EU-GIPFEL: Mehr Schein als Sein

Das viele Lob für Premierminister Jean-Claude Juncker ist vor allem ein Versuch, den Frühjahrsgipfel als Erfolg zu feiern. In puncto Beschäftigung und Wirtschaftskraft ist wenig zu vermelden.

Jean-Claude Juncker wird wieder gefeiert. Ob auf europäischem Parkett oder zu Hause, es herrscht allgemeines Schulterklopfen. Doch was hat der neue Held von Brüssel wirklich bewirkt? Ist der dreifache, von den Medien gehypte Durchbruch – Stabilitätspakt, Lissabon, Bolkestein – wirklich eine solche Glanzleistung? Was Juncker vollbracht hat, ist vor allem eine Einigung der Regierungschefs. Inhaltlich sind die Resultate aber nicht unbedingt glänzend.

Die Spielregeln des Stabilitätspaktes werden künftig durch Ausnahmeregeln und längere Fristen bei den Sanktionen gelockert. mehr lesen / lire plus

GLEICHSTELLUNG: Geld hat (k)ein Geschlecht

Gesetze sind nicht neutral, und auch der Haushalt ist es nicht. Eine gendersensible Analyse des Staatsbudgets soll mittelfristig die Frage nach der (Geschlechter-) Gerechtigkeit beantworten.

Als Luxemburgs Frauenministerin Marie-Josée Jacobs Anfang März nach New York zur UN-Konferenz über Peking + 10 flog, hatte sie etwas Besonderes im Gepäck. Weil Luxemburg derzeit dem Europäischen Rat vorsitzt, sprach die christlich-soziale Politikerin in ihrer Rede nicht nur für Luxemburg, sondern vertrat sämtliche 25 EU-Mitgliedstaaten. Ihre Erklärung fiel recht progressiv aus. Neben dem üblichen Geplänkel, dass in Sachen Gleichstellung etliches geschafft sei, es aber weiterhin viel zu tun gebe, nannte Jacobs Prioritäten für die zukünftige Geschlechterpolitik der Union. mehr lesen / lire plus

MUSIK: Kollektiv geht’s besser

Das Kollektiv Schalltot setzt sich seit 1998 für die Belange der alternativen Musikszene in Luxemburg ein. In der Broschüre „Do the Evolution“ schreiten sie zur Bestandsaufnahme.

Die Gratis-Broschüre „Do the Evolution“ ist
in Plattenläden erhältlich. Weitere Infos www.schalltot.lu

Von dem altmodischen Grammophon im Logo des „Schalltot Collective“ darf man sich nicht in die Irre führen lassen. Seit sechs Jahren hat sich die Gruppe um Sacha Schmitz, Marc Nickts, Claudio Pianini, Luciano Lippis und Emile Hengen (v.l.n.r. – Antonio Martija fehlt) zum Sprungbrett für junge Alternativ-Bands gemausert. In der Brasserie „911“ in Belvaux und vorher im
„Marignan“ in Athus organisieren sie regelmäßig Konzerte mit angesagten Vertretern der internationalen Independent-Szene, wie zum Beispiel Honey for Petzi, immerhin Schützlinge von Nirvana-Produzent Steve Albini, aber auch mit nationalen Bands, meistens Richtung laut bis düster

„Wir müssen die Blockaden in den Köpfen niederreißen“, sagt Marc, im Namen des Kollektivs zum Interview abkommandiert. mehr lesen / lire plus

CLINT EASTWOOD: Cowboy goes Rocky

Mit links schlägt der Altmeister Clint Eastwood die Konkurrenz k.o. und landet mit „Million Dollar Baby“ zum wiederholten Mal einen Volltreffer.

Es war die große Überraschung der diesjährigen Oscar-Verleihung. Clint Eastwood konnte mit „Million Dollar Baby“ fast alle wichtigen Preise mit nach Hause nehmen und setzte sich somit gegen die aufwändigen Biopics à la „The Aviator“ durch. Bester Film, Beste Regiearbeit, Beste Darstellerin und Bester Nebendarsteller sind die vier Kategorien, in denen das Drama die goldene Statuette absahnen konnte.

Der Schauspieler Eastwood hat sich als Regisseur noch einmal neu erfunden. Auf der Leinwand war er seit jeher vor allem die Paradebesetzung für schweigsame Einzelgänger: vom schroffen Revolverhelden in den kultigen Spaghetti-Western, über den draufgängerischen, Sprüche klopfenden Polizisten Harry Callahan bis zum alternden Marine-Ausbilder, Vietnam-Veteranen und Bier schlürfenden Trucker. mehr lesen / lire plus

FOLK: Andrew Bird: The Mysterious Production of Eggs

Andrew Bird, The Mysterious Production of Eggs, Fargo Records, 2005.

„Nicht so üppig wie Rufus Wainwright, nicht so zerbrechlich und depressiv wie Elliott Smith, nicht so sparsam wie Jack Johnson und nicht so tot wie Jeff Buckley“, schrieb ein Kritiker auf Amazon.de über Andrew Birds CD „The Mysterious Production of Eggs“. Damit wäre alles gesagt und doch nichts verraten. Eins ist sicher: Bird ist ein ganz Großer, einer von den Songwritern, die einfachste Melodien in atemberaubende Songs verwandeln und dabei nie abgegriffen klingen. Seine Stimme ist kantig genug, damit die ZuhörerInnen aufhorchen. Trotz tieftrauriger Lyrik darf hin und wieder gegrinst werden. mehr lesen / lire plus

ROCK: The Convertibles

The Convertibles, Rock’n’Roll delux, 2005, 18 €. www.convertibles.lu

Als Live-Band haben sich die Convertibles hier zu Lande mittlerweile einen beachtlichen Ruf eingespielt. Wo auch immer das Quintett um Sänger Ralf „Alvis“ Haas auftaucht, ist Stimmung angesagt. Rock’n’Roll-Klassiker in traditioneller Manier gespielt und mit Mut zum Klischee dargeboten. Keine falsche Scheu vor Glitzerhemden und blank polierten Schuhen. Jetzt gibt es unter dem Titel „Rock’n’Roll delux“ den Nostalgie-Trip auch zum Mitnehmen. 21 Songs sind auf dem Album, darunter zwei eigene Kompositionen „Bad Cat“ und „Cripple Rock“, das bereits in Andy Bauschs „La Revanche“ zu hören war. So schmissig wie auf der Bühne kommt das Ganze auf CD leider nicht herüber. mehr lesen / lire plus

GROOVE: DJ Sermeq

DJ Sermeq, Smoke_over_Ground, 2004.

Dj Sermeq heißt mit bürgerlichem Namen Claude Michels und teilt sich mit Unki Unkelhäusser das Mikrofon in der Sendung „Bloe Baaschtert“ auf Radio Ara. Dort sorgt er dafür, dass einheimische Produktionen jeder Couleur über den Äther laufen. Selbst bleibt er jedoch lieber unerkannt. Mit seiner ersten Solo-Platte „Smoke_over_Ground“ beweist er Mut zum Eklektizismus. Ausladende Ambient-Stücke wie „From Greenland“ stehen neben Titeln wie „The Way Down“ mit seinen hämmernden Techno-Beats. Auch wenn der Trend in der Elektro-Szene derzeit eher in Richtung Minimalismus zu gehen scheint, so scheut DJ Sermeq nicht vor opulenten Synthie-Arrangements zurück, die stellenweise durch sehr kalte Klangfarben irritieren. mehr lesen / lire plus

RAYMOND „METTI“ WEIRIG: Imperfections sublimes

Galerie Clairefontaine, jusqu’au 15 avril

Les portraits de Raymond „Metti“ Weirig sont déconcertants et grotesques autant que tendres et enjoués. Les personnages humains ou à la limite du phantastique, interpellent par leur franchise et souvent par leur nudité difforme. Les tableaux de l’exposition qui se tient actuellement à la Galerie Clairefontaine sont moins mornes et tourmentés que les précédents travaux de l’artiste. On trouve dans les tableaux une luminosité évidente; les personnages sont apaisés et souriants. „Metti“ ne juge pas les corps non conformes à l’esthétisme tyrannique et en proie au vieillissement et aux imperfections; il les sublime dans leur beauté flagrante. mehr lesen / lire plus

CIA: The World Fact Book

http://www.odci.gov/cia/publications/factbook/ index.html

Geheimdienste haben auch manchmal ihr Gutes. „The World Fact Book“, vom amerikanischen CIA herausgebracht, war jahrzehntelang ein einzigartiges Produkt, das akribisch geo-politische Fakten sämtlicher Länder der Welt auflistete. In der Nur-Print-Zeit litt die Publikation allerdings unter dem schnellen Wandel der Zeitgeschichte, und die Ausgaben waren, kaum gedruckt, bereits überholt. Im Zeitalter des Internets gehen die Updates etwas schneller vonstatten. Wer bequem an die klassischen Grunddaten der Staaten dieser Erde kommen will, samt ansehnlicher Landkarte, der wird im Buch der Fakten schnell fündig. Kritische Analysen sind allerdings nicht die Stärke des CIA, dafür warten die Geheimdienstler mit ungeahnten Informationen auf: So verfügt Luxemburg über 115.721 Männer im wehrfähigen Alter! mehr lesen / lire plus

KAPUZINERLESUNGEN: Bei den Dazwischenleuten

„Bei den Dazwischenleuten – 5 Jahre Kapuzinerlesungen“, Editions des Cahiers Luxembourgeois, 15 €.

Luxemburgs Jungautorin Claudine Muno zwischen Alt-Schriftsteller Martin Walser und Nobelpreisträger Günter Grass? Eine deutsch-französisch-luxemburgische Textsammlung des nunmehr 20-jährigen Kapuzinertheaters macht es möglich. Mit „Bei den Dazwischenleuten“ haben AutorInnen, die in den fünf Jahren seit Bestehen der Kapuzinerlesungen vor hiesigem Publikum lasen, eine Art Gäste-Tagebuch geschrieben. Das Meiste davon klingt allzu lieblich und nett, wohl um die Gast(Geld-)geber nicht zu verprellen. Ab und zu gibt es allerdings auch andere Beobachtungen. So schreibt Peter O. Chotjewitz, vielen bekannt durch sein Romanfragment „Die Herren des Morgengrauens“ (eine Auseinandersetzung über den deutschen Herbst 1977) über Luxemburg: „klein wie ein Dorf“, „mit einer Ansammlung gut beleuchteter moderner Bürogebäude“. mehr lesen / lire plus