizität wohl niemand zweifelt, sind der Toursupport von Mastodon: Red Fang und Russian Circles. Die Stoner-Rocker von Red Fang spielen seit Jahren ihre lässigen, rifflastigen Songs – hier ist keine musikalische Revolution in Sicht, aber es handelt sich zweifellos um ehrliche Stonermusik, wie sie im Lehrbuch steht. Die dritte Band Russian Circles bildet dazu den passenden Gegenpart: versierter, instrumentaler Post Rock für alle, die finden, dass Explosions In The Sky lautere, dreckigere Musik machen sollte.

Die Line-Up Komplettierung unterstreicht das Schöne an der Band Mastodon, jenseits der Streitereien über die musikalische Ausrichtung der Alben der letzten Jahre. Es ist Metalmusik, die Brücken schlägt zwischen verschiedenen Musikszenen, zwischen Metal, Post und Stoner Rock. Man darf gespannt bleiben, welche Gräben auf den nächsten Alben überwunden werden.

Am 30. November in der Rockhal.

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