Virun 100 Joer (7): Die große Oktober-Revolution

Anders als heute erlebten die Menschen in Westeuropa die Februar-Revolutioun 1917 weit stärker als Zäsur als jene im Oktober. Und im Unterschied zum Februar wurde sie auf politischer Seite auch längst nicht von allen begrüßt.

Sturm auf den Petersburger Winterpalast 1917. Nachstellung von 1920, in: WIKICOMMONS

„Etwas nach 6 Uhr griffen die Truppen des Sowjet unter Führung der Bemannung des Kreuzers „Aurora“ den Winterpalast an, welcher scheinbar der letzte militärische Punkt der Stadt war, in dem die vorläufige Regierung noch festen Fuß hatte. Die Maschinengewehre waren die ganze Nacht am Winterpalast und in den angrenzenden Straßen tätig. Der Winterpalast wurde von Regierungstruppen verteidigt, die das Feuer beantworteten. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (6): Eine moderne Verfassung

Große Hoffnungen setzte die Luxemburger Arbeiterbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in die Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Die Arbeiten zur Verfassungsrevision, die im Herbst 1917 begannen, sollten jedoch zeigen, dass das Wahlrecht auch eine Karte im Spiel der Parteien war.

Marguerite Mongenast-Servais, eine der Vorkämpferinnen für das Frauenwahlrecht. (Foto: Archives Marcel Schroeder)

„Endlich!“, titelte am 3. November 1917 die sozialdemokratische Gewerkschaftszeitung „Die Schmiede“, als im Luxemburger Parlament Bewegung in das Dossier „Allgemeines Wahlrecht“ kam, und erklärte: „Das Volk will seine Rechte haben, das Volk hat lange genug gewartet.” [1] Doch schon eine Woche später machte dasselbe Blatt unter der Schlagzeile „Das allgemeine Stimmrecht in Gefahr“ darauf aufmerksam, dass verkappte Gegner dabei seien, die Vorbereitungsarbeiten zur Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Luxemburg zu sabotieren. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (5)
: Die Stunde des Pazifismus

Eine der Ursachen der Russischen Revolution im Jahre 1917 war die Kriegsmüdigkeit der russischen 
Bevölkerung. Zugleich war die 
Revolution ein Ruf nach einem europäischen Friedensschluss ohne 
jegliche Bedingungen. Auch in Luxemburg war damit die Frage gestellt, wie sich die Sozialdemokratie zum Krieg positionieren sollte.

Endlich Frieden: Russische und deutsche Soldaten tanzten miteinander, um das Ende des Krieges an der Ostfront 1918 zu feiern.
(Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-S10394 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de)

„Gleich nach dem Gelingen der russischen Revolution am 28. März richtete der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat einen Aufruf an die Völker der Welt, in dem er die europäischen Völker zu gemeinsamem entscheidenden Vorgehen zu Gunsten des Friedens aufforderte, ‚Friede ohne Annexionen und Entschädigungen auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker‘ war in seiner kürzesten Fassung das russische Programm.“ So hieß es im Sommer 1917 in der Gewerkschaftszeitung „Die Schmiede“.  mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (5): Gemeinsam 
gegen den Krieg?


Eigentlich wollte die internationale sozialistische Bewegung zusammenhalten und sich für den Frieden einsetzen. Doch bei Beginn des Ersten Weltkriegs gerieten viele westeuropäische Arbeiterparteien in eine tiefe Krise. Um die Beziehung zwischen Sozialismus, Russischer Revolution und Pazifismus geht es im folgenden Gespräch mit Charel Roemer und Raymond Klein.

Der woxx-Journalist Raymond Klein, seit 35 Jahren von der Geschichte der 
Russischen Revolution fasziniert. (Fotos: Radio 100,7)

War der Frieden zwischen den Nationen vor dem Ersten Weltkrieg bereits ein gesellschaftliches Thema?


Charel Roemer: Das Thema war stark präsent, wenn auch vielleicht nicht so wie nach dem Ersten Weltkrieg. Der Pazifismus war jedoch eher in bürgerlichen Kreisen zu finden, wo man sich vor allem mit dem Völkerrecht als schiedsrichterlichem Instrument zur Konfliktregelung auseinandersetzte. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (4): 1917: das Jahr des großen Streiks

Ende Mai 1917, mitten im Krieg, riefen die Arbeiter im Süden des Landes den Streik aus. Welche waren ihre Motive? Und was hatte der Streik mit der Russischen Revolution zu tun?

Eines der seltenen Bilder zum Juni-Streik von 1917, hier eine Demonstration in Düdelingen.

„Alle Tage Kohlrabien, Kohl und Möhren ist nichts, um arbeiten zu gehen,“ so hieß es im Dezember 1916 auf einer Arbeiterversammlung. Und weiter: „Entweder schafft die Regierung uns Futter oder wir legen die Arbeit nieder.“ Die Kartoffeln seien teurer geworden als die Orangen, was damals etwas hieß. [1] Die katastrophale Lebensmittelsituation und die steigenden Preise wurden auch nicht durch entsprechend höhere Löhne in den Eisenhütten kompensiert. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (4): Der große Juni-Streik

„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will” – dieser bekannte Vers aus einem Arbeiterlied beschreibt prägnant die Erwartung der Luxemburger Arbeiter, die im Ersten Weltkrieg zunehmend auf das Mittel des Streiks in ihren Arbeitskämpfen setzten. Über den ersten Massenstreik von 1917 in der Eisenindustrie diskutierten Jacques Maas und Jean-Marie Majerus.

Wie kam es mitten im Krieg zum ersten Massenstreik in Luxemburgs Geschichte. Spielte die Russische Revolution die Rolle eines Katalysators? Darüber diskutierten Jean-Marie Majerus (links) und Jacques Maas (rechts). (Fotos: Radio 100,7)

woxx: Wie war der Entwicklungsstand der Luxemburger Gewerkschaften zu Beginn des Ersten Weltkriegs?


Jacques Maas: Man kann von einer gewissen Verspätung sprechen, besonders im Vergleich mit der Großregion. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (2): Eine neue Weltordnung?
: Kommunismus: eng Alternativ zur Sozialdemokratie?

Reform oder Revolution? Die Frage ist so alt wie die Arbeiterbewegung. Doch was bedeutete das Aufkommen des Kommunismus nach 1917 für die Sozialdemokratie? Darüber diskutierten Änder Hoffmann und Régis Moes.

Gab es immer schon Teile der Ar-
beiterbewegung, die das kapitalistische System radikal abschaffen wollten? 


Der Historiker Régis Moes ist Spezialist zu Fragen des Kalten Krieges. (Fotos: Radio 100,7)

Régis Moes: Die Spannungen zwischen revolutionären und parlamentarisch orientierten Bewegungen kann man während des gesamten 19. Jahrhunderts erkennen. Revolten wie die „Commune“ von 1870 in Frankreich entstanden meist in einem Krisenkontext, häufig auch am Ende eines Krieges, der für die Bevölkerung meist Engpässe in der Lebensmittelversorgung und in der Organisierung des Alltags bedeutete und zur Radikalisierung beitrug. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (3): Eine linke Alternative zur Sozialdemokratie?

Wie hältst du’s mit der Revolution? Diese Gretchenfrage stellte sich nach 1917 auch für die Luxemburger Sozialistische Partei.

Luxemburgische Version des Kommunistischen Manifestes, 1983 (übersetzt von Romain Hilgert).

In Deutschland wurde die Frage bereits seit dem 19. Jahrhundert diskutiert: Sollte man auf einen revolutionären Umbruch setzen, der den Sozialismus bringen würde, oder in kleinen Schritten gesellschaftliche Reformen anstreben, die die Lage der Arbeiterschaft verbessern würden? In der Praxis zeigte sich, dass die Sozialdemokratie dort, wo sie auf kommunaler Ebene Wahlen gewinnen konnte, zu einer Reformkraft heranwuchs, die auf konstruktive politische Arbeit setzte statt auf Konfrontation. Dass es in der Sozialdemokratie aber zwei Flügel gab, einen revolutionären und einen reformistischen, wurde spätestens deutlich, als der Erste Weltkrieg ausbrach und in Deutschland die Mehrheit der sozialdemokratischen Abgeordneten für die Kriegskredite stimmte. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (2): Dabei gewesen: Luxemburger in Russland

Als vor 100 Jahren in Russland die Revolution ausbrach und der Bolschewismus sich durchsetzte, waren auch Luxemburger dabei – die meisten allerdings eher unfreiwillig.

Lenin und die Massen. Versteckten sich in ihr auch Menschen aus Luxemburg? (Quelle: WikiCommons)

„Hierlands besteht wohl eine Verfassung, aber nicht für die Arbeiterklasse […]. Wir wollen gleichfalls wie die Russen rastlos für Umänderungen kämpfen, überall energisch für die russische revolutionäre Partei eintreten und auf Verschwinden des Blutzaren wie seiner Blutratgeber hoffen.“ So äußerte sich der Sozialdemokrat Jacques Thilmany 1905 auf einer Volksversammlung in der Stadt Luxemburg, bei der ein russischer Revolutionär die Lage in Russland darstellte. mehr lesen / lire plus

Land, Brout, Fridden: „Der Himmel hing voller Geigen“

Im Rahmen des Medienprojektes „1917“ von Radio 100,7 und woxx diskutierten ExpertInnen am Montag im „Centre Neimënster“ über die Bedeutung der Russischen Revolution für Luxemburg. Wir fassen die wichtigsten Momente der Debatte zusammen.

Frauenwahlrecht, Arbeiterräte, Betriebsbesetzung – die Parallelen der Russischen Revolution und der sozialen Krise in Luxemburg nach 1917 waren Thema einer angeregten Debatte mit Geschichtsfachleuten. (Fotos: Paul Klensch)

100,7/woxx: Wie stellt sich die soziale und politische Lage in Luxemburg zu Beginn des Ersten Weltkriegs dar?


Tun Jost: Die Stahlindustrie war in der Zeit vor dem Krieg sehr stark gewachsen. Als der Krieg ausbrach, kehrte der Großteil der Italiener, die ganze Kontingente der Minenarbeiter gestellt hatten, nach Italien zurück, und die sehr zahlreichen deutschen Arbeiter mussten „zu den Waffen eilen“. mehr lesen / lire plus

Öffentliches Rundtischgespräch: Land, Brout, Fridden?

Nichts Geringeres als die Russische Revolution wird Ende April in der Abtei Neumünster zur Debatte stehen: In einem von radio 100,7, IPW und woxx organisierten Rundtischgespräch werden fünf Gäste darüber diskutieren, welchen Einfluss die Ereignisse in Russland von 1917 auf Luxemburg hatten.

Der Hunger trieb die Menschen auf die Straße, doch es ging um mehr als um Brot: Als in Russland Bäckereien gestürmt wurden, die kleinen Leute ihre Arbeit niederlegten und die Armee dem Zar den Gehorsam verweigerte, war das Ziel auch, dem abgewirtschafteten absolutistischen Regime ein Ende zu setzen. Doch während die einen noch demokratische Reformen durchführen wollten, hatte für die anderen schon die Stunde des Proletariats geschlagen: Russland war das erste Land, das das kapitalistische System radikal abschaffte und einen völlig neuen Weg ging. mehr lesen / lire plus

Chronik: Virun 100 Joer (1): Die Februar-Revolution 
in der Luxemburger Presse

Der erste Beitrag zur Chronik der Ereignisse von 1917 beschreibt, wie die Ereignisse in Russland in den Luxemburger Zeitungen dargestellt wurden. In der linken Presse wurde Russland damals zum Vorbild für Luxemburg.

Die Abdankung des russischen Zaren markierte den Beginn des grundlegenden Wandels in Russland. Wenn auch mit einer Woche Verspätung war diese Nachricht dem „Escher Tageblatt“ doch einen Aufmacher wert. (Quelle: e-luxemburgensia)

Am Anfang war der Hunger. Als sich in den Februarwochen 1917 die ersten Revolten in Petrograd ausbreiteten und die Menschen begannen, die Bäckereien zu stürmen, ging es um die katastrophalen Zustände in der russischen Lebensmittelversorgung. Die Bäckereien in Petrograd blieben geschlossen, weil sie wegen Mangels an Mehl kein Brot mehr backen konnten. mehr lesen / lire plus

Serie 1917 (1): Die Februar-Revolution in Russland
: Eine Hoffnung für die Luxemburger Arbeiterschaft?

In Russland hatten die Menschen die Arbeit niedergelegt, die Bäckereien gestürmt und den Zar abgesetzt – so konnte man es ab Mitte März 1917 auch in der Luxemburger Presse lesen. Über die „Februar-Revolution“ vor 100 Jahren und ihre Folgen für Luxemburg diskutierten die beiden Historiker Ben Fayot und Henri Wehenkel.

Trug die russische Februar-Revolution zur Radikalisierung der Luxemburger Arbeiterschaft bei? Darüber diskutierten die Historiker Ben Fayot … (Foto: radio 100,7 / Yves Stephany)

woxx: Wie war die Lage der Arbeiterbewegung in den Jahren vor der „Februar”-Revolution, die nach unserem Kalender im März stattfand?


Ben Fayot: Vor dem Ersten Weltkrieg war die Luxemburger Arbeiterbewegung gespalten: Die 1902 gegründete Sozialdemokratische Partei hatte zwei Abgeordnete, Caspar Mathias Spoo und Dr. mehr lesen / lire plus