Willis Tipps: Juni 2017

Der musikalische Schatz der Sephardim

Die spanische Sängerin Mara Aranda beschäftigt sich mit der Musik der Kulturen des Mittelmeerraums und hat u.a. schon im Al Andaluz Project mitgewirkt. Auf ihrem aktuellen Soloalbum Sefarad en el corazón de Marruecos singt sie zum wiederholten Male Lieder der Sephardim, der spanischen Juden, die im Zuge der Reconquista vor über 500 Jahren von der iberischen Halbinsel nach Marokko und ins Osmanische Reich vertrieben wurden. Aus Marokko stammen die elf wunderbaren sephardischen Romanceros des Albums; Balladen, die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden. Musik ist immer auch geprägt vom gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie entsteht, und so schwingen hier Elemente traditioneller spanischer, arabischer und christlicher Gesänge mit und machen diese Form jüdischer Musik zu einem ganz besonderen Schatz der Weltmusik. Eine exzellente Sängerin, exzellente Begleitung, ein exzellentes Album!

Mara Aranda – Sefarad en el corazón de Marruecos (Mara Aranda)

Als der Rembetiko nach Amerika kam

Rembetiko ist die rebellische Musik, die in Kleinasien entstand und in den Slums von Piräus und Thessaloniki aufblühte. Schon vor den Vertreibungen nach dem griechisch-türkischen Krieg vor rund 100 Jahren suchten verarmte Griechen ein besseres Leben in den USA und nahmen den Rembetiko mit. Der griechische Gitarrist und Sänger Dimitris Mystakidis spürte dem nach und hat nun auf seinem Album Amerika Lieder der Auswanderer zusammengetragen. Griechische Musik geht durchaus ohne die üblichen Bouzoukiklänge, ganz speziell ist aber, dass die Emigranten den Gitarrenstil der afroamerikanischen Bluessänger übernommen haben. Mystakidis macht das hier ebenso und spielt seine Gitarre in offener Stimmung und mit Fingerpicking. Die CD mit Aufnahmen dieser besonderen Facette griechischer Musik fesselt durch die feine Gitarrenarbeit und die ganz intime Atmosphäre.

Dimitris Mystakidis – Amerika (Fishbowl)

 Folk-Revival „Made in China“

Selbst eingefleischten Weltmusikfans ist chinesische Musik meistens nur als banales Hintergrundgedudel im asiatischen Restaurant bekannt. Hochinteressant ist aber die gerade erschienene Kompilation Lost in China mit 13 Stücken junger Gruppen, die sich alle auf die musikalischen Traditionen des riesigen Landes beziehen. Offensichtlich sind es vor allem traditionelle Instrumente, die eingesetzt werden, und doch wirkt das ganze Album frisch und knackig. In moderner lateinamerikanischer und afrikanischer Musik klingt wegen des Einflusses des Kolonialismus meist Europa mit durch, was sie uns vertrauter macht. China blieb davon unberührt, und gerade diese Verschiedenheit ist das Aufregende an dieser Musik, die aber keineswegs sperrig ist. Dieses chinesische Folk-Revival ist auf jeden Fall eine Entdeckung wert!

V.A. – Lost in China – Off the beaten track from Beijing to Xinjiang (Riverboat Records/World Music Network)

 

 

 

 

 

Transglobal World Music Chart Mai – Top 20

1. Oumou Sangaré – Mogoya (Nø Førmat!) Mali
2. Orchestra Baobab – Tribute to Ndiouga Dieng (World Circuit) Senegal
3. Daymé Arocena – Cubafonía (Brownswood Recordings) Kuba
4. Yasmine Hamdan – Al Jamilat (Crammed Discs) Libanon
5. Mokoomba – Luyando (Outhere Records) Zimbabwe
6. Danyèl Waro – Monmon (Cobalt / Buda Musique) La Réunion
7. Mara Aranda – Sefarad en el Corazón de Marruecos (Mara Aranda) Spanien
8. Omar Sosa & Seckou Keita – Transparent Water (Otá Records / World Village) Kuba/Senegal
9. Vieux Farka Touré – Samba (Six Degrees Records) Mali
10. Les Amazones d’Afrique – République Amazone (Real World Records) Westafrika
11. Elida Almeida – Djunta Kudjer (Lusafrica) Kapverden
12. Tamikrest – Kidal (Glitterbeat Records) Mali
13. Carmen Souza – Creology (Galileo Music) Kapverden
14. Bargou 08 – Targ (Glitterbeat Records) Tunesien
15. Serendou – Zinder (Hirustica) Niger/Bretagne
16. Griselda Sanderson & Ricardo de Noronha – Veer (Waulk Records) GB/Portugal
17. Ifriqiyya Electrique – Rûwâhîne (Glitterbeat Records) Tunesien/Fusion
18. Alice Coltrane – The Ecstatic Music of Alice Coltrane Turiyasangitananda (Luaka Bop) USA
19. Ulaş Özdemir – Traces of Âşik (Buda Musique) Türkei
20. King Ayisoba – 1000 Can Die (Glitterbeat Records) Ghana

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


Kriteschen an onofhängege Journalismus kascht Geld - och online. Ënnerstëtzt eis! Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld - auch online. Unterstützt uns! Le journalisme critique et indépendant coûte de l’argent - en ligne également. Soutenez-nous !
Tagged . Bookmark the permalink.

Comments are closed.