Weniger Fleisch essen, nachhaltig produzieren

Der Fleischatlas 2018 ist da. Darin werden konkrete Pisten zum Umbau der industriellen Tierhaltung aufgezeigt.

(©bund.net)

Am gestrigen Mittwoch, den 10. Januar wurde der „Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung“ veröffentlicht. In insgesamt 20 Kapiteln werden darin zahlreiche Zahlen, Grafiken und Lösungsansätze rund um die Themen Tierhaltung, Fleischproduktion und -konsum dargelegt. Auch wenn, wie im Vorwort beschrieben, das gesellschaftliche Bewusstsein für nachhaltige Ernährung, Tier- und Klimaschutz in den letzten fünf Jahren stark angestiegen ist, steht eine grundlegende Veränderung immer noch aus. Nicht zuletzt deshalb, weil einige wenige Großunternehmen vom gegenwärtigen Produktionsmodell profitieren. Vor dem Hintergrund, dass Schätzungen nach der Fleischkonsum bis zum Jahr 2050 weltweit um 85 Prozent steigen soll, erscheint die Problematik umso dringlicher. Sowohl den Produzent*innen als auch den Konsument*innen werden im Atlas deshalb Instrumente gezeigt, die den Umbau der Nutztierhaltung begünstigen könnten.

(©boell.de/fleischatlas2018)

In einem der ersten Kapitel wird illustriert, inwiefern Fleisch- und Milchproduktion mit dem Kampf gegen Armut und Hunger, und für Klimaschutz, Biodiversität und eine bessere Gesundheitsvorsorge kollidieren. So seien die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne für mehr klimaschädliche Gase verantwortlich als der Ölriese Exxon. Es wird außerdem für die Einhaltung einer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht plädiert. Viele Konsument*innen würden zwar wissen wollen, wie das Tier gehalten wurde, dessen Fleisch sie kaufen, es mangele jedoch an den nötigen Informationen. Auch das Thema Antibiotika wird angeschnitten. Zurzeit werden jährlich 131.000 Tonnen dieser Medikamente in der industriellen Tierhaltung eingesetzt; Schätzungen nach werden 2050 pro Jahr zehn Millionen Menschen sterben, weil sie mit Bakterien infiziert sind, die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Um dem entgegenzuwirken, ist eine tiergerechtere Haltung sowie die drastische Reduktion des Fleischkonsums vonnöten. Zudem beinhaltet der Atlas Vorschläge, wie EU-Gelder zu einer Optimierung der Lage eingesetzt werden könnten. So könnten die 60 Milliarden Euro, die jährlich in die Agrarpolitik fließen, beispielsweise für bessere Ställe und eine schonende Nutzung der Grünflächen genutzt werden. Konkrete Alternativen zum gegenwärtigen Modell werden in einem Kapitel über Insektenzucht und einem weiteren über Laborfleisch geliefert.

Der Fleischatlas 2018 ist in Kooperation von Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Le Monde Diplomatique entstanden. Er kann unter https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/fleischatlas-2018/ heruntergeladen werden.


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