Willis Tipps
: April 2017

Oumou Sangaré ist zurück

Schon 1990, im Alter von 21 Jahren, hatte Oumou Sangaré mit ihrem ersten Album in ihrer Heimat wie auch in der aufblühenden Weltmusikszene Riesenerfolg. Sie stammt aus der Wassoulou-Region im Süden Malis und fiel mit ihrer markanten Stimme auf – und dadurch, dass sie sich in ihren Stücken lautstark für Frauenrechte einsetzte. Es folgten vier weitere gefeierte Alben. Die mittlerweile erfolgreiche Unternehmerin hat sich dann acht Jahre Zeit gelassen, um ihre neue Studio-CD Mogoya zu veröffentlichen, die in zeitgemäßem Stil von einem französischen Team und einem Schweden produziert wurde. Bei einem Stück trommelt sogar das Afrobeat-Urgestein Tony Allen seinen vielschichtigen Groove. Auch heute sind Oumou Sangarés Texte ausgesprochen politisch, und die Musik ist sogar noch etwas packender als sie es früher schon war. Da meldet sich eine starke Frau mit einem überzeugenden Album zurück.

Oumou Sangaré – Mogoya (No Format!)

Libanon feministisch

Soapkills gehörte zu den Pionieren der elektronischen arabischen Musik und war die angesagte Kultband im ganzen Nahen Osten. Die weibliche Hälfte des libanesischen Duos, Yasmine Hamdan, hat gerade ihr zweites. Soloalbum herausgebracht. Auch hier wird mit viel Elektronik gearbeitet, die Stimmung und die Stimme sind aber unüberhörbar im Libanon geerdet. Zehn der elf Stücke sind von Hamdan geschrieben und produziert; das Titelstück des Albums, Al Jamilat, ist ihre Vertonung einer Hymne über die Schönheit der Frau des 2008 verstorbenen palästinensischen Dichters Mahmud Darwisch. Überhaupt ist es eine Platte, die mit überwiegend ruhigen Liedern die freie, emanzipierte Frau feiert, die sich nicht in die Rolle der Dienerin zwingen lässt. Al Jamilat, mit intimen Songs einer bemerkenswerten Sängerin und stimmungsvoller, teilweise sphärischer Begleitung, ist ein sehr schönes Stück moderner, aufgeklärter arabischer Musik.

Yasmine Hamdan – Al Jamilat (Crammed Discs)

Weltoffenes Polen

Zu den wichtigsten Gruppen, die in Polen die traditionellen Wurzeln erforschten, gehört die 1997 gegründete Warsaw Village Band, die diese Musik mit alten Instrumenten neu belebte. Im Laufe der Zeit hat sie sich auch neuen Stilen geöffnet. Für die Aufnahmen des aktuellen Doppelalbums Sun Celebration hat das Septett Musiker aus Indien und Pakistan eingeladen, sowie einen DJ, den iranischen Kamantsche-Virtuosen Kayhan Kalhor und die aus dem nordspanischen Galizien stammende, unkonventionelle Mercedes Peón. Sun Celebration ist eine Ode an die Kraft der Sonne. Crossover-Aufnahmen sind riskant, aber diese Platte ist wirklich gelungen, was vor allem daran liegt, dass hier erfahrene KünstlerInnen am Werke sind, die den Kernelementen der in der polnischen Tradition wurzelnden Kompositionen nachspüren und sie bruchlos in ihre Richtung fortentwickeln. Eine spannende Reise!

Warsaw Village Band – Sun Celebration (Jaro Medien)

 

 

 

April – Top 20

1.     Bargou 08 – Targ (Glitterbeat Record) Tunesien
2.     Omar Sosa & Seckou Keita – Transparent Water (Otá Records / World
Village) Kuba/Senegal
3.     Orchestra Baobab – Tribute to Ndiouga Dieng (World Circuit) Senegal
4.     Tinariwen – Elwan (Wedge) Mali
5.     Tamikrest – Kidal (Glitterbeat Records) Mali
6. Mara Aranda – Sefarad en el Corazón de Marruecos (Mara Aranda) Spanien
7. Amine & Hamza, The Band Beyond Borders – Fertile Paradoxes (ARC Music) Tunesien
8. L’Orchestre Afrisa International – Melanie (Colomotion Records) DR Kongo
9. Aurelio – Darandi (Real World Records) Honduras
10. Les Amazones d´Afrique – République Amazone (Real World Records) Westafrika/Irland
11. Cemîl Qoçgîrî – Zalâl (Ahenk Müzik) Kurdistan/Deutschland
12. Black Flower – Artifacts (Sdban Ultra) Belgien/Fusion
13. Mokoomba – Luyando (Outhere Records) Zimbabwe
14. The Nile Project – Jinja (Zambaleta) Burundi/Uganda/ Sudan/ Ethiopien/Ägypten etc.
15. Daymé Arocena – Cubafonía (Brownswood Recordings) Kuba
16. Yasmine Hamdan – Al Jamilat (Crammed Discs) Libanon
17. Kefaya – Radio International (Radio International Recordings) UK/Fusion
18. Girma Bèyènè & Akalé Wubé – Éthiopiques 30: Mistakes on Purpose (Buda Musique) Äthiopien/F
19. Baba Zula – XX (Glitterbeat Records) Türkei
20. Ethio Stars | Tukul Band feat. Mulatu Astatke – Addis 1988 (Piranha Records) Äthiopien

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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