Umwelt und Menschenrechte: Goldminen in Peru

Aus Anlass dreier Vorführungen der Dokumentation „Hija de la Laguna“ („Tochter der Lagune“) ist zurzeit die peruanische Landwirtin und Aktivistin Nélida Ayay Chilón in Luxemburg zu Gast. Sie ist die Protagonistin dieses Films, der vom Protest gegen die Bergbauarbeiten von Yanacocha, der größten Goldmine Lateinamerikas, handelt. An deren Betreiber, Newmont Mining, hält der luxemburgische Pensionsfonds Anteile.

(Foto: ASTM)

Woxx: Wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ernesto Cabellos Damián, dem Regisseur des Films?

Nélida Ayay Chilón: Ich hatte zuvor bereits in einem Kurzfilm über Umweltschutz mitgespielt. 2012 nahm ich an der „Marcha nacional del Agua“, einer landesweiten Demonstration zum Schutz der Wasservorkommen, teil. Und ich war an einer Beschwerde gegen Yanacocha beteiligt. Durch diese Aktionen wurde Ernesto Cabellos Damián, glaube ich, auf mich aufmerksam und trat 2012 mit mir in Kontakt.

Wogegen richtet sich Ihr Protest genau?

Die multinationalen Konzerne, die bei uns operieren, beachten weder Menschenrechte noch Richtlinien für den Umweltschutz. Aus diesem Grund haben Menschen aus den umliegenden Dörfern angefangen, sich zu organisieren, um friedlichen Widerstand zu leisten. Wir wehren uns vor allem aus drei Gründen: Erstens verschwinden Wasserreserven, weil diese von den Bergbauunternehmen genutzt werden. Zweitens wird das Wasser vergiftet und die Umwelt verschmutzt. Und drittens haben viele Landwirte ihre Ländereien zu extrem niedrigen Preisen an die Konzerne verkauft. Für uns Landwirte in den Anden ist alles belebt. Steine, Seen, Pflanzen – alles lebt. Dieses Leben muss geschützt werden und darf nicht wirtschaftlichen Aktivitäten zum Opfer fallen.

Wie wurde bisher auf die Proteste reagiert?

Unsere Forderungen wurden bisher vom peruanischen Staat nicht angehört. Die Firma Yanacocha selbst versucht nur, von den Problemen abzulenken. So werden zum Beispiel Fortbildungen angeboten, auf denen vermittelt wird, dass alle Standards für Umweltschutz eingehalten werden – eine Form der Manipulation. Sie argumentieren außerdem, dass sie Arbeitsplätze geschaffen und die Armut in Cajamarca verringert hätten. Dabei ist Cajamarca zurzeit die zweitärmste Provinz im Peru. Die größten Probleme sind die Unterernährung von Kindern und der Anstieg der Kriminalität.

Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen ist es wahrscheinlich auch innerhalb der Gemeinschaft zu Spannungen gekommen …

Absolut. Es gibt eine Anzahl von Leuten, die für Yanacocha arbeiten, was zu starken Spannungen mit denen führt, die sich widersetzen. Ich bin überzeugt, das jeder ein Recht hat auf Arbeit. Das Problem ist aber die psychosoziale Wirkung, die die Firma mit ihren Aktivitäten in den Dörfern ausübt: Sie macht den Bewohnern Geschenke – Tiere, Kleider, Schuhe. Auf Forderungen der Bevölkerung entgegnet sie dann „was wollt ihr denn noch, wir haben euch doch schon so vieles gegeben?“.

Dieses Leben muss geschützt werden und darf nicht wirtschaftlichen Aktivitäten zum Opfer fallen.

Haben Sie persönlich negative Konsequenzen ihres Engagements zu spüren bekommen?

Yanacocha beauftragt Personen, die uns das Gefühl geben sollen, dass wird bedroht werden. Ich wurde einmal von einem maskierten Motorradfahrer verfolgt. Manchmal warten sie auch auf der Straße auf uns, um uns Angst einzujagen. Aber sie bedrohen auch meine Familie. Mein Vater hat für Yanacocha gearbeitet und wurde entlassen. Sie begründeten es damit, dass ich an Demonstrationen teilgenommen habe und gegen die Mine kämpfe. Sie meinten, wenn er Arbeit wolle, könne er sich ja an mich wenden. Sie wollen mich dort treffen, wo es am schmerzhaftesten ist, und einen Konflikt zwischen mir und meinem Vater herbeiführen. Mein Vater war eine Weile wütend auf mich, aber die Situation hat sich zum Glück wieder beruhigt. Aber sie drohen mittlerweile auch schon meinen Onkeln mit Entlassungen.

Konnten Sie bisher schon etwas erreichen?

Mit der Marcha del Agua konnten wir den Stop des Conga-Projekts, eines Erweiterungsprojekts der Yanacocha-Mine, erreichen. Für uns hätte dieses Projekt zusätzliche Verschmutzung und Vergiftung bedeutet. Dadurch sind Yanacocha große Gewinne durch die Lappen gegangen. Wir konnten durch diesen Marsch auch außerhalb von Peru ein größeres Bewusstsein für diese Problematik schaffen. Ein weiterer Erfolg ist der Weiterbestand der Seen. Wir wollen nicht, dass künstliche Seen angelegt werden, wie es uns von Yanachocha versprochen wurde. Unser Ziel ist der Erhalt der natürlichen Flora und Fauna, und dass die Verschmutzung und die Menschenrechtsverletzungen ein Ende nehmen.

Der Film kann auf Netflix gestreamt werden.

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