Uelzechtdall: Verspäteter Rückbau

Die Verkehrsberuhigung im Uelzechtdall scheint auf keiner Agenda zu stehen.

Kraizung_Lintgen-montage-okDie Visionen des Méco zum Rückbau der „Nationale 7“ – wenn endlich am 23. September die Nordstraße dem Verkehr übergeben wird – sind sicherlich nicht revolutionär. Mit bescheidenen technischen Mitteln (siehe das woxx-Cover) zeigt die Umweltgewerkschaft, wie gehaltene Versprechen auch in Zeiten knapper Mittel aussehen könnten.

Als vor gut zwei Jahrzehnten eine breite Parlamentsmehrheit für das teuerste Straßenbauprojekt stimmte, das Luxemburg je gekannt hat, wurden vor allem zwei Argumente vorgebracht: Zum einen würde die „Nordstrooss“ zur wirtschaftlichen Entwicklung des nördlichen Teils unseres Landes beitragen; zum anderen würde das tagtäglich von riesigen Blechlawinen heimgesuchte Alzette-Tal zwischen Mersch und Luxemburg-Stadt entlastet, ja sogar lebenswert gestaltet werden.

Dass es zwei Jahrzehnte bis zur Eröffnung der Schnellstraße dauern würde, hatte sich damals sicher niemand vorstellen können. Der „Fortschritt“ kam auch ohne Autobahn, und die Blechlawine wuchs und wuchs. Was aber nicht kam, waren jene strukturellen Maßnahmen, die den Verkehrszuwachs zumindest ein wenig hätten abbremsen können. Das damals stark diskutierte und praktisch spruchreife BTB-Konzept hätte auch für den Norden zu einem besseren ÖPNV-Angebot beigetragen. Die versprochene Verbesserung erwies sich damit zunächst einmal als eine rasante Verschlechterung.

Schlimmer noch: Die unfreiwillig lange Zwischenzeit scheint verstrichen zu sein, ohne dass für den Tag X vorgesorgt worden ist. So jedenfalls die Einschätzung des Méco, der kurz vor der Sommerpause vor einer Einweihung der A7 für den Fall warnt, dass es keine flankierenden Maßnahmen gibt.

Da die A7 just zu dem Zeitpunkt fertig wird, wo auf Kirchberg die Umbauarbeiten wegen der projizierten Tramlinie in vollem Gange sind, wird sich das tägliche Chaos gerade im Umfeld des Rond-Point-Serra verschärfen. Die „Attraktivität“ der A7 dürfte zumindest in den nächsten beiden Jahren eher gering sein. Dies umso mehr, als eine nicht zurückgebaute, aber von einem Teil des Transitverkehrs entlastete N7 viele dazu animieren wird, die gewohnte Strecke weiter zu benutzen.

Aber vielleicht irrt sich der Méco ja und der Infrastrukturminister verkündet am 25. September – also zwei Tage nach der A7-Eröffnung – in seiner traditionellen Oekofoire-Rede das Gegenteil. Dass es in seinem Ministerium durchaus Vorstellungen gibt, wie es mit der N7 weitergehen soll, scheint dabei außer Frage zu stehen. Vorschläge, was alles im Alzette-Tal passieren müsste, hatte es ja auch schon vor Jahren gegeben, und einige wenige Ideen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Rückbau stehen, wurden auch schon umgesetzt.

Weder die Kommissionen noch die Gemeinderäte wurden mit den Kernfragen befasst.

Doch fällt auf, dass die Kernfragen, mit der sich die in der Uelzechtdall-Konvention zusammengeschlossenen Gemeinden befassen müss(t)en, bislang in keinem der demokratisch legitimierten Gremien diskutiert worden sind. Weder die zuständigen Kommissionen noch die Gemeinderäte wurden mit ihnen befasst.

Das Konventions-Instrument, das es erlauben soll, die regionale Entwicklung zwischen den betroffenen Gemeinden und der Landesplanung abzustimmen, scheint hier wie anderenorts an seine Grenzen zu stoßen. Die Dossiers und die Studien verstauben als Chefsache in den Schubläden der Bürgermeister, anstatt dass eine Dynamik von unten geschaffen wird.

Auch wenn es nicht einfach ist, bisher getrennt marschierende oder sogar konkurrierende Gemeinden zusammenzuführen, so ist doch sehr zu bedauern, dass das unerwartet große Zeitfenster nicht dazu genutzt wurde, die Planungen und die daran hängenden Verfahren weiterzutreiben.

Der Méco wird in den kommenden Tagen seine Vorstellungen an sämtliche Haushalte im Uelzechtdall verteilen – mitsamt der Kritik in Richtung der politisch Verantwortlichen, dass bislang so wenig passiert ist. Vielleicht reichen ja die zwei Monate, um eine Bewegung von unten zu schaffen, die den renitenten Gemenge-Päpp klar macht, in wessen Auftrag sie zu handeln haben.

Träumen wir also einen Sommer lang von spontanen Sit-ins an den Ortseingängen des Uelzechtdalls, wo eine fröhliche Schar den Blechlawinen ab dem 23. September sagt, sie mögen sich gefälligst woanders stauen.


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